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auf in die Karibik

Montag, 03.09.2012

Unser letzter Tag in Argentinien, heut müssen wir raus. Nach so langer Zeit fällt es fast ein bisschen schwer - kann man nicht noch einmal verlängern? Zu nett die Leute hier, zu gut Fleisch und Wein ... Morgens werden wir fast von Christin und Walter geweckt, die plötzlich im Cockpit stehen, mit frischem Lesestoff für unterwegs und die versuchen, uns noch zum Bleiben zu überreden. Wirklich lieb die zwei, sie sind kurz davor, uns zu adoptieren :) Dieses Mal müssen wir uns aber wirklich verabschieden, ein letztes Mal drücken. VIELEN DANK FÜR ALLES! - Der Senor Golzmann vom Zoll in Tigre ist zickig und lässt das auch richtig raushängen. Wir müssten wenigstens einen Tag ausreisen, dann dürfen wir wieder rein - was für ein Blödsinn! Wir lächeln ihn trotzdem freundlich an, es bringt ja eh nichts, dort Stress zu machen. Dank der geborgten "Meerbär"-Fahrräder sind wir gegen 14.30 Uhr von der Behördenrunde zurück an Bord und schnappen unsere Hackenporsches zwecks Obst- und Gemüsebeschaffung. Blödes Timing! Irgendwie sind wir mal wieder voll in die Siesta-Zeit geraten, der von uns auserkorene Gemüsedealer liegt vermutlich gerade schnarchend auf seiner Couch. Also ab in den Carrefour und dort das letzte Geld verjubelt: Bananen, Apfelsinen, Kartoffeln, Käse und Dulce de Membrillo, Dulce de Leche, Mate, ... was man so braucht. Im Affenzahn zurück. Beim Blick auf die Uhr wird der Plan, ein letztes Mal duschen zu gehen, verworfen. Schnell unsere Backbordnachbarn, die "Out of Rosenheim"er drücken, die Steuerbord-"Meerbären" auch, Motor an, Leinen los, winken und raus auf den Rio. Klasse, es fängt an zu regnen. Unser Stralsund-Wimpel und die Gastlandsflagge haben sich komplett um die Flaggleinen gewickelt, die mögen anscheinend auch noch nicht los. 5 Minuten später kreischt der Temperaturalarm des Motors. Ich hechte an´s Steuer, René in den Motorraum. Kurz darauf herrscht wieder Ruhe, alles i.O. Wir fahren ein Ende flussabwärts und ankern dann vor Olivos, "direkt"vor der Presidenten-Residenz. 19 Uhr, endlich Feierabend! Essen, Film, in den Schlaf schaukeln - buenas noches!Das kriegst du doch wieder da rein

Dienstag, 04.09.2012

Was hat Marion gestern geschrieben?  “ ... gemütlich in den Schlaf schaukeln ... “ geht anders. Es kracht und stampft - der Liegeplatz so direkt im Rio de la Plata war wohl nicht die beste Idee. Egal, werden uns schon “einschaukeln” beim Warten auf den passenden Wind und ausserdem haben wir ja auch noch jede Menge zu tun. Beim Hals-über-Kopf-Aufbruch gestern Abend ist irgendwie alles stehen- und liegengeblieben, also erstmal der ganzen Krempel seefest verstauen. Altbewährtes System - ich draussen, Marion drinnen. Und wie sie da unten so allmählich in die Verstau-Ekstase verfällt, werden gleichmal alle Bilgen leer geräumt und eine hübsche Excel-Tabelle über ihre gehorteten Dosenvorräte angelegt. Marmelade aus Tunesien, Weinblätter aus Griechenland, türkische Datteln, ... Beim Blick auf die Haltbarkeitsdaten überlege ich, ob manche Dose nicht besser in ein Museum gehört. Und dann kommt`s: “Das räumst du doch alles wieder rein? Du kannst das immer sooooo gut!” werde ich umschleimt. Somit ist Mann auch beschäftigt und weil er das “so gut” gemacht hat, darf er auch den ganzen Abend am Navi-Rechner basteln (ohne spitze Bemerkungen überhören zu müssen).

Mittwoch, 05.09.2012

Die "Mira" hüpft und schaukelt in den Wellen, scheint ihr Spass zu machen, endlich wieder auf See! Da im Wetterbericht noch nichts von einem Winddreher in Sicht ist wollen wir heut auf die andere, uruguayische Seite des "Silberflusses", da liegen wir hoffentlich etwas geschützter. Fix ist alles verstaut und abfahrbereit, aber der Käpt´n hat Zeit, er will erst am Nachmittag los, angeblich dreht der Wind dann mehr auf Nord. Bueno! 15.30 Uhr ist es ihm dann endlich genehm, wir gehen ankerauf. Der Wind hat aber scheinbar eine andere Vorhersage gelesen als mein Käpt`n. Ganz hart am Wind, wir "knüppeln" die 32 sm rüber, Krängungsmesser stur am Anschlag (35, 40°), das Wasser spült zeitweise die Salonscheiben hoch, ... och, das geht ja gut los. Mann, Frau im Eck verkeilt, schlängeln wir uns durch die Untiefentonnen und Wracks. Natürlich war auch des Käptn`s Zeitplan genauso optimistisch bemessen, wie seine Windprognose - es ist fast 23 Uhr, als der Anker hinter einer kleinen Insel fällt. Dafür liegen wir hier wunderbar ruhig. Käpt`n bastelt an seiner Positionsmeldung und `ner Abschiedsmail für Walter und Christinchen,  ich bastle uns was leckres zu Essen

Freitag, 07.09.2012Auf nach Norden

Der eigentliche Plan war ja, in Colonia noch mal heimlich an Land zu gehen und die uruguayischen Peso, die Marion noch in einer meiner Hosen entdeckt hat, in einem Restaurant durch Verzehr riesiger Steaks und Vino tinto, zu verprassen. Der Dauerregen nebst Gewitter hat uns dann aber einen Strich durch die Rechnung gemacht, da geht Mann nicht mal für `ne gegrillte Kuh vor die Tür! Dafür sehen die Windvorhersagen für die nächsten Tage ganz nett aus, also geht´s los! Wird irgendwie auch Zeit, hier ist es nur noch kalt - wir wollen endlich WARM!!!  Mittags leiern wir den Anker hoch, drehen den Bug nach Ost und rollen die Genua aus. Zumindest versuchen wir´s, es geht aber nicht. Fängt ja schon mal gut an, schon auf der ersten Meile die erste "Baustelle" - COOL, wir haben ja nur 4000 sm vor uns! Da ist es natürlich sehr hilfreich, dass zum Abend der Wind langsam einschläft (na toll!) und wir mal ganz gemütlich durch die stockdunkle Nacht dümpeln.

Sonnabend, 08.09.2012

6 Uhr. Mit dem Wind ist´s immer noch nicht so doll, aber die Segel stehen gut, wir kommen ganz gut voran. AIS macht Daueralarm, vor Montevideo sind diverse Frachter unterwegs oder liegen vor Anker - typisch, dass das in meiner Wache passiert und der Käpt`n in der Koje schnarcht (nach der Nachtwache wohlverdient!!). Dafür reisst der Himmel langsam auf, endlich mal wieder blau!! und das Wasser verliert langsam die schlammig braune Farbe. Passend dazu gibt´s auch wieder Wind, mit Rauschefahrt segeln wir Punta del Este und damit dem "Ausgang" des Rio de la Plata entgegen. Abends passieren wir die Ilha de Lobos, Kurs etwas mehr nördlich - wir sind wieder im Atlantik!

Sonntag, 09.09.2012

Kommen prima voran. Rundherum nur noch knallblaues Wasser, Albatrosse, Petrels und ...PINGUINE! Müssen glatt mal gucken, ob wir in die richtige Richtung segeln ... nö, stimmt alles.

Montag, 10.09.2012

Ungemütliche Welle heute und der Wind nimmt weiter zu. Aber immerhin passt die Richtung und das soll auch die nächsten drei Tage so bleiben. Supi, brauchen wir also nicht in Rio Grande (erster brasilianischer Hafen) zu stoppen, sondern können bis Florianapolis durchsegeln. Heimlich schiele ich schon auf das nächste Etappenziel - Cabo Frio! Vorteil des heutigen Wetters: wir brauchen nicht auf die Fischer aufpassen, die bleiben im Hafen. Nachteil: das Kochen wird unmöglich. Weil Käpt`n aber ja nun mal trotzdem Hunger hat - dreht er kurzentschlossen bei, was der Bordfrau ermöglicht, bei halbwegs ruhigen Schiffsbewegungen ein opulentes Mahl zu köcheln :-) "Beidrehen" ist natürlich wieder so`n Begriff, mit dem kein normaler Mensch (also Nichtsegler) was anfangen kann - dabei wird das Boot durch den Wind auf die andere Seite (den anderen Bug) gedreht und dabei "vergessen", die Leine (Schot) des Vorsegels loszulassen. Das steht dann also verkehrt, das Grosssegel (drei S, schreibt man das so?) steht richtig und irgendwie weiss das arme Boot jetzt nicht so wirklich, wohin. Es liegt sozusagen quer vorm Wind, und das Ganze recht ruhig. Einziger Nachteil: es treibt dabei in die falsche Richtung. Und im Augenblick mit mehr als 3 kn, was mich des öfteren dazu verleitet, mein "Küchenwunder" mit "... brauchst du noch lange?..." und ähnlich hilfreichen Bemerkungen zu nerven. So richtig verliebt schaut sie mich dann nicht an und da ich auch nicIrgendwas stimmt hier nicht - Unterwegsbasteleiht weiss, ob sie mich nun rausschmeisst, oder erst die Pfanne nach mir wirft, übe ich mich doch lieber in Geduld und schweige ...

Dienstag, 11.09.2012

Der Wind wird ab Mittag dödelig, die Welle ist nicht mehr ganz so fies. Zum Abend kräftiger Regenschauer, danach man kann endlich wieder was durch die Scheiben sehen ;)

Mittwoch, 12.09.2012

Buckelwal an Steuerbord, Käpt`n schnarcht unter Deck - nie ist er da, wenn´s was zu sehen gibt! Mittlerweile haben wir über 600 sm "auf dem Tacho", Florianapolis fast querab und hoffen jetzt, auch noch die 500 sm bis Cabo Frio zu schaffen. Die abendliche Windvorhersage droht uns allerdings in drei Tagen mit strammem Nordwind. Wir beschliessen, trotzdem weiter Kurs auf`s Cabo zu halten, vielleicht ändert sich die Prognose ja morgen wieder oder es bläst nur einen Tag aus Nord, dann segeln wir halt mal zwanzig Stunden in Richtung Südafrika.

Donnerstag, 13.09.2012

Feinstes Segeln bei strahlendem Sonnenschein. Marion frönt ihrer aktuellen Lieblingsbeschäftigung: Vögel gucken! Vogel kommt von irgendwoher angeflogen, setzt sich vor`s Boot auf´s Wasser, schaukelt in den Wellen und glotzt, wie wir an ihm vorbeisegeln. Dann fliegt er auf, setzt sich erneut vor`s Boot, wir segeln wieder an ihm vorbei und er glotzt. Wieder auffliegen, vor uns setzen ... das treibt der dann ewig, bis ihn irgendein anderer Vogel ablöst. Marion wiederum sitzt im Cockpit (yeah!!! endlich im T-Shirt), starrt ganz begeistert auf den Vogel, an dem wir vorbeisegeln, wie er wieder nach vorne fliegt, wir wieder vorbeisegeln, ... kann sie ewig zugucken. O.k., allzu abwechslungsreich ist das Kinoprogramm ansonsten ja auch nicht, immer nur Wasser und Wellen, da sind glotzende Vögel schon eine Abwechslung. Und der sieAlles klar zur Nachtht das vermutlich genauso, oder er denkt, "was glotzt die Al.., äh, attraktive junge Frau, mich so blöd an", oder er stoppt die Zeit, die wir brauchen, um an ihm vorbeizusegeln, ... Abends dann die, mit Spannung erwarteten, neuen Gribfiles (jo, wir bekommen natürlich keinen Wetterbericht, vonwegen "... und nun die weiteren Aussichten zum Wochenende ...", sondern niedliche kleine Pfeile, an denen wir Windrichtung und Stärke ablesen können). Ab Übermorgen 25 kn aus Nordost und das Ganze mindestens drei Tage lang. Na toll, da bleiben wir dann auf halber Strecke zum "Cabo" hängen. Kurzes Kartenstudium - nächste Möglichkeit, sich zu verkrümeln, ist in der Gegend von Florianapolis, da sind wir ja gestern gerade erst vorbeigesegelt - was soll`s, Kurswechsel und wieder zurück.

Freitag, 14.09.2012

Marion hegt Mordgelüste und spielt gedanklich verschiedene Varianten durch, mich "kalt zu machen"! Eigentlich segeln wir ja so allerfeinst auf dem Backbordbug dahin, die Wellen plätschern friedlich links und rechts vorbei, bis auf die 9468te, die muss sich unbedingt über´s Deck ergiessen. Jo, und irgendwie stand die Badluke noch auf. Ein riesiger Wasserschwall stürzt also ins Bad, genau auf die Schränke und weil´s so schön ist, auch gleich in alle Schränke rein. Marion war sofort klar, dass SIE die Luke nicht aufgelassen hat, also muss es jemand der sonst noch an Bord befindlichen Personen gewesen sein! Kleinlaut mach ich mich an die provisorische Trockenlegung ... Mittlerweile haben wir auch ein Ziel, eine Inselgruppe 20 sm nördlich von Florianapolis. Naturschutzgebiet, Fischereiverbot, aber in einer Bucht der grössten Insel ist Ankern erlaubt. Im Dunkeln nähern wir uns der Insel und sind ein wenig irritiert, wie viele Fischerbötchen hier so ihre Runden drehen. Nochmal einen Blick in die Karte, ganz eindeutig: Fischen verboten! Kurz darauf knirscht und schabt es ganz fürchterlich unter uns, dicht neben uns gehen plötzlich Lichter an, ein Scheinwerfer strahlt zu uns rüber - wir sind über die Schlepptrosse eines Fischerbootes gefahren. Echt nicht schlecht, so`ne Fischereiverbotszone! Wenig später erreichen wir dann trotzdem die auserkorene Bucht, finden zwischen diversen hier bereits ankernden Fischern noch ein Plätzchen und nach 856 sm fällt der Anker vor der Ilha do Arvoredo.  Klingt doch cool, nicht? Abendbrot, Nachtruhe!!! Werden dann nochmal von Gepolter geweckt. Kartoffelwerfender Fischer an Steuerbord! Sind wohl etwas dicht, also den Anker nochmal hoch, ein Stückchen weiter wieder runterwerfen und jetzt können wir endlich durchschlafen.Ilha do Arvoredo Mal wieder zusammen im Bett, wie Bordfrau freudestrahlend vermerkt!

Sonnabend, 15.09.2012

Wir lieben Brasilien - Sonnenschein, warm! Endlich mal nur im T-Shirt oder nicht einmal das. Während es um die Ecke ordentlich windet,  liegen wir in dieser wunderschönen, geschützten Bucht der Ilha und basteln vor uns hin. Käpt´n “vergnügt” sich, in der Sonne brutzelnd, wieder mal mit der Rollanlage, den Winchen, etc, während Bordfrau unter Deck beim Entsalzen der Badschränke nebst Inhalt gut vor den so schädlichen Sonnenstrahlen geschützt ist.

Sonntag, 16.09.2012

Die Ilha do Arvoredo ist eins der beliebtesten Tauchreviere Brasiliens und wird am Wochenende von vielen Ausflugs- und Tauchbooten besucht - wie unser Brasilien-Reiseführer zu berichten weiss. Recht hat er. Die Fischer haben sich in ihre Heimathäfen verdrückt und die Touris kommen. Anker klatscht vor dem felsigen Ufer ins Wasser, Tauchbojen raus und schon springen die Tauchtouris im Neoprenstrampler überall hinterher. Weitere Boote kommen, diesmal voller Angler, die ihre Haken in alle Richtungen werfen. Von "Meerbär"-Rainer bekommen wir per Mail den Tipp mit einer kleinen Ankerbucht nebst Dorf und Minimercado in der Nähe, wo wir auch gleich mal unsere Obst- und Gemüsevorräte aufpäppeln können. Aber "Manana". Für heute bleiben wir noch hier und machen Urlaub. Und da sich so absolut niemand an das Fischereiverbot hält, holen wir auch Schnur und Haken raus und baden in den nächsten Stunden Käsestücke, Salamiwürfel (natürlich die gute italienische) und was unserer Meinung nach noch so alles die Fische dazu verleiten könnte, auf die blöden Haken zu beissen ... Zum Sonnenuntergang kramt Marion dann eine Konserve aus der Bilge - sooo gut schmeckt frischer Fisch ja nun auch wieder nicht! Ich werfe noch mal `nen kurzen Kontrollblick nach draussen, ausser uns ist kein Boot mehr hier. Äh, irgendwie hat der Wind gedreht und bläst jetzt recht kräftig aus Süd genau in die Bucht hinein - nicht gut, wenn man dicht vor den Felsen ankert. Da gibt`s nicht viel zu überlegen, also die Pfanne wieder vom Herd, ankerauf, fahren wir eben heute noch die 17 sm rüber nach Porto Belo. Die Bucht ist dann gut gefüllt mit Fischerbooten, aber ziemlich am Ende finden wir noch ein gutes Plätzchen. Anker einfahrEmmy und Werner von der Afun Davuen, Pfanne wieder raus - sehr spätes Abendbrot heute.

Montag, 17.09.2012

Neben uns schaukelt eine Segelyacht mit deutscher Flagge am Heck. "Afun Davu". Klingt irgendwie polynesisch für uns. Als Werner und Emmy den Namen dann im schönsten Bayrisch aussprechen klingelt`s auch bei uns: "Auf und davon"! Wir bekommen natürlich nicht nur "Bayrisch-Unterricht", sondern auch gleich mal alle wichtigen und unwichtigen Informationen: wo mit dem Schlauchboot anlegen, wo gibt`s Wasser, wo einen Mercado, wo das beste Gemüse, welcher Bus in welche Richtung, ... Die Beiden sind auch auf dem Weg nach Norden, wollen als nächstes nach Paraty und warten auf ein passendes "Wetterfenster" - schon drei Monate lang, eilig haben sie es also nicht :) Wir heute auch nicht. Dorfspaziergang, Wandern, bisschen Obst kaufen und sonst nüscht weiter!

Dienstag, 18.09.2012

Zum Plündern des Dorf-Mercados zwecks Vitaminbeschaffung benötigen wir brasilianisches Geld, nächster Bankautomat in Porto Belo, bis dahin 6 km. Ein Bus fährt alle Stunde, wir wollen aber laufen. Die Strecke ist ganz nett, die Temperaturen auch ... nach dem Geldautomat gibt`s erstmal `n kühles Zisch!!! Dann noch ein bisschen durch`s Städtchen wandern, im Supermercado frische Vitamine einsacken und dann so blöd sein, wieder das Busgeld zu sparen und alles in der Hitze die 6 km zurückschleppen ... Da ham wir uns im Dörfchen doch glatt noch `n Zisch verdient :) Den gibt`s in Erik´s schwimmender Kneipe. Die ist zwar geschlossen, aber für durstige Segler gilt das nicht.Sonnenuntergang in der Porto Belo-Bucht

Mittwoch, 19.09.2012

Es regnet und regnet. Marion freut sich über das salzfreie Deck, ich, dass wir nicht wieder wandern (zuviel Bewegung soll ja schädlich sein) und ich am Navi-Computer basteln kann. Der kommuniziert jetzt per Bluetooth mit dem Pactormodem - ich bin fürchterlich stolz!!! Von der "Avun Davu" bekommen wir das Passwort für ein Wifi-Netz, das ändert den Tagesablauf schlagartig. Was Marion mit ihrem letzten Tagebucheintrag "... wissen gar nicht, ob wir überhaupt noch weiterschreiben sollen???..." losgetreten hat, darf ich jetzt ausbaden. Dutzende Mails und Gästebucheinträge - "Da antwortest du doch mal schnell drauf? Dann kann ich schon die Fotoseite aktualisieren." Und während Bordfrau voller Spass ihre Fotos betrachtet, hin und herdreht, betextet, ... teile ich jeder Menge Bekannter und Unbekannter mit, dass ich mich jetzt ganz fürchterlich bessern werde, immer fleissig ins Tagebuch reinschreibe, meine Schreibfaulheit zwar angeboren, aber nicht chronisch ist, ich manchmal wirklich keine Zeit hatte, .... eigentlich schön, dass sich so viele Leute "beschweren". Abends kommt "Avun Davu"-Werner, um sich mal kurz unseren Navi-Computer anzuschauen. Navi-Programme, Airmail, Seekarten, ... Beide Männer sind für den Rest des Abends beschäftigt ...

Donnerstag, 20.09.2012

Ab Mittag soll der Wind für zwei Tage auf Ost drehen. Das ist unser Startzeichen. Reicht natürlich nicht bis zum Cabo Frio, aber wir können uns ja auch in "kleinen Sprüngen" durch die riesige Bucht bis dahin hangeln. Schnell nochmal in`s Dorf rüber düsen, Kartoffeln, Obst, Schokolade, Eier, Brot und den 51er (Cachasa) bunkern, die Wasserkanister füllen, alles an Bord wuchten und anschliessend noch zu unseren Nachbarn, Emmy und Werner, zum Verabschieden. Wäre ja auch für sie ein passender Wind, aber sie sind noch nicht ganz abfahrbereit. Man hat ja Zeit :) Winke, winke, Anker hoch leiern, zwischen den ankernden Fischerbooten durchschlängeln, Segel ausrollen und jetzt versuchen, soviel Nord wie möglich zu machen. Mal sehen, wie weit wir kommen!

Sonnabend, 22.09.2012

Gleich in der ersten Nacht hatte es sich unser "Wetterfenster" anders überlegt, die Sache mit dem Wind völlig eingestellt und uns ein paar Motorstunden mehr beschert. Was in der Nacht fehlte, wurde dann gestern mit draufgelegt: 25 kn aus Südwest. Wir machen gut Meilen und in der Summe stimmte die Vorhersage wieder. Ansonsten grau in grau, nette Wellen, Regen. Jeder "klemmt" mit `nem Buch in der Hand in seiner Ecke, Lesewetter halt. Seit heute Mittag endlich wieder Sonne, aber ganz hübsche Dünung. Der Wind nimmt dafür ab. Fock rein, Genua raus, die hängt wenig später auch lustlos rum, wir holen den "Parasailor" aus dem Keller und zotteln ihn hoch. Ist irgendwie auch nicht das Wahre, alles wieder retour, Stinkediesel an - na wenigstens haben wir jetzt genug Strom.

Sonntag, 23.09.2012

Der olle Stinker hat dann Im Saco Grande, ein Paradies nur für uns alleinauch die ganze Nacht durchgedröhnt. Naja fast. Zwischendurch hat er sich leicht hustend verabschiedet. Was jetzt? Ich in den pottenheissen Motorraum, Dieselleitung ab, per Hand gepumpt - Diesel läuft, wieder anschrauben, vorpumpen, starten - etwas schwerfällig kommt er wieder in Gang. Besser is das!! Eine Stunde später dasselbe Spiel. Ich schalte auf den zweiten Filter um, starte den Motor und schraube Filter Nummer eins ab. Schleimiger Glibber, das sieht irgendwie gar nicht gut aus! Bin mit Säubern und Anschrauben des Filters gerade fertig - claro, der Motor geht wieder aus. Zurück auf Filter Nummer eins schalten, vorpumpen, starten und mit etwas reduziertem Gas läuft er jetzt brav durch. Immer noch kein Wind, dafür Regen. Wir sind auf der Höhe von Paraty und drehen ab, Richtung Land. Unterwegs Schildis, Pinguine und Tölpel, Marion ist begeistert, sogar der Regen lässt nach. Paraty ist ein wunderschönes altes Städtchen, bestimmt liegen auch `ne Menge anderer Yachten dort vor Anker - da fahren wir also lieber nicht hin, sonst bleiben wir wieder ewig hängen. Kurz vorher fädeln wir uns in den  Saco Grande, eine fjordähnliche lange Bucht, finden ein wunderschönes Ankerplätzchen ganz für uns alleine, Natur pur, die Sonne knallt nur so. Ich komme in Koch- und Brutzelextase und verwöhne meine Bordfee mit einem kulinarischen Meisterwerk: argentinisches Bife de Lomo an Blumenkohl, mit frischen brasilianischen Kartöffelchen geschwenkt in Knoblauchöl unbekannter Herkunft. Dazu gereifter Traubensaft aus Flasche - Malbec, lecker! Haben wir uns ja auch verdient, weitere 364 sm geschafft!

 

Montag, 24.09.2012

Was war ich doch heute für ein Fleisspelz!!! So`n paar Baustellen haben sich ja unterwegs angesammelt, die wichtigste ist die Rollanlage der Genua. Das Ding hatte uns ja von Anfang an nur geärgert. Eigentlich dachte ich, mittlerweile alle Schwachstellen durchrepariert und das Teil langfahrttauglich gemacht zu haben, hab dabei allerdings nicht mit der Findigkeit französischer Betriebswirte gerechnet, die an der Trommelkonstruktion weiteres Einsparpotenzial ausgemacht hatten. Putzige kleine Schräubchen dienen auch hier der Kraftübertragung zwischen verschiedenen Aluprofilen, die sich halt irgendwann aus ihren zwei (!!) Gewindegängen lösen und nur durch die, das alles abdeckende Refftrommel am Rausfallen gehindert werden. Dafür verklemmen sie sich immer wieder, zum Glück nur beim Ausrollen des Segels. Ein schönes Bastelprojekt also, mit Bohrmaschine, Dremel, Gewindeschneider, etc. auf dem sonnigen, schwankenden Vordeck liegend, die Ankerkette drückt im Kreuz, oder halb um den Bugkorb gewickelt - bin richtig stolz, dabei nur einen Inbusschlüssel zu versenken. Nächstes Projekt: die Dieselfilter abschrauben, um sie im Cockpit zu reinigen.. Beide Filter sind voll mit Glibberzeug - das sieht doch ganz nach Dieselpilz im Tank aus. Supi, man soll ja nichts auslassen. Im Augenblick können wir daran eh nichts ändern, also kommen die gereinigten Filter wieder ran. Unsere Windmessanlage hat auch irgend ein chronisches Dauerleiden - ist doch ein schöner Zeitpunkt, sich diesem zum x-ten Mal zu widmen. Erstmal den Mast hochklettern und den Geber untersuchen. Dort alles chic, also verbringe ich den Rest des Tages damit, Deckenplatten abzubauen, Kabel durchzumessen ... und finde dabei doch endlich mal ein durchgescheuertes Kabel am Mastfuss. Das dann abschneiden, abisolieren, neu verlöten, isolieren, stolz den Windmesser einschalten und ... er zuckt kurz und zeigt nix an!!! Feierabend! An dieser Stelle soll Marion dann auch noch kurz für ein selbstkritische Einschätzung zu Wort kommen: Während Käpt´n fleissig werkelt räkelt sich Bordfrau faul im Cockpitschatten. Tja, dem möchte ich nichts hinzufügen :-)

Dienstag, 25.09.2012

Seit drei Jahren ärgern wir uns über die Feigheit unseres Windmessers (immer wenn`s spannend wird, zeigt er nichts mehr an), jetzt will ich`s wissen. Also schneid ich meine gestrige Lötstelle wieder auseinander, noch mal alles kontrollieren, neu löten, selbes Ergebnis. Danach in den Mast, Windgeber abbauen und im Cockpit auseinandernehmen. Nix zu finden, das Ding oben wieder anschrauben, nochmals Kabel durchmessen. Eigentlich alles supi, funktioniert trotzdem nicht. Zum dritten Mal in den Mast, vorbeifahrenden Fischern von oben zuwinken, Windgeber wieder abbauen, im Cockpit auseinandernehmen und diesmal direkt an das Anzeigegerät anschliessen, das Schaufelrädchen anpusten, 2 Knoten! Am Fähnchen wackeln - die Richtung ändert sich auch! Das probieren wir jetzt jeweils um eine Kabelschnittstelle verlängert - jedesmal wird brav Richtung und Stärke angezeigt. O.k., noch mal in den Mast, Geber wieder anschrauben und unten wackelt der Zeiger, als ob er nie was anderes getan hätte. Ich glaub der vera... uns. Bevor meine Crew sich an dieser Stelle wieder in Selbstkritik übt - sie war fleissig! Boot putzen, Brot backen, dem Käpt`n immer zurufen ob der Zeiger gerade wackelt, Abendbrot brutzeln, abwaschen, ... Hätte also ein rundum schöner Feierabend sein können, wenn mein Blick nicht bei Geniessen des Sonnenuntergangs auf unser Schlauchboot fallen würde, das schon wieder LUFTLOS auf dem Vordeck rumhängt!... jetzt bloss nicht ansprechen ...

Mittwoch, 26.09.2012

Keine Ahnung, wie oft ich unser Schlauchboot "Made in China" schon geklebt habe. Wenn eine Stelle dicht war konnte man drauf lauern, dass die Luft am nächsten Tag genau daneben rauspfiff. Walter wollte uns sogar sein Schlauchboot mitgeben, aber kurz vor der Abfahrt hatte ich dann endlich mal alle Stellen dicht. Den chinesischen Entwicklungsingeneuren ist offensichtlich die Herstellung eines Klebers gelungen, der sich nach einem Jahr im Salzwasser auflöst. Generell sind solch epochale Entdeckungen natürlich zu begrüssen, nur halte ich in diesem Fall dessen Verwendung zum Verkleben von Schlauchbooten für nicht ganz optimal. Andererseits, die Garantie ist dann abgelaufen, der Kunde braucht ein neues Boot, ... echt clever, die chinesischen Betriebswirte! Unser Bötchen muss aber noch bis zur Karibik durchhalten - also mit Spülmittel einpinseln, das aktuelle Leck suchen, säubern, mehrfach Kontaktkleber drauf, zusammenpressen und jetzt 24 Stunden warten. Damit ich dabei nicht nutzlos rumsitze, hat Marion mir ein Buch in die Hand gedrückt (bestimmt, damit sie Ruhe hat, wenn sie am Computer an ihren Fotoseiten bastelt). "Irre! Wir behandeln die Falschen", das Handbuch für den Hobbypsychologen. Einige Stunden später stelle ich bereits erste Diagnosen. Ganz klar, Marions "Reinigungsfimmel" z.B. ist eindeutig ein Putzwahn und viele andere "Merkwürdigkeiten" an ihr kann ich jetzt auch viel besser verstehen ...

Donnerstag, 27.09.2012

Ab Morgen früh verkünden die Wetterfrösche für drei Tage Südost am "Cabo Frio"! Das dürfen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen - 150 sm bis dahin, also rasselt beim ersten Sonnenstrahl der Anker nach oben. Wir schlängeln uns aus unserem Fjord, an zwei, drei Inselchen vorbei und kaum auf dem offenen Meer, werden wir von einer netten "alten” Welle ordentlich durchgeschüttelt. Das erleichtert uns dann auch die Entscheidung, ob see-, oder landseitig an der Ilha Grande vorbei, drei Stunden später fahren wir wie "auf dem Ententeich" im Schutz der grossen Insel. Kommt fast ein bisschen Wehmut auf, als wir an den vielen schönen Ankerplätzen so vorbei rasen, aber dann rauscht die Angel aus - der erste Fisch! Gut, für`n Angeberfoto ist der jetzt nicht geeignet, aber für einen Fischsalat allemal! Leider reicht die "Ilha Grande" nicht bis zum Cabo hinauf, am frühen Nachmittag haben wir die Welle wieder, aber dafür auch etwas Wind. Genua raus, der Wind dreht, Genua ausbaumen, Wind dreht wieder, Spinnakerbaum wieder rein, Wind nimmt zu, Genua reffen, Wind nimmt weiter zu, Genua rein, Fock raus, Wind lässt nach, Fock rein, Genua raus ... (falls die Besatzungen der dort auf Rede ankernden Containerschiffe uns beobachten, entscheidet sich von denen garantiert keiner mehr zum Kauf eines Segelbootes). Irgendwann hat der Wind aber Mitleid mit uns, bläst beständig aus Südost und pünktlich zum Sonnenuntergang rauschen wir an Rio de Janeiro vorbei. Copa- cabana, Zuckerhut, durchs Fernglas sehen wir sogar den "Breitarmigen" auf seinem Hügel im Abendrot - man ist das kitschig, aber SCHÖN! Beim Sonnenaufgang runden wir das Cabo Frio Yep! - supi, 150sm in 24 Stunden - und weil der Wind uns weiter lieb hat, brauchen wir uns kein Versteck hinter dem Kap zu suchen, drehen ein bisschen am Steuer (naja, ehrlich gesagt am Knöpfchen des Autopiloten) und segeln endlich wieder nach NORDEN! Ich übergebe das Steuer an meinen ersten Offizier und hau mich erstmal in die Koje. Nacht!

Sonntag, 30.09.2012Gewonnen!

Ein herrliches Geräusch wenn die Angelleine knarzend ausrauscht! So schnell kriegt mich kein Wecker aus der Koje! Ein kurzer, aber fair geführter Kampf, Mann gegen Fisch - Fisch verliert! Eine wunderschöne Goldmakrele, 1,10m lang, 8kg schwer - diesmal gibt`s auch ein "Angeberfoto". Während ich das Untier zerlege, kramt Marion schon mal ihre Einweckgläser aus der Bilge, um sich dann, leise vor sich hinschimpfend, daran zu machen, in der Kombüse mit Schnellkochtopf, Gläsern und Fisch zu hantieren - irgendwas versucht ihr bei dem schwankenden Schiff immer zu entwischen. Da hab ich mein Cockpit natürlich schon längst wieder sauber und lass mir mit `nem Buch in der Hand die Sonne auf den Bauch scheinen. Tja, als Jäger hat MANN doch echt den besseren Job.

Montag, 01.10.2012

Mann soll`s ja nicht beschreien, aber scheinbar haben wir echt Glück mit unserem "Wetterfenster". Immer noch Südost! Gestern Abend hat er zwar ein bisschen geschwächelt, dafür hat uns dann aber eine Gruppe Wale besucht und die Batterien haben sich über ein paar Motorstunden gefreut. Anfangs hatten wir ja nur gehofft, uns vom Cabo die 200sm bis nach Vitoria durchzuschlagen, vielleicht sogar bis zu den Abrolhos Inseln, aber die liegen mittlerweile auch irgendwo backbord von uns und ich peile schon mal so ganz sachte Salvador an. Noch 300sm! Ach ja, die Angel kriegt sich gar nicht wieder ein vor lauter Geknarze. Gestern ein Bonito, der mir dann aber, als ich ihn stolz für`s Foto hochhalte doch noch vom Gaff springt und heute ein Thuna und eine Goldmakrele. Die Tiefkühlung rennt sich `n Wolf, Marion gehen die Gläser langsam aus und sie denkt laut über ein Angelverbot nach. Aber ohne mich!

Donnerstag, 04.10.2012

Wer will denn nach Salvador? Es bläst und bläst, immer noch Südost - ich peile schon mal neue Ziele an, wir rauschen nur so nach Norden. Die Einzigen, die so`n bisschen am jammern sind, sind die Batterien. Recht haben sie, der Autopilot langt ja auch ordentlich zu. Wozu haben wir uns eigentlich die fürchterlich teure Windpilot-Selbststeuerungsanlage gekauft? Sofort wird der Käpt`n aktiv. Windfahne rauskramen, anbauen, nach dem Wind ausrichten, Ruder in Mittelstellung, Selbststeueranlage einkuppeln, Autopilot aus und jetzt abwarten was passiert. Ok, wir verbrauchen keinen Strom mehr, aber irgendwie fahren wir auch nicht dahin, wo wir wollen. Ein bisschen nachtrimmen, Segelstellung verändern, mit dem Steuerrad etwas korrigieren, ... 2 Stunden probiere ich herum, dann habe ich von der "Rumeierei" die Backen dick! Wozu haben wir den teuren Generator gekauft? Also schmeisse ich das Ding an, schalte den Autopiloten wieder ein, die Batterien werden geladen, der Kurs stimmt, der Käpt`n kann sein Buch weiterlesen statt verzweifelt an der Windfahne zu drehen - kurzum: alle sind zufrieden! Keine Ahnung, wie diese ganzen Weltumsegler das machen, bei denen liest man immer: "...als ich aus Cuxhaven ausgelaufen bin habe ich das Boot auf Kurs gebracht, die Windsteueranlage eingekuppelt und bin bis Kap Horn durchgesegelt..." Na gut, zwei, drei Stürme hatten sie bis dahin natürlich noch, aber "...meine Windsteueranlage hat das Boot immer sicher durch die tosende See und 200m hohe Wellen gesteuert!!! ...". Keine Ahnung wie die das machen. Entweder bin ich einfach nur zu blöd, oder die verschweigen einfach, dass sie permanent an dem Ding nachjustiert, an der Windfahne gedreht, an den Segeln gezupft, ... was auch immer, haben. Will ich aber nicht! Ich will in Ruhe meine Bücher lesen, wenn wir segeln - sonst kommen wir ja nie dazu!

Sonnabend, 06.10.2012

Die Fische beissen wie blöde! Natürlich konnte Marion sich mit ihrem Angelverbot nicht durchsetzen ;) Gestern eine Goldmakrele (eine Zweite ist mir doch echt wieder ins Wasser gesprungen als ich sie vom Haken los hatte), heute ein Barracuda. Leider werden die Viecher auch immer grösser. Zwei Köder samt Vorfach haben die mir einfach so abgerissen und heute hatte ich ein Monster an der Angel, ich dachte, die Rolle fängt an zu qualmen, so ist die Leine ausgerauscht! Über eine Stunde haben wir probiert, wer der Stärkere ist - immer wenn ich Zentimeter für Zentimeter 5m aufgespult hatte, hat der ernst gemacht und wieder 20 abgespult. Keine Chance! Am Ende war ich fast froh als die Leine gerissen ist und der Kumpel mit dem Haken als Lippenpiercing verschwand. Dabei soll die Strippe 80kg halten! Ansonsten alles supi, zehnter Tag auf See, Crew wohlauf und vollzählig, Wind bläst vom Feinsten, Autopilot surrt munter vor sich hin, Batterien sind leicht am nörgeln und Bordfrau auch. Eine Welle hatte sich vorwitzig ins Cockpit ergossen und dabei auch gleich mal den Weg ins Bootsinnere, einschliesslich der Navi-Ecke gefunden. Irgendwer hatte bei seinem permanentem Hinaushechten zur Angel wohl das Schiebeschott aufgelassen ... Ach ja, seit ein paar Tagen können wir den "Seelotsen" Christobal, mit seiner Atlantikfunkrunde gut hören. Seitdem melden wir uns jeden Morgen brav über Funk, werden mit Wetterinfos sowie allerlei Wichtigem und Unwichtigem versorgt und er hat uns sogar eine Relaisschaltung gebastelt: "Maia"-Karl in Deutschland, zu Hause per Skype am Computer, labert mit uns in Südamerika am Funkgerät. Cool, was die Technik alles möglich macht!

Sonntag, 07.10.2012

Bisher war ja alles Spass, aber jetzt haben wir Wind vom Feinsten! Die Welle ist auch ganz nett, der Autopilot rennt sich `n Wolf. Zeit, den Batterien mal wieder was Gutes zu tun: generös drücke ich auf`s Starterknöpfchen vom Generator. Nichts! Nochmal - immer noch nichts. Zehn Minuten später die Diagnose: Anlasser kaputt! Also verkeile ich mich im Motorraum, baue das gute Stück aus und (jo jo, was wir so alles mitschleppen ;) einen neuen Anlasser ein. Zwischendurch rauscht auch noch die Angel aus (wieso hängt der blöde Haken jetzt eigentlich im Wasser?), Marion ringt mit einer Goldmakrele und verliert. Ich drücke erneut auf`s Knöpfchen und jetzt rasselt der Anlasser munter drauflos, nur der Generator zeigt sich unbeeindruckt. Also wieder in den Motorraum, vorpumpen, Leitungen abschrauben, Filter kontrollieren, entlüften - ist dem Generator gerade mal egal. Weiter rumschrauben bis ich die Hohlschraube einer Dieselleitung abdrehe - das war`s dann! So`n dicken Anlasser fahren wir ja als Ersatzteil spazieren, aber nicht so`n kleines Schräublein! Nachdem Bordfrau meine neusten Schrammen verarztet hat, bringt sie mich auf eine neue Idee: bisher steuern wir immer nach dem Kompasskurs - da die Wellen uns aber ständig hin und her schieben, ist der Autopilot ununterbrochen am Rödeln, um das auszugleichen. Warum also nicht nach dem Windwinkel steuern, der bläst schliesslich beständig und jetzt funktioniert unser Windmesser ja schliesslich. Ein bisschen an den Knöpfen vom Autopilot spielen und schon funzt es. Der Boot saust weiter auf seinem Kurs dahin und wir versichern uns gegenseitig, dass die Hydraulikpumpe jetzt viel weniger rasselt. - Christobal hat uns die neuste Wetterprognose rübergefunkt: der Wind soll weiter zunehmen!

Montag, 08.10.2012

Gestern Nacht haben wir Cabo Calcanhar, den nordöstlichsten Punkt Brasiliens passiert. Das ist die eine gute Nachricht. Die andere, Christobal hatte recht! Über 30kn Wind, dazu richtig fette Welle (zum Glück war es dunkel, da hat man das Elend nicht so gesehen). Dann piepst der Autopilot ganz aufgeregt irgendeinen Alarm und schaltet sich aus. Ich raus ans Steuerrad, hat `nZügig unterwegse Weile gedauert, bis ich gerafft habe, dass sich die Windmessanlage verabschiedet hat. Claro, wenn er keinen Windwinkel angesagt bekommt, weiss unser geplagtes Pilötchen natürlich nicht wohin es steuern soll. Also auf Kompasskurs umschalten und schon schnurrt er wieder. Ich glaube, unser Windmesser hat `ne Windphobie, 36 Knötchen war das Letzte, was er von sich gab! Der Wind denkt nicht daran nachzulassen, aber dafür scheint die Sonne - schon sehen die Wellenberge irgendwie netter aus. Plötzlich ein bisher unbekanntes, neues Geräusch - oh, die GEREFFTE Fock ist gerissen. Irgendwie kriegen wir das Ding eingerollt und lassen ein Fitzelchen vom Grosssegel raus. Die Stimmung meiner Crew befindet sich auf dem Tiefpunkt! Dachte ich. Also entscheidet der Käpt`n zwecks Segelreparatur den nächsten Hafen anzulaufen. Dürfte vermutlich Fortaleza sein. Ich schalte den Navirechner ein, der schreibt irgendwelchen Blödsinn auf den Bildschirm, das war`s. Erneuter Versuch, noch einer, nochmal, ... der Rechner bleibt dabei: kein Zugriff auf die Festplatte möglich. Dabei hatte ich Marion den Kauf der teuren SSD-Festplatte extra mit dem Hinweis, dasSieht schon netter auss das Ding keine mechanischen Teile hat und somit nie kaputt gehen kann, schmackhaft gemacht. Wir haben keine Ahnung, wo genau wir sind und heizen mit 9kn Fahrt bei nur noch 20m Wassertiefe durch die rabenschwarze Nacht. Blödes Gefühl! JETZT hat die Crew ihr absolutes Stimmungstief! - Eine gute Nachricht gibt´s trotzdem: mit 173sm  hatten wir unser bisher bestes Etmal!

Dienstag, 09.10.2012

Die halbe Nacht mit vom Navitisch rutschenden Festplatten, Rechnern, Laufwerken und Kabeln gerungen, dann ab 2 Uhr morgens endlich eine Position auf der Karte. Noch 70sm bis Fortaleza. Eine etwas zertretene Crew kommt morgens aus ihrer Koje geklettert und macht keinerlei Anstalten, mich abzulösen. Ok, bockig sein kann ich auch! Nach Fortaleza segeln kann man ja auch schweigend. Die Sonne lacht, der Wind hat sich auch wieder eingekriegt, nachmittags passieren wir den ersten grossen Wellenbrecher der Stadt. Ein paar grosse Pötte, Fischtrawler, es wird gebaggert, einige Wracks - irgendwie nicht der richtige Platz. 2sm weiter ein zweiter Wellenbrecher, dahinter eine Werft, einige Fischerbötchen und eine kleine Mole mit `ner Hotelmarina. Das sieht schon besser aus. Nach 1688sm rasselt unser Anker im Vorhafen runter, ein zufriedener Käpt`n drückt seiner glücklichen Crew ein eisgekühltes Willkommens-Bier in die Hand und die revanchiert sich mit einem gekonnten Augenaufschlag und `nem dicken Schmatz. "Bist der beste Capitano!"

Mittwoch, 10.10.2012

Ein dickes Männchen hatte gestern abend noch vom Ufer rübergewunken und gerufen, dass wir da nicht liegen können, weil wir irgendeinem Schiff im Weg sind. Wir sollen in die Marina. Nö, wollen wir nicht. Wir verlegen uns ein Stückchen weiter hinter die Mole, da sieht er uns nicht mehr. Hat nichts genüzt, heute schickt er ein Schlauchboot. Ja, ja, machen wir - später! Da wir nur das Segel nähen lassen und dafür nicht extra ein- und ausklarieren wollen, haben wir natürlich keine Lust auf irgendwelchen Marina-Papierkram. Der Typ kommt wieder, lässt nicht locker. Er muss uns ja nicht unbedingt eintragen. Zu teuer ist uns die Marina auch - plötzlich halbiert sich auch der Preis . Was soll`s, bequemer ist es natürlich am Ponton, die Batterien freuen sich auch über Landstrom, wir hätten Wasser, die Waschmaschine könnte rödeln und ausserdem haben wir ja auch Hochzeitstag. Also zotteln wir den Anker wieder hoch, fahren in die Hotel-Marina, wo an etwas baufälligen Schwimmstegen `ne Handvoll Boote liegen. Wir haben bei dem starken Seitenwind gut zu kämpfen bis das Schiff mit Buganker und Heckleinen festgemacht ist, vertagen die Sache mit dem Landstrom mangels Steckdosen am Liegeplatz auf morgen, gönnen uns eine Dusche in der Hotelpool-Anlage und werfen uns in restauranttaugliche Garderobe. Ich hab Marion in ein nettes Restaurant eingeladen - schliesslich hat sie heute Silberhochzeit. Jetzt müssen wir nur noch das nette Restaurant finden. Über eine Stunde fragen wir uns durch, werden hin und her geschickt und landen am Ende im fast leeren Hotelrestaurant der Marina und sind froh, dass die Küche noch nicht geschlossen hat. Ok, zur Goldenen Hochzeit muss ich das irgendwie besser vorbereiten.

Donnerstag, 11.10.2012

Unser dicker Hafenchef hat uns einen Schneider organisiert, der sich in der Lage fühlt, auf unsere kaputte Fock einen Flicken im ZickZack-Stich draufzupappen. 700 Reais (!)soll das kosten! Wir wollen doch kein neues Segel! Auf 500 (fast 200 Euro) lässt er sich runterhandeln, zähneknirschend drücken wir ihm das Segel in die Arme. Ich klemme unser Stromkabel mit an die, am Steg frei rumhängenden Kabelenden, wir lassen die Wassertanks voll laufen, werfen den ersten Schwung müffelnder Klamotten in die Waschmaschine (Bemerkung Bordfrau: nur meine Sachen müffeln, ihre sind höchstens leicht angeschmutzt), schwimmen ein paar Runden in dem riesigen Hotelpool und ziehen los in die Stadt. Nette Altstadt, an einer Strassenecke bleiben wir hängen - ein kleiner Imbissstand, es duftet lecker vom Grill, mit Fleischspiess in der einen und Bierflasche in der anderen Hand finden wir zwei freie Plastikhocker in dem Gewühl. Nebenan parkt ein Auto, der Besitzer öffnet die Kofferraumklappe  - dicke Boxen dahinter, Musik dröhnt los. Die Leute zucken im Takt, die ersten springen auf, um zu tanzen. Ein Bier später steht Marion und tanzt, ich wippe mit den Beinen. Ich hole noch ein Bier, alles tanzt, ich überlege, ob ich aufstehe. Dem Imbissbesitzer ist das Bier ausgegangen, er schickt jemanden los, Nachschub zu holen, alles schwoft wie verrückt, ich tanze so`n bisschen. Das mit dem Nachschub hat geklappt, die Leute singen lautstark mit, Marion strahlt, ich springe wie blöd in meinen Flip-Flops rum - echt geile Party! Wir sind uns einig: das gestern zählt nicht, heute ist unsere eigentliche Silberhochzeitsfeier!Fortaleza

Sonnabend, 13.10.2012

Wir sind wieder startklar. Unser Segel, das der örtliche Schneidergehilfe zusammengeflickt hat befindet sich wieder an Bord, wir haben neue Filter in unserer Kraftstoffanlage, dem Navi-Rechner eine neue Festplatte spendiert (auf dass er uns brav wieder zeigt wo wir sind), die Waschmaschine hat sich drei Tage lang einen Wolf gerödelt (da geht die Absaugpumpe neuerdings nicht mehr - habe das gute Stück natürlich auch noch zerlegen müssen), ... Also eigentlich sind wir fast abfahrbereit. Haben uns (auf Wunsch einer einzelnen Dame) entschlossen, noch einen Stop in Brasilien zu machen und ein Stückchen den Amazonas reinzufahren, nach Belém. Marion wünscht sich ja manchmal jemanden als Gesellschaft, wenn der Käpt`n ein Böckchen hat - vielleicht finden wir dort ja einen hübschen Papagei, oder ein niedliches Äffchen, oder einen putzigen Indianer, ... werden wir dir dann berichten. Jo, unsere restlichen Reparaturen verschieben wir bis Trinidad, da wollen wir ja auch was zum Basteln haben. Sodele, jetzt müssen wir uns landfein machen, in Fortaleza steppt heute der Bär!!! Riesiges Konzert, gleich nebenan, über zwei Tage, mit zweimillionen Bands und vermutlich dreissigmilliarden Besuchern. Dazwischen werden wir zwei wohl kaum auffallen ...

Montag, 15.10.2012

Die Batterien sind wieder voll, Wassertanks gefüllt, eine letzte Runde im Hotelpool geschwommen - um Zwei werfen wir die Leinen los. Auf zum Amazonas! Hat eigentlich ganz gut gepasst mit dem kaputten Segel, Fortaleza ist zwar ziemlich touristisch, aber so haben wir unsere Silberhochzeit, nicht schaukelnd auf See verbracht, sondern mit Caipirinha-Glas im Swimmingpool. Kann man echt empfehlen - die sonst übliche Version, mit kompletter Verwandtschaft, Riesenfeier, etc. haben wir jedenfalls nicht vermisst. Jetzt brauchen die zwei Partylöwen erstmal etwas Ruhe, die Genua steht, der Südost-Passat bläst munter - soll er!

Dienstag, 16.10.2012

Kommen gut voran, netter Wind, nette Welle - eine schafft`s mal wieder bis ins Cockpit. Um Marion beim Wischen im Salon nicht im Weg zu stehen (sie ist grad nicht so richtig lustig), spiele ich mit dem Windpiloten rum. Hat zwei Vorteile, ich bin beschäftigt und wir sparen Strom, da der Autopilot aus ist.

Mittwoch, 17.10Vonwegen doofes Buch.2012

Marion ist in ein neues Buch vertieft, "Männer sind anders, Frauen auch". Ein amerikanischer Psychologe gibt kluge Ratschläge und mir werden sie jetzt unter die Nase gehalten! "77 Methoden, um bei einer Frau Punkte zu sammeln". Die kann ich mir gar nicht alle merken! Und wo, bitte schön, soll ich hier die Blumen hernehmen? Mein persönlicher Favorit: "Lesen sie ihr aus der Zeitung vor oder schneiden sie etwas aus, das sie interessieren könnte." Ich hab `ne Frau, die selber lesen kann! Auch nicht schlecht, Punkt 26: "Waschen sie sich, bevor sie mit ihr ins Bett gehen", oder die 77: "Lassen sie die Klobrille unten und urinieren sie nicht im Stehen" - wo hat sie eigentlich solche Schmöker her? Ansonsten aber alles o.k. an Bord. Der Windpilot und ich verstehen uns schon ganz gut, die Wellen sind wieder auf Normalgrösse geschrumpft und fast hätten wir ein neues Rekord-Etmal: wieder BLOSS 173sm!

Donnerstag, 18.10.2012Sind wir bald da?

Sieht heut etwas mau aus mit dem Wind, da kommt dann unser Parasailor “Christel” ins Spiel. Dauert, wegen verdrehter Leinen, Blödheit und ähnlichen Gründen fast zwei Stunden bis die quietschgelbe Blase endlich steht. Dafür machen wir dann gut Fahrt und Marion ist happy, die Luken endlich wieder mal öffnen zu können, was die letzten zwei Tage wegen der Welle keine gute Idee gewesen wäre. Ausserdem fände sie es gut, viermal am Tag in den Arm genommen zu werden (Punkt 21) und ich erfahre, dass es nur 33 Methoden gibt, um bei einem Mann zu punkten. Können die sich nicht mehr Punkte merken oder sind die Männer einfacher gestrickt? Nicht mal `ne Pinkelanleitung!

Freitag, 19.10.2012

War ´ne blöde Idee von mir, den Parasailor nachts stehen zu lassen. Prompt frischt gegen Mitternacht der Wind auf, wir werden schneller, Wind nimmt weiter zu, wir noch schneller, Autopilot wirft das Handtuch, ich am Steuer versuche das Boot halbwegs auf Kurs zu halten - genau jetzt lungern da auch noch zwei Fischerboote rum - keine Ahnung, was die sich so denken, wenn sie uns hin- und herschiessen sehen. Zum Glück taucht Marion auf und wir machen uns daran, die Blase zu bergen. Christobal hatte sich heute Vormittag in der Funkrunde darüber ausgelassen, wie einfach es doch ist einen Spinnaker zu bergen: "Grosssegl raus, den Baum weit raus, bis der Spinnaker im Windschatten steht, der fällt dann zusammen und kann ganz easy eingeholt werden ...". Funktioniert tatsächlich, sogar nachts und bei kräftigem Wind. Mein Gott, was haben wir uns sonst immer damit rumgequält! ... Heute ist aber alles wieder gemütlich, mit ausgebaumter Genua "rollen" wir durch`s mittlerweile k...braune Wasser - der Amazonas lässt grüssen. Obwohl, beim Kartenstudium habe ich festgestellt, dass wir gar nicht in den Amazonas fahren, sonder in den Rio Pará. Der gehört zwar zum Amazonasdelta, aber der richtige Amazonas ist es eben nicht. Naja, breit ist er trotzdem, die gegenüberliegenden Ufer sind kaum zu sehen und weil wir keine Lust haben, nachts auf dem Fluss zu fahren, habe ich uns ein Plätzchen hinter einer Sandbank zum Ankern für die Nacht ausgesucht. Die selbe Idee haben auch ein paar Fischer, aber hier ist ja genug Platz für alle. Zum Sonnenuntergang fällt der Anker, weitere 635sm geschafft - noch 80 bis Belém.

 

Sonntag, 21.10.2012

Sinnigerweise fährt man auf dem Fluss mit der Tide, was unseren Schlafgewohnheiten sehr entgegenkommt. Wir können in Ruhe frühstücken und gegen Zehn mit der einlaufenden Strömung weiterfahren. Rückenwind, ausgebaumte Genua - könnte fast Spass machen, wenn wir nicht immer wieder irgendwelchen Netzen ausweichen müssten. Jede Menge kleiner Fischerboote, 100m daneben eine kleine Boje, dazwischen das Netz. Aber welche Boje gehört zu welchem Bötchen? Einige Male drehen wir im letzten Augenblick ab, starten den Motor und fahren mit wild schlagendem Segel an den Netzen längs, bis wir die Endboje erreichen oder gerade das nächste Netz entdecken. Macht eben nur fast Spass. Zu sehen gibt`s auch nicht wirklich was, links Bäume am Ufer, rechtes Ufer keine Ahnung da 15 bis 20sm  entfernt. Gestern haben wir in einem "kleinen" Nebenarm geankert, der auf den klangvollen Namen Furo do Laura hört und ziemlich ungemütlich war. Heute dann weiter, Tide schiebt, kräftiger Rückenwind und diesmal mit Spass, weil keine Fischerboote da sind und wir könnten ganz easy bis Belém durchsegeln, wenn wir es denn wollten. Wollen wir aber nicht, wegen Sonntag und dort sowieso nix los, also suchen wir uns ein paar Meilen vorher ein hübsches Ankerplätzchen genau zwischen drei Inseln. Die haben auch wohlklingende Namen: Ilha Jutuba, Ilha Mirim und Ilha Paquetá-Acu! Einziger Nachteil, scheinbar liegen wir auf der Hauptverkehrsroute zwischen Belém und irgendwelchen Inseldörfern - abends rasen oder tuckern jede Menge Ausflugs- und andere Boote vorbei. Natürlich möglichst dicht, gibt ja schliesslich nichts InteressanDocas de Pará - VEB Kranbau Eberswalde lässt grüssenteres als ein ankerndes Segelboot.

Montag, 22.10.2012

Mit nacktem Hintern und Kaffeetasse in der Hand tapper ich ins Cockpit, da klopft es auch schon an die Bordwand. Domingo ist Fischer, hat hier ganz viele Freunde und unser Ankerplatz ist gefährlich wegen der Piraten, erfahre ich. Was er sonst noch zu berichten hat, nicke ich noch halb verschlafen ab, ich versteh es eh nicht. Mehr Glück hat er damit bei Marion, daDer Alte Hafen bekommt er sogar einen Kaffee. Als er dann weitere vorbeifahrende Fischer (natürlich Amigos von ihm) zum Kaffee bei uns ins Cockpit einlädt, fangen wir mal lieber an, hektische Aufbruchsstimmung zu verbreiten. Dauert `ne Weile bis es wirkt, wir sollen aber unbedingt noch warten, er will schnell ein paar Fische für uns fangen. Wir sind gerade mit dem Frühstück fertig, da kommt er zurück und hält stolz zwei klitzekleine Fischlein hoch. Wäre eigentlich was für`s Aquarium, wir bedanken uns Forte do Prosépio und die Caterdal da Sétrotzdem überschwenglich und ziehen schnell den Anker hoch, bevor er beginnt seine Freunde und Verwandten zum Mittag bei uns einzuladen. Rüber auf die andere Flussseite und da wir zu früh sind (noch ablaufendes Wasser) segeln wir ganz langsam am Ufer längs. Werften, jede Menge Fischerboote und die typischen Amazonas-Boote liegen am Ufer, Pfahlhäuser, dann Belém, die Docas, alte Kolonialhäuser, Obstmarkt, Fischhalle, am Alten Hafen vorbei, Kirchen, das Castelo - wir sind ganz begeistert. Links abbiegen, in denIgreja N.S. do Carmo Rio Guamá, hier soll irgendwo der Iate Clube sein. Werften, Anleger für die Flussdampfer, eine Marina mit grossen Motoryachten - äh, irgendwie haben wir uns das anders vorgestellt. Also noch mal zurück, grosse Hallen, davor ein kleiner Ponton und da wird uns auch schon aufgeregt zugewunken. Aha, davor sollen wir also ankern. Machen wir prompt und wenig später kommt auch schon Bejú in einem kleinen, wackligen Bötchen angepaddelt. Wir sind herzlich willkommen, das sei tatsächlich der Iate Clube, bezahlen brauchen wir hier selbstverständlich nichts und wenn wir was brauchen, sollen wir einfach Bescheid sagen. Na, das ist doch ein netter Empfang. Später fährt Bejú uns dann noch zum Supermercado (zum Laufen sei das hier viel zu gefährlich!) und weil der Imbiss dort recht lecker aussieht und keiner mehr Lust zum Kochen hat, laden wir ihn dafür zum Essen ein.

Dienstag, 23.10.2012

Das kennen wir ja schon von Argentinien oder Paraguay - immer wenn wir bei Leuten mit etwas dickerem Konto sind, warnen die uns vor dem Wohnviertel, wo die weniger Betuchten leben. Die uns dann wiederum vor dem noch ärmeren Nachbarviertel, und die vor den armseligen Hüttensiedlungen nebenan und alle können dann immer überhaupt nicht verstehen, dass wir genau dort ein paar Tage vorher waren und lauter nette Leute kMarion`s Lieblings-Bobbel-Dealerennengelernt haben. Die Socios (Mitglieder) vom Iate Clube würden nie zu Fuss durch die angrenzenden Wohnviertel gehen und da wir genau das vorhaben, um einige Dinge zu kaufen, geben sie uns einen Marinero als Führer mit. Der bringt uns zu einem Laden, wo ich tatsächlich eine Hohlschraube für den Generator bekomme, aber dann verabschieden wir uns auch höflich von ihm und schicken ihn zurück. Sieht doch nett aus hier, für brasilianische Verhältnisse kaum vergitterte Häuser oder Geschäfte, quirliges Treiben, die Leute grüssen freundlich und winken uns zu. Überall hängen Wahlplakate, Fahnen, Wimpel, Wahlhymnen werden aus monströsen Lautsprecherboxen auf Autos gedudelt - Zenaldo Nr.45 gegen Edmilson Nr.50 (unser Favorit: Zenaldo, der hat die bessere Hymne), dazwischen Strassenverkäufer, kleine Imbissstände, Marion entdeckt ihre geliebten "Bobbel" (das ist panierter Maniokbrei in Tropfenform, gefüllt mit Fleisch, Huhn, Garnelen oder was sonst so reinpasst) und verschlingt gleich zwei. Ich finde etwas weiter Plastikstühle mit `nem Brahma-Wimpel drüber und wir lassen uns mal auf zweien davon nieder, kurzum - es gefällt uns hier!

Mittwoch, 24.10.2012

Altstadt ist heute angesagt, also machen wir uns landfein, ich bringe mittels Luftpumpe das Schlauchbötchen in ForWer nicht mehr reinpasst hängt sich draussen dranm, wir parken das gute Stück auf dem Club-Ponton, laufen um die Ecke und winken einem der vielen Kleinbusse. Wir murmeln was von "Ver-o-Peso", der Fahrer nickt, 4 Reais wechseln den Besitzer und schon geht`s los. Die meist schon etwas betagten Wägelchen halten auf Zuwinken, werden so vollgestopft, wie es nur geht, haben einen festen Abfahrts- und Endpunkt, die Strecke dahin variiert aber je nach Ziel der jeweiligen Fahrgäste. So sieht man was von der Gegend, hat mehr oder weniger angenehme Körperkontakte (hängt davon ab, ob man gerade an einer knackigen, wohlriechenden Schönheit oder an einem schweisstriefendem, leicht müffelnden Kerl kuschelt) und kommt irgendwann auch ans Ziel. Dagegen ist so`n Stadtbus doch echt langweilig. Nach `ner halben Stunde haben wir unser Ziel erreicht und sind mitten im prallen Leben! Der alte Hafen - dicht gedrängt liegen die kleinen Boote, Marktstände, es wird beladen, entladen oder einfach nur in der Hängematte gedöst. Rundherum schöne alte Kolonialhäuser, ein Stück weiter das Kastell, die Kathedrale, auf der anderen Seite die Fischhalle. Fisch ohne Ende, grosse, kleine (einige sehen so gruslig aus, da würde ich mich nicht mal trauen sie anzufassen, wenn ich die am Haken hätte). Dann der "Ver-o-Peso", angeblich der grösste “open air-Markt” Südamerikas. Keine Ahnung ob`s stimmt, auf jeden Fall ziehen sich die Stände, Hallen und Verkaufsbuden ewig hin. Es gibt vermutlich nur wenige Dinge, die man hier nicht kaufen kann, natürlich Obst und Gemüse in allen Formen, FarbeAuf dem Ver-o-Peso, Mittelchen für allesn, Grössen, Kräuter, Pülverchen und Tinkturen gegen so ziemlich alle Krankheiten der Welt oder wenn`s mit der Angebeteten nicht so klappt oder Er nicht mehr so kann, wie Sie will, oder man der Schwiegermutter überdrüssig ist oder einfach nur Gift für seine Pfeilspitzen braucht, ... Dazu Macheten, Töpfe, Pfannen und Krempel den haben muss oder auch nicht, Plunder, Müll, Kitsch und jede Menge mehr. Dazwischen Garküchen bis zum Abwinken, Stände mit Säften aus Früchten deren Namen ich nicht mal aussprechen kann und eine ganze Reihe Bierstände. Die Wichtigkeit letzterer sollte man bei den hohen Temperaturen (2 bis 3 Liter Flüssigkeit am Tag!) nicht unterschätzen - wir füllen erstmal `n Liter auf. Danach lempeln wir weiter am Ufer längs, die "Docas" schliessen sich an, ehemalige Lagerhallen, jetzt mit Stahl und Glas aufgepeppt, darin teure Restaurants, Bars, Boutiquen - wir lassen uns lieber in die Altstadt fallen. Die Strassen und Gassen sind vollgestopft mit Verkaufständen, man kommt kaum durch das Gewühle, schöne historische Häuser, restauriert oder vom tropischen Klima gezeichnet (klingt doch viel netter, als wenn man schreibt: halb zerfallen), Kirchen, Plätze, Parks, ... Auf dem Rückweg dann noch den zweiten Liter und pünktlich zum Sonnenuntergang in einen der wartenden Kleinbusse klettern. Naja, nicht gleich, erstmal müssen wir klären, wo wir eigentlich hin müssen. Keine Ahnung wie der Stadtteil heisst, wo unser Boot liegt. Hat aber irgendwie geklappt, wir landen da, wo wir heute Vormittag losgefahren sind, essen noch schnell zwei "Bobbel" und laufen im "Iate Clube" einigen Socios in die Arme, die es total toll finden würden, mit uns noch auf ein paar Bier loszuziehen. Äh, morgen vielleicht?!- Bejú hat sich am Fuss verletzt und humpelt herum. Kurze “Schadensbegutachtung” und nach ein paar Minuten sind wir mit Binde, Jod und etwas zum Desinfizieren aus der Bordapotheke zurück. Der grosse Zeh bekommt einen schicken Verband und Bejú strahlt wieder.

Donnerstag, 25.10.2012

Hatten heute einen anstrengenden Bastel- und Putztag und uns eigentlich auf den gemütlichen Feierabend gefreut - so mit nichts tun, Beine hoch und vielleicht eine DVD glotzen, aber dann stand Antonio, einer der Socios von gestern Abend winkend auf dem Ponton ... Naja, wir hatten ja gesagt morgen. Also in Schale werfen, Bötchen prall machen und schon fahren wir in die City. Er will uns unbedingt die "Docas" zeigen - scheinbar die angesagte Adresse hier für die, die es sich leisten können. Dass wir sie schon gestern gesehen haben überhört er geflissentlich, also lempeln wir zu dritt an den toll beleuchteten, aber fast leeren Restaurants, Bars und Boutiquen lang, versichern ihm mehrfach, dass wir auch in dieses Restaurant nicht wollen, da wir schon gegessen haben und lassen uns am Ende dann doch noch in einer Freiluft-Touristenbeglückungs-Bierschenke nieder. Da kann man sich mit Biergefässen in diversen Grössen und Formen bespassen - wir wählen Medium und sind froh, als wir das Ding endlich geschafft haben. Weitere nachtschwärmerische Aktionen können wir mit dem Hinweis auf unseren anstrengenden Arbeitstag höflich "abwürgen" und sind froh, als wir weit nach Mitternacht endlich in unsrer Koje liegen.

Sonnabend, 27.10.2012

Waren echt fleissig! Das Boot glänzt aussen und innen, der Parasailor ist süsswassergespült, getrocknet und verstaut, der Generator läuft wieder fröhlich knatternd vor sich hin UND Marion hat uns ein Himmelbett gebaut! Klingt jetzt natürlich unheimlich romantisch, nach der Silberhochzeit, der 2. Frühling und so ... hab ich auch erst gedacht, war aber gar nicht wegen mir! Wegen der Mosquitos! Hat sie also ein Mosquitonetz gekauft (ich war natürlich dabei, weil, alleine kann man die Dinger ja nicht hochhalten um zu gucken, ob das gross genug ist - die meisten waren aber so riesig, dass ich vermute, die Brasilianer haben keine Betten, sondern schlafen auf mit Mosquitonetzen bedeckten Fussballplätzen). Jetzt haben wir jedenfalls so`n Teil über der Koje! Abends ist das ja noch ganz lustig, wenn ich als Prinz (gewaschen - Punkt: 26 !) zu ihr durch die "Dornenhecke" klettere (da macht sie hinter mir - hier ´ne Klammer, da ´ne Klammer - schnell alles wieder dicht). Aber wehe ich versuche da nachts mal unauffällig rauszukommen - KLICK! ZING!, schnipsen die Klammern weg, Marion sofort wach: "IST DAS NETZ RICHTIG DICHT?" Ob ich vielleicht gerade verdurstet bin und mit letzter Kraft versuche bis zur Wasserflasche zu kriechen - völlig egal, wichtig nur, ob mit dem Netz alles in Ordnung ist! Eh ich das dann alles wieder fachgerecht zugeknüppert habe, ist die Nacht fast um. Soviel zur Romantik, ich glaub ich schlaf bald draussen ...

Sonntag, 28.10.2012

Den lieben, langen Tag Trubel im Iate Clube. Früh um Sieben lassen die Marineros die Motorboote und Jetskis der für heute angemeldeten Besitzer zu Wasser, dann wird die Musikanlage des jeweiligen Bootes voll aufgedreht und jetzt das Wichtigste: mit Vollgas eine Runde um unser Boot geheizt! Boot dann am Ponton (etwa 20 - 30m neben uns) anbinden, das Spiel mit dem nächsten BParty-Boot mit mega-grossen pink Boxen vorm Iate Clubeoot wiederholen, dabei aber ganz wichtig: Musikanlage des ersten Bootes unbedingt anlassen! Später kommen dann die Socios, lassen sich auf der Clubterrasse nieder, zweites Frühstück, erstes Bierchen, zum Mittag was Leichtes, zwischendurch mal `ne Runde mit dem Bötchen oder Jetski drehen, noch `n Bierchen, die ersten Cachaca-Flaschen werden in Cola-Gläser geleert, die Frauen flanieren öfter mal zum Klo damit der Designer-String-Tanga auch genügend zur Schau gestellt werden kann, Männer drehen noch `ne Rund auf den Jetskis, erste Abstürze beim Versuch durch schnelles Kurvendrehen über die eigene Heckwelle zu springen, ... wir mischen uns unters Volk (Verbandszeug für Bejú dabei, der revanchiert sich dafür mit Mangos aus eigenem Garten), kriegen ´ne Menge Bierflaschen gereicht, lernen noch mehr Leute kennen, scheitern beim Versuch den Kneiper davon abzuhalten, extra für uns Pará-Volksmusik über seine Monster-Lautsprecherboxen zu dudeln, haben irgendwann Anna bei uns am Tisch, die eigentlich mit drei Freundinnen hier ist, Englisch spricht und sich ewig mit Marion über die Früchte des Amazonas auslässt, ich komme langsam ins Schwitzen, weil die schon gut angetüdderten, alleingelassenen Freundinnen am Nebentisch sich jetzt damit die Zeit vertreiben, lüstern mit den Augen zu klappern und mir Küsse zuzuwerfen, ... Marion hat bald `ne Verabredung für nächste Woche auf dem Fruchtmarkt, ich, wenn`s so weitergeht, drei für heute Abend ... Am Ende geht aber alles gut aus, Anna muss los und nimmt ihre drei drallen Lüstlinge mit, Marion ist irgendwann auch müde und nimmt mich ebenfalls mit. Als die letzten Gäste aufstehen dreht der Kneiper auch endlich die Musik aus, Boa noite! Echt anstrengend so`n Wochenende!

Montag, 29.10.2012

Afranio haben wir gestern kennengelernt, Bejú ja schon am ersten Tag. Die beiden hatten die Idee mit der Stadtrundfahrt, also lümmeln wir uns auf die Rücksitzbank, los geht´s. Draussen ist es pottenheiss und die Klimaanlage weht Schneeflocken durch´s Auto. Glaspaläste und Shopping-Center, wir sagen höflich "Oh!" - Afranio findet den historischen Teil aus der Zeit des Kautschukbooms viel schöner, WIR AUCH! Der Praca Batista Campos, ein Stadtpark mit künstlichem Bach und Fischen drin, Brücken, Tore, Bögen, Pavillons, sogar `ne kleine Burg - kitschig, aber sSightseeing mit Afranio und Bejúchön. Die Basilica de Nazaré, gerade abgesperrt, die Beiden haben "wichtige ausländische Gäste im Auto" - wir dürfen durch.  Mitte Oktober endet hier seit über 200 Jahren das bedeutendste religiöse Fest in Nordbrasilien,  Cirio de Nazarè. Eine Woche wird dabei eine Statue der Jungfrau Maria hin- und hergeschleppt, Tausende ziehen dann an dem 300m langen Seil vor dem Prozessionswagen, Hunderttausende gucken zu. Ich hab mir die Maria mal angeguckt, knapp `n Meter gross und aus Holz - kein Wunder, dass die noch Jungfrau ist! Weitere Kirchen, die Kathedrale, Palacios ehemaliger Kautschukbarone, der Praca da República mit Park, Mango-Alleen, Siegessäule und dem berühmten Teatro da Paz. Leider geschlossen, auch für wichtige ausländische Gäste - Amanhá. Morgen. Den Ver-o-Peso und die Docas kennen wir schon, dafür noch nicht den riesigen Naturpark rund um den alten Leuchtturm. Unten jede Menge Grün und Getier, von oben super Rundumsicht auf Belém und Umgebung. Damit ist das heutiges Programm aber noch nicht beendet, wir haben es uns kaum im Cockpit bequem gemacht, da wollen sie uns schon wieder einsammeln - diesmal mit Boot. Marion streikt, ich spring in die Jolle und krieg auch gleich mal die Pinne in die Hand gedrückt. Toller Plan, die beiden halten ihren Bauch in die Sonne und ich darf steuern! Kurze Eingewöhnung, dann will ich die Pinne gar nicht mehr hergeben - macht echt Spass mit so `nem Teil! Ist eben ein Segelboot und kein Wohnwagen mit Mast, wie unser Dampfer.

Dienstag 30.10.2012

Hat mich ja schon die ganze Zeit gewurmt, dass wir gar nicht richtig auf dem Amazonas sind. Wenn ich dann später mal, so mit 80, über die Stralsunder Mole schlurfe und alles heimlich mit Fingern auf mich zeigt und hinter mir tuschelt "... nicht mal auf dem Amazonas sind sie gewesen ...!" - Nö, das geht ja gar nicht! Der Rio Pará ist ja durch Flüsse mit dem Amazonas verbunden, also steht mein Plan fest: wir fahren da mal rüber. Marion ist noch etwas skeptisch "Von dort haben wir doch gar keine Karten?!" Nö, aber die besorgen wir uns jetzt! Also den ersten Kleinbus geentert und ab in die City. Läden mit Fischerei- und Bootszubehör gibt`s `ne Menge und schnell haben wir uns auch zu dem richtigen zwecks Seekartenbeschaffung durchgefragt. Die Leutchen überschlagen sich fast vor Hilfsbereitschaft, gemeinsam rollen wir Karten aus, grosse, kleine, bunte, ... schnell haben wir raus, welche drei Karten wir tatsächlich brauchen und fast genauso schnell, dass genau die nicht zu haben sind. Die sollen durch die "Hidrografia" aktualisiert werden (wird ja auch Zeit, die Karten stammen alle aus den 70ern, die Vermessungen sind vermutlich noch älter), werden daher seit drei Jahren nicht mehr gedruckt und niemand weiss, wann die aktualisierten je erscheinen. O.k., macht nichts, dann fragen wir eben im Club rum, irgendwer wird schon irgendwen kennen, der jemanden in der Verwandtschaft hat, ... Also machen wir noch so`n bisschen Stadtbummel, schlendern zum Teatro da Paz und heute ist es nicht nur geöffnet, sondern es beginnt auch gerade eine Führung. Die ist zwar auf Portugisisch, aber, (schon wieder Glück), einem Holländer übersetzt sein brasilianischer Freund alles und der hat uns auch gleich mit auf`n Hacken - Englisch verstehen wir einfach besser. Das Theater ist mit 1100 Sitzplätzen eines der grössten Brasiliens, Prunk und Ausstattung erinnern an die reiche Zeit des Kautschukbooms. Riesige Kristallleuchter aus Venedig, kostbare Spiegel, Marmor, aufwändige Bemalungen, edle Hölzer - es wurde echt nicht gegeizt. Die spontane Idee, eine Abendvorstellung zu besuchen scheitert am Spielplan der nächsten Woche: Hänsel und Gretel oder Klavierkonzert - wir können uns nicht entscheiden. Das kann Marion sich hinterher auch nicht, beim Versuch eine Hängematte zu kaufen, was natürlich niemanden überrascht, der jemals mit ihr Ansichtskarten kaufen war, wenn sie, in nur einer halben Stunde, zwischen drei Karten gewählt hat ... Und hier gibt`s jede Menge Geschäfte mit grossen Hängematten, kleinen, bunten, einfarbigen, teuren, billigeren, mit Troddeln und ohne, für eine Person, zwei oder `ne ganze Familie, ... Marion vertagt die Sache und kauft erstmal `n Mosquitonetz für ihre zukünftige Hängematte.

Mittwoch, 31.10.2012

Natürlich haben wir gewusst, dass wir nicht ewig zusammen sein werden, aber die Trennung ausgerechnet hier und heute?! Leb wohl, chinesisches Gummiboot - sei froh, dass Marion dich immer in Schutz genommen hat,  ich hätte dich schon lange zerstückelt und verbrannt! Bis gestern haben wir uns noch irgendwie arrangiert: aufpumpen, schnell zum Clubponton, dort aus dem Wasser ziehen und wenn wir zurück wollten, das selbe Spiel, wieder aufpumpen, ab ins Wasser und nach Hause tuckern. Motor natürlich immer abnehmen, das hätte dich ja sonst zu sehr belastet. Und zum Dank für all die Schonung zerlegst du dich jetzt in deine Einzelteile. Warte nur du Verräter, wenn Marion nicht hinguckt, schiess ich dir `ne Leuchtpatrone in die Seite.

Sonntag, 04.11.2012

Afranio hatte es gestern schon versucht und mich mit fettigen Händen im Ankerkasten erwischt, heute also neuer Anlauf - er hat mehr Glück, wir gehen Segeln! Zusammen mit Edmond, dessen Vater und kleinem Kajütbötchen wollen sie uns einsammeln. Marion mag nicht (ist erkältet), also reiner Männerausflug! Wir sind kaum losgefahren, da baut Edmond seine Boxenkonstruktion über dem NiederganAbschlepphilfeg auf. Das Teil ist nur unwesentlich kleiner als das ganze Boot, aber Segeln ohne Musik geht ja gar nicht! Dafür ist jetzt kein Platz mehr für den Papa im Cockpit, der verbringt den Segeltag mit dem Kopf aus der Vorderluke guckend. Wir fahren in einen kleinen Nebenfluss, schon ist von der Millionenstadt nichts mehr zu spüren, üppiger Regenwald, einige Holzhäuser auf Stelzen, ich bin begeistert, die anderen drei sich nicht einig, ob man das Flüsschen noch weiter befahren kann. Kann man nicht, wenig später liegt ein Baum quer überm Fluss, wir drehen um. Beim nächsten Seitenflüsschen haben wir mehr Glück. Wir kommen zu einem See, der aber eigentlich auch sowas wie ein Fluss ist - so richtig kriege ich das mit meinen paar portugiesischen Vokabeln nicht raus. Ist auch egal, wir baden erstmal ausgiebigst, essen Mittag, lassen uns treiben, nochmal baden, dann Rückweg. Diesmal mit Spinnaker (ist natürlich richtig putzig das Teil). Ich bin jetzt an der Pinne und kann die Jungs schön antreiben! Unterwegs sammeln wir dann noch ein Motorboot mit streikendem Motor ein, ich muss unbedingt Acai essen, DAS TYPISCHE ESSEN des Amazonas, was mit viel Zucker sogar schmeckt, der Papa steckt den Kopf jetzt nicht mehr aus der Luke, weil die Wellen da rüber spülen, Edmond zaubert aus den Tiefen seiner Kühlboxen eisgekühltes Bier, wir liefern den Havaristen am Clubponton ab und mich auf der Mira - Nochmal winke, winke und muito obrigado! Marion hört sich geduldig meine euphorischen Reiseerlebnisse an und berichtet dann kurz von ihrem Tag: bei 38°C Aussentemperatur unter Deck Schimmel aus den Schränken wischen. Da hätt ich aber nicht mit ihr tauschen mögen ...

Montag, 05.11.2012

Klopf, klopf! Bejú taucht auf und bindet ein klitzekleines Bötchen hinten an. Da wir seit vier Tagen nicht mehr an Land waren und er den erbarmungswürdigen ZustanBejú bringt das Schüsselchend unseres Gummibootes kennt, hat er ganz richtig geschlussfolgert, das Teil hat`s erlebt! Wir sollen erstmal das kleine Boot nutzen, bis wir eine andere Lösung finden. Das Teil ist nicht viel grösser als unsere Salatschüssel und unheimlich kipplig - Marion tauft es liebevoll "Schüsselchen" und ich binde ihm links und rechts Fender ran, damit es nicht untergeht wenn`s umkippt. Sogar den Motor können wir hinten befestigen. Mit Bejú mach ich die erste Fahrt. 30m bis zum Ponton ... wir kommen heil an und ich auch wieder zurück. Supi, wir können wieder an Land! Schnell `ne Dusche, sauberes T-Shirt und schon plündern wir den Lider-Supermercado. Frisches Obst und Gemüse, grosse Steaks und Getränke, `n Sack Grillkohle und was uns sonst noch so einfällt. Alles an Bord schaffen - Wackelbötchen kippt nicht um - und weil`s so schön ist, wieder an Land! Nur mal so rumlaufen, auf Plastestühlen unter Brahma-Wimpeln pausieren, "Bobbel" essen, das 392-te Paar Flip-Flops kaufen, nochmal auf Plastestuhl pausieren, noch ´n Imbiss ausprobieren und den Besitzer zum "Batata-König" des Wohngebiets küren, einfach nur rumsitzen und dem Treiben zuschauen, noch `n Bierchen, ... wird spät heute.

Dienstag, 06.11.2012

Wieso werde ich eigentlich nicht jeden Tag so liebevoll geweckt? Und das mit dem Frühstücks-Ei hinterher können wir eigentlich auch so beibehalten. Käpt`n-Geburtstag, da gibt`s das volle Verwöhnprogramm! Naja, eigentlich bekomme ich das Frühstück jeden Morgen serviert - sagen wir einfach: ich werde heute noch mehr verwöhnt als ohnehin jeden Tag! (Der Satz bringt jetzt Pluspunkte :-)  Mein Plan, auf dem Clubgelände irgendwo ein Plätzchen suchen, wo ich mittels aufgeschichteter Steine, Gitter drauf und Kohle drunter, die gestern erworbenen Fleischbrocken ankokeln kann - einfacher ausgedrückt: Assado! Gerade schreite ich mit suchendem Blick über das Gelände, da geht ein Wolkenbruch los. Und es hört auch gar nicht wieder auf. Dass die Gegend hier nicht nur wegenFünfzig? der paar Bäume Regenwald heisst, war mir schon klar, aber muss das ausgerechnet heute sein!? Bejú hat sich auch unter das Schleppdach gerettet und wie wir so am labern sind, erzählt er von `nem "Optimist" (ein kleines Segelboot, worin Kinder segeln lernen), das er zu Hause rumstehen hat. Also sprinten wir zu seinem Auto und schauen uns das Teil doch mal an. Sein Hof ist voller Bootsbastelprojekte und Optimisten stehen da gleich zwei rum. Welcher? Egal! Der aus Holz ist eindeutig schöner, aber auch schwerer. Das andere ist aus GFK, natürlich leichter und in modischem Orange. Einziger Nachteil - Bejú hat da einen Rasenmähermotor eigebaut, mit nach aussen führender Welle nebst Propeller. Kein Problem, meint er, Motor und Welle bauen wir gleich aus, die Löcher lässt er zulaminieren. Jetzt müssen wir nur noch an der Bank vorbei, 500 Reais wechseln den Besitzer - Ah, `ne neue Yacht zum Fünfzigsten, lästert Marion ginsend. Im Club wartet schon Emerson mit Speicherkarte auf uns - Marion hatte gestern gekonnt "die fehlenden Seekarten" unter die anwesenden Socios gestreut - "Bring ich morgen vorbei", darauf Emerson. Für`s Assado ist es eh zu spät und Emerson wollte sowieso das Boot anschauen, also tuckern wir mit dem Schüsselchen rüber. Noch `ne Runde, Bejú einsammeln - Führung durch den Dampfer, dann hocken die Männer vor`m Navi-Computer, Frau macht kleinen Imbiss und sich ausserdem beliebt, indem sie kaltes Bier reicht! Daran ändert sich den Abend auch nichts mehr ...

 

Mittwoch, 07.11.2012

Hier sind zwar alle richtig nett, unheimlich hilfsbereit, laden uns ständig irgendwohin ein, finden zur Zeit nichts spannender als durch unser Boot zu klettern, versuchen uns (meist erfolgreich) zum Biertrinken auf der Clubterrasse zu überreden, beschallen uns an den Wochenenden mit lauter Musik, drehen mit Jetskis und Motorbooten ganz tolle Kreise um unser Boot - aber jetzt brauchen wir mal Urlaub. Die Socios finden es zwar "muito peligroso" woanders, als genau vor ihrem Club zu ankern, aber die trauen sich ja hier auch nicht zu Fuss auf die Strasse ... Also leiern wir den Anker hoch, mein Plan: mit Marion zu dem See (oder auch nicht See) zu fahren, wo ich beim "Männerausflug” war. Das scheitert dann aber daran, dass über dem kleinen Nebenflüsschen eine Stromleitung hängt. Mit dem kleinen Bötchen natürlich kein Problem, aber wenn wir so an unserem Mast hochschauen ... Ich finde, das könnte passen. Marion findet das nicht ... Naja, wir können ja auch woanders Urlaub machen. Finden dann auch ein schönes Fleckchen, zwei, drei Hütten am Ufer, dicker Wald, keine Motorboote, keine Musik, keine Touri-Dampfer, ... dafür Vogelgezwitscher, Froschgequake, Sonne auf Bauch, Buch lesen, qualmender Grill, Bierdose daneben, ...

Donnerstag, 08.11.2012

Nach dem seeehr späten Frühstück will ich ein Stück weiter segeln, Bordfrau nicht: Wieso? Ist doch schön hier! Recht hat sie, also nochmal Sonne auf Bauch, Buch in der Hand, qualmender Grill, ...

Sonnabend, 10.11.2012

Wir haben es heute tatsächlich wieder zurück zum Club geschafft - natürlich mitten rein ins Wochenendgewühl! Ich fahre gleich mal rüber, um kurz “Hallo” zu sagen, ausserdem will ich Marion nicht beim Beseitigen der Spuren unseres exzessiven Urlauberlebens im Weg stehen. Erste Einladungen zum Bier, ich bleibe standhaft! Afranio will gerade seinen Trimaran ins Wasser bringen - super, dass ich auftauche, ich soll gleich mitsegeHeute mal Rettungseinsatzln. Geht heut nicht, ich bleibe wieder standhaft. Schliesslich hatte ich meiner fleissigen Putzfee ja versprochen, nachher den Grill anzuwerfen. Ist aber ein Rettungseinsatz: einem anderen Segler ist der Mast “runtergekommen”. Na wenn das so ist ... Als Marion uns an der Mira vorbeisegeln sieht, kommen ihr vermutlich erste Zweifel am Wahrheitsgehalt der letzten Worte, die sie von mir gehört hatte: Du brauchst heut nicht kochen, mein Schatz, ich mach “Assado”! Zu Recht! Afranio überlässt mir die Pinne - schnell hab ich den Bogen raus, bisschen aufpassen wenn der Luv-Schwimmer zu weit aus dem Wasser kommt - wir fliegen nur so dahin! Einfach geil!!!! Wir fahren in den nächsten Fluss, hier soll der Havarist irgendwo sein - nichts zu sehen. Afranio versucht`s mit Telefonieren. Kein Netz! Also weiter, immer noch nichts zu sehen. Vielleicht hinter der Ilha Papagayo. Wir heizen bis zum Ende der Insel, immer noch nichts, aber dafür Funknetz. Der Segler ist schon von einem Motorboot abgeschleppt worden. Na supi! Die Sonne geht gleich unter und wir sind meilenweit vom Yachtclub entfernt! Dass wir jetzt Gegenwind haben und die Strömung von vorne ist ja klar - also kreuzen wir mal los. Linkes Ufer, Segel rum, Kurs auf`s rechte Ufer - das nennen die Segler “kreuzen”, also gegen den Wind segeln und finden das sicher auch toll. Ich nicht! So`n Trimaran ist für`s Fliegen übers Wasser gebaut, aber nicht für`s Kreuzen! Ich glaube wir stehen! Stunde um Stunde kämpfen wir uns gegen Wind und Welle von einer Seite zur anderen vorwärts, stockdunkle Nacht inzwischen, klatschnass, frierend (ich bin natürlich ohne T-Shirt los), hungrig, ... Afranio versucht sich mittels Zigarette zu motivieren - klappt nicht, da Feuerzeug nass. Irgendwann kommen wir tatsächlich wieder zum Rio Guamá, jetzt passt es mit dem Wind auch besser. Afranio hat Telefonempfang "Nein, keine Rettungsaktion für die Retter nötig!" Noch zwei, drei lange Schläge, dann sind wir endlich beim Yachtclub. Der Trecker mit Slipwagen kommt um das Boot rauszuziehen, der Kneiper drückt mir ein Bier in die Hand, “Geht auf`s Haus”, Afranio kriegt ein trockenes Feuerzeug (ich nehm auch `ne Zigarette), der Havarist will uns unbedingt noch mit diversen Drinks beglücken ... Ich tucker irgendwann rüber zu meiner Holden, die mich schon sehnsüchtig erwartet. Bejú war im Laufe des Abends zu ihr rübergepaddelt, um sie über den aktuellen Stand des “Rettungsgeschehens” auf dem Laufenden zu halten, hatte mit ihr dann ewig auf dem Achterdeck gehockt und mit Fernglas in die Nacht gestiert ... “Fettklöpschen, ich glaub für Assado ist das jetzt schon `n bisschen spät!”

Sonntag, 11.11.2012

Frühstück erledigt, die zweite Kaffeetasse in der Hand, da ruft und pfeift wer vom Ponton. Roberto, auch ein Socio. Er war natürlich schon bei uns zur Bootsbesichtigung und HAT Karten vom Amazonas! Ich fahr mal rüber. Seine Ana Paula ist auch da, “Nö, `n Bier um die Uhrzeit will ich nicht”. Dann laden sie uns eben zum Essen ein. Marion wird begeistert sein, haben ja gerade das Frühstück hinter uns, aber für Seekarten muss man Opfer bringen. Also zurück, Marion motivieren, in Rekordzeit landfein zu sein und wieder zum Ponton. Ab geht`s in die Altstadt, in`s “Acai”, eins der angesagtesten Restaurants. Rammelvoll, auf drei Etagen drängeln sich die Leute, um Steaks, Fisch oder sonstwas in sich reinzustopfen. Ein bisschen warten, dann kriegen auch wir `nen Tisch. Roberto bestellt: typisches Gericht: getrocknetes Fleisch, getrockneten Fisch, getrocknete Camaráo, dazu reichlich Acai. Gut, dass wir gerade reichlich gefrühstückt haben! Anschliessend fahren sie uns zu den “Docas” - claro!! Wir lempeln durch die Bars, Restaurants, Boutiquen, laden die beiden zu einer Runde Eis ein (das beste  - und teuerste - in Belém, dafür hätten wir an unseren Imbissständen auch `ne Woche essen können), probieren, obwohl wir zum Platzen voll sind, “Tucupi” (lecker Urwaldsüppchen), lassen uns noch ein bisschen durch die Stadt kutschieren, hören uns zum wiederholten Mal Robertos Abenteuer mit den meterhohen Wellen beim Segeln auf dem Rio Pará an, überhören gekonnt seine Idee von einem mehrtägigem Segelausflug mit uns und sind ganz froh, abends wieder am Club abgesetzt zu werden. Die Terrasse ist noch voll, die Leute gut drauf, der Kneiper klappt die Gefriertruhe auf ... Jo, auf `n Bierchen bleiben wir noch ...

Montag, 12.11.2012

Gut, Marion hatte sich ihren Geburtstag etwas anders vorgestellt, aber was kann ich dafür, dass nach dem liebDas neue Bötchen ist daevoll zelebrierten Frühstück Bejú schon winkend am Ponton steht? Unser neues Bötchen ist fertig. Ein Stück weiter ist `ne kleine Werft, wo er es abgegeben hatte und tatsächlich, alle Löcher sind zulaminiert. Wir schleppen das gute Stück in den Club, ich präsentiere es stolz dem Geburtstagskind und mache es auch gleich mit den notwendigen Änderungen vertraut: zwei Edelstahl-Augplatten für hinten, eine für vorne, damit wir das Boot an Bord “kranen” können, eine Holzplatte ans Heck für den Aussenborder, und sinnloser Krempel, der abgeschraubt werden muss. Sie zeigt sich verständnisvoll. Also schleppen wir Bötchen zur Mira, hieven es irgendwie an Deck, ich suche Teile und Werkzeuge zusammen und bin den Rest des Tages mit Bohren, Kleben, Sägen und Schrauben beschäftigt. Abends präsentiere ich dann stolz das Ergebnis meiner kunstgewerblichen Bemühungen und Frau lobt ausgiebig - dafür lade ich sie doch glatt zum Geburtstags-Essen beim “Bobbelmann” ihrer Wahl ein. Natürlich landen wir beim “Batata-König”, hocken mit eisgekühltem Feierabendbier auf `nem Plastikstuhl und warten bis er seine Kartoffeln geschält, mittels “Maschinchen” in Streifen geschnitten und in der Friteuse ertränkt hat. Dazu ein lecker Camaráo-Bobbel ... was kann Frau sich mehr wünschen?

Dienstag, 13.11.2012

Und Frau wünscht sich mehr: sie möchte eine Geburtstags-Stadtbesichtigung. Das bedeutet jetzt nicht sie alleine, sondern sie sucht aus wohin! Das mit den Kleinbussen und dem Ver-o-Peso ist ja klar, aber dann kommt das Neue! “Da gibt´s ein Museum “Emilio Goeldi”, das ist da so ungefähr in der NäMango-Allee in Belémhe vom Teatro ...” Das “in der Nähe” ist dann ein anderthalb Stunden Fussmarsch, rumfragen, tropische Hitze, Durst, keine Oasen (meine Version). Ein schöner Spaziergang im Schatten der Mango-Alleenbäume, durch Strassen, die wir bisher noch nicht kannten (Marion). Und was macht Emilio? Der hat sein Museum einfach geschlossen! Kein Wunder bei der Hitze! Auf dem Rückweg finden wir dann aber doch noch ein offenes Museum - irgendwelche Kunst - jetzt nicht sooo interessant, aber Eintritt frei, Klimaanlage, sauberes Klo und Trinkwasserspender! Da heuchel ich schon mal Interesse für abstrakte Kunstwerke. Hinterher essen wir bei einer Marktmutti “Vatapᔠ- Marion ist begeistert, ich werde satt und als Entschädigung für`s entgangene Museum überhäufe ich sie anschliessend mit Schmuck ...genauer gesagt, sie entdeckt auf einem Stand `n geschnitzten Ring und Armbänder aus bunten Samenkörnern - ich bezahle sie. Wir lempeln weiter durch die Strassen und über die Märkte, eine Dose Farbe für das geborgte Beiboot, Mangos für uns, hier mal probieren, dort mal anfassen, ... und am Ende landen wir natürlich bei den Bierständen. Macht einfach Spass, dort zu sitzen und dem Treiben zuzuschauen: Fischer beim Feierabendbier, Standbetreiber bei `ner Pause, Marktbesucher mit ihren Einkäufen, dazwischen Händler, die Parfüm, Sonnenbrillen, Rolex-Uhren, gegrillte Käsesticks oder Turnschuhe loswerden wollen, streitende Gäste, selige Trinker, Mädels auf der Suche nach `nem Freier, ...

Freitag, 16.11.2012

Marion hat`n Hals. So richtig dick, Fieber, Husten, Schnupfen und überhaupt ist heute nichts los mit ihr! Kommt bestimmt von der ungesunden Luft unterm Mosquitonetz :) Meine krankenpflegerischen Fähigkeiten sind auch nicht so gefragt, sie zieht die dicke Medizinkiste unterm Salonfussboden vor (wieder mal DANKE an unsere “Leibärzte” Angela und Andreas) und ich mach halt anderweitig nützlich. Gestern haben wir schon zweimal unser Leihbötchen gestrichen - die Clubleutchens waren ja schon nach dem ersten Anstrich ganz von den Socken! Ich verpasse ihm heute noch das Finish. Nachmittags mit dem Einkaufswägelchen zum Lider-Supermercado, Getränkeeinkauf! Da ich alleine bin, fällt die Bevorratung etwas zu Ungunsten der Wasserflaschen aus. Alles an Bord schleppen und gucken, ob Marion noch atmet. Es geht ihr schon besser. Nächste Einkaufsrunde. Wasserflaschen kommen wieder nicht so gut dabei weg, zurück zum Boot, alles verstauen, die Sonne geht langsam unter. Ich unternehme einen letzten Versuch doch noch den Titel “Albert Schweitzer des Amazonas” zu erringen, aber das Krankenlager ist leer! Sie läuft rum, hat Hunger und ich soll auf keinen Fall was kochen - esLeise, leise, damit Ana Paulas Schönheitsschlaf nicht gestört wird sind auch so schon 34°C im Schiff. Gut, gehn wir eben zum “Bobbelmann”.

Sonnabend, 17.11.2012

Da ich nun ständig mit den Clubjungs auf ihren Hobbycat`s und Trimaranen bin, müssen wir uns ja mal revanchieren - also Segelausflug auf unserem Dampfer. Alle passen natuerlich nicht da drauf, aber Roberto nebst Ana Paula, der heute auch unsere Kartenkopien mitbringen wollte und eh schon dreimal ein Segelwochenende auf der “Mira” vorgeschlagen hatte, Afranio und selbstverständlich Bejú. Roberto hat auch gleich einen Plan, wo`s denn hingehen sollte - den “tollen Strand” in 30sm Entfernung Abends kommt sogar etwas Wind auf und Mira gut in Fahrtwähle ich mal gleich ab und nehme Kurs auf sein Reserveziel, den “ganz tollen Strand” auf der Ilha Cotijuba, “vielleicht ein bisschen laut”, aber dafür auch nur 18sm entfernt. Er hat ja unsere Karten dabei. Eine Stunde später nützt ihm das auch nichts mehr. Ich rechne ihm vor, dass wir gegen Wind und Strömung erst lange nach Mitternacht an dem sicher ganz tollen Strand sind, dann eh nichts mehr davon sehen und wahrscheinlich sogar die “vielleicht etwas laute Musik” schon nicht mehr spielt. Also Kurswechsel. Zu vorgerückter Stunde ...Mit wenig Wind und viel Strömung geht`s in die andere Richtung. Marion sorgt für die Versorgung, ich habe zu tun, an meine Schoten und Winchen zu kommen, die Gäste sind wie wild am Filmen und Knipsen (vor allem Roberto und Ana Paula posieren überall auf und unter Deck - ich glaube, sie haben sich mit Selbstauslöser sogar auf dem Klo fotografiert). Es hat aber allen Spass gemacht und abends haben wir noch zum Assado eingeladen - schön mit Kartoffelsalat, brasilianischer Kuh auf dem Grill und Rotwein - sozusagen unser Abschieds-Dankeschön an die Leutchen vom Iate Clube. Marions Kartoffelsalat war der Renner, die Kuh bisschen zäh und ich, trotz reichlich Wein und Bier (muss jeder echte Grill-Meister ja ständig in der Hand haben,) noch in der Lage, alle Gäste heil an Land zu bringen :)

Sonntag, 18.11.2012

Is heute Sonntach? Na, da machen wir mal eben gar nichts! Gut, der Plan mit dem Ausschlafen scheitert zwar daran, dass die Marineros die Motorboote nur mit voll aufgedrehter Musikanlage zu Wasser lassen können, aber nichts machen kann man ja auch, wenn man wach ist. Immerhin raffen wir uns noch zu einer Getränkeeinkaufsrunde auf und abends hau ich die übriggebliebenen Fleischbatzen in die Pfanne - Grill kann ich erstmal nicht mehr sehen!

Montag, 19.11.2012

Die Zeichen stehen eindeutig auf Abfahrt! Marion will den Waschkorb noch leer kriegen, ich darf die dafür benötigten Wassermengen mit dem Bötchen ranschaffen. Fast 400 Liter. Natürlich nicht jeden einzeln - schliesslich haben wir dafür Kanister. Drei Stunden bin ich damit beschäftigt, die Waschmaschine ist mit ihren drei “Durchgängen” auch nicht schneller. Marion erbarmt sich der Löcher in meinen beiden aktuellen Lieblingshosen. Auf einer hab ich jetzt einen “Snoopy”-Aufnäher am Hintern! Mir ist ja zum Glück nichts peinlich. Zum Sonnenuntergang schnappen wir uns dann die Einkaufswägelchen und ziehen zur ?ten Mal zum “Lider” zwecks Auffrischung der Vorräte. Und weil keiner mehr kochen will, gibt`s noch `n Umweg - wir parken die vollbeladenen “Hackenporsches” beim Lieblings-Bobbelverkäufer, lassen uns bekochen und das Eisgekühlte schmeckt auch schon wieder! Mir jedenfalls. Marion steht neuerdings auf widerlich sauren Fruchtsaft.

Dienstag, 20.11.2012

Wenn Frau mit gekonntem Augenaufschlag fragt “Aber das Museum schauen wir uns doch noch an, bevor wir losfahren?”,Völlig dehydriert der arme Mann was macht Mann da? Natürlich, er fährt mit seiner Angebeteten an Land, dann nochmal zurück, weil er das Schloss vergessen hat, dann nochmal, weil das Boot jetzt zwar angeschlossen, er aber einen Riss in seiner Hose hat, dann mit neuer Hose im Kleinbus zur Altstadt, latscht schweissgebadet durch die halbe Stadt, erwirbt zwei Eintrittskarten zum Gegenwert einer “Saalrunde im Iate Clube”, und das alles, weil er ihre leuchtenden Augen sehen möchte, wenn er sie endlich über die Schwelle des Museums trägt. Na gut, über die Schwelle musste sie selber laufen. Im Museum eine Schulklasse und ein Dutzend ausgestopfter, ehemaliger Amazonasbewohner. Die Kid`s fanden uns eindeutig interessanter. Wegen der staubigen Pelze  auf Baumstammenden wollte Marion aber auch nicht her - das Drumherum. Das Museum wurde 1866 in einem noch ursprünglichen Teil des Regenwaldes angelegt und da ist es halt noch heute. Über 3000 Pflanzen und 700 Bäume des Regenwaldes wachsen auf dem Gelände. Ausserdem `ne Menge noch lebender Vögel, Papageien, Schildkröten, Krokos, ein Tapir, zwei faule Panther, ... Denkmäler ehemaliger Direktoren oder Sponsoren, oder im Park verlaufener und verhungerter Besucher (die Tafeln sind schon etwas verwittert und mein Portugiesisch auch nicht so gut) - wir sind über zwei Stunden beschäftigt! Anschliessend stand Hängemattenkauf aAbschied von Afranio und Bejú (der Fuss ist wieder heil)uf Marion`s Wunschliste. Das erledigen wir im Marktviertel, da gibt`s diverse Hängemattenläden und Strassenhändler. Wir verfallen in einen regelrechten Hängemattenkaufrausch. Vermutlich bekommen unsere Kinder die nächsten Jahre zu Weihnachten und Geburtstag Hängematten. Und weil ich so fleissig rumgeschachert, die Beute brav getragen habe und es ausserdem  HEISS ist, gibt`s am Ver-o-Peso noch ein grosses Zisch (!!!) und wenn man schon mal da ist, auch gleich noch `n Sack Mangos für die Bordfrau. Zurück im Iate Clube schnell alles an Bord abwerfen, Einkaufswägelchen schnappen und auf zur letzten Bunkerrunde. Käse, Bratwurscht und diverses anderes Frischzeug, ich kann noch “unauffällig”drei Paletten Bier und Grillkohle mit unterwursteln. Schweissgebadet zotteln wir alles bis zum Club, da stehen Bejú und Afranio nebst Plastetüte mit Geschenkband auf dem Ponton. Sie drücken uns zum Abschied, auch wenn wir stinken. Zur Strafe müssen sie noch mit an Bord, wo sie Marion über Symbolgehalt oder Gebrauchswert der einzelnen Geschenke aufklären und ich, weil wir uns echt darüber freuen, noch `ne Flasche Wein köpfe.

Mittwoch, 21.11.2012

Auch wenn es mittlerweile so schien, dass wir unseren “Lebensabend” in Belém verbringen - nö, wir sind tatsäcUnterwegshlich weitergefahren! Um Neun ankerauf, eh noch jemand rufend am Ponton steht, geht´s erstmal 15sm mit ablaufendem Wasser zurück bis zur Ilha Cotijuba - das ist die mit dem “ganz schönen Strand” - und wenn mein Plan aufgeht dreht die Tide dann und wir fahren mit einlaufendem Wasser den Rio Pará rauf. Klappt fast perfekt. Nachmittags segeln wir endlich wieder auf dem Pará, müssen ab und zu kleinen Fischerbötchen ausweichen, anderen Flussdampfern zuwinken und uns nur Gedanken darüber machen, wo wir denn die Nacht verbringen wollen. Finden dann ein kleines Nebenflüsschen Namens Rio Marajo-Acu auf der Karte, sieht ganz nett aus, lediglich irgendein Felsbrocken liegt dort in der Mitte rum. Haben dann fast Mühe, bei der Strömung nicht an unserem Flüsschen vorbeizurauschen, irgendwie ist es auch gar nicht mehr so niedlich klein wie auf der Karte, lauter fette Strudel in der Einfahrt und wo bitteschön, liegt jetzt dieser blöde Felsbrocken? Wir fahren vermutlich riesige Umwege, treffen dafür den Brocken aber auch nicht, finden einen netten Ankerplatz auf der windgeschützten Uferseite, schmeissen unseren Anker runter, in der Nähe paddeln einige Kanus, ich sende endlich einen neuen Positionsreport, Marion sucht das Ufer mit dem Fernglas nach Indianern ab, wir haben einen super Sonnenuntergang und plötzlich auch noch jede Menge lilafarbener Delfine um uns rum. So muss ein Tag enden!

Donnerstag, 22.11.2012

Frühstück mit Kino - ringsherum schnieft und schnauft es: Delfine beim Morgenbad. Wir einigen uns darauf, dass sie mehr pinkfarben als lila sind. Ich übe mich in der hohen Kunst der Gezeitenkunde - “... wenn wir gestern mit dem Strom hier eingelaufen sind, die Tide gegen 18. Uhr gekippt ist, plus sechs Stunden, ... zwei im Sinn, ... wenn wir hier um 11 Uhr gegen die Strömung aus dem Fluss fahren sind wir etwa um Zwölf im Rio Pará und hPunto do Severinoaben dann mitlaufende Strömung!” verkünde ich meiner staunenden Besatzung. Das mit dem “aus dem Fluss gegen die Strömung” klappt ganz gut - nur hält sich der Rio Pará dann nicht an meine Berechnungen, er fliesst munter gegenan! Zwei Stunden kriechen wir gegen den Strom dahin - “Er muss jeden Augenblick drehen!” - Macht er aber nicht und wir beenden das Elend, schmeissen unseren Anker vor einem kleinen Sandstrand. Warten wir eben! Eine Stunde später erneuter Versuch, wir kommen jetzt zwar vorwärts, unseren geplanten Ankerplatz können wir mittlerweile allerdings vergessen. Nächste Alternative, Pt. do Severino - kleines Dörfchen mit `ner Landzunge in den Fluss hinein - dahinter liegen wir dann ziemlich ungeschützt und blöd auf 20m Tiefe. An meinen Gezeitenberechnungen muss ich noch arbeiten!

Freitag, 23.11.2012

Heute ist einfach: wenn sich das Boot am Ankerplatz dreht können wir losfahren! Das ist um halb Sechs - ganz leise versuche ich die Ankerkette hochzuleiern - da Bordfrau mit ihrem Kopf aber fast neben dem Ankerkasten liegt, wird sie doch aus ihrem Schönheitsschlaf gerissen und tappert noch etwas orientierungslos im Schlafshirt an Deck rum. Nach `m Kaffee klappt alle2,2kg argentinische Kuh, die letztes besser, zwischendurch gibt`s heute sogar Segelwind und pünktlich zum kippendem Strom erreichen wir unseren Ankerplatz. Mangels Tiefenangaben auf der Karte tasten wir uns ganz sachte an die Ilha Redonda ran - in gebührendem “Mosquito-Schutzabstand” fällt der Anker auf idealen 5m und weil alles so schön klappt, lädt der Capitano die Besatzung zum Assado ein. Also Holzkohle in den Grill kippen, ein munteres Feuerchen entfachen und aus den Tiefen des Kühlschranks das letzte Stück argentinischer Kuh angeln. Exakt 2,2kg eingeschweisstes Fleisch - Bedenken der Crew bezüglich des Verhältnisses der Fleischgrösse zur Anzahl der Esser werden mit Hinweis auf den Hunger des Käpt`n beiseite gewischt und selbige zur Salatbereitung in die Kombüse geschickt. Wie die Kuh dann so auf dem Grill lag, kam sie mir ja auch ein bisschen gross vor ... aber wenn Marion nicht so viel Salat schnippelt, wird`s schon gehen. Das Grünzeug war dann wohl doch zu viel, jedenfalls bleibt tatsächlich noch Fleisch übrig. Das überrascht sie jetzt aber gar nicht, grinst Marion, während sie an ihrem gekühlten Rotwein nippt, während ich überlege, meinen “verrenkten Magen” mittels eines Grappa wieder zu beruhigen. Oder zwei ...

Sonnabend, 24.11.2012

Das übliche Frühstücksfernsehen - ringsum Delfine - mittlerweile haben wir uns bezüglich der Farbe auf rosa festgelegt. Ankerauf und mit der Strömung geht`s weiter flussaufwärts. So richtig weit wollen wir heute gar nicht, nach knapp 30sm heisst`s rechts abbiegen in den Rio Piriá, gleich hinter der Einfahrt liegt dann die Ilha Piriá (da sind den Leuten wohl die Namen ausgegangen), an der, und einigen am Ufer stehenden Häuschen auf Stelzen noch vorbei und gleich dahinter gibt es einen traumhafter Ankerplatz, einsam inmitten unberührter Natur gelegen ... Hoffe ich jedenfalls. Den habe ich nämlich auf der Seekarte rausgesucht und die nächste Möglichkeit wäre noch ein ganzes Ende weiter. Glück gehabt, der Platz ist wirklich supi. Auf der anderen Uferseite (weit, weit weg) stehen noch ein paar vereinzelte Stelzenhäuser, besser gesagt Hütten, zwei, drei Fischer paddeln mit ihre Kanus am Ufer entlang, die Vögel schnattern, Delfine schnaufen, eigentlich stimmt alles, bis auf eines, das Wetter - ES REGNET! Nicht nur so`n bisschen, nö so richtig schön fett. O.k., dafür heisst das ganze ja auch Regenwald. Aber, so heftig wie es runterknallt, so schnell ist es auch vorbei. Die Vögel zwitschern wieder, die Delfine prusten und schniefen, Bordfrau bastelt Abendessen und anschliessend sitzen wir beide im Cockpit und lauschen hingebungsvoll dem heutigen Abendprogramm - FROSCHKONZERT! Watt`n Krach!

Sonntag, 25.11.201Ilha Piriá2

Frühstück fertig, Kaffee fertig - ich fang schon mal an, auf Deck alles zum Aufbruch vorzubereiten, da kommt Marion angeschlendert und druckst so vor sich hin “... ach ja, wie schön doch das Froschkonzert war und wie schön die Vögel zwitschern und auf der Flucht sind wir ja auch nicht ...” “Komm auf`n Punkt Mädel - wir können doch auch hierbleiben!” Jo, genau das wär`s. Na, nichts einfacher wie das, alles fallen lassen und dann machen wir Sonntach! Wenig später kommt ein Fischer mit seinem Einbaum vorbei, um mich dabei zu stören. Er erzählt mir ´n Schlag, ich ihm, beide nicken wir ganz verständnisvoll. Marion kommt raus als er gerade davonpaddelt (vermutlich war ihm das Nicken auf Dauer auch zu langweilig). “Du hättest ihm ja wenigstens mal was zum Trinken anbieten können!”. Sie kriegt dann auch noch Besuch, eine Fischermutti im Kanu. Die hat gerade ihre Garnelenkörbe kontrolliert und hält Marion ihre bisherige Ausbeute hin. Camaráo werden die Viecher hier genannt, einfach in der Sonne getrocknet und dann so verschlungen. Die beiden unterhalten sich über die Frösche, wie die heissen, wie sie quaken, dass es hier noch Grössere gibt, die aber anders heissen und auch anders quaken, ... Frauengespräche eben. Um mich dann letztendlich auch nochmal nützlich zu machen, werfe ich Kohle in den Grill, ertränke selbige im Aussenborderbenzin, fackel sie ab und auf das glühende Endergebnis werfe ich dann ... richtig, die argentinische Kuh! Dazu ein leichter Salat, gekühlter Wein, eiskaltes Bier, Sonnenuntergang, Frösche, deren Namen ich schon wieder vergessen habe, die aber hingebungsvoll und laut quaken, ....

Montag, 26.11.2012Kinderbesuch

Über zwei Sandbänke müssen wir heute, bevor wir uns wieder im eigentlichen (tiefen) Fahrwasser des Rio Pará befinden. Für die hiesigen Skipper natürlich kein Problem, die mit ihrem halben Meter Tiefgang überall kreuz und quer rüberfahren - für uns schon etwas spannender, zumal unsere Karten schlechte Kopien von Seekarten aus dem Jahre 1976 sind. Klappt aber alles problemlos, wir sind wieder im Hauptstrom und, claro, haben wir Gegenstrom. Also schmeissen wir bei üAlle wollen mal gucken :)ber 20m den Anker runter und warten einfach. Heute wollen wir den Rio Pará verlassen und in einen der viele abzweigenden Arme, dem Estreito de Breves verschwinden. “... Bei dieser Flussverengung scheint sich der Amazonaswald vor dem Bug des Schiffes schliessen zu wollen ...” verkündet unser Brasilienreiseführer recht prosaisch - äh, so ganz kommt die euphorische Stimmung des Autors bei uns nicht auf. Gut, der Fluss ist jetzt nicht mehr dreieinhalb Meilen, sondern nur noch eine halbe breit - aber das ist immer noch fast ein Kilometer! Immerhin ist das andere Flussufer jetzt eindeutig besser zu erkennen, zumindest bis es dann anfängt zu schütten. Marion stürzt nach unten, um das Schiff durch Schliessen der Luken vor der Versenkung zu bewahren, ich versuche zu verhindern, bei nahezu Null Sicht gegen irgendeins der herumtuckernden Holzboote zu knallen. Gerade entschliessen wir uns, zur Sicherheit an einem der Ufer den Anker abzuwerfen und zu warten, als die Sintflut aufhört. Also weiter, immer mehr Holzhäuser auf ihren Stelzen säumen das Ufer, immer öfter kommen Kids in ihren Kanus angepaddelt um zu winken oder staunen - wir haben eigentlich noch keine Lust auf Stadt und beschliessen, eine Flussbiegung vor Breves zu ankern. Wir finden ein nettes Plätzchen mit grossem Abstand zu den nächsten Hütten links und rechts - nützt nichts, die Kids finden uns trotzdem - etwas schüchtern, mit “Sicherheitsabstand” hocken sie in ihren Kanus. Das ändert sich dann schlagartig als Marion Weihnachtsmann spielt und Gummibärchen verteilt ... 

Dienstag, 27.11.2012

Mit der Kaffeetasse ins Cockpit, erstmal `ne Dusche zum Munterwerden - ups, neben uns lauern schon die ersten Kids in ihren Kanus. Könnte ja sein, dass der Weihnachtsmann wieder aktiv wird. Mangels Brot gibt`s heut Kornflakes zum Frühstück - Marion ist kreativ und “bastelt” schnell was für unsere Zuschauer: Plastebecher, Kornflakes rein, Milch drauf - stolz wie Bolle paddelFarbenfrohes Städtchenn die mit ihrer “Beute” nach Hause. Schnell die Chance zum Duschen nutzen, dann ankerauf und nichts wie los! Breves liegt ja gleich hinter der nächsten Flussbiegung. Jede Menge Holzboote am Ufer, sogar ein kleines Stückchen Strand, davor werfen wir unseren Anker. Im Brasilien-Reiseführer ist die Stadt nichtmal erwähnt - zu Unrecht, wie wir finden. Die Stadtväter haben weder Kosten noch Mühe gescheut und `ne riesige, kitschig bunte Betonstatue ans Ufer gestellt - alleine das ist die Reise hierher wert. Ist aber auch sonst ganz nett hier, geschäftiges Treiben überall, `ne richtige Strasse, Kirche, Rathaus, grosse Antenne und Markthalle. In letzterer erstehen wir Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten - Fleisch haben wir schon, aber es gibt auch einzelne Salatblätter, da lassen wir uns doch gleichmal eins einpacken. Stückchen weiter lassen wir uns in einer dunklen Kneipe `ne grosse Schüssel Eintopf schmecken - wenn der Amazonas nicht rufen würde, blieben wir hier bestimmt einige Tage hängen. So lassen wir uns von einem der motorisierten Kanus zur Mira schleppen - weil unser Motor nicht anspringt - binden das Beibötchen auf`s Deck, lassen den Anker hochrasseln und weiter geht´s. Der Estreito de Breves führt zwar zum Amazonas, aber so auf kürzestem Weg wollen wir es ja nun auch nicht - also links abbiegen, in den Furo de Breves. Der ist jetzt richtig schmal und als nächstes kommt auch gleich mal ´ne Stromleitung. Wie hoch hängt das blöde Ding? Marion ans Steuer, langsam ranfahren - ich kletter zwecks besserer Peilung den Mast hoch. Sieht von oben ganz gut aus - “ O.k., passt!” ruf ich meinem Steuermann runter. Obwohl, wenn nicht? - schnell kletter ich wieder runter, das muss ich dann nicht im Mast ausprobieren. Passt aber doch und danach geht´s ganz entspannt weiter - Natur pur, ab und zu ein Hüttchen, die Bewohner stürzen jedesmal ganz aufgeregt auf ihren Ponton und winken wie wild. Allzu oft scheint hier kein Segelboot durchzukommen. Zwei Stunden später wieder abbiegen, in den Furo Vira-Saia, immer noch Natur, jetzt ganz ohne Hütten. Gefällt uns sogar so gut, dass wir beschliessen hier zu ankern. Gute 50m breit das Flüsschen, wir schmeissen den Anker genau in die Mitte, reichlich Kette - sind ja alleine hier. Dachten wir, plötzlich “Tuuuuuuuuut!”, genau vor uns so`n dreistöckiger Amazonas-Hängematten-Transporter - was macht der denn hier??? - das ist für uns doch schon reichlich eng in dem Flüsschen. Ehe wir den Motor anschmeissen können, schiebt sich das Teil auch schon langsam an uns vorbei, nochmal hupen, von der Brücke wird gewunken - naja, einmal in der Woche verirrt sich hierher eben doch noch ein anderes Boot. Wieder falsch, nachts werden wir wach, Nebelhorn, Scheinwerfer - ein Schubverband quält sich am Ufer schabend an unsMorgendusche vorbei, kurz darauf noch einer - Sch... Ankerplatz!

Mittwoch, 28.11.2012

Wir wollen nicht erst warten bis die nächsten Schlepper ihre Schuten an uns vorbeischieben, schnell `n Kaffee, Anker hoch - Frühstücken können wir auch unterwegs. Wieder abbiegen, Furo do Tajapuru - das erste, was uns begegnet, ein Patrolienboot der brasilianischen Marine. Die hupen, wir winken - schön unauffällig tun, schliesslich sind wir ja illegal hier. Hinter einer Insel kommen zwei kleine Jungs ganz aufgeregt zu uns gepaddelt, ich stoppe auf, Marion will ein paar Gummibären loswerden. Übergabe klappt, einer paddelt wieder los, der andere vergisst vor Staunen, dass er bei dem löchrigen Boot ja ständig Wasser schöpfen muss. 20m hinter uns säuft das Teil ab, die Jungs schwimmen zum Ufer - mit einer Hand die Gummibärentüten hochhaltend! Diesmal sind wir auch schlauer bei der Wahl des Ankerplatzes. Hoffen wir jedenfalls - tatsächlich kommen statt Schleppern Delfine. Es gibt ja zwei verschiedene Delfinarten hier, zum einen den etwas kleineren, mit dunkler Schnauze und Rückenflosse, sieht aus wie ein ganz normaler Delfin - von uns gemeiner oder auch schnöder Delfin genannt. Und dann die schweinchenrosafarbenen Modelle. Die sind grösser, haben keine Rückenflosse, dafür `n Buckel, kugliger Kopf, lange Schnauze und dann auch noch diese Farbe! Als Delfin sind die eigentlich potthässlich! Bei uns heissen sie “schwimmende Schweinchen” - und wir lieben sie!

Donnerstag, 29.11.2012

O.k., Kanus kommen uns ja andauernd entgegen, die haben dann `n kleinen Rasenmähermotor oder ein National Geografic lässt grüssenPaddel, aber die hier haben jetzt Doppelpaddel und sind auch nicht aus ´nem Baum geschnitzt. Dort wird auch gerade festgestellt, dass wir für`n Amazonasdampfer ganz schön komisch aussehen, alle sind neugierig - ich mach den Motor aus, sie kommen längsseits. Woher, wohin des Wegs? Laberrunde! Die Drei kommen aus Texas, paddeln nicht für den Weltfrieden oder die Wale, sondern den “National Geographic”, sind im August im Schneetreiben in Peru mit ihren Kajaks gestartet, wollen den Amazonas von der Mündung bis zum Ende runterpaddeln und da sie es ja nicht mehr soooo weit haben, hole ich erstmal `ne Runde kaltes Bier aus`m Kühlschrank. Alle freuen sich über die kurze Unterbrechung, Prost! Cheers! Dann geht`s weiter, jeder in seine Richtung. Die Texaner zum Meer, wir nach Santarém. Wald auf beiden Seiten, immer wieder Hütten, jetzt kommen aber immer öfter Kanus auf uns zugepaddelt. Meist bleiben sie in zehn Meter Entfernung, winken oder staunen uns einfach an, à la “... bärtige, weisse Götter in schwimmenden Häusern!”. Dabei haben wir nicht mal Bärte. Das scheint einigen auch komisch vorzukommen, sie versuchen sich mit ihren Kanus bei uns festzumachen, vermutlich um die Sache mit den fehlenden Bärten genauer zu untersuchen. Kurz bevor wir sie erreichen schnell ein paar kräftige Paddelschläge, dann sind sie neben uns, ein Seil mit Haken geschwungen und schon hängen sie irgendwo bei uns fest. Jetzt wissen wir auch, was die Amis mit den “little pirats” meinten. Bald erkennen wir die Absicht vorher, dann halt ich mit dem Boot einfach auf sie zu, schrei "Nao!!!!!" und sie nehmen ihre Paddel wieder runter aber zwei, drei mal schnapp ich mir die Machete, um ihr Seil zu kappen. Das ist dann ungemein wirkungsvoll! Irgend... und noch ein Stelzenholzhauswann haben wir das nervige Ende aber hinter uns und die übliche Suche nach einem Nachtlager beginnt. Auf der Karte eine Stelle raussuchen wo es nicht so tief ist, dann schauen ob Karte mit Wirklichkeit übereinstimmt und dabei noch raten, ob die dicken Schubverbände genau dort vielleicht nicht lang fahren. Wir haben es uns gerade an dem für heute erwählten Platz gemütlich gemacht, da kommt ein Mann mit seinem Kanu längsseits. Hier sei es “peligroso” - diesmal nicht wegen Piraten, sondern wegen den grossen Schiffen. Ist jetzt `n bisschen blöd, die Sonne geht bald unter und die nächste Stelle mit NUR 10m Wassertiefe ist 2sm weiter - zumindest laut Karte. Natürlich Gegenstrom, die Karte hat recht - mit dem letzten Zipfelchen Tageslicht kommen wir an, kriechen so dicht wie möglich ans Ufer und lassen den Anker runterplumpsen. Ist doch ganz nett hier! Zwei Stunden später sind wir anderer Meinung, wir sind in grelles Scheinwerferlicht getaucht, ein “Schubi” hält genau auf uns zu! Wir haben Ankerlicht an, im Cockpit Licht, er uns im Scheinwerfer - will der nicht mal `n Stück abdrehen??? Stur fährt der weiter auf uns zu. Marion knipst den Deckstrahler an, jetzt sind wir sowas von beleuchtet - interessiert den Typen mal gar nicht. Ich will gerade runterstürzen, den Motor anschmeissen, da bequemt sich “Schubi” ein paar Grad abzudrehen um dann in höchstens 20 Meter Entfernung an uns vorbeizurauschen. Das sind ja keine Kanus, sondern riesige Wannen, auf denen jeweils 35 Sattelschlepper stehen. Und davon schieben die zwei, drei Stück vor sich her! Wenig später kommen die nächsten “Schubis”, leuchten uns an, ändern etwas den Kurs und fahren dann mit ausreichend Abstand an uns vorbei. Bitte, geht doch!

Freitag, 30.11.2012

Wir haben keine Lust mehr auf den Furo do Tajapuru und beschliessen, einen kleinen Umweg über den Furo do Limáo zu machen. Gibt hier ja genügend Flüsse und alle fliessen zum Amazonas. Super Entscheidung, Natur pur, kaum mal `ne Hütte und keine anderen Boote mehr. Dafür fängt eine Schwalbenfamilie an, ihr Nest in unserem Nebelhorn zu bauen. Während der Fahrt! Abwechselnd fliegt einer zum Ufer, um Baumaterial zu besorgen der andere passt inzwischen aufs zukünftige Nest auf. Vermutlich muss die ganze Theorie mit den Zugvögeln überarbeitet werden - die fliegen nicht tausende von Kilometern von Nord nach Süd, die reisen ganz bequem auf Schiffen! Kurz vor der Ausfahrt des Furo entdecken wir ein schönes Plätzchen, ist zwar noch früh heute, aber wir sind ja nicht auf der Flucht, da stehen wilde Bananen am Ufer und unsere Untermieter sind sicher auch froh, wenn sie nicht ständig ihrem Nest hinterher fliegen müssen. Anker raus, Wassereimer übern Kopf, oranges Bötchen ins Wasser werfen, Machete untern Arm und mal das Ufer untersuchen. Weit komme ich nicht, alles dichter Urwald - dann eben Beine hoch, Buch in die Hand und abends brasilianische Würste auf Holzkohle!BANANEN! Käpt´n hat einen Plan ...

Sonnabend, 01.12.2012

Während Bordfrau sich noch ausgiebigst der Morgenhygiene widmet, ist Mann schon auf der Jagd! Mit der Machete unterm Arm paddel ich ans Ufer, um die gestern erspähte Beute zu erlegen. Erstmal eine Schneise bis zum Ziel hacken, dann ein gezielter Hieb und das Untier sinkt danieder! Mit stolzgeschwellter Brust und Banananenstaude paddle ich zurück, um das Lob der Daheimgebliebenen einzuheimsen! “Hast du das Ding mal unter Wasser gehalten, da sind garantiert Spinnen drin!?” Das erledigt sie dann, ich verstaue die “Jagdausrüstung” und wir sind abreisefertig. Aus dem Furo do Limáo geht`s jetzt in den Furo Ituquara, klingt ganz nett, ist es auch. Immer wieder einzelne Hütten oder kleine Dörfer auf Pfählen - wer uns rechtzeitig erspäht, kommt natürlich angepaddelt um zu gucken und zu winken - Marion knurrt leicht, wenn ich den Chicas (mit eingezogenem Bauch) zu lange zuwinke - bei den älteren Paddlerinnen braucht sie nicht zu knurren, da hebe ich nur kurz die Hand zum Gruss :) Irgendwann ist das Flüsschen (nach hiesigen Massstäben, 500m ist der schon breit!) dann zu Ende, Yeapeee!!! Jetzt sind wir tatsächlich auf dem AMAZONAS! Braunes Wasser, Gegenstrom - ein bisschen netter hätte er uns ja empfangen können. 5sm müssen wir uns noch weiterquälen bis es am rechten Ufer eine flache Stelle hinter einer kleinen Insel gibt. Wunderschöner Ankerplatz auf 5m Tiefe - Marion entdeckt am Ufer mehrere Tukane (dass die beim Fliegen nicht vornüber kippen mit dem riesigen Schnabel?!) und ich, dass ich den Plan, schreibtechnisch mal ein bisschen was abzuarbeiten vergessen kann. Ringsherum lungern unsere schweinchenfarbenen Kumpels, immerzu schnieft und prustet es, ständig irgendwo PFFF! - wer soll sich dabei konzentrieren? Dann kommt auch noch ein Kanu angebraust - Dario will uns unbedingt warnen, wie gefährlich es hier am Fluss ist - Piraten!!!! Wir sollen unbedingt auf die andere Uferseite, die ist bewohnt, vor seinem Haus wäre es sicherer. Jo, aber nicht so schön - das sagen wir natürlich nicht  - wir versprechen, uns das mal auf der “carta nautica” anzuschauen - etwas unglücklich knattert er wieder los. Die rosa Delfis “stören” fröhlich weiter, ich klapp den Rechner zu, Marion verdrückt sich in die wohltemperierte Küche zwecks Abendbrot, ... Dario kommt wieder angebraust. Diesmal hat er alles aufgeschrieben - die eindringliche Warnung vor den Piraten, die Einladung, in der Sicherheit seines Hauses zu schlafen, das Boot an seinem Hafen festzumachen (hier nennt jeder seinen meist wackligen Holzsteg Hafen) - ich versuche mittels Wörterbuch den Schriebs zu entschlüsseln - Marion, schweissgebadet und leicht genervt, ruft von unten, dass sie nicht in einem Haus schlafen will und ausserdem sind hier die Tukane. Dario vermutet wohl, dass wir immer noch nicht so richtig verstehen und beschreibt mit Händen und Füssen, wie bewaffnete Jugendbanden hier einsame Boote überfallen - das Blut spritzt nur so! Vielleicht sollten wir wirklich rüberfahren - rufe ich in die Küche. Die Kartoffeln kochen aber gleich - kommt`s zurück. Die können doch auch drüben kochen, lenke ich ein. Und duschen muss ich auch erst! Die Stimmung in der Kombüse sinkt zusehens. Dario weist auf die langsam untergehende Sonne. O.k., einer kann nur Käpt`n sein - in fünf Minuten fahren wir, verkünde ich. Mit hochrotem Kopf taucht mein Koch auf - ist das jetzt von der Hitze da unten? Der Wassereimer auf der Badeplattform kühlt dann ab, wir gehen ankerauf, Kurs anderes Ufer. 88m, 65m, 60m - wir sind 50m vorm Ufer und der Tiefenmesser zeigt 55m! Endlich, zwei Bootslängen vorm Ufer, 20m, dann 12 - wir sind höchstens 20m vom Holzsteg entfernt, hier können wir unmöglich ankern - die Stimmung der Köchin sinkt wieder! Auf dem Steg ein Dutzend Leute, die lauthals Anweisungen geben - irgendwie sollen wir wohl ernsthaft an den zwei dünnen Stangen vorm Steg längsseits gehen und daran festmachen. Wir wiegen 15 Tonnen!!Dario, Familie und wacklige Holzstangen! Macht nichts, die Stänglein halten das, meint Dario. Viele Möglichkeiten haben wir jetzt eh nicht mehr, die Sonne geht gerade unter, also schmeissen wir den Anker in Höhe Holzsteg bei 15m Wassertiefe, lassen die Kette komplett ausrauschen, fahren gaaaaaaanz sacht gegen die Strömung an die zwei Holzstangen und tatsächlich, sie halten. Dauert dann zwar noch `ne Weile, bis wir die Leinen angebracht und die Ankerkette stramm geholt haben, Dario zur Kontrolle unters Boot getaucht ist - irgendwann sind alle Einweiser zufrieden, wir schaukeln leicht knarzend an den zwei Stangen, Marion stellt ihre Kartoffeln wieder auf den Herd, bueno! Die Kartoffel haben irgendwie einen schlechten Tag erwischt, es trampelt auf dem Schiff - Dario steht mit Töchterchen Karinha auf dem Deck - also Herd aus, führen wir die beiden erstmal durchs Schiff. Dann Dario`s Schwester nebst Neffen, neue Führung - Marion sucht Süssigkeiten für die Kids - bei der Mama und der hochschwangeren Frau übernimmt Karinha schon die Führung, es wird immer voller bei uns, ich verteile Getränke, Marion sucht nach Gläsern - wir vermuten, dass sich mittlerweile das halbe Dorf auf unserem Schiff aufhält - nö, sie sind halt `ne grosse Familie - kaltes Bier ist alle, ich stelle die Männerversorgung auf Wein um - die Kids wollen keinen Kakao mehr, dafür auf der Salonsitzecke toben, Marion verteilt jetzt auch Saft in bunten Zahnputzbechern ... Punkt Acht, plötzlich allgemeiner Aufbruch! Ein Generator knattert leise los, in den Häusern flimmern Bildschirme - aha, irgendeine unheimlich wichtige Tele-Novela! Die Kartoffeln bekommen ihre letzte Chance, ich räume das Cockpit auf und irgendwann sitzen wir dann endlich beim Abendbrot. “Bisschen hart die Kartoffeln” nörgel ich rum - der Blick meiner Köchin lässt mich sofort zur Vernunft kommen. “Aber ich mag sie ja bissfest!”

Sonntag, 02.12.2012

Sechs Uhr Sonnenaufgang. Mit Riesengezeter flattern die Papageien hin und her - Zeit sich aus `se Kopje zu rollen. Wassereimer über`n Kopf, schneller Kaffee und dann leise den Motor starten, bevor alle wach werden und nochmal zur Tageslichtbesichtigung antreten. Ganz unbemerkt kommen wir natürlich nicht weg, die Ersten kommen schon auf den Ponton - zu spät, die Leinen sind los, der Anker rasselt hoch - wir winken zum Abschied. ”Obrigado!!!” - wir sollen auf dem Rückweg unbedingt wieder hier anlegen! Claro! Mit der Tide geht`s weiter, Gurupá, ein kleines Urwaldstädtchen ist unser heutiges Ziel. Wir können sogar mal wieder die Genua ausrollen und treiben gemütlich stromaufwärts. Links Wald, rechts vermutlich auch - genaues weiss man nicht, ist zu weit weg. Dann lassen wir uns mal auf die andere Flussseite treiben - ah, auch Bäume, also doch Wald. Lange Insel - macht die Sache irgendwie angenehmer, ist das andere Flussufer nicht dreieinhalb Meilen entfernt, sondern nur anderthalb. Und Bäume, ab und zu mal ein Haus oder Schuppen auf Stelzen - Was hier alles so rumschwimmt! Ein Bibel-Schiffmeist sehen die Häuser eh aus wie Schuppen - Marion erklärt, dass sie eigentlich keinen Bock auf Stadt hat. Ich auch nicht - wir schaben gerade bei 8m  Wassertiefe am Inselufer lang - eigentlich perfekt, sogar Bäume stehen rum - plumps, fällt der Anker. Bestimmt leiser hier als vor der Stadt zu ankern - obwohl, es flattern schon wieder jede Menge Papageien, laut vor sich hinschimpfend auf ...

Montag, 03.12.2012

Der Ankerplatz war ja supi, nur das Wetter nicht. Mitternacht werden wir beide wach, es fängt an zu regnen. Besser gesagt, zu schütten! Nebenbei so`n bisschen Blitz und Donner, aber das Krasseste war der Regen. Die Sintflut damals muss echt `n Witz dagegen gewesen sein. Und es hörte einfach nicht wieder auf. Wenn in Stralsund mal so ein richtiger Monsterregen runterkam, dann ging das vielleicht ´ne halbe Stunde und anschliessend kam das Wasser aus den Gullys und einige Strassen waren überflutet. So über Stunden, wie hier, da wär die Stadt komplett abgesoffen. Angela M. würde vermutlich im Schwimmpanzer anrücken, den Notstand ausrufen und symbolisch den ersten Sandsack von der Rügenbrücke werfen. Nach `m Frühstück hört`s dann aber langsam auf und gegen Zehn trauen wir der Sache soweit, dass wir Ankerauf gehen. Wir schaben an der Ilha Gurupai längs, dann am Städtchen Gurupá vorbei zur anderen Flussseite, zur Ilha Grande de Gurupá. So `n richtiger Ideenwettbewerb scheint hier bei der Namensgebung nicht stattgefunden zu haben. An deren Ende dann endlich mal etwas Abwechslung, die Ilha Sarapoi! Zwischen den beiden Inseln haben die Kartographen sich immerhin die Mühe gemacht und `ne 5 und `ne 10 in die Seekarte gepinselt, was uns vermuten lässt, dass es dort zwischen 5 und 10m tief ist, also ideale Ankertiefe! Ob die Kartographen nun jeweils die Uhrzeiten ihrer Messungen oder die Anzahl der dort getrunkenen Biere in die Karte gemalt haben, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit feststellen, die Wassertiefe war es jedenfalls nicht! Tiefen zwischen 20 und 30m - wir haben uns schon damit abgefunden, uns woanders ein Nachtlager zu suchen, da entdecken wir auf dem letzten Ende einige Uferabbrüche. Kleine Buchten, einige Bäume ragen noch aus dem Wasser - vorsichtig fahren wir mal in eine rein. Fast an der Uferböschung immer noch 6m - zum Ankern ist die Minibucht zwar zu klein, aber mit Anker und Heckleine wär`s super! Also schmeisseHerrlich ruhig hier! Wenigstens am Tag ...n wir den Anker auf 15m vor der Bucht runter, fahren rückwärts hinein, Leine an einem Baum befestigt, Ankerkette dichtholen, fertig! Naja, in Wirklichkeit hat das natürlich fast `ne Stunde gedauert - wir haben ja schon in Patagonien bewiesen, dass Landleinenmanöver nicht unsere Stärke sind - dafür liegen wir perfekt geschützt  beinah mitten im Urwald! Da lädt der Käpt`n doch glatt zum Assado - wobei mangels argentinischer Kuh, brasilianische Würste auf dem Grill landen. Und abends dann eine beeindruckende Geräuschkulisse - ganz gut, dass wir noch 10m vom Ufer weg liegen!

Dienstag, 04.12.2012

Da gibt`s nicht viel zu schreiben heute. Frühstück, beide haben keine Lust weiterzufahren - bleiben wir also noch hier! Bisschen fleissig sind wir auch - Marion erbarmt sich des Waschkorbes, ich verdrück mich mit dem Grill auf die klitzekleine Sandbank unserer klitzekleinen Bucht, um mal die Spuren diverser Grill-Orgien zu beseitigen. Zweimal bekommen wir Besuch von vorbeipaddelnen Fischern, verzichten auf die im Kanu krabbelnden Garnelen - beobachten Papageien und andere kreischende und flattende Dinger, lesen, machen Sudoku, kippen uns Wassereimer über den Kopf, backen Brot, holen `ne Bierdose aus dem Kühlschrank ...

Mittwoch, 05.12.2012

Es geht weiter. Vorbei an diversen Ilhas - immer schön am Ufer lang, da gibt`s einfach mehr zu sehen - Bäume und so ... Eigentlich wollen wir heute bis zum Rio Xingu, einem Nebenfluss des Amazonas, aber wie wir so an der Ilha Urucuricaia entlangschaben, ist BIlha Urucuricaia in der Abenddämmerungordfrau ganz entzückt “Oh, wie schön!” - Naja, Bäume halt, wie überall, aber passenderweise mit `ner Abbruchkante, so dass eine kleine Bucht entstanden ist. Noch kleiner und mit halbversunkenen Bäumen gespickt als die vorherige, aber mittlerweile sind wir ja geübt im Landleinenmanöver. Ist auch alles ganz supi hier, bis die Nacht anfängt! Aus dem Dickicht genau vor uns brechen riesige Tiere heraus, Krokodile springen von der Uferkante und landen mit “Bauchklatscher” neben uns im Wasser, hunderte Piranhas versuchen an unserer Bordwand hochzuspringen, ein friedlich am Ufer stehender 2m grosser Tapir wird von Krokodilen ins Wasser gezerrt, ... O.k., gesehen haben wir ja nichts, ABER GENAU SO HAT ES GEKLUNGEN!!! Um nichts in der Welt hätte ich da noch einen Fuss ins Wasser gehalten. Morgens sind dann alle Spuren des nächtlichen Gemetzels verschwunden, alles wieder ganz friedlich - bis auf die, wie üblich laut zeternden Papageien. Sogar ein grosser roter ist dabei, sonst fliegen meist nur grüne oder blaue vor sich hinschimpfend durch die Gegend und ich entdecke meine ersten beiden Tukane! Boah, die sind natürlich auch viel grösser und haben vieeeel dickere Schnäbel als die, die Marion sonst sieht :)

Donnerstag, 06.12.2012

Heute sind wir dann doch bis zum RiVilla Taparáo Xingu gekommen - segelnd sogar! Unterwegs sehen wir immer mehr gerodete Flächen, wo ein paar Kühe blöde in der Hitze rumstehen oder, wenn sie etwas klüger sind, am Ufer im Wasser sitzen. Das Wasser ist auch deutlich klarer als im Amazonas, fast wie bei uns die Ostsee. Bloss wärmer! Und schöne weisse Sandstrände gibt`s auch - an einem steht ein richtiges Dorf! Zivilisation hatten wir ja schon `ne Weile nicht mehr, also schmeissen wir gleich mal unseren Anker runter. Mit dem Bötchen dann ans Ufer zwecks Wanderung (vorher natürlich duschen, wegen der Zivilisation), hatten wir ja auch schon länger nicht mehr. Einmal nach rechts, bis zum Dorfende, dann noch ein Stück am Strand lang, bis es nicht mehr weiter geht. Genauer gesagt, der Strand ginge schon noch weiter, aber da steht eine Herde Wasserbüffel rum, die sind alle schwarz, haben grosse Hörner und gucken uns komisch an. Dann zum linken Dorfende - eine Mutti dreht mit uns `ne Runde über ihren Hof - erste Reihe am Strand, unverbaubarer Seeblick - Küche, Kräutergarten, junge Hunde, alles auf Stelzen (die Hunde natürlich nicht) - Marion kennt bald alle Kräuter und die Namen der dazwischen rumlaufenden Kinder, ich bin mehr beeindruckt von dem uralten, nebenan vor sich hinrostenden Truck. Der hat mal dazu gedient, die gefällten Bäume bis ans Ufer zu bringen - klar, dWer hat hier mehr Schiss?ass er jetzt ausgedient hat, sind ja kaum noch Bäume da. Praktischerweise haben einige Dorfbewohner ihre “Wohnzimmer” in kleine Mercados umfunktioniert, wo auf Holzregalen Mehl, Zucker, diverse Dosen, Macheten und andere “Waren des täglichen Bedarfs” rumstehen. Wir bekommen Brot, zwei Tomaten, Saft. Grosses Kopfschütteln bei der Frage nach Obst. Klar, das wächst hier bei jedem hinterm Haus. Ein Mercado-Besitzer klettert dann auch gleich auf einen Baum und sammelt uns eine Tüte voll gelber Kugeln. Kurze Bedienungsanleitung  - das Äussere abschälen, das Innere essen - Geld wollen sie dafür keins. Woanders fragen wir nach Mangos - claro, hinterm Haus wird wieder `ne Tüte voll eingesammelt und uns gratis in die Hand gedrückt. Ich überlege gerade, jetzt am nächsten Haus nach Kokosnüssen, Papayas, Melonen und Bananen zu fragen - Marion kann mich bremsen, wir haben erstmal genug Obst. Ein besonders geschäftstüchtiger Anwohner hat seine Regale nicht nur mit den gängigsten Dosen bestückt, sondern `ne grosse Holzkiste mit Styropor ausgeschlagen, Trockeneis reingekippt und darin liebevoll unzählige Bierflaschen gebettet. Ein Teil der männlichen Dorfbevölkerung versucht nun diesen Vorrat zu dezimieren, und weil wir schon so viel gewandert sind und es fürchterlich heiss ist und man ja zwei, drei Liter Flüssigkeit pro Tag trinken soll und sowieso grad Niedrigwasser ist und wir unser Bötchen soweit tragen müsstWald macht Laune :)en und weil man ja auch einen Beitrag zum wirtschaftlichen Aufschwung dieses Dorfes leisten muss und aus verschiedenerlei anderen Gründen - helfen wir ihnen dabei!

Freitag, 07.12.2012

Eigentlich ist Villa Tapará ja ein ganz beschauliches Dörfchen - wenn nicht einer der Dorfbewohner allem Anschein nach zum gestrigen Nikolaustag eine Motorkettensäge geschenkt bekommen hätte und seit heute früh versucht, damit ein paar, am Ufer rumliegende Bäume zu zerspanen. Also Anker auf, zurück in die Natur! Wir fahren ein Stück den Rio Xingu rauf, dann rechts abbiegen, kurz danach links - wir wollen in denUrig riesige Bäume! Paraná Gomes. Sieht ja auf der Karte ganz nett aus, wie wir uns dann aber so sachte da reinschieben, lässt die Begeisterung nach. Links und rechts alles abgeholzt, starke Strömung und der Tiefenmesser ist auch schon ganz panisch - als er dann unter uns 2m Wassertiefe vermeldet, ist uns der Gomes sowas von egal! Wenden und nix wie raus hier! Ein paar Meilen weiter gibt`s schöne Sandstrände, der Anker fällt, Beibötchen fliegt ins Wasser und wir gehen auf Erkundungstour. Eine Herde Rindviecher (bestimmt wieder diese Schwarzen, die so grimmig gucken) besucht so zum Zeitvertreib wohl die einzelnen Strände und hat dabei eine Schneise durch den Wald getrampelt. Supi zum Wandern, bloss immer schön auf den Boden schauen - nicht wegen der Schlangen, wegen der Fladen! So zügig wie die Rinder kommen wir natürlich nicht voran, wie üblich muss Marion jeden Baum mal anfassen, sich an jede Liane hängen, jedes Spinnennetz untersuchen, jedem Schmetterling hinterher, ... die Sonne geht fast unter, als wir endlich wieder an Bord sind. Nachts dann noch mal Spannung - ein kleines Boot treibt verdächtig langsam auf uns zu, leuchtet immer mal kurz das Ufer ab - wir schon mit Machete bewaffnet im Cockpit, bis uns die Erleuchtung kommt. Die jagen nicht uns, sondern Jacarés. Irgendwann folgt dem Leuchten ein Schuss, scheinbar haben sie endlich ihren Krokodilbraten, denn wenig später tuckert der Motor los und sie verschwinden in der Nacht. Können wir endlich wieder ins Bett!

Sonnabend, 08.12.2012

Heute wollen wir weiter nach Porto de Móz. Das heisst, Marion will eigentlich nicht, da wir keine Karten für den Fluss haben. Für den Käpt`n kein Problem “Wir fahren einfach immer am Ufer lang und wenn`s zu flach wird, drehen wir eben um”. Das machen wir dann ein paar Meilen später tatsächlich, der Tiefenmesser zeigt schon einige Zeit beängstigende Werte, dann 2m, 1,90, 1,80 - Vollbremsung - Rückwärtsgang rein! und sachte zurück. Kam mir gleich merkwürdig vor, dass alle anderen Boote auf der anderen Flussseite fahren :) Also `n ganzes Ende zurück, zum anderen Ufer rüber und dann da probieren. Der Tiefenmesser ist auch wieder glücklich, zeigt beruhigende 20 bis 30m und das auch für den Rest der Strecke. Sogar ein bisschen Wind kommt auf, so dass wir zwar laVoll belegter Anleger von Porto de Mózngsam, aber dafür standesgemäss unter Segel am Städtchen lang treiben. In dem Gewimmel von Flussbooten ist es gar nicht so einfach einen Ankerplatz zu finden, da ist es zu flach, da liegen wir im Weg, da wieder zu tief, ... schliesslich liegen wir vor einem kleinen Mercado - passt super, einkaufen müssen wir eh noch. Marion sucht das “Kleinzeug” zusammen, ich stapel die Getränke auf - wir feilschen um die Preise und beschäftigen die ganze Familie dort. Am Ende sind alle zufrieden, sie tragen uns das ganze Zeug noch zum Bötchen, wir fahren alles an Bord, verstauen, nochmal duschen und jetzt Landgang. Diesmal wird Bötchen am grossen Holzponton angebunden, da liegen so viele bewohnte “Hausboote” - sicherer geht nicht. Wir drehn ein Ründchen durch`s Städtchen und sind überrascht, was hier noch los ist - die Mercados sind offen, riesige Boxen auf dem Plaza vor der Kirche, jede Menge Trubel in Bars und Strassenkneipen - in Belém war ab Sonnabend Mittag überall “fin de semena” - Wochenende! Wir stöbern in diversen Mercados rum, futtern an Imbissständen, lungern in Strassenkneipen, ertragen mehr oder weniger schräg “Halleluja” singende Nachwuchstalente auf dem Plaza ... und irgendwann, spätabends herrscht eine gewisse Disharmonie zwischen uns! Ich kaufe mir `ne Schachtel Frust-Zigaretten mit dem Vorsatz, sie jetzt am Ponton aufzurauchen, Marion will weiter die Kirchenmugge geniessen - mal sehen, wem am Ende mehr schlecht ist!

Sonntag, 09.12.2012

Sehr schweigsamer Tag! Jeder mit seinem Böckchen in einer Ecke (mir ist noch etwas schlecht von der Frust-Schachtel)- kurz vorm Sonnenuntergang sind wir dann wieder lieb! Schnell "landfein" machen, ich lad meine (wieder nette) Amazone zum Essen ein. Nicht irgend so`n schnöder Strassenimbiss, sondern richtig ins Restaurante! Riesiger Grill, ich brauch nicht lange zu überlegen - Rodizzio! Wer`s nicht kennt, das ist so`ne Art Fleisch-Flatrate - wo man grinsend vor seinem Teller sitzt während der Kellner ständig mit Fleischspiessen vom Grill angehetzt kommt und einem die gewünschten Stücke runtersäbelt. Das ganze dann solange, bis man völlig überfressen über seinem Teller zusammenbricht oder als kluger Mensch vorher schon mal abwinkt. Ich gehöre leider nicht zu den Klugen ...

Montag, 10.12.2012
Schnelle Einkaufsrunde, heute soll`s weitergehen. Scheinbar ist gerade `n Melonendampfer eingetrudelt, überall riesige Melonen zum Sonderpreis als “oferta”. Überhaupt ein emsiges Treiben und Gewusel, grössere Dampfer werden entladenKäpt´ns Fanclub ;), unzählige kleine mit den “alimentos” für Wochen beladen - das Städtchen ist Markt-und Umschlagplatz für ein riesiges Umland - macht einfach Spass, zuzuschauen, mit den Leuten zu schwatzen - Planänderung, wir bleiben noch `n Tag! Wir kaufen Getränke, die uns zum Ponton geliefert werden, Butter, Eier, Gemüse - Marion ersteht eine 3-Euro-”Armani”-Brille und ihr vermutlich 250tes Paar Flip-Flops, ich erwäge den Kauf einer dritten Machete, entscheide mich dann aber doch für ein kaltes Bier, wir müssen immer wieder bestätigen, dass wir tatsächlich die “Gringos” von dem Segelboot sind, uns mit jungen Mädels fotografieren lassen, essen lecker bei einem jungen, aufstrebendem Familienunternehmen (Tochter serviert, Mutter am Grill, Oma am Abwasch), halten Siesta an Bord, lempeln wieder durchs Städtchen, ich bekomme auch Flip-Flops, Marion auch `n Bier, zum Abendbrot gibt`s “Vatapᔠund “Tucupi”, in den meisten Lädchen werden wir mittlerweile begrüsst als ob wir zur Familie gehören, wir geniessen den Abend auf Plastestuhl an der Hauptstrasse, Boote werden vorbei geschoben, Mopeds mit drei, vier oder fünf Leuten drauf knattern vorbei, etwa alle zehn Minuten ist der eine Stadtbus (besser Büschen) von seiner Runde zurück, die Hombres spielen Billard oder Domino, die Chicas flanieren in schicken Kleidern vorbei, die Temperaturen sind langsam angenehm, das Bier schön kalt, ...

Dienstag, 11.12.2012

Auch wenn`s noch so schön ist, wir gehen ankerauf. Der Familienrat hat getagt und ist einstimmig zu dem Ergebnis gekommen, nicht mehr bis Santarém zu fahren. Das soll zwar eine schöne Stadt sein mit tollen weissen Stränden und auch nur noch 120sm bis dahin - aber die müssen wir auch wieder ZURÜCKMOTOREN und weisse Strände sollten wir wohl noch öfter zu sehen bekommen. Am ersten fahren wir gleich vorbei, direkt neben Port de Móz. Vorher düse ich aber schnell noch mal an Land, die halben Kühe, die gleich neben dem Ponton am Haken hängen, haben es mir angetan. Geld brauchen wir auch noch und weil die Melonen immer noch als “oferta” rumliegen, klemme ich mir auch noch so`n Monsterteil unter den Arm. Wenn zurück, dann auch richtig, die Tide läuft ab, der Strom schiebt, der Motor dröhnt - wir laufen mit 8kn! Keine Umwege, Rio Xingu, dann in den braunen Amazonas, kurze Unschlüssigkeit “Sollen wir wirklich?” - der Admiral spricht ein Machtwort und der Käpt`n steuert wieder Richtung Atlantik. Ilha dos Macacos, Ilha do Tambor, Ilha de Urucuricaia, Ilha de Jaburu, Ilha do Sarapoi, Ilha Grande de Gurupá, ... jetzt will ich auch bis Gurupá. Ist `ne blöde Idee, wir kommen da nachts an, es ist (naturgemäss) stockdunkel, die Tiefe steigt von 20m fast schlagartig auf 2, wir brauchen fast eine Stunde, bis wir endlich auf 8m ziemlich blöd zwischen irgendwelchen Pfählen ankern. Dazu stinkt es und keiner redet mehr von der tollen navigatorischen Tagesleistung des Käpt`n, sondern nur vom Sch...ankerplatz!

Mittwoch, 12.12.2012

Es stinkt immer noch nach verbranntem Müll - sorry, Gurupá, du hast es sicher nicht verdient - aber wir haben keine Lust mehr auf Stadtbesichtigung, leiern den Anker hoch und weiter geht`s. Wieder an unzähligen Ilhas vorbei, hinter der Ilha Urutai verlassen wir die “Hauptstrasse” und sind mit einem Mal fast alleine. Keine Schubverbände, keine mehrstöckigen Hängematten-Dampfer, ganz selten mal `ne Stelzenhütte, dafür dicker, fetter Urwald! Sieht man natürlich nur, wenn man direkt am Ufer lang schabt. Und da entdecken wir dann auch ein nettes Schlafplätzchen, kein Gestank, passende Wassertiefe, lauter Bäume, kreischende Papageien, ... und da Bordfrau unterwegs nicht untätig war, sondern sich der Kartoffelsalatmassenproduktion gewidmet hat und sich dazu ein Assado wünscht, schmeisse ich also (dabei natürlich die obligatorische Bierdose in der Hand haltenNix Maracuja, aber alles Banane an Bordd) die Hälfte meiner brasilianischen Kuh auf den Grill und wenig später das Ergebnis meiner Grillkunst auf die Teller meiner erwartungsvoll, hungrigen Crew. Das Vieh ist vermutlich auf einem Rodeo zu Tode gehetzt worden, oder hätte erstmal eine Woche in der Sonne hängen müssen - wie auch immer, früher wäre der Koch dafür kielgeholt worden. Zum Glück war genug Kartoffelsalat da.

Donnerstag, 13.12.2012

Wir “rasen” weiter, bei dem Tempo schaffen wir es doch noch zu unserer Verabredung - “Weihnachten auf Grenada”. Eine schwere navigatorische Entscheidung muss gefällt werden: Weggabelung - fahren wir an der Ilha dos Porcos längs, oder an der Ilha do Maracujá auf dem schmaleren, gleichnamigen Rio? Schweineinsel klingt ja gut, Marion entscheidet sich für die Frucht. Also Rio Maracujá! Die selbe Strecke auf dem Hinweg, wir wären mit Sicherheit wieder alle 10sm irgendwo “hängengeblieben” - jetzt stoppt uns erst ein kräftiges Gewitter. Zum Glück haben wir gerade ein Stück mit passender Tiefe, also schmeissen wir den Anker runter und warten. Ist dann auch schnell wieder vorbei, aber da eh schon später Nachmittag und der Tidenstrom von vorn und wir genau vor einem Baum voller laut palavernder Papageien ankern und Hunger haben und keine Lust, nochmal ankerauf zu gehen ... bleiben wir gleich hier.

 

Freitag, 14.12.2012

Das Ankern unterm Papageien-Schlafbaum hat auch seine Nachteile. Sowie die Sonne aufgeht fangen die sofort an, sich kreischend über die Erlebnisse der letzten Nacht, oder die Pläne für den kommenden Tag oder die Schwanzfeder der Nachbarin oder sonstwas zu unterhalten. Und in was für einer Lautstärke!!! Und wenn man dann nach einer halben Stunde das Kopfkissen wütend in die Ecke schmeisst und sich aus`er Koje rollt, ist schlagartig alles vorbei. Die Viecher fliegen kreischend zu ihren Futterplätzen - unterm Schlafbaum herrscht Ruhe. Na ja, bis auf das Geklapper der Kaffeetassen auf der Mira. Anker hoch, mit der Tide gehts weiter dem Meer entgegen, vorbei an der Ilha Sao Joaquim - wäre `n netter Ankerplatz - dann links abbiegen, dann nach rechts, laut Karte ist hier zwischen den beiden Inseln ein Kanal mit 10m Wassertiefe, irgendwie finden wir den nicht, versuchen es mehr links, dann wieder rechts und quälen uns mit Schweisstropfen auf der Stirn 2s... und wieder mal über den Äquatorm durch flaches Wasser, bis wir endlich den Furo da Cidade erreichen. Der Tiefenmesser atmet auf, wir auch - können endlich wieder die Landschaft geniessen und entdecken einige schöne Fleckchen zum Ankern. Andererseits schiebt die Tide noch `ne Weile, wir sind kurz vorm Amazonas und von dort sind`s nur noch 20sm bis Macapá. Kurzer “Kriegsrat” - wir fahren weiter! Blöde Entscheidung, kaum `ne Stunde im Amazonas, kippt die Tide und wir quälen uns gegen die immer stärker werdende Strömung vorwärts. Immer schön am rechten Ufer, den Gashebel ständig ein Stückchen weiter vorschieben, wir haben schon fast das Gefühl zu stehen, als wir die elendig langen Sandbänke in der Flussmitte endlich passiert haben, auf die 5sm entfernte andere Uferseite können und ganz nebenbei auch schnell noch den Äquator überqueren. An Macapá längs, sieht nett aus, aber nirgends was zu entdecken, was auch nur im entferntesten an einen Hafen erinnert. Alles flach, wir sind fast 500m vom Ufer entfernt - wo, verdammt sind die ganzen Amazonas-Dampfer, die sonst vor jeder Stadt liegen? Also weiter, eine Seebrücke, danach ein altes Fort, dann eine ellenlange Seebrücke, da fährt sogar `ne kleine Bahn drauf lang. Danach kommt irgendwie nichts mehr, also zurück. Wir kreisen noch `ne Weile rum und schmeissen dann den Anker auf knapp 3m Tiefe vorm Castello. Dichter ran trauen wir uns nicht, wozu auch? Wir liegen ungeschützt auf dem Fluss, die einlaufende Tiede schmeisst gegen die eigentliche Flussströmung eine ordentliche Welle - mit unserem wackligen Bötchen können wir da eh nicht an Land fahren - Stadtbesichtigung per Fernglas, kochen statt Imbiss und überhaupt soll Macapá ja fürchterlich teuer sein.

Sonnabend, 15.12.2012

Es brennt. Blöder Traum ... Es brennt?!! Augen auf! Beissender Qualm liegt in der Luft. Boah! Sind wir das?!! In Nullkommanichts bin ich aus der Koje, haste durch´s Boot - bei uns ist alles in Ordnung. Ein Blick nach draussen: ganz Macapá liegt unter ´ner dickAuch der Himmel weint ...en, grauen Qualmwolke. Die erste Häuserreihe kann man noch erahnen, dahinter undurchdringliches Grau. Was spielen die denn hier? Müllverbrennung im grossen Stil? Oder fackeln sie den kompletten  Regenwald rundherum ab?! Die blöde Welle ist auch noch da, also nix mit Macapá (genug Vorräte bis Französisch Guyana haben wir und es geht ja auch mal ohne Grünzeug und Vitamine). Nichts wie weg! 7 Uhr, in Rekordzeit ist der Anker oben, wir gehen raus auf den Amazonas, da kann man wenigstens wieder atmen. Grosse Inseln von Wasserlilien treiben uns entgegen und gelbe Schmetterlinge flattern zuhauf herum - der Käpt´n holt über Kurzwelle noch schnell den Wetterbericht. Der sieht gut aus, aber es kommen zwei weitere e-mails rein: Ingrid von der "Pico" ist gestorben ... Mein Gott, das haut uns fast die Füsse weg! Vor ein paar Tagen gerade hatten wir gemailt und in Ingrids Antwort stand etwas von 1 bis 5 Jahren, die ihr die Ärzte noch gaben. Aber sie klang so zuversichtlich, so kämpferisch ... Keine 3 Wochen! Wir sind platt, wollen nicht mehr weiter und suchen uns eine Ankermöglichkeit in der Nähe. Ilha Pedreira. Gegen Mittag futzeln wir uns in eine kleine Einbuchtung, gleich neben viel Grünzeug, der Anker fällt - und wir sitzen einfach nur da und heulen. Irgendwann holen wir den kleinen Tannenbaum raus, den wir im vorigen Jahr von Ingrid und Fritz bekommen haben, er wird geschmückt und bekommt einen Ehrenplatz direkt vor der Steuersäule. Sehen Ingrid vor uns, wie sie in Carmelo im Bikini den neu erworbenen grösseren "Pico"-Baum schmückt, mit der 100er Lichterkette behängt, die schauderlich blinkerte und dann den kleinen Baum zurücktauschen wollte. Beim Lachen laufen die Tränen ... Käpt´n wirft abends den Grill an und mit der Dämmerung lassen sich rundherum in den Bäumen unzählige Reiher zum Schlafen nieder. Sitzen lange im Cockpit, eine Flasche Cachaca dabei, und erinnern uns an die schönen Begegnungen und Erlebnisse mit Ingrid und Fritz ...

Sonntag, 16.12.2012

So richtig toll geschlafen haben wir nicht und sehen auch ein bisschen verquollen aus. Na ja, egal. Aber für die "grosse" Tour raus auf´s Meer fehlt uns heut die Power. Wollen wenigstens ein Stück weiter - Käpt´n entdeckt auf der rechten Amazonas-Uferseite einen Nebenfluss mit dem klangvollen Namen Acaituba, nur ca 14sm entfernt. Kurz vor 8 Uhr ankerauf und mittags fällt das Eisen (Fotosession mit Waschkorbnatürlich nach ein bisschen Sucherei zwecks passender Tiefe) in die braunen Fluten besagten Flusses. Schön hier. Natur pur. Vor dem gegenüberliegenden Ufer ist eine riesige Sandbank, auf der gerade Fussball gespielt wird. Etwas weiter davon stehen drei Stelzenhäuschen. Um mich abzulenken stürze ich mich auf den Waschkorb (noch haben wir hier reichlich Süsswasser) und Käpt´n friemelt unter Deck. Es dauert nicht allzu lange, da kommen zwei Jungs in ihren Booten vorbei, sagen hallo und erzählen ein wenig, u.a. dass sie jetzt kein Fussball spielen gehen sondern auf dem Weg in die Kirche sind (hört, hört :) Einer von ihnen hat Probleme mit seinem Aussenborder und mein Käpt´n kann schnell helfen. Strahlend düsen sie wieder los. Ich wasche weiter meine Wäsche, das ganze Vordeck ist vollgehängt mit Klamotten, da kommen die Jungs zu dritt wieder, mit einer Gitarre und wollen für uns spielen und singen. Also lass ich Wäsche Wäsche sein, stell die Schüsseln um die Ecke, zieh mir schnell was Ordentliches an und setze mich zu ihnen und meinem Holden, um zu lauschen. Nebenbei haben wir herausbekommen, dAn Steuerbord hat´s nochmal soviele Booteass in dem Dorf hier an die 50 Leute wohnen ... und so nach und nach kommen wirklich alle zu uns auf´s Boot, um uns zu begrüssen, sich vorzustellen, die ganze Familie, mal zu gucken, Fotos zu machen, ... die MIRA hängt inzwischen mit dem Heck ganz schön runter bei so vielen Leuten. Die meisten möchten auch mal unter Deck, alles ansehen und loben ausgiebig (obwohl ´s da grad wie bei Hempels unterm Sofa aussieht :). Und am Horizont tauchen immer neue Boote mit neuen Besuchern auf ... So gaaaanz langsam verschwinden auch mal welche, dafür kommen wieder neue. Meine Süssigkeiten für die Kiddies gehen zur Neige, die kühlen Getränke auch. Wir haben es aufgegeben, uns all die Namen zu merken (einer hiess echt Elton John!) Unsere Gitarreros haben mächtig Sitzfleisch und halten bis 16 Uhr aus. Alle sind wirklich nett, aber ich bin anschliessend fix und foxi - es ist ja noch dazu richtig heiss. Zu 16 Uhr haben wir eine Einladung an Land, die wir dann auch völlig überstürzt mit 1/2 stündiger Verspätung einhalten (immerhin sind wir vorher auch mal einen Moment lang alleine, damit wir uns schnell einen Eimer Wasser über den Kopf schütten können). Danach tuckern wir mit unserem winzigen, orangen Bötchen rüber und dort hat sich die ganze Familie nebst Freunden schon zur Bergrüssung aufgebaut. Natürlich müssen wir gleich was essen und überhaupt. Die Unterhaltung ist manchmal “holperig”, im Portugiesischem hapert es doch gewaltig bei uns, aber das gelernte Spanisch hilft. Funktioniert irgendwie und alle sind super nett! Später sitzt der Käpt´n in der Männerrunde vorm monströs grossen Flachbild-Fernseher beim Fussball und "fachsimpelt", während mir nebenan im Schlafzimmer aufwendig die Fingernägel lackiert werden (meine schwache Gegenwehr wurde glatt übersehen :) Sie sind ein bisschen enttäuscht, dass wir morgen gleich weiter fahren wollen, trotzdem wird spontan der halbe Garten abgeerntet, frischer Paprika, Zwiebeln und Kohl zum Mitnehmen ... Im Stockdunkeln tuckern wir vorsichtig quer über den Acaituba in Richtung Mira.

Montag, 17.12.2012

Heute gegen 5 Uhr wollten wir EIGENTLICH los, aber EIGENTLICH finden wir es auch richtig nett hier - o.k., bleiben wir noch ´n Tag. Am Vormittag kein einziger Besucher, alle denken natürlich, wir sind gefahren. Gegen Mittag taucht das erste Boot auf. Lena, gestern die Letzte bei uns an Bord, klettert Kein Vitaminmangel mehr an Bordstrahlend mit einer Freundin und vier Kindern ins Cockpit. Sie bringen uns drei Stauden Bananen, Limetten, Cupuacú, Mangos und andere Früchte und Lena versucht, uns zum Bleiben zu überreden. Vor sieben Jahren war hier im Dorf schon einmal ein englisches Boot, das direkt vor ihrem Haus geankert hätte und die sind einen Monat lang geblieben! Wir wehren lachend ab, nein, vier Wochen? Nein, aber ein paar Tage könnten wir unsere Abfahrt wohl verschieben. Bevor sie gehen beschreibt sie uns wo wie ihr Haus finden und lädt uns ein. Nachmittags schwingen wir uns also wieder in´s orange Bötchen, bezwingen den Acaituba in voller Breite und biegen ab ins Dorf (hier ist das Wasser etwas ruhiger). An beiden Ufern stehen etwa 20 Holzhäuschen oder -hütten auf Stelzen, eine Kirche, dahinter direkt  Regenwald. Jeder hat einen kleinen "Hochgarten" und Obstbäume, ein Stück weiter verzweigt sich der Fluss noch einmal. Und hier finden wir Lenas grün-weisses Haus. Von links ruft jemand aus einem Mangobaum - Lena! Sie ist dabei, eimerweise die leckeren Früchte zu pflücken und einen Grossteil davon schüttet sie uns gleich ins Boot. Auf der schattigen Terrasse vor ihrem Haus sitzt der Rest der Familie: ihr Freund Sam, beide Kinder und ihre Mutter mit dem kleinsten Enkel. Uns wird das Haus gezeigt und anschliessend sitzen alle draussen beim Kaffee (haben unser kleines "dictionario"dabei, die Unterhaltung gelingt ganz gut). Als es dunkel wird will Lena auch für uns ein paar Fische auf den Rost ihres Mud-Ofens legen, aber wir lehnen dankend ab - wollen bevor es stockdunkel ist zurück am Boot sein (hab Schiss, im Dunkeln mit einem, im Acaituba treibenden Baumstamm zusammenzustossen). Schnell werden noch 2 Liter Acai für uns abgefüllt (wir könnten ja verhungern), müssen versprechen, noch nicht abzufahren und werden zum Abschied Luftige Küche mit Waldblick und Geschirrspülergedrückt, als wären wir schon seit langer Zeit beste Freunde.

Mittwoch, 19.12.2012

Schaukeln immer noch Acaituba. Gestern kam Markus mit seinem schön bemalten "Golfinho" vorbei und hat uns zum Fischen abgeholt. Sind einen Nebenfluss raufgefahren, haben dort Bambusstöcke in´s Wasser gesteckt, Netz drangehängt und auf dem Rückweg ´ne kleine Fazenda mit Mais und Bananen beguckt. Nachmittags Netzkontrolle - drei kleine Fischchen. Immerhin. Mit der Beute ging´s zu seinem Haus, wo uns Angela mit den Kindern schon erwartet hat. Wurden lecker bekocht (irgendwie hatte sie noch mehr Fisch :). Dazu gab´s natürlich Acai! - Heut kommt An Bord der PérolaMarkus wieder, sammelt uns ein und zeigt uns sein grosses Holzboot, das in einem anderen Nebenfluss auf dem Trockenen, schattig unter Bäumen liegt. Seit 3 Monaten baut er daran (hat 10 Jahre drauf gespart). Es ist fast fertig und schon gestrichen. Wir klettern rein, sehen alles an. Die meisten Bodenbretter fehlen noch. Markus greift sich ein Werkzeug und zeigt uns auf die Schnelle, wie er sie anpasst. Hut ab, der hat Ahnung! Für die Steuerung fehlen ihm noch Seile - vielleicht finden wir in unserer Backskiste was Passendes. Als Flachwasser ist düsen wir mal zur Sandbank rüber, wollen sehen, ob wir hier trockenfallen können. Super Platz! Merken uns zwei markante Bäume, um die Stelle wiederzufinden.

 Donnerstag, 20.12.2012

Morgens verdrücken wir uns leise zur Sandbank. Die ungefähre Lage hatten wir uns ja eingeprägt, eine gedachte Linie zwischen zwei hohen Bäumen auf jeder Uferseite. Heute stehen da natürlich mehrere hohe, markante Bäume! Immerhin hilft der Tiefenmesser weiter, bei der geringsten Tiefe schmeissen wir den Anker runter. Erstmal in Ruhe Frühstücken und nach dem zweiten Kaffee kann ich schon mal ins nur noch hüfthohe Wasser springen und an unserem Wasserpass rumschrubben. Sieht schliesslich schicker aus ohne Grünzeug. Marion macht sich am Paddelradgeber der Logge und den Wasserfiltern nützlich, ich schraube neue Anoden an. Dass wir auf der Sandbank nicht ewig allein sein werden, war uns natürlich klar, irgendwann taucht das erste Boot auf, das nächste, noch eins, ... das halbe Dorf hat genau heute beschlossen, mal die Sandbank zu besuchen. `Ne Weile können wir ja noch emsige Geschäftigkeit vortäuschen, ich liege im Sand unterm Boot und stocher sinnlos in irgendwelchen Löchern rum, während Marion wie doof den Propeller poliert, aber bald hab ich in allen Borddurchlässen rumgepult, Marion kann sich im Propeller spiegeln und die Kids hocken sowieso  neben ihr oder kriechen mit unters Boot. Also wird `ne Melone geköpft, der restliche Kuchen zerkrümelt und mit den Mädels im Arm zwecks Foto vorm Boot posiert. Markus taucht mit sechs Bambusstöcken auf, um mit den Jungs auf der Sandbank Fussball zu spielen, eine Frau stellt sich als Markus Schwester vor, heisst auch Angela und hilft uns erstmal `ne grosse Schüssel Camaraós über. Also werden Schrimps gepult, geschladdert (Marion), ab und zu ins Wasser gesprungen (ich), in weitere Kameras gegrinst, der Ball aus dem Wasser gerettet, dem einen oder anderen wegtreibenden Boot hinterher geschwommen, mit unseren Leinen Seilspringen gespielt, ... irgendwann ist das Wasser soweit gestiegen, dass vom Spielfeld nicht mehr viel übrig ist, wir werden nochmal geschüttelt, haben weitere "Besuchstermine", jeder sucht sich `n Platz in einem der Boote, mit viel Geknatter brausen alle davon und wir sind wieder ALLEIN, ALLEIN!

Freitag, 21.12.2012

Jetzt hätten wir um ein Haar den Weltuntergang verpennt, es ist fast 8 Uhr, als wir uns aus der Koje pellen! Erstmal `n Kaffee, Frühstück, noch `n Kaffee - irgendwie passiert hier nix mit`m Untergang! Vielleicht geh`n wir ja auch erst abends unter? Marion, weniger praktisch veranlagt, will die Zeit bis dahin mit diversen nützlichen Tätigkeiten ausfüllen, wie, alle Schuhe rauskramen und putzen, Schränke leerräumen und auswischen (die ewige Schimmelbekämpfung), Brot backen, ... ich bin da ja mehr praktisch veranlagt (das Brot kann nach`m Untergang eh keiner mehr essen!) und widme mich weniger nützlichen Dingen wie, Lesen, Rumdösen, Camaraó essen, Sudoku lösen, nix tun, ... Abends um Fünf ist die Welt zumindest am Amazonas noch immer nicht untergegangen! Vielleicht war das mit dem Brot backen ja doch keine so schlechte Idee! Wir leiern den Anker hoch und fahren in das kleine Nebenflüsschen, ins Dorf - hatten wir Lena ja versprochen.

Sonnabend, 22.12.2012

Die Frauen des Dorfes sind heut früh alle nach Macapá getuckert (7 Stunden Fahrt), vermutlich die letzten Weihnachtseinkäufe. Am liebsten hätte ich Marion ja mitgeschickt, die möchte heut aber angeln. Wir haben noch reichlich Camaraós, die eignen sich auch supi als Köder (obwohl man sie dazu eigentlich ungekocht und ungesalzen nimmt). Perfekt ausgerüstet, mit Sonnenhut und Angel knattern wir das Flüsschen rauf bis es nicht mehr weiter geht, binden uns an einen Baum und werfen Haken nebst Köder ins braune Nass. Passend zum Flüsschen sind auch die Fische klein (aber bunt), setzen alle wieder zurück. Uns umflattern Schmetterlinge, über uns kreischen Sittiche und am Festmachbaum wird plötzlich ´ne grosse Spinne lebendig, was Marion in einige Aufregung versetzt ... Zurück an Bord ist alles schief - die Mira sitzt auf. Motor an, wir schaben über die Sandbank, kommen frei und ankern ein paar Meter weiter, direkt im Kreuzungsbereich. Landleine in den Regenwald (dauert nur anderthalb Stunden) - fertig! Hoffen, dass die bootfahrende Dorfbevölkerung uns hier rechtzeitig sieht :)

Und noch ein Stück ab ...

Sonntag, 23.12.2012

Wir schlürfen grad gemütlich unseren Frühstückskaffee, da bindet sich das erste Kanu bei uns fest. Eigentlich hatten wir gedacht, schon alle mal an Bord gehabt zu haben - aber was soll`s. Kaffee wollen sie nicht, Saft auch nicht - nur mal im Cockpit sitzen. Wenn`s weiter nichts ist... Die drei sind kaum weg, da springen wir in unser Bötchen und tuckern zu Lena rüber, eh die Nächsten anklopfen. Lena werkelt mit Acai und Camaráo in ihrer open-air-Küche, drückt und knutscht uns, als ob wir drei Jahre weg waren, Sam schaukelt in der Hängematte auf der Veranda und will heute noch ein bisschen Haus streichen. Aber erst später. Passt gut, wir versprechen zu helfen und wackeln erstmal den Holzsteg zum Nachbarhaus rüber. Da hängt nämlich ein Schild dran, "corte cabelo 3 Reais" und für `n Euro lass ich mir schon mal `ne original Amazonasfrisur verpassen. Jedeon dengelt gerade einen Propeller, hat aber natürlich kein Problem damit, den Hammer gegen eine Schere einzutauschen und sich die 3 Reais zu verdienen. Ich werde auf einen Stuhl gesetzt, die ersten Zuschauer finden sich ein und der Meister beginnt sein Werk. Innerhalb einer Viertelstunde verpasst er mir die hier übliche Dorffrisur, schnippelt noch mal kurz hier und da, ist mit dem Ergebnis endlich zufrieden, die Zuschauer auch, ich sowieso und Marion ist gleich so begeistert, dass sie sich spontan dazu hinreissen lässt mich vom Stuhl zu schubsen. Äh, wie? Frauen schneiden kann er nicht. Claro, ist doch ganz einfach, eigentlich wie beim Mann, nur die Haare sind etwas länger. Marion erklärt kurz, wie es aussehen soll, Jedeon fängt vorsichtig an zu schnippeln und ich werde als Beobachter dahinter plaziert, um zu berichten, wie`s am Hinterkopf denn jetzt so ausschaut. Naja, kürzer eben! Das ist Marion nicht präzise genug, ein Spiegel wird hervorgezaubert und festgestellt, dass Ergebnis und Wunschfrisur noch nicht ganz übereinstimmen. Ich bin von meiner Funktion entbunden, Marion dirigiert mittels Spiegel, die Spannung für die Zuschauer steigt, der Meister kommt ins Schwitzen, der erste Hund schnüffelt am Versuchsobjekt ... dann kommt Jedeon in Haarschneideekstase, Marion`s Augen fangen an zu leuchten, hier noch ein bisschen, da noch ... ja, genau so hatte sie sich das vorgestellt!!! Glücklich will sie ihm 4 Reais in die Hand drücken, aber der Meister bleibt bescheiden - eine Stunde Haareschneiden kostet nur 3! Vielleicht malt er ja jetzt unter sein Schild "Frauen auch!". Pünktlich stehen wir mit neuen Frisuren und Arbeitsklamotten zum Arbeitseinsatz bei Sam, bekommen jeder Pinsel nebst Farbtopf (PINK!) in die Ha23and gedrückt und dürfen die Terrasse verschönern. Lena ist mit ihrer Küche fertig, kommentiert mit ein paar anderen Frauen unsere Tätigkeit, weitere Zuschauer finden sich ein - heute gibt`s vermutlich im ganzen Dorf nichts spannenderes als malernde Gringos. Ein paar Stunden später ist die Farbe alle, die Terrasse strahlt zwar noch nicht ganz in Pink, aber ... den Rest machen wir MANANA! Also irgendwann, wenn Sam mal wieder nach Streichen zumute ist :) Duschen, Abendessen bei Lena, hinterm Haus rattert der Generator, wir hocken auf Uralt-Sofa, Plastestühlen und Hängematte vorm Fernseher, verfolgen mehr oder weniger interessiert ein Telenovela, füllen ab und zu die Gläser mit argentinischem Wein, den wir zur Feier des Tages mitgebracht haben, stolpern irgendwann im Schein der Stirnlampen über den Wackelsteg zu unserem Boot, ... Dusche, Zahnbürste, Nachtruhe!

Montag, 24.12.2012Posen auf Sägespänen

Mittags sitzen wir bei Lena, werden mit Camarào gefüttert und da lässt sie es raus: heute ist Weihnachten, da können wir ja nicht alleine auf unserem Boot hocken - wir schon am Grinsen, oh cool, hier lecker essen, Telenovela, Wein! - Nö, wir soll`n mit in die Kirche. Äh, wie? Jo, hier ist Weihnachten das ganze Dorf in der Kirche, da gibt`s Musik, man singt und hinterher wird gegessen. Klingt ja jetzt nicht soooo schlimm, oki, kommen wir halt mit. Was zieht man denn da an? Wir haben ja noch ein paar Stunden darüber nachzugrübeln - denken wir zumindest - eine Stunde später klopft Lena am Boot, sie will ihren Bruder, der einen Nebenfluss weiter wohnt, besuchen - wir sollen mit. Der nächste Nebenfluss heisst dann eine Stunde Fahrt, dort im knietiefen Schlamm ans Ufer waten, Füsse im bereitstehenden Eimer waschen, Bruder nebst Frau, Tochter und Enkel schütteln, Kaffee trinken, über Berge von Sägespänen klettern, um das Sägewerk anzuschauen, das sie hier mitten im Urwald betreiben, ururalte Dieselmotoren, sowie mehrere angefangene Bootsbauprojekte (natürlich aus bestem Holz) zu bestaunen, dann wieder alle schütteln, eine Stunde Rückweg - wir schaffen es gerade noch, uns die Wassereimer über den Kopf zu kippen und uns in Schale zu werfen! Um Acht düsen wir dann mit Lena und Kindern (Sam hat keine Lust) im Kanu zur Kirche. Lange Hose, Hemd und Schuhe - war `ne kluge Entscheidung - alle sind hier "aufgedonnert" wie zum Abi-Ball! Minikleider, Stöckelschuhe (dass die mit den Dingern nicht zwischen den Brettern steckenbleiben?), Anzüge - Marion sinniert darüber, wie die das anstellen, dass das Zeug nicht in den Schränken schimmelt. Endlich kriegt irgendwer den Generator in Gang, das Licht geht an, die Tür auf, alle schreiten hinein und verteilen sich auf den Holzbänken. Frauen links, Männer rechts - ich finde, dass ich ganz hinten sehr gut aufgehoben bin. Dann geht die Show los, irgendein Prediger erzählt was, alle freuen sich und singen munter drauflos. Dazu Schlagzeug, E-Gitarren - klingt eigentlich ganz nett. Immer weitere Leute gehen nach vorne, um irgendwas Wichtiges loszuwerden, dann singen wieder alle, die Band legt sich ins Zeug, neuer Redner oder Sänger, einer stimmt uns zu Ehren ein Lied an, alle fallen lNach 4 Stunden Kirche sind alle mega-hungrigauthals ein: "Jesus ist unser Kapitän" - äh, ich dachte immer ich bin der Käpt`n! - Ein neuer Pastor, der mich unbedingt umarmen muss, wieder müssen alle für uns singen, irgendwann vermutet eine Kirchenmutti, dass Marion nur deswegen nicht mitsingt, weil sie den Text nicht kann, stellt sich brav neben sie und hält ihr das Gesangsbuch unter die Nase, ... zwei Sunden, die Bänke werden langsam hart, alle singen immer noch fröhlich, die Predigten werden länger, dritte Stunde, die Bank ist fürchterlich hart, ich vertreibe mir die Zeit damit, die Chicas in ihren knappen Kleidern anzuschauen, die von der anderen Bankseite rüberwinken, die ersten Männer gehen nach draussen, jetzt kommt der Oberprediger, gesungen wird fast nicht mehr, der Pastor kommt langsam in Ekstase, mir tut der A... weh, Marion schaut sich immer öfter verzweifelt nach mir um, der Pastor ist nur noch am Schreien, ... mir reicht`s, ich schleich mich raus (die Männerseite ist eh schon zur Hälfte leer). Die stehen alle draussen, sind am Labern und warten auf ihre, offensichtlich leidensfähigeren Frauen. Auf meine brauch ich nicht lange warten! Halbe Stunde später haben dann wohl alle genug, oder dem Prediger ist nichts mehr eingefallen, oder alle haben Hunger, jedenfalls stürzen alle raus und wir werden mit ins Nachbarhaus geschleppt, wo das Buffet aufgebaut ist. Die Dorfmuttis schieben uns erstmal grosse Portionen zu, dann entdeckt uns der Oberprediger, versucht, uns ein Gespräch aufzudrängeln und klatscht unsere Teller nochmal richtig voll. Das Essen ist ja lecker, aber der Typ irgendwie nicht. Wir grinsen nochmal für ein Foto mit uns in eine Kamera, dann sind wir ihn los. Dafür wollen sich aber jetzt auch alle anderen mit uns fotografieren lassen, wir sind nur noch am Grinsen, kommen kaum zum Essen und haben jede Menge neuer Einladungen. Frohe Weihnachten!

Dienstag, 25.12.2012

Die erste EinladEssen, essen, essen ...ung haben wir schon mal für heute Mittag. Seit zwei Tagen brüllt von der gegenüberliegenden Uferseite ein junger Bulle, heute früh noch mal `n bisschen lauter und dann war`s ruhig. Schlachtefest im "Casa de Maria"! Maria ist die Mama, dazu gehört ein immer lachender Papa, eine unüberschaubare Anzahl Kinder, nebst Freund oder Freundinnen, einem Opa und einem Enkel. Der nächste kommt in vier Wochen - eine Tochter schiebt stolz ihren Bauch vor sich her und uns in die Küche. Hier dirigiert Mama Maria die restlichen Töchter und Frauen des Hauses. Der Stierkopf liegt in einer Schüssel, mehrere Feuer brennen, überall wird Fleisch geschnitten, gebrutzelt, gekocht, gegrillt, Gemüse geschnippelt, gewaschen, ... Schlachtefest funktioniert hier so: alle Freunde, Verwandten, Bekannten kommen vorbei, setzen sich an den Tisch, füllen sich ein, zwei Stücke Fleisch nebst Gemüse, etc. auf den Teller, essen auf, bedanken sich artig und ziehen ihres Weg`s. Die Frauen schleppen immer neue dampfende Schüsseln an, neue Teller werden hingestellt, die nächsten Gäste bitte! Schlachtefest für Gringos geht anders: die zwei neben Papa und Enkel auf die Sitzbank drücken, Teller hinstellen, Schüsseln rüberschieben und gucken. Bescheiden machen wir es den anderen nach, legen ein Fleischstückchen drauf, Mama zieht eine Stirnfalte, na gut, von dem geschmortem Fleisch auch ein Stückchen - Mama schüttelt den Kopf, greift zur Kelle und schaufelt uns erstmal ordentlich Fleisch auf den Teller! Supi, ich brauch mich nicht zu verstellen und kann mir so richtig schön den Wanst vollhauen! Und es ist mega-lecker! Boi saftig, mit irgendwas gebraten, Boi zartrosa, perfekt gegrillt, Boi geschmort mit Zwiebel und Knoblauch, irgendwie landeOh es riecht gut, oh es riecht fein n immer die besten Stücke auf unseren Tellern und als ich einmal etwas unsicher auf einen Fleischbatzen schaue (ist da etwa Fett dran?!) - zack steckt `ne Gabel drin, das Stück wandert zurück in die Schüssel und ein anderes auf meinem Teller. Ich bin im Fleischparadies! Zu Mama Marias Bedauern gibt Marion ja schon nach zwei, drei Stücken Fleisch auf - an mir hat sie ihre helle Freude! Irgendwann krieg ich auch beim besten Willen nichts mehr runter, Mama nickt zufrieden, die Teller werden abgeräumt und irgendwelcher Nachtisch vor uns aufgebaut. Brauch ich jetzt eigentlich nicht, Marion schafft zwei Gläser, während ich verzweifelt in meinem rumrühre. Dann geht`s zur Siesta auf die Terrasse, Papa zaubert aus der Kühltruhe (der Generator läuft heute den ganzen Tag) eiskaltes Bier, bisschen Labern, auf den Fluss schauen und warten bis es Kaffee gibt. Ich stocher lustlos in meinem Kuchen rum, Marion schafft zwei Stücke, mittlerweile haben wir mitbekommen, dass die Namen aller Familienmitglieder mit Z anfangen und sie der Einfachheit halber auf Z-Familie getauft, Papa holt neues Bier aus der Truhe, der Enkel erzählt mir seine bisherige (noch nicht all zu lange) Lebensgeschichte und es ist ihm völlig egal, dass ich so gut wie nichts davon verstehe, ich kaufe einem der Söhne ein geschnitztes Paddel ab, Mama überlegt, ob sie was zu essen machen sollte - jetzt wird`s höchste Zeit abzuhauen! Ich kipp mir an Bord erstmal `nen Grappa ein und jammere den Rest des Tages über meinen Bauch, Marion lässt mich wissen, dass sie mich ja gleich gewarnt hätte und irgendwie meine ich auch, bei ihr eine gewisse Schadenfreude zu entdecken. Na und?! Der Boi war die Magenkrämpfe wert! Ich hol mir jetzt noch `n Grappa!

Mittwoch, 26.12.2012

Kurz nach Elf kommt ErisonAbordnung der Z-Familie, Lenas Sohn angedüst, wir sollen zum Essen rüberkommen. Uff, ich hab den Ochsen noch gar nicht ganz verdaut! Wir lassen uns trotzdem unsere Teller voll hauen und löffeln auch alles brav auf. Fisch liegt ja nicht so schwer im Magen und hinterher können wir ja erstmal `ne Siesta machen. Wird dann doch nix mit dem Verdauungschläfchen, die erste Abordnung der Z-Familie kommt zu Besuch. Natürlich mit einem Topf Acai und jeder Menge Früchte. Gelbe, grüne, dicke, picklige, pelzige, ... Marion kennt die Dinger meist sogar schon beim Vornamen. Ich hätte nicht mal gewusst, dass die überhaupt essbar sind. Einige muss sie schälen, andere aufhacken, einige ausschaben, da ist man nur die Kerne, von der dürfen die Kerne auf keinen Fall gegessen werden, ... da lob ich mir doch so`n simplen Fleischbatzen! Tja, und dann hatte uns Lena beim Essen noch überredet, heute Abend mit zur Kirche zu kommen - ist doch noch Weihnachten, dauert auch nicht sooo lange, der schreiende Oberprediger ist heute nicht da ... Sind wir natürlich so blöd und fahren da abends wieder mit rüber. Um es kurz zu machen: die Bänke sind genauso hart, die Liedtexte haben wir immer noch nicht gelernt, heute haben die Chicas anderen (knappen) Fummel an, die Prediger fangen irgendwann genauso an zu schreien, wir sind nocLena, Simone und deren zweitjüngste Tochterh schneller draussen, da ist es viel lustiger als in der Kirche, zum Schluss ist Lisa Kanu nebst Sohn weg, wir reisen allesamt auf dem Dach einer kleinen Holzbarkasse nach Hause. Mit Sam Telenovela gucken wäre echt spannender gewesen!

Donnerstag, 27.12.2012

Heute wollen wir uns für die ständigen Mahlzeiten bei Lena rächen - Marion kocht Fischcurry und wir haben die ganze Familie zum Essen eingeladen! So`n bisschen am Rumtoddern ist mein Küchenwunder schon: nur noch eine Zwiebel da, der Knoblauch alle, zwei Gläser vom eingeweckten Fisch schlecht, dazu 35 Grados in der Kombüse, zwischendurch kommen auch noch unsere Z-Nachbarn mit neuem Obst - am Ende schnubbert es aber doch lecker und unsere Gäste sind fast pünktlich. Die essen auch ganz tapfer ihre Teller leer und schon fängt Lena an zu drängeln, sie will im kleinen Rio nebenan irgendwen besuchen und wir sollen miSimones kleiner Hochgarten, dahinter einer der Wasserbüffelt. Halbstündige Fahrt auf dem kleinen Flüsschen, wenn`s wirklich nicht mehr weitergeht ist man da. Ein paar Hektar gerodeter Regenwald, hier lebt Simone mit Mann, sechs Kindern und sechzehn Wasserbüffeln in ihrem Stelzenhäuschen. Das heisst, die Büffel wohnen draussen. Die Familie ja eigentlich auch, der grosse Küchen-Ess-Wohnraum ist nach zwei Seiten offen. Nur die Schlafräume haben vier Wände, was sich augenscheinlich für die Familienpopulation als vorteilhaft erwiesen hat. Wir bekommen Kaffe und Kuchen, trampeln durchs Gelände, zählen die Büffel (ein paar fehlen immer, weil sich einige ins Wasser verdrücken - sind ja schliesslich Wasserbüffel), Simone pflückt uns Paprika und Tomaten aus ihrem Hochgarten, gibt uns Knoblauch, wir lassen uns von den Haussittichen am Ohr knabbern, trinken noch `n Kaffee, klettern dann wieder ins Kanu und fahren zurüVorm lila Vanessa-Hausck. Natürlich noch nicht nach Hause, Lena hat heute noch jemanden auf dem Besuchsprogramm. Vanessa ist (dorfuntypisch) ziemlich rund, lacht andauernd und hat ständig einen (fast genauso runden) dauergrinsenden Jungen auf dem Arm. Wir kriegen nochmal Kuchen, erfahren, dass Vanessa als Lehrerin im Dorf arbeitet, müssen natürlich das Haus anschauen, die kunterbunten Zimmer, sind besonders begeistert von der lilafarbenem Stoffummantelung des Flachbildfernsehers und ähnlichen Dekorationselementen, lernen auch gleich einige Nachbarn kennen (die meist auch schon auf dem Boot waren), erfahren, dass morgen die Terrasse gestrichen wird und ... Marion, vom kleinen, runden Vanessa-Prinzen ständig angehimmelt, bietet natürlich sofort vier geschickte Malerhände als Die Chefin des Hauses trägt natürlich auch lilaHilfe an. Nur, zwei davon sind meine!

Freitag, 28.12.2012

Malern, die Zweite! Diesmal nicht Pink, sondern Lila! Ansonsten wie gehabt, wir pinseln wie doof, rein zufällig müssen heute auffallend viele Frauen der Nachbarschaft unbedingt zu Vanessa - wir haben also wieder reichlich Zuschauer. Ich glaube wir müssen langsam Geld dafür nehmen, sonst fällt gleich der Nächsten ein, dass sie ja morgen ihr Haus streichen könnte :) In den Malerpausen, also wenn der Farbtopf grade mal alle ist, schleppt Marion den kleinen, dicklichen Prinzen rum, schwätzt mit den Kindern, wir werden mit Keksen gefüttert und kurz vor SonnenuntergWährend wir streichen sind die Mädels am Badenang strahlt die "Casa de Vanessa"-Terrasse in Lila! Wir tuckern nach Hause - Kekse machen irgendwie nicht richtig satt - zum Glück gibt`s ja Lena. Die hatte uns gestern Abend noch `ne grosse Schüssel Camaráos rübergebracht. Fast 2 Kilo! Und seit sie gesehen hat, wie dämlich wir uns beim "Auspulen" anstellen (ich zumindest), bekommen wir sie jetzt immer schon "ausgezogen" :) Zum Abend das volle Frauenverwöhn-Programm: sie ermattet im Cockpit (bestimmt vom Prinzen schleppen), ich am Herd. Kleingehackte Zwiebeln andünsten, ordentlich Knoblauch dazu, reichlich Camaráos dazu schütten, mit Weisswein ablöschen und `n bisschen köcheln lassen. So kriegt Mann Frauen rum!

Sonnabend, 29.12.2012

Haushaltstag! Beim morgendlichen Rundumschnüffeln meint die empfindliche Nase der Bordfrau zwei Quellen übler Gerüche enttarnt zu haben: Mein Kopfkissenbezug! - da hat mir vielleicht einer was unters Kopfkissen gelegt?! und dann müffelt`s aus der Backskiste! O.k., das kann sein - da habe ich mittlerweile drei Müllsäcke geparkt. Also widmet Frau sich der müffelnden Wäsche und ich mich der Müllentsorgung. Kompostierung, Schreddern, Recycling usw. entfallen mangels Zeit, grünem Punkt, technischer Möglichkeiten, etc. - bleibt die Müllverbrennung! Zum Glück ist gerade Flachwasser, ich stapfe mit den Müllsäcken, Machete, Benzin und Feuerzeug zur kleinen Sandbank direkt hinterm Boot. Bisschen Holz als "Fundament" aufstapeln, Müllsäcke rauf packen, Benzin drübergiessen und Feuerzeug ranhalten! Die Waschfrau leicht am Nörgeln bezüglich der Zugrichtung meiner Aschewolke - kann ich jetzt keine Rücksicht drauf nehmen - Müll immer schön wenden, soll ja schliesslich gleichmässig braun werden, Aschewolke lässt nach, Marion kann die Wäsche wieder aufhängen, Lena besucht sie mit noch einer Schwester (wieviel hat sie eigentlich?), sie sind auf der Suche nach Ohrentropfen (haben wir), ich weiter am Müllwenden, Marion mit neuem Besuch. Diesmal Z-Familie - zweite Abordnung, mit Suppe, Acai, Guavenmarmelade und jeder Menge Obst. Sehen wir so verhungert aus?! Dafür zieht der Bordhase aus! Bisher hatte er ja immer unserem Bord-Teddy Gesellschaft geleistet, aber Marion meint, er wollte schon immer am Amazonas wohnen und drückt ihn dem Kleinsten, der Z-Kinder in die Arme! Die strahlt überglücklich, Hasi ist auch happy und ob Teddy sich jetzt alleine langweilt ist uns sowas von egal ... der ist eh ein Problembär!Hola!

Sonntag, 30.12.2012

Irgendwie machen sich alle Gedanken, wo wir denn den Silvester-Abend verbringen. Lena fährt morgen mit Familie nach Macapá zwecks Party (naja, Sam und Kinder zwecks Party, Lena zwecks Mama besuchen), da könnten wir doch mitkommen. Ja, könnten wir, aber ... Für die Z-Familie ist eigentlich klar, dass wir zu ihnen kommen, schliesslich wohnen wir auf der anderen "Strassenseite" ... und dann kommen auch noch Angela, Markus nebst Töchterchen Maria-Clara und Klein-Markus vorbei. Morgen wäre doch Silvester, Angela kocht was leckeres, wir sollen unbedingt zu ihnen kommen! Alles geht ja nun auch nich ...! Fest steht, auf keinen Fall in die Kirche und als Klein-(Terroristen)-Markus wieder von Bord ist, atmen wir auf und streichen die nächste Variante. Ausserdem haben wir ja noch bis morgen Zeit - wir packen `ne Flasche Wein ein und fahren rüber zu Lena - der Generator knattert hinterm Haus, TELENOVELA-ZEIT!

Montag, 31.12.2012

Nie wieder Silvester im Rio Acaituba - dagegen ist ja in jedem deutschen Seniorenheim voll die Hölle los! Dabei fing der Tag gar nicht schlecht an. Mittags holt die Z-Familie uns zum Essen rüber. Fleisch gegrillt, Fleisch gebraten, Fleisch geschmort, dazu diverse Salate  - Marion übt sich in Bescheidenheit, ich schaff drei Teller! Anschliessend wird gleich Kaffee und Kuchen angekündigt, bis dahin sind aber noch zwei Stunden Zeit. Also rollen wir ins Bötchen und tuckern in den einen Nebenfluss um die Ecke, den wir noch nicht gesehen haben, sammeln unterwegs ein paar Mangos vom Baum, einige Limetten und sind pünktlich zum Kaffee zurück. Sitzt da doch echt dieser unsympathische Schrei-Pastor am Tisch und lässt sich durchfüttern! Nicht, dass jetzt für uns nichts mehr übrig wäre, nö, dieser ätzende Typ schwört gerade die ganze Familie auf den abendlichen Kirchenbesuch ein - wer `ne Rede halten soll, wer was singt und am Schlimmsten, was sie alles zum anschliessenden Buffet mitbringen sollen! Marion kriegt fast Pickel, als er sie dann auch noch umarmt und sich schon auf uns, heute abend freut ... Und so kommt es zu unserem beschaulichsten Jahresabschluss der letzten hundert Jahre. Während hinter der Flussbiegung das Dorf in der Kirche versammelt, lustige Lieder zur Erbauung des Herrn trällert und noch `ne Biegung weiter Klein Markus vermutlich gerade Angela beim Kochen terrorisiert, sitzen wir im Cockpit, ringsum alles stockdunkel, `ne kleine Lampe über uns baumelnd und spielen "Mensch-ärger-dich-nicht"! Zumindest solange bis ich keine Lust mehr habe, weil ich mich ärger, dass Marion mich andauernd rausschmeisst :-( Dann spielen wir doch weiter,  bis Marion nicht mehr will - dabei macht`s gerade riesig Spass, sie kriegt mit ihren blauen Hanseln keinen Fuss auf`s Brett, ich hau die andauernd raus :-) Wir spielen trotzdem weiter, schauen auf die Uhr, legen schon mal zwei "abgelaufene" Fallschirmraketen raus, noch `ne halbe Stunde, nippen am ORANGENSAFT-Gläschen, noch 15 Minuten, kicken uns weiter vom Spielbrett, noch zehn ... und dann fängt es an zu "schütten"! Spielbrett rein, Saft rein, Raketen rein - keine Ahnung, ob die in der Kirche mit ihrem Gesang irgendwen verärgert haben, jedenfalls hört`s nicht mehr auf zu regnen - wir packen die Raketen zurück in die "Notfall-Box" und verschwinden in unsere Kojen. Prosit Neujahr!

 

Ankern im Regenwald

Montag, 07.01.2013

Ja, so komisch das auch klingen mag - wir brauchten mal "Urlaub" vom Dorfleben, von täglichen Besuchen, von der Rundumversorgung - einfach mal wieder nur zu zweit sein ... Gleich frühs am Neujahrsmorgen kommt Jedeon und lädt uns zum Mittag ein, aber wir lehnen dankend ab, wir wollen den Acaituba hinauffahren. Ein bisschen enttäuscht guckt er schon, winkt und tuckert wieder los. Gerade wollen wir ankerauf gehen, da kommt er zurück, MIT DEM ESSEN! Lachend gibt er uns die Töpfe herüber. Unfassbar! Sie sind echt soooo lieb!! ;)  Später fahren wir auf den Acaituba hinaus, biegen rechts ab und tuckern immer weiter flussaufwärts. Als sich der Fluss verzweigt entscheiden wir uns für links (rechts hatten wir ja grade). Mangels Karte hatten wir uns vorher bei den Dorfbewohnern erkunRegenduschedigt ob alles tief genug sei, und es stimmt. Fahren, bis es nicht mehr weiter geht und wir mit dem Heck beim Wenden fast im Grünzeug stecken bleiben. Also ein kleines Stück zurück, Anker direkt vorm Wald fallen lassen, fertig. Herrlich ruhig ist hier alles, nur das Gezeter von Papageien und das Gebrüll der gleichnamigen Affen ist zu hören. Kein Mensch weit und breit. Das leckere Jedeon-Essen gibt´s im Cockpit, es wird dunkel und wir lauschen lange den Geräuschen der Nacht. Zum Frühstück hocken Äffchen in den Bäumen und beäugen uns - wir bleiben einfach noch einen Tag. Es fängt an zu regnen, wir stellen sämtliche Pützen und Schüsseln auf, der Ertrag ist beachtlich. Geduscht wird auch gleich mal im Regen. Brotbacken, mal wieder Schränke auswischen, Vorbereiten der Fotoseiten für die website, Käpt´n hat diverses zu kleben, der Wassermacher füllt fleissig die Tanks, ... Tags darauf fahren wir weiter, die Sonne brennt wieder gnadenlos. Nach stolzen 2,8sm verschwindet der Anker im braunen Wasser - angekommen! Wir können Brüllaffen aus nächster Nähe beobachten (komischerweise brüllen sie grad mal nicht) und haben über uns ein Arara-Nest im Baum. Gut, dass wir zwei Ferngläser an Bord haben ;) Nebenbei Angelversuche (die Camaráo-Vorräte gehen langsam zur Neige), leider erfolglos. Am späten Nachmittag plötzlich das Knattern eines Motors, kurz darauf macht ein Boot an der Mira fest. Eine Familie, die versucht, ihr Obst und Gemüse zu verkaufen (sie haben keine Camaráos dabei, schade). Kurzer Smaltalk, am Ende tauschen wir 2L Diesel gegen Bananen, Mangos, Manjok und Zuckerrohr. Beide Seiten sind zufrieden und sie tuckern wieder los. Am Sonntag ankern wir (mit Landleine) gleich neben einem Baum, in dem fast 20 Nester von Webervögeln hängen, das ist besser als jedes Fernsehprogramm! DiAna und Lenaese schwarz-gelben Pieper mit ihren himmelblauen Augen haben ein unheimlich vielfältiges Gesangsrepertoire, manchmal meint man, Handyklingeltöne zu hören. Gegen 17 Uhr geht das Vogelgezwitscher in Motorengeknatter unter, ein kleines Boot schiebt sich um die Flussbiegung: Ana und Lena! Sie kommen freudestrahlend an Bord, froh, dass sie uns gefunden haben (wirklich erstaunlich diese Frauen!). Damit wir nicht "im Busch" verhungern haben sie frischen Acai und Camaráos für uns dabei und wir müssen versprechen, morgen, spätestens übermorgen wieder zurück ins Dorf zu kommen. Claro! Viel Zeit haben sie nicht, die Sonne geht bald unter und sie brauchen eine Stunde für den Rückweg. Ausserdem wäre ihr Tank schon ziemlich leer. Käpt´n zapft aus unserem Aussenborder schnell 1L ab, dann Küsschen, Küsschen, nochmal drücken und schon düsen sie wieder los. Am nächsten Morgen, also heute, schüttet es wie aus Eimern ("Spaghetti-Regen", oder "es regnet Bindfäden"), na jedenfalls haben wir Null-Bock bei dem Wetter loszufahren. Also dann lieber MANANA, wie der Südamerikaner so schön sagt.51 Fische

Dienstag, 08.01.2013

Mittags liegen wir wieder gegenüber dem Haus der Z-Familie, die schon heftigst am Winken ist. Mit dem Bötchen schnell rüber, hallo sagen, dann weiter zu Lena. Sam sitzt wie immer auf der Terrasse und schickt uns ins Haus. Es ist mal wieder viel Besuch da, vermutlich eine Cousine von Lena mit Mann und Maus, die Küche ist rammelvoll, alle sind grad fertig mit dem Essen. Lena steht vor ihrer Arbeitsplatte und ist am Fischeputzen. Nach der kräftigen Begrüssungsumarmung zeigt sie uns den heutigen Fang: Brrrrr! Pfiu Spinne!51 Fische!! Oha! Der Besuch verkrümelt sich irgendwann unauffällig (nicht, ohne noch von dem geputzten Fisch mitzunehmen), Käpt´n und Lena sind fleissig am Schuppen und Ausnehmen, ich schnappe mir das rumstehende Mittagsgeschirr. Beim Abwaschen sehe ich aus dem Augenwinkel etwas an der Wand neben mir: ´ne mordsmässig grosse Spinne! So gross, dass die Augen leuchten! Boah! Die Kiddies amüsieren sich über meine Angst. Suellen, Lenas Tochter, nimmt einen Besen und wusch, ist das Monster verschwunden. Aber wohin?! Mit arger Mühe unterdrücke ich den Drang, jetzt gleich auf den Küchentisch zu springen. Ich erkläre ihnen, dass in Deutschland die Spinnen viiiiiel kleiner sind. Sie lachen und meinen, dass die nicht gefährlich sei. Na, immerhin. - Nachmittags kommt Angela mit den Kindern vorbei (Käpt´n und Lena putzen immer noch Fisch ;), wir sitzen in der Küche, erzählen und essen frische Kakaofrüchte aus dem Garten. Abends stellt Lena vor uns 2L frischen Acai auf den Tisch, legt Berge von Obst, Gemüse und natürlich Fisch dazu - zum Mitnehmen. Wann sollen wir das alles essen?Markus, Angela und Kids

Donnerstag, 10.01.2013

Wir sollten unbedingt auch mal wieder zu Angela und Markus kommen (jetzt sind wir schon den zweiten Tag da). Das Erzählen klappt inzwischen recht gut, aber das dictionario ist immer noch griffbereit. Mal basteln die Männer an der "Perola", die inzwischen vorm Haus liegt, wir Frauen spielen mit den Kindern, lernen Englisch, malen, rechnen, gucken Fotos an, hängen Wäsche auf, füttern Enten und Hühner, ... Anschliessend besuchen alle Markus´Mama nebenan, kleines Pläuschchen, versuchen, den Papageien zum Sprechen zu bewegen, wieder zurück, den Generator anwerfen (während Markus an der "Acai-Maschine" steht - er macht heute für uns weissen Acai! - sitzen die Kids vorm Riesen-Flachbildfernseher und gucken gebannt die geliebten Tele-Novelas), gemeinsames Fische vorbereiten und Grillen auf dem Mud-Ofen, Abendbrot, zurück an Bord, Gute Nacht!

Freitag, 11.01.2013

Schon wieder hat´s den ganzen Tag geschüttet, das schlägt einem glatt auf´s Gemüt! Jeder sitzt in seiner Ecke und In der Dorfschulemotzt den anderen an ... Ich glaub, wir müssen langsam mal weiter.

Sonnabend, 12.01.2013

Heute: Sonne!!! Wir haben uns wieder lieb :) Waren im Dorf, die Schule ansehen und haben uns anschliessend bei allen dort verabschiedet. Jede Menge guter Wünsche, aber alle sind erstaunt. Ja, morgen wollen wir wirklich los (nun sind es doch fast 4 Wochen geworden, die wir geblieben sind ;) Am frühen Nachmittag sind wir zurück an Bord, werfen die letzten 6 Fische in die Pfanne. Gerade sitzen wir im Cockpit, haben die ersten Bissen in den Mund geschoben, tucker, tucker, zwei Boote machen bei uns fest. Okay, Besuch. Lena kommt, mit ihr acht Leute, alle verteilen sich im Cockpit. Tja, für so viele reicht der Fisch wohl nicht :) Wir schicken Lena nebst Anhang unter Deck (die Führung kann sie inzwischen übernehmen) und wundern uns, dass es immer noch jemanden hier gibt, der noch nicht die Mira besichtigt hat. Na, sie sind vielleicht aus dem Nachbardorf... Später fahren wir rüber zur Z-Familie, aber alle sind "ausgeflogen". Also weiter, zu Lena (Messer zurückbringen, deren losen Griffe der Käpt´n die letzten zwei Tage repariert hat, nebst einem geklebten Holzteil von Sam´s Gewehr). Dort sitzen wir dann gemeinsam auf der Terrasse, erzählen, trinken Kaffee und irgendwann argentinischen Rotwein, bewundern den schönen Sonnenuntergang, und als der Generator abends angeworfen wird kommen Ana und Jedeon von nebenan, Simone nebst sechs Kiddies und Mann, jeder sucht sich ein Plätzchen - Telenovela-Zeit!

SonntaFaulig, 13.01.2013

Abfahrtstag. Eine Hitze heute, zum Umfallen! Schon seit dem frühen Morgen sind wir am Aufklaren, gegen Mittag, bei Hochwasser wollen wir los. Schnell n Eimer Wasser über den Kopf, bisschen anhübschen und "Abflug", um uns von den Z-ties zu verabschieden. Alle bis auf den Opa sind da, aber einfach nur schütteln und losgehen is nich, wir müssen erstmal quer durch´s Haus und in die Küche, wo uns der Z-Papa lachend auf die Sitzbank drückt. Und schon hat jeder eine Schüssel mit Acai vor sich stehen. Mama Maria nickt wohlwollend, ohne was zu essen kommen wir hier nicht los. Auf dem Herd stehen schon diverse Töpfe mit dem Essen für heute. Sie zeigt uns den abgetrennten Kopf des erlegten Tieres: wir verschlucken uns fast - ein Krokodil! Wortreich erklärt sie uns, dass wir davon auch noch etwas mitnehmen sollen, in einer Stunde wäre es fertig und die Kinder bringen es uns dann an Bord. Na lecker! Krokodil wollten wir immer schon mal probieren. Alle Z-ties strahlen. Natürlich haben sie auch noch Beutel voll Mangos und Cupuacús für uns - das ist ja wie WeiAmigoshnachten! Der kleine Enkelsohn zeigt uns kleine Schildkröten, die in einem Korb um die Ecke stehen (das Essen für morgen), und in dem Moment kommt eins der Mädels mit einem lebendigen Faultier herein, dem die Arme auf dem Rücken zusammengebunden sind und das echt dusselig drein schaut. Ich kann es streicheln, das Fell ist lang und kuschlig weich und irgendwie tut mir der arme Kerl echt leid, der in ein paar Tagen auch im Kochtopf der Familie landen wird. Aber 15 Personen muss man erstmal jeden Tag satt kriegen! - Wir machen noch ein paar Fotos, versprechen, Abzüge zu schicken, umarmen alle und versuchen den Kleinsten zu trösten, der richtig traurig ist. Lachen, winken, weiter zu Lena (wenn wir da auch so lange brauchen ...) Das "Casa de Lena" ist heut richtig voll, Simone mit allen Kindern und noch jemand aus der Verwandtschaft ist da, die Verabschiedung fällt dadurch leider irgendwie ein bisschen chaotisch aus. Lena hat noch Camaráo und zwei Bananenstauden für uns. Wir schütteln alle, "muito obrigada para tudo!" So gut ist unser Portugiesisch denn doch nicht, dass wir unseren Dank ausdrücken könnten für alles, für die Möglichkeit, die wir hatten, an ihrem Leben ein Stück teilhaben zu dürfen, für ihre unbeschreiblich grosse Gastfreundlichkeit. Wir umarmen Lena und Sam ganz fest, alle kriegen ein bisschen feuchte Augen ... Natürlich sind wir wieder später als gedacht, das Wasser läuft schon ab - nichts wie los. Motor an, Anker hoch ... Stopp! Ein Kanu kommt angetuckert, strahlende Z-Kinder mit dem fertigen Krokodil. Das schnuppert! Während der Käpt´n noch ne Runde refrigerante verteilt zieht das Tier in einen bordeigenen Topf um, das Z-tie-Geschirr geht sauber zurück. Viiiielen Dank!! Alle nochmal schütteln, sie legen Tchau!ab - das nächste Kanu kommt, Erison, Lenas Sohn, bringt noch 2L Acai (wirklich, ohne die lieben Maranata-Bewohner wären wir GANZ BESTIMMT verhungert!! :) 13.13 Uhr. Ankerauf, wir drehen noch eine Ehrenrunde, winken, winken, fahren langsam aus dem Dorf, winken, winken. Vom Ufer rufen und winken unsere brasilianischen Freunde, wir sollen nicht vergessen, 2014 zur Fussball-WM wieder zu kommen! Claro!! ;)   Eine halbe Stunde später strömen die braunen Fluten des Amazonas um den "Bauch" der Mira, wir motoren mit 6kn in Richtung Flussmündung. Gegen 17.30 Uhr haben wir die AIDA vita querab an steuerbord (Ziel Manaus) und eine Stunde später, nach 23sm, fällt unser Anker vorm Pta. do Curuá, dem "geplant" letzten Ankerplatz im Amazonas. Es ist wunderbar still hier, das Wasser ist ganz ruhig, rosa Flussdelfine schnaufen und prusten um uns herum, dazu ein phantastischer Sonnenuntergang, eine regenbogenfarbige "Amazonas-Abschieds-Wolke" UND (!!!!!) Krokodil zum Abendbrot im Cockpit - was will man mehr?! Wir sitzen noch eine ganze Weile draussen und reden über die vergangenen 4 Wochen in Maranata, auch darüber, dass einem Ausländer in Deutschland traurigerweise eine solche Gastfreundlichkeit wohl kaum widerfahren wird. Mit Sicherheit werden wir uns lange, lange an die Zeit in Amazonien, und vor allem an unsere Freunde in Belém und Maranata erinnern! MUITO OBRIGADO!

 

Dienstag, 15.01.2013Wenn er schiebt, sind wir echt schnell

Seit gestern früh versuchen wir, irgendwie dem Amazonas zu "entkommen" - gar nicht so einfach! Sah ja erstmal nicht schlecht aus, so unter Segeln durch die braune Suppe pflügend, dann so gegen Mittag mal `n Blick auf den Navi-Bildschirm - äh, was `n das??!! Wir fahr´n ja um die Kurve! Hatte zum Glück den Kurs mitgeplottet (da macht das Computerchen alle paar Minuten lustige kleine Punkte genau da auf`n Bildschirm, wo wir gerade rumlungern  - sieht man also wunderbar den gefahrenen Kurs), hätten wir sonst kaum mitgekriegt - ringsum ist ja alles gleichmässig braun und laut Kompass zeigt der Bug immer noch in die selbe Richtung. Bloss die einlaufende Tidenströmung schiebt uns man eben ganz woanders hin, nämlich wieder zurück! O.k., nicht so schlimm, knapp 20m Tiefe - schmeissen wir eben den Anker raus und warten. Paar Stunden später geht`s weiter, bis der Plott uns zeigt, dass es wieder Zeit wird, den Anker abzuwerfen. Heute früh hatten wir echt Mühe, das Teil einzufahren. Satte 6kn (!) schiebt die Strömung uns rückwärts - wir müssen fast mit Vollgas gegenan motoren, um mit dem Boot über Grund "auf der Stelle zu stehen", den Anker rauswerfen, bisschen Gas wegnehmen, damit wir LANGSAM zurücktreiben und der Anker `ne Chance hat, sich einzugraben. Richtig bequem liegen wir dann eh nicht, aber zumindest kann man die Augen zudrücken und so`n bisschen vor sich hindüsen. Lieg ich heut Nachmittag doch grad so schön rum und bin am Rumdüsen, rüttelt mich mein erster Offizier, also Marion, aus den schönsten Träumen: "Da kommt einer genau hinter uns her!!!!" Leicht knurrend klettere ich ins Cockpit, Fernglas vor`s Gesicht ... und bin hellwach! Irgendein Kahn kracht, vielleicht 1sm hinter uns, mit vollem Speed in die Wellen und das genau auf unserem Kurs. Vielleicht die Coastguard? Schalten wir doch mal die Funke an, die melden sich dann schon, wenn sie was wollen. Weiter durchs Fernglas stieren, nö, das ist auf keinen Fall ein Behördendampfer, sieht eher aus wie ein Fischerkahn - aber wieso ist der so komisch zugehängt und wieso heizt der mit Vollgas hinter uns her??!! Ich ändere den Kurs mal eben nach Steuerbord - wollen wir zwar nicht hin, aber wir haben ja Zeit. Genau das selbe scheint unser Verfolger auch zu denken und fährt jetzt ebenfalls nach Steuerbord. 10 Minuten später probiere ich es mit Backbord, ist dem egal - fährt er eben auch nach Backbord! Sch...!!! Jetzt bloss cool bleiben - die Crew, also Marion, ist eh schon nervös genug. Unauffällig auf dem AIS-Bildschirm schauen, ob irgend ein Dampfer in der Nähe ist - claro, im Umkreis von 30sm kein anderes Schiff. Motor anschmeissen, Hebel nach vorn - mit über 7kn stImmer noch braunes Amazonas-Wasserampfen wir durch die Wellen - beeindruckt unseren Verfolger mal gar nicht, der kracht vermutlich mit der doppelten Geschwindigkeit hinter uns her und kommt näher und näher. Im Amazonas hatte ich ja so als letzte Verteidigungsvariante für mich im Sinn, einfach in den eventuellen Angreifer reinzufahren - aber der hier ist VIEEELLL grösser als wir! Ich - natürlich immer noch cool, wegen der Moral auf dem Schiff - steck mir die Signalpistole in den Gürtel (die sieht so schön gewaltig aus mit ihrem fettem Kaliber), schick Frauen und Kinder unter Deck, stell mich breitbeinig hinters Steuerrad und beobachte den potenziellen Gegner unauffällig aus dem Augenwinkel. In, vielleicht 15m Abstand schiebt der sich langsam an uns vorbei, `ne Handvoll Leute hocken da rum, ich dreh lässig den Kopf, hebe die Hand zum Gruss - alle fangen an zu winken, zücken statt Enterhaken Fotohandys, knipsen uns wie wild, winken nochmal, ändern den Kurs um neunzig Grad und verschwinden! SO ENTSTEHEN PIRATENSTORYS!: "... und als ich dann mit meiner Flinte gewedelt habe und so getan habe, als ob ich über Funk mit der Kriegsmarine spreche, da haben sie Angst bekommen und sind abgehauen ..." Nö, die Jungs waren einfach nur neugierig und wollten ihre Fotos!

Mittwoch, 16.01.2013

Schon wieder Piratenalarm! Diesmal haben sie eine besonders perfide Taktik. Kaum hab ich mich am Nachmittag wegen Ankern zwecks Tide und Schönheitsschlaf in die Koje geworfen, fahren zwei, mehr als verdächtig ausschauende Boote, aus dem Nirgendwo kommend, genau dorthin, schmeissen zum Schein auch ihre Anker ins Wasser und lassen sich dann aber unauffällig genau auf die, vermeintlich leichte Beute zutreiben. Natürlich haben die nicht mit meinem Wachoffizier gerechnet! Mit der Pistole bewaffnet, eine Batterie Fallschirmraketen vor sich ausgebreitet, hockt der (vor sich hinschimpfend) in der Deckung des Cockpits, bereit den Schlaf seines Käpt`ns bis auf`s Letzte zu verteidigen. Ich kann dann aber doch nicht schlafen, weil Wachoffizier das Geschehen lauthals (eben weiblich) kommentiert. Die vorbeitreibenden Piraten entpuppen sich zwar als Fischerboote, die nur glotzen und winken wollen, was letztendlich aber dem Nervenkostüm meiner Crew, als auch meinem Schönheitsschlaf abträglich ist. War dann aber glücklicherweise unser letzter erzwungener Ankerstop, heute Nacht konnten wir echt durchfahren. So`n bisschen Richtung Küste hat´s uns zwar immer noch geschoben, aber die Hauptrichtung blieb schon N! Besser ist das auch, wenn sich jemand mal unseren Plott der letzten Tage anguckt, wird es bei der Schlangenlinie schwerfallen, ihn zu überzeugen, dass wir nicht sturzbetrunken unterwegs waren.

Freitag, 18.01.2013

Seit der Amazonas eingesehen hat, dass er uns nicht mehr "festhalten" kann, sind wir echt allerfeinst und vor allem mutterseelenallein Richtung French Guyana gesegelt. Eigentlich fast langweilig, kein Fisch, keine Piraten, nicht mal `n Delfin oder Wal. Gestern Abend den Grenzfluss passiert und heute ganz früh endlich den Leuchtturm auf der Ilhe L`Enfant Perdu querab, das ist die Einfahrt vom Cayenne River. Nachts in den Fluss rein wollen wir dann doch nicht, also lassen wir den Anker runterrasseln (ist zwar `n bisschen rollig so ungeschützt vor der Küste, aber das haben wir ja jetzt genug trainiert!) Erstmal Schlafen! Bonuit! - Bei Tageslicht scheint die Anordnung der Fahrwassertonnen für die Einfahrt in den Fluss zwar einer gewissen Logik zu folgen, weicht allerdings beträchtlich von der, laut Seekarte ab. Meist stimmt ja eine von beiden Varianten - wir entscheiden uns heute mal für die wirklichen Tonnen (muss aber nicht unbedingt stimmen, wie wir an der spanischen Küste ja schon festgestellt hatten, als wir mitten zwischen den FahrwassertonnenAnleger vor Cayenne - wo soll man sich hier festmachen trockengefallen sind :) und haben Glück. Im Fluss sieht es dann aber trotzdem etwas merkwürdig aus, vor Cayenne, immerhin die Hauptstadt des Landes, nur ein leerer, maroder Betonanleger, keine Frachter und vor allem keine Segelboote. Eigentlich müsste es doch von französischen Yachten nur so wimmeln. Und dann ist es auch noch so flach, dass wir ein paar 100m entfernt ankern müssen - Marion stehen schon wieder Schweissperlen auf der Stirn, als wir uns, im Behördendress, durch die Strömung mit unserem orangen Wackelbötchen auf den Weg Richtung Anleger machen. Dass der langsam zusammenfällt hat auch Vorteile, an der herausquellenden Stahlbewehrung kann man wunderbar sein Dingi anschliessen. Erstmal versuchen wir, die Behörden heimzusuchen, zwecks Einklarieren und ausserdem will ich ja auch mein schicke lange Hose vorzeigen, der Ehrgeiz lässt allerdings schlagartig nach, als wir irgendwann rauskriegen, dass die am völlig entgegengesetzten Ende der Stadt hausen. Hat die Seekarte schon wieder gelogen! Also vertagen wir das Einklarieren, schlendern ein wenig durch die Altstadt und finden es irgendwie LANGWEILIG. Ein paar hübsche alte Häuser gibt`s schon, aber irgendwie Null Leben hier. Neben dem (geschlossenem) Markt finden wir immerhin noch ein (offenes) Lokal, wo wir uns ein Willkommensbier gönnen. Zwei 0,25l Flaschen für SIEBEN EURO! Nach zwei Jahren Südamerika sind wir eigentlich nur 1 Liter Flaschen gewohnt - ich wusste nicht mal, dass es so kleine Flaschen überhaupt gibt! Und dann zu dem Preis! Vermutlich werden diese Miniaturglasbehälter hier schon als Kunstgewerbe verkauft. In einem China-Mercado erstehen wir dann noch ein Stück Butter nebst Baguettes- vermutlich auch Kunstgewerbe - eilen zurück zum Anleger, bevor der völlig auseinanderfällt, tuckern zur "Mira" und beschliessen, gleich morgen weiterzufahren!

 

Sonnabend, 19.01.2013

Ist ja klüger, mit der ablaufenden Strömung auszulaufen, haben wir also ausgiebigst Zeit zum Frühstücken. Und weil´n paar hundert Meter entfernt ja `ne richtige Stadt ist, könnte es ja sein ... Marion hängt unsere Wlan-Antenne raus und tatsächlich empfängt sie ein "offenes" Netz. Blöde IdeeAnkern vor Ile Royale, "Sie haben 42 neue Mails" verkündet Yahoo - eigentlich lebt man entspannter, wenn man das nicht weiss. Wir können jetzt natürlich `ne Woche hier liegen bleiben und brav alles beantworten - machen wir aber nicht! Marion sortiert die Post schnell durch, kann gerade noch einige Mails auf den Rechner kopieren, zur "Demnächst-Beantwortung" per Kurzwelle und Pactor-Modem, da drehen wir uns auch schon langsam - die Strömung kippt - Abfahrt! Den Fahrwassertonnen nachzufahren hatte sich gestern schon bei der Einfahrt bewährt, spricht also nichts dagegen, das heute genauso zu machen. Blöde, steile Welle draussen, unter Motor stampfen wir bis zur Leuchtturm-Insel, können endlich den Kurs ändern, Segel ausrollen und unserem nächsten Ziel entgegenrauschen, den Iles du Salut, den ehemaligen Gefängnisinseln von Französisch Guyana. War mein Wunsch - Marion wünschtNicht weit bis zur Ile du Diable sich Rakete, die gibt`s dann gleich um die Ecke in Kourou. Einzige Ankermöglichkeit auf den drei Inseln ist vor der Hauptinsel, der Ile Royale - kurz vor Sechs platscht unser Anker in der Kokospalmenbucht ins Wasser. Sieht doch richtig nett aus hier, da schaukeln sogar noch zwei andere Boote - wenig später haben wir auch schon Besuch, Lilian und Hanspeter bemühen sich für uns Hochdeutsch zu sprechen und wir uns, noch irgend etwas zum Anbieten zu finden. Saft alle, Wasser auch, Bier sowieso ... aber wir haben noch argentinischen Wein! Letztendlich landen wir dann doch auf der "Whisper", Hanspeter kocht was Leckeres, dazu argentinischer Wein, brasilianisches Bier, Wasser unbekannter Herkunft - wir lernen unsere ersten Vokabeln Switzerdütsch!

Sonntag, 20.01.2013Im Zellentrakt    

Ganz so früh sind wir ja eh nicht, dann "parken" wir noch mal um, anschliessend langes Frühstück - es ist fast Mittag, als wir endlich mit unserem Bötchen am Anleger festmachen und zur Inselbesichtigung aufbrechen. Dicht bewaldet, Wanderwege in alle Richtungen - der Ordnung halber entscheiden wir uns zur Inselumrundung, im Uhrzeigersinn. Üppige Vegetation, Agutis, Schildkröten, zwei Schlangen, Affen und jede Menge wild rumlaufender Hühner. Angesichts unserer kargen Lebensmittelvorräte erwacht sofort mein Jagdtrieb. O.k., die Agutis sind zu schnell - Marion hält mich allerdings davon ab, unauffällig so`n Federfieh im Rucksack verschwinden zu lassen. Dafür finden wir Mangobäume ohne Ende - schmeckt ja auch lecker - der Rucksack geht kaum noch zu. Auf der anderen Inselseite `ne kleine Badebucht mit phantastischem Blick auf die Ile du Diable, die Teufelsinsel - so schlecht war`s hier doch gar nicht. Landschaftlich sehr rAguti - soll wie Hühnchen schmecken ...eizvoll, überall läuft Essen rum oder fällt von den Bäumen... Weiter oben stehen dann die ehemaligen Häuser und Unterkünfte - Direktor, Wärter, Angestellte, Insassen - etwas abgestuft in punkto Grösse und Lebensqualität. Das Direktorenhaus hatte auch keine eigene Guillotine. Kleiner Friedhof, Zisterne mit Leguanen, noch mehr Mangobäume und ein Hotel. Letzteres gab`s zu Zeiten eines Papillon natürlich noch nicht, hat eine kleine Bar und vertickert dem durstigen Wanderer ein kaltes Glas Bier für bescheidene SIEBEN EURONEN. Da nehm´n wir doch gleich noch eins!

Montag, 21.01.2013

Inselwanderung, die ZweiteHier wurden Gefangene angekettet und mussten so auf dem nackten Boden schlafen! Heute aber nicht so planlos - Lilian hat für uns Vier eine Führung organisiert. Das heisst, die hätte auch so stattgefunden, man legt im Inselmuseum 10 Euro auf den Tisch und kann dem Guide hinterherlaufen - aber dann labert der auf französisch! Wir haben jetzt einen, Danielle, der spricht Englisch - was unsere Chancen, etwas zu verstehen, mal eben um 100% erhöht. Ist dann auch ganz interessant. Da, wo wir hinlatschen, waren wir natürlich gestern schon überall, aber jetzt erfahren wir auch, was wir gerade sehen. Ganz so bequem hatte es die Mehrzahl der früheren “Bewohner” dann wohl doch nicht, den üppigen Bewuchs mit Palmen und Mangobäumen gab´s damals noch gar nicht und die Hühner und Agutis laufen auch erst seit wenigen Jahren hier rum. Steve McQueen und Dustin Hoffmann waren auf verschiedenen Inseln (so von wegen, olle Dreyfuss und Papillon als dicke Kumpels im Film! Die haben sich nie gesehen!) So richtig stolz waren die Franzosen dann wohl auch nicht mehr auf ihre Gefängnisinseln und ganz zeitgemäss war die Art der Unterbringung ohnehinSchöne Inseln mit grausamer Vergangenheit nicht - jedenfalls wurden die Dinger 1953 zugemacht, was auch gut war, sonst könnten wir hier heute nicht rumwandern ... Und da wir natürlich den leeren Rucksack dabei haben, ziehen wieder jede Menge Mangos mit an Bord. Abends laden wir zum Dinner: Reis mit den letzten vertrockneten Kräutern und Salatblättern, Dosenfleisch, viel Knoblauch, Zwiebeln sowie Weisswein zu einem Pamps vermengt (wohl zuviel Öl genommen). Hanspeter und Lilian loben meine Kochkünste trotzdem, zumal das Menü ja durch Fruchtmix aus Dose-Nachtisch (gereicht von der bezaubernden Hilfsköchin Marion) und reichlich argentinischem Wein erheblich aufgewertet wurde ...

Dienstag, 22.01.2013

Kurzer Lagebericht: geplanter Besuch der kleinen Nachbarinsel Ile Saint-Joseph (hier hat Steve McQuenn, also Papillon nämlich wirklich gehaust), kommen bis zum Mittag aber nicht aus den Puschen, dann fängt es an zu regnen und hört auch nicht wieder auf. Vertagen wir Saint-Joseph eben!

Mittwoch 23.01.2013

Sooo wichtig ist uns die Papillon-Insel nun auch nicht, Marion will endlich Rakete sehn (und ist auch so`n bisschen nervös, weil man vor den Inseln ja nur ankern darf, Hatschimutschi - Bienvenu  dans Kourou! wenn man einklariert hat), mit unseren Vorräten an Grünzeug und Getränken sieht es auch ganz bäh aus (gut, argentinischen Wein haben wir noch ...) - kurzum, Käpt`n und Crew haben einstimmig beschlossen, mit der nächsten einlaufenden Tide fahren wir nach Kourou. Das ist dann mittags. Anker hoch, Kurs auf die Ansteuerungstonne für`s Fahrwasser, dort schön zwischen den Tonnen bleiben, zwischendurch zweimal über Regen ärgern, vorm Yachtclub einen Ankerplatz zwischen Flussufer und Fahrwasser finden, den Anker gerade noch vorm nächsten Schauer einfahren - Motor aus, Instrumente aus, Schulterklopfen: boah, wieder 10sm geschafft!!! Wenig später haben wir auch schon Besuch: Hartmut wohnt mit Freundin Maria und Töchterchen Thayna auf dem Boot nebenan, kommt eigentlich aus Köpenick, ist schon ein halbes Jahr hier, hat ein Auto, der Zoll hat jetzt schon zu und ist auch ewig weit weg, er liebt Salmikpastillen über alles (Marion zaubert aus den Tiefen ihrer Vorratsschränke eine Packung hervor), wir dürfen ihn Hatschimutschi nennen und morgen fährt er uns mit seinem Auto zum Zoll, ...

Donnerstag, 24.01.2013

Um zehn sitzen wir dann tatsächlich alle im Auto, Hartmut nebst Frau, Tochter und wir. Töchterchen an der Schule abwerfen, dann alle zum Zoll. Ein Glück, dass wir im Auto unterwegs sind, das ist richtig WEIT! Marion schon wieder leicht nervös, unser letzter Ausreisestempel ist vom 4. September aus Buenos Aires. "... Und wenn die jetzt fragen, wo wir so lange waren???!!!! ... " Sind eben langsam gesegelt! Fragt aber keiner, alles ganz unkompliziert, Name, Grösse, woher, wohin des Wegs?, Ruck, zuck ist der Fragebogen ausgefüllt und wir wieder draussen. Jetzt steigen Hartmut wohl die konsumierten Salmiakpastillen zu Kopf, er macht mit uns noch `ne Stadtrundfahrt. Erstmal bis zum Space-Center raus (da steht sogar `ne richtige Ariane am Eingang rum), anschliessend so´n bisschen kreuz und quer die Strassen längs - hier Supermarkt, da auch, da vorne die Kaserne der Fremdenlegion, jede Menge Wohnblöcke, links `ne Bar, da der Waffenladen, danach der Strand und das Hotel ... Kourou - wie sagt man es am Besten? Also, wenn jemand den Plan hat, seine Angebetete mit einer tollen Städtereise zu beglücken, dann sollte er Kourou nicht unbedingt in die engere Wahl ziehen.

Sonnabend, 26.01.2013

In Kourou hat man entweder ein Auto, oder Pech. Ein öffentliches Verkehrsnetz existiert nicht, aber die Stadt ist mal EWIG in alle Richtung auseinandergezogen. Genug Platz haben sie hier ja. Bedeutet aber für uns: so mal kurz zum nächsten Chinesen-Mercado - 20 Minuten, Bankautomat - halbe Stunde, zum Supermarkt fast `ne Stunde, andere Ziele traut man sich gar nicht erst loszugehen. Also habe ich mich zähneknirschend daran gemacht, die mühsam unter die Kojen gefalteten Fahrräder rauszuzerren, zusammenzubasteln, einzuölen, sie mit Wackelbötchen auf abenteuerlicher Tour durch die Strömung zum Clubponton zu chauffieren - dort parken sie jetzt und erhöhen unsere Lebensqualität ungemein. "Keine Butter mehr? Macht nichts, ich radel mal schnell zum Chinesen." Oder, "Bin mal `ne Stunde weg, will kurz zum Angelladen" (vorher undenkbar - der liegt am völlig anderen Ende der Stadt, also gefühlt 10km entfernt!)Riesige Wurzeln

Sonntag, 27.01.2013

Wir machen ´ne Fahrradtour! Dabei waren die Vorzeichen jetzt nicht sooo prall! Aus irgendwelchen, nicht nachvollziehbaren Gründen, schaffen wir es, uns beim Frühstück so in richtige "Anstinkstimmung" zu bringen. Obwohl, ich weiss genau, wer angefangen hat ... Jedenfalls fahren wir trotzdem los (macht eben jeder seine Radtour!) Ich fahre in eine Richtung - und Marion ZUFÄLLIG in die selbe. Nach `n paar Kilometern wechselt das, ich mach kurz Pause, sie nimmt einen NebenweCarneval-Probe, irgendwie sind alle noch nicht so recht in Schwungg und genau da wollte ich sowieso auch lang. Jedenfalls landen wir auf diese unprofessionelle Weise (wirklich) zufällig und zeitgleich am Eingang eines Berges mit Wanderweg. Berge sind hier eben gleich ein ausgewiesenes Naturereignis, gibt`s halt kaum mal und eigentlich sind`s in Wirklichkeit auch nur Hügel. Ist eben alles flach mit Bäumen drauf. Die grösste zusammenhängende Waldfläche der Europäischen Union übrigens! (in Südamerika???!!!) Da wir nur ein Schloss für beide Fahrräder haben, kommen wir uns wieder näher, haben uns gleich ganz lieb und machen die tolle Wanderung auf beschildertem Naturlehrpfad zusammen. Natürlich brauchen wir viel länger als die ausgewiesen Durchschnittswanderzeit von einer Stunde, wegen Knutschen, Saft trinken, alle Pflanzen angucken, Affen auch, versuchen rauszukriegen, welcher Vogel am meisten Krach macht, am Gipfel ausgiebig die schöne Aussicht geniessen, für`n Rückweg die lange Route wählen, kurzzeitig von der Route abkommen, RegenschauerHelau!! unter dicken Bäumen aussitzen, noch mehr knutschen, ... am Ende schaffen wir es gerade noch rechtzeitig, um Sieben wieder in Kourou zu sein. Lilian hatte uns den Tip gegeben, heute abend ist Karnevalsumzug. Dass wir alleine sind, macht uns schon stutzig! Kurz darauf kommen Lilian und Hanspeter - gut, da sind wir schon mal zu viert. Dann noch ein paar vereinzelte Leute - nach zwei Stunden sitzen vielleicht zwanzig Leutchens auf der Tribüne, da passiert auch tatsächlich was. `Ne Sechs-Mann-Kapelle hämmert drauf los, davor tanzen ein Dutzend kostümierter im Takt - fünf Minuten später sind die an der Tribüne vorbei - Ruhe, das war`s! Wat`n Glück, dass wir das miterleben durften :-(

Dienstag, 29.01.2013

Noch zehn Tage bis zum nächsten Raketenstart, wir müssen einfach nur tapfer sein und durchhalten. Fällt schwer in Kourou! Heute gehe ich mit Hatschimutschi einer typischen Freizeiteschäftigung der männlichen, weissen Landesbewohner nach: Wir fahren in den Wald und perforieren ein paar Stunden lang unschuldige leere Dosen mit der Flinte. Mit Schrot auf Verkehrsschilder zu schiessen ist auch recht populär. Dass wir neue Ziele immer erst vorher leertrinken müssen, ist der Zielgenauigkeit eher abträGrillabend bei Hartmutglich. Dafür entwickeln wir den tollen Plan, unsere Frauen kochtechnisch zu entlasten, auf dem Rückweg den Supermarkt zwecks Fleisch zu plündern, Hartmuts Grill anzufeuern, die Beute anzukokeln und gemeinsam zu vertilgen. Dass Hatschimutschi dann tiefgefrorenes Burger-Fleisch in den Einkaufskorb wirft, ist schon merkwürdig, ich greif sicherheitshalber, mangels richtigem Fleisch noch `n paar Wurstpackungen. Am Ankerplatz wird dann nochmal alles umgemodelt - Lilian und Hanspeter hatten Marion (und mich) inzwischen auf die "Whisper" zum Grillieren (so sagen die Schweizer, wenn sie Fleisch auf`s Feuer werfen - meinen also auch grillen) eingeladen - wegen grösstem Cockpit ziehen jetzt alle mit Fleisch und Salat auf Hartmuts Dampfer. Zwei kulinarische Welten prallen aufeinander - Hatschimutschi ist der einzige Liebhaber von auf Holzkohle angewärmten, geschmacksneutralem Burgerfleisch, alle anderen bevorzugen schön durchgegrillte marinierte Spareribs, gereicht mit raffinierten Salatkreationen, dazu ein Glas Rotwein ...

Mittwoch, 30.01.2013

Beim Rumkurven mit den Rädern entdecken wir einen Waschsalon - schlagartig findet Marion keine Ruhe mehr, bevor nicht alle Betten, Handtücher, Waschlappen, Hosen, T-Shirts, ... gewaschen sind (Anmerkung Bordfrau: nach 3 Monaten bei über 30°C im "Busch" ist wohl jedes Bett mal fällig ;) Meine Sachen am Besten gleich zweimal. Tatsächlich stehen dann heute drei prall gefüllte Taschen vor mir und warten darauf, von jemandem zum Waschsalon gebracht zu werden. Dieser Jemand bin natürlich ich, Marion hat gerade Knie-Aua, was bedeutet: schon Fahrräder, aber schieben! Halbe Stunde! Im Waschsalon dann mehrere grosse Maschinen - Bedienungsanleitung auf Französisch - was sonst?! Ist aber irgendwie ganz logisch: Wäscheberg reinwerfen, Waschpulver rein, Luke zu, in Kiste an Wand Nummer der Maschine eintippen, Geldschein reinschieben, Wechselgeld fällt klappernd raus, Trommel dreht los :-) Wir befüllen zwei weitere Maschinen, Nummer, Geld rein, Trommel rödelt los - hinsetzen, Sudoku rauskramen, warten. Jetzt kommen zwei Frauen: Wäschesack vor der Waschmaschine abstellen, Luke zu, schladdernd zur Kiste an Wand watscheln, kurz raufgucken, Nummer eintippen, Geld reinschieben, leere Waschtrommel rasselt los. Wäsche liegt noch vor der Maschine! Die lässt sich natürlich nicht mehr stoppen :-(   Jo, Jo, wer lesen kann ist echt im Vorteil!

Ist doch gar nicht so weit

Donnerstag, 31.01.2013

Noch eine Woche bis zum Start. Eigentlich wollten wir bis dahin mit Hatschimutschi und Wägelchen mal quer durchs Land bis zur brasilianischen Grenze fahren, aber dem kommen immer wichtige Termine dazwischen. Machen wir eben noch `ne Radtour. Diesmal in die andere Richtung und auch besser vorbereitet: Baguette, verschiedenen Käse, Schinken, Wasser, Gläser, Rotwein, ... Dafür ist die Strecke, zumindest auf den ersten 10km, nicht die beste Wahl. Links, rechts Wald, in der Mitte Asphalt - die Strasse von Kourou nach Cayenne - die meistbefahrene des ganzen Landes. Radfahrer sind da nicht vorgesehen! Dann endlich ein Abzweig: Guatémala 12km. Perfekt, da wollten wir schon immer mal hin! Ist dann aber bloss ein kleines Dorf, genauer gesagt, `n paar Häuser und Hütten, sowie jede Menge Kühe, über mehrere Kilometer verteilt. Dafür geniessen wir das bei bester Verpflegung, füllen die Satteltaschen mit Mangos, treffen dreimal Schlangen, von denen zwei aber schon platt sind, müssen uns diverser Radfahrerhassender Hunde erwehren, einige Regenschauer unter Bäumen aussitzen, finden, dass wir zuviel Essen, aber zuwenig Getränke (Wein) mithaben, der Rückweg jetzt gar nicht mehr so nervig ist und wir noch mal nach Guatémala fahren sollten, weil`s da einen Weg gibt, den wirDer Modderblock noch nicht erkundet haben ...

Sonntag, 03.02.2013

Bisher hatte ich ja immer nur Augen für meine Bordfee - ich wusste nicht mal, dass es noch andere Frauen gibt :-) , bis wir dann heute, erste Reihe natürlich, dem hiesigen Karnevalsumzug zuschauen. Erstmal so `n DutzenDas sind nicht die mit den Blumenknospen ...d lokale "Blocos", immer schön in Kostüme gepresst, mehr oder weniger lautstarke Kapelle dazu - jojo, ganz nett. Teilweise Kostüme á la Venecia - Karneval in Südamerika hab ich mir anders vorgestellt. Am coolsten war da noch der "Modderblock", zwar keine eigene Kapelle, aber dafür die vermutlich preiswertesten und garantiert dreckigsten Kostüme - die Jungs und Mädels haben sich einfach komplett im Schlamm gewälzt. Und dann die letzten zwei Blocos, die Brasilianer(innen)! Nicht die 200kg-Modelle von der Copacabana, nö, diesmPünktlich zu den Blumenknospen steigt der Foto-Akku aus ... Sch ...al genauso, wie man sie sich im kalten Deutschland immer vorstellt - kaffeebraune Schönheiten, die mit Blumenknospe auf dem Mops und nacktem Hintern vor einem rumwackeln ... Und genau das war der Augenblick, wo ich meine Augen mal KURZ von Marion abgewendet habe! Aber auf keinen Fall war ich kurz davor zu sabbern, wie sie versucht mir jetzt einzureden. Auf den  Partys hinterher habe ich ja auch nur mit ihr getanzt, ausser mit der einen Brasilianerin eben ...

Montag, 04.02.2013

Um Eins sind wir mit Lilian und Hanspeter beim Airospace-Center zwecks Besichtigung angemeldet. Naja, vermutlich auch noch fünfzig französische Touris. Vorher wollen wir uns aber auch noch das "Raketenmuseum" antun, also radeln wir schon mal beizeiten los. Kurzer Stop am Supermarket, Baguette, Käse, Schinken, Rotwein - man weiss ja nie, wie lange so`ne Besichtigung dauert - dann fallen wir ins Museum ein. Grosse Raketen, kleine Raketen, alte, neue, Motoren, oder Dinger, die wir dafür halten, tolle Grafiken, Bilder, überall flimmern Filme, Astronautenanzüge, Kosmonautenanzüge, extra Schauraum - wie harmonisch sich das Raketenzentrum doch in den dafür abgeholzten Regenwald einfügt, wie ökologisch verträglich so`ne Rakete startet, ... und das Allerbeste: das alles auf FRANZÖSISCH! Filme französisch, Untertitel französisch, Texte französisch  - die Franzosen sind in der Beziehung ja echt unschlagbar - dass der Rest der Welt vielleicht doch die eine oder andere Sprache spricht wird schlichtweg ignoriert! Wir geniessen unser Lunch und dann geht`s zum zweiten Teil, mit dem Bus durchs Raketenzentrum. Zwei Bayern klettern mit in den Bus, `ne Handvoll Franzosen und `n hübsches Mädel, das uns Scotti, beam me up  - Ariane 1-4alles erklären will - natürlich auf Französisch! Das Gelände ist riesig, überall fette Zäune, in dem Gebäude links wird die Ariane zusammenmontiert, auf den Schienen da vorne dann zum Startplatz transportiert, dort rechts ist der Startplatz - dürfen wir aber nicht hin, da gerade eine Ariane für den Start vorbereitet wird, dort beginnt das Sojus-Gelände, hier kommen die Raketenteile an, dort werden sie zusammengebaut, (wir geniessen es, lässig die kyrillischen Beschriftungen zu lesen, während die Franzosen wie auf chinesische Schriftzeichen starren)... und diesmal dürfen wir auch zur Startrampe. Aha, ganz schön gross das Ding. Dort steht dann also die Sojus, die Teile klappen zur Seite, da unten kommt Feuer raus, ... schnell `n paar Fotos knipsen, wieder in den Bus und zurück geht`s. Wenn wir ganz leise sind, können wir noch kurz ins Raketenkontrollzentrum - Darf natürlich nicht fehlenwir sind ganz leise und dürfen uns die Leitstelle auch noch anschauen. Da sitzen nämlich schon die ersten "Raketenstartaufpasser" und spielen an ihren vielen Computern. Und wenn jetzt jemand wissen will, ob er sich in den nächsten Flieger setzen soll, um sich das hier anzuschauen - NÖ. Ausser er ist Raketenliebhaber oder Startrek-Fan oder ausgesprochener Bewunderer von Elektrozäunen im Urwald oder will unbedingt mal die Mondlandung nachgebaut aus Pappmaschee sehen oder `ne Ariane anfassen, ... auf jeden Fall sollte er über einige Französischkentnisse verfügen, das erhöht den Informationsgehalt gewaltig :-)

Dienstag, 05.02.2013

Mittlerweile haben wir uns ja daran gewöhnt, dass es immer mal wieder regnet - aber heute hört es gar nicht wieder auf! Der trockenste Platz ist noch im Motorraum - ich mach mich mal an den längst überfälligen Ölwechsel. Motor, Getriebe, Filter und weil`s so schön ist, auch gleich beim Generator. Ventilspiel, Luftfilter, Impeller, ... man kann so`n Tag auch echt im Motorraum "rumbringen".

Mittwoch, 06.02.2013

Abschlussgrillen bei Hatschimutschi - die Männer kaufen Fleisch, Frauen basteln Salate, alles auf seinen Dampfer schleppen und dort, zusammen mit Bier und Rotwein alles verschlingen - soweit der Plan. Um Zwei fahren Hartmut, Hanspeter und ich also mal los. Weit kommen wir nicht, bis zur Sportlerbar - Hatschimutschi verkündet, dass die Supermärkte eh noch zwecks Siesta zuhaben, da können wir hier auch vorher noch ein Bier trinken. Recht hat er! Nach Hatschimutschis Uhr haben die Märkte immer noch zu, ein zweites Bier könne die Wartezeit überbrücken. Dann noch eins, verhaltener Einwand von Hanspeter, er bräuchte schon zwei Stunden Zeit, für die Vorbereitung des Fleisches. Endlich schaffen wir es, uns dem eigentlichen Zweck unseres Aufbruchs zu widmen, dem Fleischkauf! Wenn Fleisch, dann "Liderprice" verkündet Hatschimutschi und wirft sich freudestrahlend tiefgefrorene Hühnerbeine und Burgerhackfleisch in den Korb - wiederum prallen zwei kulinarische Weltanschauungen aufeinander - das Zeug taugt vielleicht zur Arbeiterversorgung in `ner Betriebskantine, aber nicht zum Grillieren - Hanspeter und ich bestehen auf richtiges Fleisch. Also noch zum "SuperU", die Zeit wird langsam knapp, der Laden ist rammelvoll, aber es gibt schöne Spareribs. Zurück auf den Schiffen dann emsige Betriebsamkeit, Hanspeter muss Fleisch marinieren und Beilagen basteln, ich meinen Mangosalat kreieren, Hatschimutschi seine Klopse auftauen, ... der Zeitplan ist eh nicht mehr einzuhalten, es ist stockdunkel, als wir endlich mit allen Zutaten und Getränken auf der "Antonia" eintrudeln. Die Spareribs sind trotz Kurzzeitmarinade lecker, der Mangosalat nebst Dressing sowieso und zu Hatschimutschis grossem Glück, hatte er noch eine Freundin mit ihren Kindern eingeladen - die Kids verdrücken tapfer die Klopse mit reichlich Ketschup, ansonsten hätte er noch die ganze nächste Woche von den geschmacksneutralen Dingern leben müssen.

Raketenstart 9, 8, 7, 6, 5, ... auf Französisch natürlich

Donnerstag, 07.02.2013

Ich glaub, der Wettergott hat uns lieb - nachdem wir die ganzen letzten Tage fast durchgängig `ne fette Wolkendecke hatten, scheint heute die Sonne - pünktlich zum Raketenstart! Mit Fahrrädern und Picknick-Korb machen wir uns mit Lilian und Hanspeter auf den Weg zum auserkorenen Beobachtungsplatz - dem Carapa-Berg, einem Hügel direkt neben dem Raketenzentrum. Zwei Stunden vorm Start wird das Tor geöffnet, Taschenkontrolle zwecks Alkohol (glauben die, hier schmeisst einer mit leeren Bierdosen nach der Rakete??!!) - mit leicht gekühltem Rotwein in ThermosBoooooomkanne rechnet natürlich keiner. Wir haben noch genügend Zeit, genüsslich die Baguettes nebst Edelpilzen, Schinken und leicht Gekühltem zu vertilgen. Neben uns im Baum hängt ein Faultier, blickt verschlafen und leicht irritiert auf das Gewimmel unter sich, direkt vor uns das Space-Center, wo Hubschrauber für einen letzten Sicherheitscheck kreisen und modernste Technologie darauf wartet, jeden Augenblick ins Weltall aufzusteigen - schon ein krasser Kontrast! Dann, ein riesiger Feuerball, der langsam nach oben steigt, dazu dumpfes Grollen und Fauchen, der Feuerball fliegt direkt über uns hinweg, wird immer kleiner, man kann sehen wie die beiden Booster abgeworfen werden und irgendwann verschwindet der kleine leuchtende Punkt im Himmel. BOAHHHH!!!!! Das ganze Schauspiel hat vermutlich nicht viel länger als fünf Minuten gedauert - aber dafür würd ich glatt nochmal herfahren!

Freitag, 08.02.2013

Heute ging´s endlich los! Nö, noch nicht nach Surinam, wir fahren nach Oyapok! Rucksack in den Kofferraum, Hartmut stelltWieder nach Brasilien seine Tüte daneben, wir machen es uns in seinem Wägelchen bequem und ab geht`s. Links Bäume, rechts Bäume, irgendwann an Cayenne vorbei, dann wieder Bäume! Hatschimutschi kriegt sich gar nicht wieder ein vor lauter Begeisterung, "... Richtiger Urwald!", ... naja, Bäume eben! Kurzer Stopp in Regina. Ein Camp der Fremdenlegion, ein paar alte Häuser, ganz hübsch - weiter geht´s bis zum Grenzstädtchen Saint Georges. Kurzes Rumkreisen zwecks Parkplatz, überall taucht sofort ein selbsternannter Parkplatzwächter auf, um die Vorzüge seiner Stellfläche zu preisen. Die Entscheidung fällt zugunsten der Friedhofsmauer, wir drücken dem dortigen "Einzelunternehmer" zehn Euro in die Hand und hoffen, dass der geweihte Ort, nebst Barem garantieren, nach drei Tagen noch alle Räder am Wägelchen vorzufinden. Der Fähranleger ist gleich um die Ecke, daran jede Menge langer Alu-Kanus mit fettem Aussenborder und geschäftstüchtigen Fährleuten. Hatschimutschi klettert zuerst in das Boot unserer Wahl, dann Marion, jetzt ich. Bisschen nach vorne beugen - geht schliesslich `n guten Meter runter - Rucksack erkennt seine Chance! Den Gesetzen der Schwerkraft folgend, beginnt er sich rasant abwärts zu bewegen, dabei alles mitreissend, was an ihm hängt - nämlich mich! Der freie Fall war jetzt nich so beeindruckend, aber ich glaube, beim Aufschlag hatte ich tolle Haltungsnoten. Rippen gequetFrisch gestylt und gestärkt für den Carnevalscht, Schienbeine blutig, der Kopf fühlt sich auch merkwürdig an - vom Ponton glotzen die ersten Zuschauer, Marion faucht mich über die Schulter an, warum ich sie schubse - jetzt unbedingt grinsen und so tun, als ob ich immer so einsteige! Naja, als sie dann das zerschrammte Bündel auf dem Kanuboden sieht, also mich nebst Rucksack, wird mir der kleine Schubser grosszügig verziehen, Tempotaschentücher gezückt (hat Frau ja immer dabei) und erste Wundversorgung, nebst Grobreinigung vorgenommen. Am brasilianischen Ufer sehe ich dann schon wieder ganz vorzeigbar aus, hier empfängt uns dann auch gleich wieder das pralle Leben - überall Marktstände, kleine Restaurants, emsige Strassenverkäufer, Mercados, rufende Taxifahrer, brutzelnde Imbissbetreiber, ... wir lieben es! Wir suchen uns ein kleines Hotel, erfahren, dass dieses Wochenende Karneval ist, humpeln eine "Erkundungsrunde" durch´s Städtchen, pausieren hier und da, lassen Hatschimutschi `n neues Haarstyling verpassen, werden von einer "Imbiss-Mutti" lecker verwöhnt und machen `ne Siesta, um für das Abendprogramm fit zu sein. Die Strasse ist dann merkwürdig leer, aber so nach und nach öffnen die provisorischen Bars, Imbisse und Getränkeverkaufstände links, rechts, viel mehr Leute sind immer noch nicht da, gegen Zehn trommelt und tanzt sich dann ein, eher müder "Bloco" die Strasse runter, `ne halbe Stunde Stunde später ein zweiter, gefolgt von einem "Musik-Truck" - das war`s! Heute war nur Probe, erfahren wir - morgen geht`s richtig los! Ach so.

Sonnabend, 09.02.2013Nix siesta, Wachtelei-Verkostung

In unserem Südamerika-Reiseführer (Ausgabe 2009) wird Oyapok noch als kleines Grenzkaff beschrieben, wo`s nicht mehr weiter geht, illegale Goldsucher mit der Flinte über der Schulter ihre gefundenen Nuggets versaufen, alles überteuert ist und man nachts besser nicht mehr auf die staubige Strasse geht. Dann haben Brasilien und Französisch Guyana beschlossen, eine Brücke über den Fluss zu bauen (die fast fertig ist), Brasilien hat die Schlammpiste nach Oyapok asphaltiert und auf der anderen Flussseite wurde die Strasse von Cayenne bis nach Saint Georges gebaut. Natürlich ist in Oyapok vieles fast doppelt so teuer wie im Rest des Landes, aber trotzdem noch zwei- bis dreimal billiger als in Französisch Guyana! Dementsprechend gerne brausen die Leute aus Cayenne auf der neuen Strasse durch den Urwald, schleppen palettenweise Bier, Cachaca, Zigaretten, riesige Fleischberge und was weiss ich über den Fluss und die hiesigen Mädels müssen auch nicht mehr mit verschwitzen Goldsuchern kuscheln ... Von verschlafenem Kaff kann jedenfalls keine Rede mehr sein, die Leutchens haben hier ruck-zuck umdisponiert und ziehen jetzt nicht mehr schmuddligen Goldsuchern die Nuggets, sondern gutverdienenden Franzosen die Euros aus der Tasche. Wir geniessen das bunte Markttreiben, essen Carneval, Tag 2 bei "unserer Imbissmutti" Mittag und beschliessen, vor der Siesta noch ein Bierchen zu trinken, wegen der Hitze und so ... Blöde Idee, wir treffen Adolfo, der ist Architekt, baut nebenan das höchste Haus von Oyapok (hat dann drei Stockwerke!) und übernimmt sofort die Rundumbetreuung der zwei Gringos aus Alemanha, einschliesslich der Reiseplanung für die nächsten Tage. Morgen geht`s zu einem Wasserfall und diversen anderen Sehenswürdigkeiten der näheren Umgebung, danach dann etwas weiter, zur Ilha de Marajó, wo wir auf der Estancia seiner Brüder einen Büffel schlachten ... das Bier vor uns wird nie alle, wir müssen Nüsse essen, irgendwelche Fladen, Maracùja mit Cachaca probieren, Unmengen von Wachteleiern (mit Schale!) verschlingen, ... soviel zum Thema PiratasSiesta! Vermutlich hätte Adolfo auch noch einen gemeinsamen Flug zum Mond geplant, aber mit dem Hinweis auf die dringend notwendige Dusche, können wir uns doch noch vor Beginn des Karnevalumzugs verdrücken. Adolfo will auf uns warten! Macht er dann tatsächlich, aber zum Glück haben wir diesmal Hatschimutschi mit dabei, machen die beiden miteinander bekannt und uns unauffällig aus dem Staub. Adolfo ist ja lieb und nett aber auch ANSTRENGEND. Ausserdem wollen wir den Karneval geniessen und nicht weitere Cachacaproben. Der Karneval macht dann auch richtig Spass, ein Bloco nach dem anderen, es ist rammelvoll heute, fürchterlich laute Musik, alles tanzt, singt, trinkt, feiert, bunte Kostüme oder spärlich bekleidet, lautes Trommeln, wir am Tanzen, Caipirinha, ich unauffällig nach den Chicas schielend, Marion singt laut mit, neuer Caipi, Hatschimutschi wackelt ohne Adolfo aber mit Perücke an uns vorbei, ich tanze immer perfekter, Marion singt irgendwie falsch, noch `n Caipi, ...

Sonntag, 10.02.2013

Aufstehn, Zähneputzen, stattBrechend voll die Strassen, man kann kaum treten Frühstück gibts gleich Mittagessen - noch etwas geschwächt sitzen wir bei unserer Imbissmutti. Ihr Nachbar fährt mit Frau und Kind zu einem Schwimmbad am Fluss mit Wasserfall, ob wir mit wollen? Gerne, bloss nichts Anstrengendes heute! Vorher zeigt er uns noch die neue Brücke, die ja eigentlich fertig ist, nur der Asphalt fehlt eben noch. Wegen irgendwelcher Streitereien wird das auch noch `ne Weile so bleiben  - so genau kriegen wir das (heute?) nicht mit. Weiter auf der neu asphaltierten Strasse, irgendwann auf ´n Feldweg abbiegen, ab und zu mit dem Auto aufsetzen, Kuhherde nebst Gauchos vorbeilassen, grosse Pfütze umfahren, dann sind wir da. Kleines Flüsschen, einige Leute baden, daneben eine grosse offene Bar (mit lauter Musik natürlich) und im Flüsschen liegen ein paar grosse Steine, wo das Wasser drüber rauscht. Sie haben wirklich Cachueira - Wasserfall - gesagt! Bisschen spazieren, bisschen baden, bisschen Bar - Rückfahrt, Dusche, wieder Karneval! Wieder tanzt ein Bloco nach dem anderen die Strasse runter, wieder laute Musik, Massenparty, bunte Kostüme, aufgedonnerte Tänzerinnen oder den Temperaturen angepasst, eher leicht bekleidet, wir tanzen etwas verhaltener heute, weniger Caipi und deutlich früher in der Koje!

Montag, 11.02.2013

Es geht wieder nach Hause! Ein letztes Mal lecker und preiswert am Imbiss mampfen, bisschen Obst einsacken, `ne neue Machete für mich (nämlich genau die, die ich mir in Porto de Móz nicht gekauft habe!), ich komme diesmal heil ins Kanu und auf der anderen Flussseite auch wieder raus, das Wägelchen hat noch alle Räder dran, wir werfen Rucksack und Plastetüte rein und los geht´s. Hatschimutschi hat aufsteigende Hitze (vermutlich die Wechseljahre) und kann nur mit runtergekurbeltem Fenster fahren, Marion mit Jacke und Decke übern Kopf auf`m Rücksitz im Windkanal. Zweimal Zollkontrolle - drei Deutsche im Kleinstwagen sind ihnen irgendwie suspekt, üblicherweise sitzen hier wohl brasilianische Zigarettenschmuggler im Auto - telefonische Nachfrage beim Zoll in Kourou, die kennen tatsächlich eine "Mira" und "Antonia". Auch meine neue Machete wird nicht beanstandet, in Deutschland fällt ja bald jedes Küchenmesser unter´s Waffengesetz. Hatschimutschi kann aufatmen - seine grösste Sorge, dass sein Wägelchen unterwegs schlappmacht, war umsonst - wir kommen heil in Kourou an, sein Schlauchboot liegt auch noch am Clubponton, die beiden Boote wackeln noch an ihrer Ankerkette in der Strömung und wir sind froh, endlich wieder auf unser schaukelndes Zuhause zu klettern. Nö Hatschimutschi, heut wollen wir nicht mehr grillen!!

Donnerstag, 14.02.2013

Bisschen Gemüse in´s Boot werfen und dann endlich den Anker hoch leiern, so war`s eigentlich geplant, kommt aber mal wieder ganz anders. Per Kurzwelle erreicht uns die Nachricht, dass Marions Oma gestorben ist - Lieblingsoma, huAlles grau in grau und es regnet und regnet und regnet ...ndert Jahre alt - wir brauchen dringend richtiges Internet! Gibt es in der Sportlerbar - also sitzen wir jetzt seit drei Tagen, zusammen mit den dienstfreien Fremdenlegionären aus der Kaserne nebenan, in der Bar, trinken mitten am Tag schon Bier und sind ohne Ende am Skypen. Nach Deutschland fliegen, ja - nein? - ich such nebenbei nach bezahlbaren Flügen - von Cayenne über Paris oder besser von Surinam über Amsterdam - an welchen Tagen sind die Hinflüge billiger, an welchen die Rückflüge??? Und dann regnet es auch noch ununterbrochen! Da kriegt man ja echt Depressionen!!!!

Sonntag, 17.02.2013

Alles Bäh! Es regnet, es regnet und es regnet! Die nennen das hier "kleine Regenzeit". Da möchte ich die "grosse" nicht erleben! Man schafft es nicht trocken mal so schnell zum Chinesen-Mercado, Brot holen und zurück - spätestens, wenn man sich mit dem Baguette unterm Arm wieder auf`s Fahrrad schwingen will, fängt`s wieder an zu schütten. Wir wollen endlich weg!!!! Zwecks Flug nach Deutschland ist auch noch nichts entschieden, aber am wahrscheinlichsten ist, dass Marion von Surinam aus fliegt und ich mit dem Boot dort bleibe. Noch `ne schlechte Nachricht - bei dem ganzen Müll und Bäh, habe ich angefangen, mir Frust-Zigaretten zu kaufen und diese auch fleissig wegzurauchen. Einen Vorteil hat das aber auch - wenn ich mit dem Baguette unterm Vordach des Chinesen-Mercados stehe und warte, dass der Regen aufhört, kann ich mir jetzt die Zeit mit `ner Zigarette vertreiben :-)

Montag, 18.02.2013

Seit einer Woche regnet es jetzt, der Fluss führt soviel Wasser, dass die Boote sich die letzten Tage bei einlaufender Tide nicht mehr drehen. Dafür torkeln sie wie blöd hin und her - die ablaufende Flussströmung steht gegen die einlaufende Flut. Gestern abend, wir wollten gerade in die Koje kriechen, ein dumpfer Aufprall, riesiges Gebrüll draussen, Hatschimutschi ist mit seinem Dampfer gegen uns geknallt und schiesst gerade in die entgegengesetzte Richtung davon. Jetzt wieder genau auf uns zu. Marion startet den Motor, ich werfe den Gang rein, um nach links auszuweichen. Klappt auch, bloss das Auskuppeln nicht mehr. Mit Vollgas vorwärts - ich stürze nach unten, um den Motor auszuschalten. Der Gang geht jetzt raus, Marion startet nochmal, der Motor heult mit Vollgas, ich kuppel vorwärts ein, der Gang kracht nur so rein, das Boot schiesst wieder mit Vollgas vorwärts - bloss schnell den Motor aus! Fette Windböen, natürlich Regen, Hatschimutschi kämpft derweil am Steuer und versucht, unter Motor irgendwie gegenzusteuern. Er denkt, dass sein Anker ausgebrochen ist, kann aber nicht gleichzeitig hinten steuern und vorne die Ankerwinch bedienen. Also schmeiss ich unser Wackelbötchen runter, Marion mir noch schnell `ne Regenjacke zu und ich tucker rüber. Jetzt steh ich am Steuer, er an der Winch, die Strömung hat sich mittlerweile beruhigt, er liegt an seiner alten Position, der Anker hatte vermutlich nicht geslipt - er hat allerdings 50m Kette draussen (bei 3m Wassertiefe!) und dementsprechend weit kann sein Dampfer natürlich nach links und rechts abschiessen. Die anderen Boote haben 30m Kette draussen - viel Platz ist hier schliesslich nicht! Für die nächsten sechs Stunden haben wir erstmal Ruhe, ich tucker wieder zurück und nehme mir unsere Schaltung vor. Hoffnung Nummer 1: der Gasbowdenzug ist nur am Motor aus der Halterung gerutscht - NÖ! OK, dann eben Nummer 2: er ist in der Schaltbox im Cockpit aus der Führung raus. Es gibt ja nur wenig schönere Dinge, als nachts um Eins im strömenden Regen mit `ner Stirnlampe auf´m Kopf die Schaltbox auseinanderzubauen, sich die, schönEs gibt doch nichts Schöneres ... dick mit Fett eingeschmierte, Schalteinheit vorzunehmen, festzustellen, dass der Gasbowdenzug das Zeitliche gesegnet hat, aber gehässigerweise nicht einfach NUR SO gerissen ist, sondern genau in dem Augenblick als Vollgas gegeben wurde und sich dann in dieser Position verklemmt hat. Was soll`s! Wir haben ja einen Reservebowdenzug mit, der liegt unterm Salonsofa, ganz unten natürlich, unter dem ganzen Werkzeug, was man immer total schwer da wieder alles reingestopft kriegt! Ein Blick auf meine fettverschmierten Finger genügt, Marion lässt sich die genaue “Wegbeschreibung” geben und übernimmt den Part des Salonsofazerwühlens und wieder -einräumens. Ich fummel derweil den neuen Bowdenzug durch die Steuersäule in den Motorraum, montiere in der Schaltbox alles zusammen - es regnet natürlich immer noch, aber Marion hält jetzt `nen Regenschirm über mich - wieder schön einfetten ... Probegas - geht nicht! Äh, Sch... verkehrt zusammengebaut! Wieder auseinandernehmen, richtig zusammenbauen, Schaltbox zuschrauben und jetzt nur noch schnell im Motorraum die andere Seite des Bowdenzugs anschliessen. Ist das blöde Ding doch zu kurz!! Das heisst, wenn ich ihn langziehe, komme ich gerade so beim Gaszug vom Motor an, aber die Motorraumtür geht nicht mehr richtig auf, weil der Bowdenzug da quer rüberhängt! Ich schliesse ihn trotzdem erstmal an, weil ich mich A: besser fühle wenn ich den Motor jederzeit anschmeissen kann, und B: weil ich klatschnass und müde bin und endlich ins Bett will!!!

Dienstag, 19.02.2013

Nach dem Frühstück `ne Regenpause abwarten, schnell an Land tuckern, auf`s Fahrrad schwingen und zum Angelladen am anderen Ende der Stadt strampeln. Dabei einmal richtig nass werden, feststellen, dass der Laden heute nur am Nachmittag aufhat, wieder zurück, nochmal nass werden und den dritten Regenguss auf dem Weg vom Ponton zum Boot im Dingi mitnehmen. Das Ganze am Nachmittag wiederholen. Laden zwar auf, aber keine 3m-Bowdenzüge da. Ab 5m und länger. Kann ich aber auch nehmen, meint der Verkäufer. Weiss ich, aber ich will das Teil ja nicht zweimal um den ganzen Motorraum wickeln. Ausserdem ist das Ding (wie eigentlich alles hier) völlig überteuert und überhaupt hab ich schon einen zu kurzen, da muss ich mir nicht noch einen zu langen kaufen! Hatschimutschi war siHier ist es wenigstens trockench gestern sicher, einen Bowdenzug spazieren zu fahren, der für sein Schiff zu kurz ist. Also geh ich bei ihm nochmal längsseits und er kramt tatsächlich einen 3m-Zug hervor. Sogar über den Preis werden wir uns einig, stolz tucker ich zu uns rüber und mach mich gleich dran, das Teil einzubauen. Gute Idee! Wir haben kaum die Teller vom Abendessen weggeräumt, geht draussen schon wieder das Gebrüll los. Hatschimutschi auf Kaperfahrt! Kurz vorm Aufprall kann er seinen Dampfer mit dem Motor noch abstoppen, wenig später wiederholt sich das Spiel. Eigentlich ärgere ich mich darüber, dass er nicht einfach 10m Kette reinnimmt (dann hat er immer noch 40 draussen) dann käme er nicht mehr bis zu uns ran. Will er aber nicht und da er nunmal zuerst da geankert hat ... Ich will jetzt aber auch nicht jede Nacht im strömenden Regen draussen stehen und mit laufendem Motor aufpassen. Also machen wir den Zweitanker fertig, fahren schräg nach vorne in Richtung Fahrrinne, schmeissen den Anker in etwa auf der selben Höhe wie unser Hauptanker liegt (aber ca 30m weiter links) runter, lassen uns wieder zurücktreiben, Motor aus, fertig! Klingt jetzt ganz lässig, dauert aber fast zwei Stunden. Anker aus dem Ankerkasten holen, 20m Kette aus einer Bilge im Salon wühlen, Ankerleine, alles nach vorne schleppen, wo sind eigentlich die Schäkel?, alles aneinander schäkeln, durch die Ankerklüse im Bugsprit führen, Schiff in Position möglichst nah zur Fahrrinne bringen und Anker rauswerfen. Das alles natürlich nachts und ... logisch, im strömenden Regen!

Donnerstag, 21.02.2013

Bisschen Glück gehört ja auch dazu. Sind wir doch heute richtig früh zum Zoll geradelt, bevor die Jungs sich zwecks nahendem Wochenende verdrücken - die waren doch schneller und wir stehen vor verschlossener Tür. Marion ist aber hartnäckig und klopft so lange bis tatsächlich jemand auftaucht um uns mitzuteilen, dass wir um Zwei wiederkommen sollen. Jetzt Marion, Klappe die Zweite: Minirock, kecker Augenaufschlag, bezirzt sie den armen Kerl solange bis er uns reinlässt. Er hat so ein Ausklarierungsprotokoll noch nie verfasst, ... och, macht nichts, wir helfen da schon. Tapfer kämpft er mit dem Computer, findet das richtige Formular, gemeinsam füllen wir Spalte für Spalte aus, Stempel suchen, Klatsch!, noch `n paar Kopien - immer noch etwas unsicher drückt er uns das begehrte Papier in die Hand, wir bedanken uns überschwenglich und jetzt nichts wie weg! Noch schnell Käse im Supermarkt einsacken, dann radeln wir zurück zum Ponton. Ein Fahrrad nehmen wir gleich mit, ich düse nochmal rüber, zweites Radel, dann haben wir alles an Bord. Eine meiner "Lieblingsbeschäftigungen": Fahrräder auseinander bauen und verstauen!! Wohlweislich gebe ich Marion Bescheid, alle Äusserungen, die ich in der nächsten Stunde von mir gebe, zu ignorieren. Sie erträgt tapfer alle Flüche, Verwünschungen und sonstigen Unmutsäusserungen - zwei Stunden später sind die Teile zerlegt, geputzt, geölt und unter der Koje verschwunden. Jetzt schon mal den Zweitanker hoch, klappt erstaunlich gut, aber dann brauche ich `ne Stunde, um die völlig verschlammte Kette nebst Anker mit Bürste und unzähligen Wassereimern sauber zu kriegen. Marion hat inzwischen unter Deck alles abreisefertig - fehlt eigentlich nur noch Hatschimutschi mit unserer Gasflasche, die wir ihm (gleich bei unserer Ankunft, so für ein, zwei Tage ...) geborgt hatten. Kann er uns nicht bringen, weil er ja noch `nen Abschiedskaffee für uns kocht. Also trinken wir bei ihm noch schnell den Kaffee, schütteln uns, verstauen unser Bötchen auf dem Deck, den Motor, die Gasflasche und sind endlich abfahrbereit! Anker hoch, winke, winke und ... wie auf Knopfdruck fängt an zu schütten. Aber auch gleich so, dass wir kaum die Fahrwassertonnen erkennen können. Es hört auch gar nicht wieder auf - wir gucken uns beide an, brauchen wir das? - NÖ! Wir faMal wieder ein paar Seemeilen schaffenhren bis zur Ile Royale, schmeissen den Anker dort wieder runter und warten auf besseres Wetter!

Freitag, 22.02.2013

Na bitte, geht doch! Die Sonne blinzelt zaghaft durch die Wolkendecke und ES REGNET NICHT. Gestern Abend hatte ich ja noch die schöne Idee, heute kurz auf die Insel zu fahren, um unsere Mango-Vorräte aufzustocken, aber genau vor uns ankert das Zollboot. Jetzt wissen wir auch wohin die sich gestern so schnell verkrümelt haben - nettes Wochende auf der Ile Royale verbringen! Natürlich kommen die (damit es nicht so ganz nach privatem Wochenendvergnügen aussieht) auch noch längsseits. Marion leicht nervös "Wir haben doch schon ausklariert?!" Sie blättern in unseren Papieren, ich brauche die Ausrede mit dem defekten Gasbowdenzug, der aus irgendwelchen Gründen immer noch im Cockpit rumliegt, gar nicht erst bringen. "Ah, auf dem Weg nach Surinam", die Papiere werden zurückgereicht, "Merci, bon voyage!" So frech bin ich dann aber auch nicht, jetzt noch genau vor ihrer Nase an Land zu gehen - wir zotteln den Anker hoch, fahren aus der Bucht, rollen die Segel aus - Kurs Surinam!

Sonnabend, 23.02. 2013

Sitz ich doch gestern Nacht so im Cockpit (mit Zigarette), plötzlich ein komisches Geräusch genau neben mir, irgendwas dunkles, grosses und dann ein gewaltiger Blas. Ich hätt vor Schreck fast die Kippe fallen lassen - ein Wal, direkt neben uns! Boah!!! Eh ich dann die Stirnlampe im Salon gefunden habe war der Bursche natürlich verschwunden. Ansonsten segeln wir heute ganz entspannt vor uns hin, basteln gerade neue Angelköder - da piepst was. Dauert `ne Weile bis ich den Übeltäter enttarne. Mal wieder der Autopilot! Sein heutiges Problem heisst: Poweralarm! Hä??!! Die Anzeige an der Schalttafel zeigt gerade mal 70 verbrauchte Amper, ein Druck auf`s Knöpfchen: 11,9Volt. Das is´ ja ma ´n bisschen wenig, wie geht das denn? Die Batteriebank hat 480Ah, die müsste doch nach 70 entnommenen Amps noch fast voll sein! Hilft alles nichts, ich drücke das Starterknöpfchen vom Generator (zum Batterieladen fahren wir den schliesslich spazieren). Der rödelt auch fröhlich fünf Minuten vor sich hin, bevor er sich leicht hustend verabschiedet. Wegen Überhitzung, wird angezeigt. Claro, wenn, dann immer alles auf einmal! Bei dem Geschaukel habe ich natürlich keine Lust im Motorraum zu basteln, so wichtig ist es ja noch nicht. Wir lassen den Motor `ne Stunde laufen, schalten alle überflüssigen Verbraucher ab - also alle bis auf den Autopilot - und werden die Sache mal weiter beobachten :-) So weit ist es auch nicht mehr, irgendwann heute Nacht werden wir in den Surinam-River einlaufen. Hoffe ich jedenfalls! Laut Karte gibt`s da ein betonntes Fahrwasser - drücken wir mal die Daumen, dass die Dinger auch beleuchtet sind. Falls nicht, drehe ich eben ab und segel direkt nach Trinidad weiter (wird Marion zwar nörgeln, aber nachts auf `ne Sandbank krachen müssen wir ja auch nicht unbedingt).

Sonntag, 24.02.2013
Hat doch alles supi geklappt heut Nacht! Die Fahrwassertonnen sind alle da, blinken auch lustig vor sich hin - immer schön geradeaus, dann `n bisschen nach links und zwei Tonnen später wieder nach rechts - ganz easy, die Einfahrt zum Fluss! Ein Stückchen weiter, hinter einer grossen Sandbank werfen wir dann den Anker runter, halb Zwei, beste Zeit, um in die Koje zu verschwinden, nach Paramaribo können wir auch im Hellen fahren! Haben zufällig genau das angesagteste Plätzchen hier im Fluss erwischt - neben uns tummeln sich die Flussdelfine (die “schnöden”, nicht die schweinchenfarbenen) und immer wieder kommen Boote mit Touris vorbei. "Dolphin watching". Klick,klick machen die Kameras und schon brausen sie wieder davon. Haben wir ganz umsonst! Ansonsten ist Faulenzen angesagt und bevor wir den Anker hochleiern können, kommt ein Motorbötchen längsseits, wir erfahren, dass heute und morgen in Surinam Feiertag ist, abends überall gefeiert wird und haben auch gleich `ne Einladung zur Party im Restaurant des Motorbootbesitzers. Netter Empfang!

Montag, 25.02.2013

Konnten uns gestern doch nicht mehr dazu aufraffen, zwecks Feierlichkeiten nach Paramaribo zu fahren (ich hab ja gar nichts anzuziehn!) und heute auch nicht. Die Behörden haben eh zu! Also machen wir genau damit weiter, womit wir gestern aufgehört haben, Füsse hoch, Lesen, Sudoku, ... NICHTSTUN!

 

Mittwoch, 27.02.2013

Haben es gestern doch tatsächlich geschafft, uns die 12sm weiter zu bewegen und den Anker vor Paramaribo fallen zu lassen. Naja, `ne halbe Stunde sind wir schon gekreist auf der Suche nach einem passenden Ankerplatz und brauchten drei Versuche, eh er dann auch hielt - aber jetzt liegen wir genau vor der Uferpromenade, der Waterkant! Und heute wollen wir unseren Aufenthalt auch endlich legalisieren, sprich einklarieren. Ich werf unser Wackelbötchen schon mal ins Wasser, Marion sucht Behördenkluft und Dokumente zusammen. Richtig fette Strömung hier, wie in Zeitlupe nähern wir uns dem Ufer, ziehen Bötchen über einen Schuttberg die Böschung hoch, dann mir die Behördenhose an und los geht`s. Lilian hat uns per Mail schon mal verraten, wo wir wen finden - erstmal mit der Buslinie 8 zur "Vreemdelingen Politi". Brauchen wir uns also bloss zum Bus durchfragen. Die Leute hier sind furchtbar nett, man zeigt nicht einfach in eine Richtung - DA LANG! - wir werden die paar Strassen persönlich gebracht und dem Busfahrer wird auch gleich eingebleut, wo er uns wieder abwerfen soll. Macht der nach zwanzig Minuten Fahrt dann auch, wir fragen uns zum Büro der "Vreemdelingen Politi" durch (heisst,  wir werden wieder hingebracht) und stehen in einem grossen Raum, der rammelvoll ist mit Vreemdelingen. Nochmal zurück zur Mira - was man nicht im Kopf hat ...Das kann dauern! Doch nicht. Wir sind nämlich verkehrt und müssen ein Büro weiter. Das ist jetzt zwar leer, aber hinterm Schreibtisch lauert eine Frau in Uniform! Das bedeutet meist nichts Gutes und schon knurrt sie mich an: "CREWLIST!!!". Äh, stimmt, hatte Lilian auch geschrieben, dass wir vier Crewlisten brauchen, hab ich nur nicht mehr dran gedacht. Ohne die Listen geht gar nichts, wir dürfen wieder abtreten. Bus Nr. 8 zurück, zu Fuss bis zur Promenade, Behördenhose ausziehen - mittlerweile ist Flachwasser und ich muss, bis zu den Knien im Schlamm versinkend, das Bötchen zum Wasser zerren, dank Marions Beschreibung aber schnell die Crewlisten findend, beim Einsteigen mit Bötchen fast umkippen, nochmal raus, trockene Sachen anziehen, zum Ufer fahren, das Boot diesmal an der Seebrücke nebenan festbinden, wieder in die Behördenhose schlüpfen, schweisstriefend zum Bus laufen und mit der Nr. 8 zur Politi fahren. Selbe knurrende, finstere Dame, diesmal kommt sie in Bewegung, drückt auf jede Crewliste einen Stempel und uns drei davon wieder in die Hand. Wir müssen ein Visa kaufen und dann wiederkommen! Dank Lilian wissen wir auch wo: Bus Nr. 8, zurück in die Stadt, dann zur Watermolenstraat laufen und erfahren, dass die Visa-Behörde nur bis um Drei auf hat - morgen wieder! Müssen wohl besonders verzweifelt ausgesehen haben, wir werden doch reingelassen, müssen unsere Pässe nebst 50 Dollar aushändigen und halten zehn Minuten später die Visa nebst Pässen und Quittung in den Händen. Schneller Imbiss an der Uferpromenade, einen Kontrollblick auf`s Bötchen werfen, zum Bus laufen, mit der Nr. 8 .... Ah, Dienstwechsel, diesmal ein uniformierter junger Mann. Der grüsst freundlich, schaut auf unsere Visa, drückt den Einreisestempel in die Pässe, gibt sie uns strahlend zurück - das war`s! Und wozu brauchten wir jetzt die VIER Crewlisten? Er zuckt mit den Schultern, aber für uns wäre jetzt alles erledigt. Schön restaurierte Häuser in Paramaribos AltstadtKein Zoll? “No!” Marion misstraut solchen Aussagen ja immer und will wenigstens noch zur MAS, der Maritim Authority Surinam - ich will lieber `n Bier trinken. Erstmal mit Bus Nr. 8 zurück, dann zu Fuss Richtung MAS! Kurzer Stopp an der Seebrücke zwecks Kontrollblick auf`s Bötchen - mittlerweile ist wieder Hochwasser, die Strippe hängt am Geländer, vom Bötchen ist nichts zu sehen ... Das hängt zwar am anderen Ende der Strippe, aber unter Wasser! Na supi!! Weder MAS noch Bier! Wir zerren das Boot nebst Aussenborder hoch, drei Bauarbeiter von der Wasserbaustelle nebenan kommen zu Hilfe und bringen uns, mit Bötchen im Schlepp, dann auch zur "Mira” rüber. Nette Leute hier.

Donnerstag, 28.02.2013

Nachdem ich unseren Aussenborder gestern gleich zeFort Zeelandiarlegt, mit Süsswasser gespült und eingeölt habe, ist er zwar brav angesprungen, aber so richtig heiss sind wir auf die Überfahrten im Wackelbötchen hier nicht, die Strömung ist gewaltig. Ausserdem hat der Capitano vom Baustellenboot versprochen, uns hin und her zu fahren. Brauchen bloss solange winken, bis er uns bemerkt, dann kommt er angebraust. Klappt tatsächlich. Wieder Behördenhose, zehn Minuten Fussmarsch bis zur MAS - hätten uns mehr Zeit lassen können, ist grad keiner da - ab Elf wieder. Zum Glück ist hier alleMoschee in der Keizerstraats eng beieinander, wir schlendern durch die liebevoll restaurierte Altstadt, über den Onafhankeliijkheidsplein am Präsidentenpalast vorbei, auf Wunsch einer Dame durch einen Palmentuin(park), schauen uns die kleine alte Festung, Fort Zeelandia, an und stehen pünktlich wieder bei der MAS. Der Mitarbeiter weiss mit uns zwar nicht so recht was anzufangen, freut sich aber uns zu sehen, drückt uns dann doch vier Formulare in die Hand: Wieviel Tonnen explosiver Stoffe haben sie geladen?, wieviel Schüttgut?, erkrankte Besatzungsmitglieder?... Wir machen ganz viele Striche und fragen, ob er vielleicht `ne Crewliste haben möchte, wir haben gerade genug davon. Eigentlich nicht, aber er kann sich ja eine kopieren. Ob wir ein Foto vom Schiff hätten? Leider nicht, aber wir haben eine Internetseite, da sind genug Fotos drauf. Die Idee findet er super, wir tippen die Adresse in seinen Computer, er kriegt sich beim Blättern gar nicFeierabend-Parbo mit Blick auf die Miraht wieder ein vor Begeisterung und ist vermutlich für den Rest seines Behördentages auch für nichts anderes mehr zu gebrauchen. Wir fragen noch schnell nach dem Zoll - Ob wir denn etwas zu verzollen hätten? Nö! Dann brauchen wir da auch nicht hin - und schon blättert er wieder an seinem Computer. Passt doch super, der Zoll sitzt nämlich irgendwo Richtung Industriehafen und wir wollen viel lieber die Stadt anschauen. Aber erstmal `n schön kaltes Getränk!

Sonnabend, 02.03.2013

Zwei Tage sind wir kreuz und quer durch Paramaribo geschlendert, die hübsche Altstadt, die Markthallen, Parks, haben das quirlige Treiben genossen, viele nette Leute kennengelernt, uns buddhistische Tempel, Moscheen, Synagogen und Kirchen angeschaut, einfach nur rumgesessen, was getrunken, verschiedene Speisen probiert, haben die Handwerkerstrassen besucht, in Geschäften gestöbert, Casinos gezählt, die vielen Goldhändler ignoriert, unserem Fährmann `n Sixpack spendiert, das Feierabendbier an der Uferpromenade bei “Fried Chicken Chung Kee´s Ken Tucky” getrunken, Spiesschen gegessen, die müden Füsse ausgestreckt und noch `n Bier bestellt - kurzum, wir haben uns hier richtig wohlgefühlt. Aber, die See, der Fluss ruft - alle Segler, haben wir erfahren, ankern in Domburg. Müssen wir doch mal nachsehen, warum! Ist jetzt auch nicht DIE navigatorische Herausforderung - einfach auf die einlaufende Tide warten und sich dann die 10sm flussaufwärts treiben lassen, aufpassen, dass wir das “Goslar-Wrack” in der Flussmitte nicht treffen, unter der Brücke durch, ... Genauso machen wir`s. Am späten Nachmittag plumpst unser Anker vorm Dorf Domburg ins Wasser. Die Strömung ist hier bei weitem nicht so stark wie vor Paramaribo! Den Landgang verschieben wir (wegen zu faul, das Bötchen runter zu werfen) auf morgen.

Sonntag, 03.03.2013

Wir sitzen so beim zweiten Kaffee, da geht das bunte Treiben am Ufer schon los. Jede menge Leute sitzen da rum, laute Musik, Jetskis heizen hin und her. Äh, da müssen wir jetzt aber nicht unbedingt zwischen. Marion hat eh noch jede Menge Arbeit zu liegen und ich verdrück mich etwas kleinlaut in den Motorraum, um beim Generator den Impeller der Wasserpumpe zu wechseln. Das war nämlich die Ursache, dass der sich wegen Überhitzung abgeschaltet hatte. Naja, und die Ursache, dass sich der Impeller verabschiedet hat? Da hatte jemand, äh ICH, vergessen das Seewasserventil zu öffnen! Peinlich, peinlich - kann ich Marion gar nicht erzählen... Die ist nachmittags immer noch am werkeln, der Trubel an Land ist noch grösser geworden (wobei die laute Musik nach brasilianischen Massstäben eher armselig ist), ich schmeiss das Bötchen trotzdem mal ins Wasser "für eine kurze Erkundungstour". Claro, die Zigaretten sind alle. Wie fast überall, sind die Jetskifahrer auch hier gestört und versuchen, vorbeituckernde Dingifahrer möglichst oft nasszuspritzen. Meine Anlandung können sie aber nicht verhindern. Gleich laufe ich Lilian und Hanspeter in die Arme. Die sind auch gerade hier eingetrudelt, liegen mit ihrer "Whisper" in der Marina, ein Stückchen weiter flussaufwärts, haben gerade Besuch aus der Schweiz und seit kurzem keinen Aussenborder mehr. Den hat jemand anderes gebraucht! Ich lerne also Elisabeth und Conny kennen, wir finden einen leeren Tisch, wo wir volle Bierflaschen draufstellen können, haben jede Menge zu labern und eigentlich ist der Trubel hier ganz nett. So`n bisschen wie Jahrmarkt in der Provinz. Die Schweizer müssen wieder in ihre Marina, ich zurück zu meinem fleissigen Weib, die Jetskifahrer scheinen in der Zwischenzeit weiter verblödet zu sein - womit für Marion dann auch feststeht: solange die da wie geisteskrank rumkurven, fährt sie nicht an Land! Vielleicht hätte ich mir in Kourou doch `ne Flinte kaufen sollen?!

Montag, 04.03.2013

Dorfbesichtigung! Wird ja auch langsam Zeit, sind schliesslich schon den zweiten Tag hier. Bötchen ins Wasser werfen, wir im Ausgeh-Look hinterher (also ins Bötchen), lässig den Motor anwerfen, der knattert so`n bisschen, hustet und streikt. Marion wieder austeigen, ich in die Bastel-Hose hüpfen, bisschen dran rumwerkeln, Motor läuft wieder, jetzt wirklich los! Zuerst der Dorfplatz, also ein breiter sandiger Weg, links und rechts Bretterbuden mit `nem Schild "Bar", "Restaurant" oder ähnlich werbewirksamen Botschaften. Dann nach links, Strasse, an beiden Seiten Häuser. Auch nicht schlecht. Nach 500m Dorfende! Also wieder zurück. Natürlich Mittag, keine einzige Wolke, Marion mit Regenschirm zwecks Schatten, ich mit Durst wegen der Hitze. Pause auf`m Dorfplatz, danach in die andere Richtung. Jetzt mit Hundebegleitung. Tankstelle, Bankautomat, noch `ne Tankstelle, mir ist langweilig, Marion und dem Hund nicht. Irgendwann dann doch, wir drehen wieder um, wieder Pause auf`m Dorfplatz, Hund bekommt `ne Wurst, ich ein Bier. Eine Internet-Bude, `n Dutzend Computer aber kein Internet. Vielleicht Morgen! Da ist es bei uns auf`m Boot spannender!

Dienstag, 05.03.2013

Basteltag! Marion krittelt schon `ne Weile rum, dass die Druckwasserpumpe immer mal wieder kurz anläuft - klares Indiz, irgendwo haben wir ein kleines Leck im Leitungssystem. Da im Motorraum auch immer wieder ´n bisschen Wasser steht, können wir die Suche ja schon mal etwas einengen und tatsächlich finde ich da zwei Leckstellen. Schläuche abschneiden, nachsetzen, halbe Stunde unter der Salonsitzbank alles rausräumen, um an neue Schlauchschellen zu kommen, dabei Marions Geknurre ignorieren, die am Tisch am Rechner arbeitet und Sitzpolster auf der Tastatur nur mässig lustig findet, dann wieder einräumen, Schellen anbringen, fertig! Weil ich eh schon mit Werkzeug im Motorraum hocke, mache ich mich auch gleich an die Wartung und Konservierung des Wassermachers und anschliessend, da Marion immer noch über ihren Fotoseiten hockt, über den unwilligen Aussenborder her. Montagebrett anbauen, Motor rauf und dann das gute Stück zerlegen. Zu finden ist natürlich nix, also alles schön einölen und fetten, zusammenbauen und hoffen, dass er wieder fleissig knattert. Abends fahren wir trotzdem nochmal rüber, da hat dann auch eine der Holzhütten seine Läden hochgeklappt um zu versuchen, in der Fritteuse ertränkte Lebensmittel unters Volk zu bringen. Zweimal Kibbeling, zweimal Fritten - blöde Idee, riesige Portionen, richtig fett - ist uns schön schlecht danach!

Mittwoch, 06.03.2013

Gemütlich mit der Kaffeetasse im Cockpit sitzend, werden wir durch lautes Hupen und Rufen aus unserer Idylle gerissen. Lilian und Hanspeter nebst Auto. Sie wollen nach Paramaribo, zwecks Aussenborderkauf. Ihrer wurde ihnen ja gerade in der Marina gestohlen - jetzt ziehen sie den ohnehin geplaParsun, Made in China - och nö, lieber nichtnten Neukauf halt vor. O.k., wir brauchen zehn Minuten! Duschen, Zahnbürste ins Gesicht, in die Shorts springen, T-Shirt unterm Arm - fertig! Marion ist zwar nur mässig an Shoppingrunden durch Motoren-Buden interessiert, hat sich aber ebenfalls in Rekordzeit in Schale geschmissen und springt mit ins Beibötchen. Paramaribo ist nur 20km entfernt, wir brauchen trotzdem fast `ne Stunde, ehe wir vorm ersten Händler stehen. Suzuki,  richtig begeistert ist keiner von uns von der Marke, glücklicherweise haben sie dort eh keine kleinen Motoren. Dann Yamaha, wieder nix. Ein Nissan-Marine-Shop hat zwar die richtige Grösse, baugleich mit Mercury und Tohatsu - überzeugt aber auch keinen wirklich. Dann noch ein Händler mit chinesischen Motoren, wieder baugleich Tohatsu, toller Preis, aber wir haben unser Schlauchboot "Made in China" noch in bester Erinnerung. Irgendwann finden wir auch die Tohatsu-Bude und dort steht das Objekt der Begierde! Erstmal ordentlich "untersuchen", alles mal anfassen, dann beginnt das Gefeilsche. Naja, zumindest versuchen wir es, der Händler gibt 50 Dollar nach und bleibt dann eisern: Dies ist Surinam und kein Basar! O.k., der Preis ist trotzdem fast 400 Dollar billiger als in der Karibik, Hanspeter und Lilian schlagen zu ... und wir auch! Zurück an Bord widme ich mich erstmal unseren "platten" Batterien - Generator starten, den Flurschrank leer räumen, bis ich auf die Batterien treffe, warten ob beim Laden vielleicht eine heiss wird - nö! War so`n bisschen die letzte Hoffnung, dass es nur eine der vier Service-Batterien "erlebt" hat und ich die einfach abklemme, aber die mögen halt alle nicht mehr. Ich bastel trotzdem noch `ne Weile rum, klemme jede mal ab, messe, schwitze, fluche (nur so`n bisschen), räume alles wieder ein und lass mich von Marion trösten. Ist ja nicht so schlimm, dass wir neue Batterien brauchen - haben doch grad beim Motorkauf 400 Dollar gespart! Naja.

Donnerstag, 07.03.2013Schweizer Runde

Gestern abend plumpst neben uns noch `n Anker runter, schweizer Flagge - da wir sowieso noch ins Dorf wollen, fahren wir kurz vorbei “Hallo” sagen. Wenig später sitzen wir mit Monika und Lukas auf `ner Holzbank vor einer der Imbissbuden, eisgekühltes Getränk auf`m Tisch und sind dann ewig am Labern. Muss ja auch mal sein. Heute dann erneuter Versuch im dörflichen Internet-Laden. Soll funktionieren - eine halbe Stunde basteln wir rum bis wir tatsächlich eine Verbindung haben, um dann fast an der Übertragungsgeschwindigkeit zu verzweifeln. Zwischendurch bricht auch noch ab und an die Verbindung zusammen, wir fangen jedes Mal von neuem mit dem Senden an - nach zweieinhalb Stunden haben wir immerhin einen Teil der Website aktualisiert, der Laden kann endlich schliessen, um seine Siesta zu machen und ich brauch erstmal `n kaltes Bier! Abends haben wir uns dann alle zum Essen verabredet: Lilian, Hanspeter, nebst Elisabeth und Conny, Monika und Lukas - Schweizer Folkloreabend eben, wir mittendrin. Essen ist `n bisschen ausserhalb - wir werden chauffiert, alle bemühen sich “Hauchdeutsch” zu sprechen, lecker Essen, lustiger Abend - ausser für Conny, der muss fahren!

Freitag, 08.03.2013

Frauentag! Mit den Blumen sah es heute früh etwas mau aus, aber ich habe für Marion ja ein viel besseres Geschenk. Da Monika und Lukas einklarieren müssen und sich einen Mietwagen genommen haben, bilden wir eine Symbiose: Wir zeigen ihnen wo sie überall hin müssen und sie holen dafür Marions Frauentagsgeschenk ab. Also kutschen wir nach Paramaribo zur "Vreemdenelingen Politie", sie werfen ihre Crewlisten auf den Tisch, Stempel rauf, jetzt zur Visa-Behörde. Finden wir auch fast ohne uns zu verfahren, dauert`n bisschen, dann können sie der Dame aber nicht einfach 50 Dollar in die Hand drücken wie wir , sondern zahlen 90 und das auch noch in der Surinam Staatsbank. Marion weiss sogar wo die ist (sie hatte immer heimlich die knackigen Securityboys dort beobachtet, als wir an der Waterkant unser Feierabendbier getrunken haben) - alle Schalter leer, dauert daher auch "nur" `ne halbe Stunde bis sie ihre Dollars loswerden. Zurück zur Visa-Behörde, die sind erfreut über den Schweizer Beitrag zum surinamischen Staatshaushalt, benötigStammtischen jetzt aber noch eine Stunde für den Stempel!? Also Mittagspause! Markthalle geschlossen, wieder zurück zu den Imbissbuden an der Waterkant (mit Blick auf die Securityboys). Anschliessend Visa-Büro, jetzt ist alles fertig, zum Auto hetzen und quer durch die Stadt zur "Vreemdelinge Politie". Um Zwei machen die ihre Bude dicht, fünf vor stehen wir an der Tür. Perfektes Timing. Mit Einreisestempel im Pass an´s entgegengesetzte Stadtende, diesmal zur MAS, der Maritim Authority Surinam. Lukas füllt seine vier Formulare aus, alle freuen sich dort und wir haben uns endlich ein kaltes ZISCH verdient. Jetzt haben wir Zeit, ganz entspannt geht´s zum Tohatsu-Händler, dort steht Marions Frauentagsgeschenk schon auf dem Prüfbecken: Schnurrt super, ihr neuer Aussenborder. `n Stapel Surinam Dollar wechselt den Besitzer, der Motor vom Beckenrand ins Auto, wir finden auch den Weg aus der Stadt und eine freie Bank vor den Imbissbuden in Domburg. Kibbeling mit Pommes, dazu eisgekühltes Parbo-Bier - die Switzer sind zufrieden, wir sowieso und die Dame von der Imbissbude vermutlich auch.

Sonnabend, 09.03.2013

Schon wieder Symbiose - Monika und Lukas wollen mit ihrem Mietwägelchen ein paar Kilometer überEasy Flussfahrt mit Caracolita-Dingi und unserem neuen AB Land zuckeln und wir unserem, äh, Marion`s neuem Motor, ein paar Betriebsstunden verpassen (geht mit unserem Bötle natürlich nicht, da viel zu klein), also bekommen wir ihr Schlauchboot. Unser Ziel, etwa 5sm flussaufwärts, um dort Lilian und Hanspeter in der Marina zu besuchen und da so ganz nebenbei auch unsere Wasserkanister zu füllen. Schön nach Betriebsanleitung: die erste Motorstunde nur mit Halbgas, tuckern wir gemütlich durch die Landschaft. Die haben hier Bäume, dann wieder Bäume, `n paar Papageien, zwei Tucane - kommt mir irgendwie bekannt vor! Kurzer Regenguss, stört uns nicht - Marion ist ja vorausschauend und hat `nen Regenschirm dabei. In der Marina erwischen wir die Switzer gerade beim Aufbruch, sie wollen ihre Gäste zum Flughafen bringen, Hanspeter drückt mir den Wasserschlauch in die Hand, winke, winke, wir bunkern 120 Liter Wasser und machen uns auf den Rückweg. Diesmal gegen den Strom, fetter Regen, aber etwas mehr Gas. Zweite und dritte Betriebsstunde! Klatschnass kippen wir unsere Beute in die Wassertanks, springen in trockene Sachen und düsen an Land, um unsere "Schlauchbootvermieter" einzusammeln. Geht dann nicht so schnell, Kibbeling mit Pommes, Parbo aus Flasche, Hanspeter und Lilian kommen auch noch dazu - wird langsam Zeit, dass wir Switzerdütsch lernen!

Sonntag, 10.03.2013

Sonntagsmarkt in Paramaribo. Steht zumindest in Marions Reiseführer. Monika und Lukas wollen sich das auch anschauen, also springen wir mit ins Auto. Sieht dann irgendwie bisschen mickrig aus, der Chinesenmarkt - Hühnerbeine, Reis, Gemüse, Enten, Undefinierbares, überall wird rumgeköchelt, riecht gut, sieht aber komisch aus. Wir fragen ein bisschen rum und erfahren, dass wir auf dem falschen Markt sind. Also einmal ans andere Ende der Stadt, dort ist dann auch richtig "Gewühle". Marktstände ohne Ende, indische, asiatische, chinesische, schwarze und was weiss ich was für Händler, Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch, Dinge die man braucht, Plunder den man nicht braucht - eine Stunde schlendern wir rum, anschauen, anfassen, feilschen (meist erfolglos), bisschen was kaufen, an den Imbissständen futtern, weiteres Grünzeug und Vitamine einsacken, anschliessend ein Chinesenkaufhaus "heimsuchen" (da findet MANN natürlich immer etwas, das er unbedingt noch braucht) - irgendwann haben wir alle keine Lust mehr und tuckern zurück nach Domburg. Dort ist noch der volle Sonntagstrubel im Gange - in 10m Abstand heizen ein paar "gestörte" mit ihren Jetskis am Ufer vorbei, immer bemüht, die dort zuglotzende Menge nass zu spritzen. Da die Schlauchboote auch dort liegen und wir keine Lust auf nassen Hintern haben, bietet das einen willkommenen Anlass, um sich noch mit `ner Parbo-Flasche niederzulassen. Den "Gestörten" geht das Benzin irgendwie nicht aus - macht nichts, dem kleinen China-Mercado die Parboflaschen auch nicht - wir haben ja Zeit. Und langsam auch wieder Hunger, also gibt`s noch in Fett ertränkter, panierte Fischstücke dazu: Kibbelinge!

Montag, 11.03.2013

Passt mal wieder, Monika und Lukas wollen im Mietwägelchen rumtouren und Marion sich über den Wäschekorb hermachen. Dann kann ich also dem Motor weitere BetriebHindu Feiertag - Beten und Singen auf dem Flusssstunden spendieren und stehe der Wäscherin nicht im Weg. Die Beiden schnell an Land absetzen, Kanister ins geborgte Schlauchboot werfen und schon düse ich los. Mit Wasserbunkern sieht`s schlecht aus, der Marinachef werkelt genau neben der "Whisper" rum, also erstmal Pause. Hanspeter bastelt an seiner Trinkwasserpumpe, der Druckschalter war undicht. Natürlich ist die Pumpe im hintersten Winkel des Motorraumes montiert, rundum zugebaut und also ist kaum zu sehen, woran man da rumschraubt. Irgendwie ist Hanspeter zu gross, kann trotz Spiegel nicht sehen, was er da treibt, flucht im Gegensatz zu mir dabei aber nicht rum und gibt irgendwann auf. Jetzt muss Lilian in den "Keller", schwitzt eine Stunde den Motorraum nass - Marinachef weg, ich fülle mal nebenbei die Kanister - der Schalter ist fast dran. Da Zuschauen auf Dauer langweilig wird, kletter ich jetzt runter, passe perfekt in die Ecke und fünf Minuten später ist das Teil dran. Pumpe einschalten, am Schalter tropft`s raus. Nochmal die Schrauben nachziehen, tropft immer noch. Also wieder abschrauben, gemeinsames Grübeln. Am besten, das Teil mit `ner Dichtung einsetzen. Hanspeter zaubert einen passenden O-Ring hervor, ich schraube den Schalter an, tropf, danach mit einem anderen Dichtring, ... tropf, tropf. Hanspeter schneidet eine Papierdichtung, tropf ... Es ist fast Sechs, ich muss jetzt wirklich los. Monika und Lukas trampeln bestimmt schon von einem Bein auf`s andere ... Mit 160 Liter Trinkwasser im Boot brauch ich dann auch über eine Sunde bis Domburg, schnell die Kanister abladen und ans Ufer düsen. Von wegen trampeln, die beiden sitzen ganz vergnügt vor `ner Imbissbude beim Fläschchen Wein ...

 

Dienstag, 12.03.2013

Hab ich doch gestern glatt vergessen, meine fleissige Bordfrau genügend zu würdigen. Nicht nur, dass sie die Wäscheberge "entsorgt" und uns ein lecker Abendessen gebrutzelt hat, nö, sie hat auch noch Schränke leergeräumt, Schimmel weggeputzt, wieder eingeräumt ... Das scheint ihr richtig Spass zu machen (Bordfrau: HAHA!!!), heute will sie an die nächsten Schränke. Zum Glück hab ich `nen Grund mich zu verdrücken: Basteln auf der "Whisper". Lukas und Monika nehmen mich mit dem Auto mit, so richtig eilig haben sie es mit ihrem Ausflug nicht, wir sitzen erstmal alle `ne Stunde auf der "Whisper" rum und schladdern. Dann kann ich doch in den "Keller". Hanspeter hat eine neue Dichtungsidee, wir basteln ein bisschen rum, ich fummele das Teil ran, Pumpe an - kein Tropfen! Die fleissigen Monteure werden für ihre Viertelstunde Arbeit erstmal mit `nem kalten Parbo belobigt - es tropft immer noch nichts. Als nach dem Mittagessen immer noch kein Tropfen zu sehen ist, wissen wir, das Ding ist dicht. Hanspeter bringt mich zurück nach Domburg - haben ja schliesslich noch genug eigene Bastelprojekte. Abends fahr ich dann wieder Monika und Lukas einsammeln. Erstmal geht`s zu uns, denn Lukas hatte heute Vormittag ihren "Wohnungsschlüssel" versenkt. Weil er aber heute Geburtstag hat, darf er das ;) Mit diversen Werkzeugen ausgestattet fahren wir beide zur "Caracolita", um einzubrechen. Augenscheinlich haben wir ein gewisses Talent dafür und da wir schon mal drin sind, krieg ich auch gleich `ne Bootsführung. Schnell noch Kibbelinge zwecks Abendbrot besorgen, dann düsen wir zur "Mira", wo die Frauen schon gespannt auf ihr Einbrecherduo warten. Kibbelinge auf den Cockpittisch, dazu passt Rotwein - wird `n lustiger Abend :-)

Mittwoch, 13.03.2013

Heute soll das grosse Geburtstagsgelage stattfinden - die Menüfolge steht fest, jetzt braucht Monika nur noch die passenden Zutaten, genauer gesagt FLEISCH! Das gibt`s natürlich nicht in Domburg, sie muss nach Paramaribo. Passt wieder mal, wir nämlich auch. Unserem neuen Aussenborder haben wir genügend Betriebsstunden verpasst, so dass er zur ersten GRATIS-Durchsicht kann. Und wenn wir schon mal zur Tohatsu-Bude unterwegs sind, können wir den kleinen Aussenborder auch gleich mit abgeben. Klappt alles super, wir werden unsere Motoren los, Monika bekommt ihre Fleischberge nebst passendem Grünzeug und alle haben noch genügend Zeit, ihrem jeweiligen Zeitvertreib nachzugehen! Monika und Lukas bei über 30°C unter Deck am Herd, Marion ist mit ihren SchränAlles sooo lecker! Prost Lukas!ken auch nicht viel besser dran, ich schnapp mir unsere Kanister und wandere damit zur Tankstelle, um sie mit Benzin und Diesel zu befüllen. Immer schön gemütlich, möglichst im Schatten und natürlich mit jedem einzeln! 40 Liter Benzin verschwinden in der Backskiste, 60 Liter Diesel im Tank. Zum Abendessen werden wir natürlich eingesammelt, damit wir uns nicht mit Rudern überanstrengen - das Geburtstagskind (obwohl, mit Kind is ja nun auch schon `ne Weile vorbei!) wird erstmal ordentlich geschüttelt, geknutscht und beschenkt, Lilian und Hanspeter trudeln ein und der schweizer Gourmet-Marathon kann beginnen. Schweissgebadet taucht Monika mit immer neuen Schüsseln im Niedergang auf, wir hauen uns ordentlich die Teller voll um jedesmal zu erfahren, dass es sich um eine weitere Vorspeise handelt. Lukas, als Schankwirt verkleidet, turnt dazwischen mit Gläsern zwecks verschiedener Getränkevarianten rum, als der Hauptgang endlich kommt, sind eigentlich alle satt (ich schaff trotzdem noch zwei Portionen!), der Jubilar erfreut uns mit Kostproben aus seinem früheren Leben als Musiker, Monika zwingt uns noch zum Dessert, die Frauen versammeln sich um das Abwaschbecken, die Männer mit Zigarre im Cockpit, Lukas fallen weitere Getränkevorräte ein, die wir probieren müssen, ... ich muss ja zum Glück nicht fahren :-)

Donnerstag, 14.03.2013

Die letzten Tage haben wir fleissig Heilige Kuh am Shri-Krishna-Mandir-Tempelgewerkelt und bevor wir am Wochenende weiter segeln, wollen wir uns noch mal mit einem Faulenztag belobigen. Und wo kann man den besser verbringen als in Paramaribo? Also stellen wir uns an die Dorfstrasse und warten auf den Bus. Der lässt sich richtig Zeit - macht nichts, wir steh´n ja im Schatten. Irgendwann sind wir doch in der Stadt, fragen klugerweise nach dem letzten Bus Richtung Domburg und schlendern dann durch die Strassen. Noch mal Markthallen, Parbo an der Waterkant, finden Strassen in denen wir noch nicht waren, Marion entdeckt unwiderstehlich aussehende Flip-Flops, ich `ne neue 3-Euro-Sonnenbrille, kleiner Imbiss, weiter schlendern, noch mal zur Uferpromenade und dann fährt auch schon der letzte Bus. Auf`s Boot wollen wir noch nicht, die üblichen Holländer hocken vorm Imbiss, wir uns dazu, Lukas und Monika tauchen auch auf, wenig später die "Whisper"s, die es heute endlich geschafft haben, ihren Dampfer von der Marina nach Domburg zu verlegen. Parboflaschen zieren den Holztisch, Kibbelinge, ...

Freitag, 15.03.2013

Mit Monika und Lukas geht`s in ihrem Mietwägelchen nach Paramaribo zum Ausklarieren. Geht diesmal unkoWas haben wir Frauen es da einfachmpliziert und schnell, klatsch, klatsch, Ausreisestempel in die Pässe - der Hosenwechsel hinterher dauert länger :-) Danach zu Tohatsu, beide Motörchen sind fertig - der kleine hat seinen Tauchgang doch nicht ganz schadlos überstanden, einige Teile mussten gewechselt werden. Dank niedriger Lohnkosten in Surinam aber für wenig Geld. Kleiner Imbiss, nebst Parbo an der Waterkant, dann machen wir uns auf den Rückweg. Die "Caracolitas" wollen ihr Schiff für die Abfahrt fertig machen und Marion ist auch froh, wieder in die Nähe der heimischen Schüssel zu kommen - ihr liegen die Kibbelinge irgendwie quer im Magen. Das verhindert auch ihre Teilnahme am Abendprogramm - ein innerschweizer kulinarischer Wettstreit ist ausgebrochen - Hanspeter hat zum Dinieren geladen! Wie immer ist es megalecker wenn er kocht, ich werde gezwungen Marion`s Portion mit zu verschlingen, kann mich dafür aber vorm Dessert drücken, es wird überlegt ob ich Marion beim Abwaschen ersetzen muss, gehöre dann aber doch mit der Zigarre ins Cockpit, lerne ein paar neue switzerdütsche Ausdrücke, Hanspeter ist froh, dass sie in Kourou genug Wein gekauft haben, ... es wird ein sehr langer Abschiedsabend und diesmal muss ich auch noch fahren :-(

Sonntag, 17.03.2013

Gestern Mittag ging die "Caracolita" ankerauf - heute sind wir dann endlich auch soweit. Lilian und Hanspeter ein letztes Mal drücken - sie wollen noch ein paar Wochen hierbleiben - wir müssen aber endlich nach Trinidad, wegen neuem Schlauchboot, neuen Batterien, ... Aber erstmal müssen wir uns die 500sm mit den alten, ausgelutschten durchschlagen. Mittlerweile sind wir es ja gewohnt, auf (energiemässiger) Sparflamme zu leben. Kühlschrank abends aus, nix mit Funkgerät, keine Computer - ausserdem haben wir ja noch den Generator und falls gar nichts mehr geht können wir immer noch nach Guyana abdrehen. Aber noch mal Wald und schon wieder Fluss wollen wir eigentlich nicht. Um eins dreht die Strömung, wir rödeln den Anker hoch - den "Whisper"s winken - los geht`s! Noch nicht gleich bis Trinidad, wir fahren bis kurz vor die betonnte Ausfahrt und schmeissen den Anker wieder runter. Die Tide kippt sowieso gleich und hier haben wir schon bei der Einreise super gelegen. Marion hat unter Deck noch zu tun und ich mach mich daran, das Ruder der Windsteueranlage wieder anzubauen, das wir seit Belém ja an der Reling spazieren fahren. Dauert `ne Weile bis ich mit der endgültigen Position zufrieden bin - meine fleissige Bordfee hat inzwischen nicht nur alles seefest verstaut sondern uns auch ein Abendessen gebrutzelt und mir die Bedienungsanleitung vom Windpiloten hingelegt. Männer lesen keine Bedienungsanleitungen! - knurre ich, blättere dann aber doch gelangweilt drin rum. Mit mal werd ich stutzig, noch mal lesen - tatsächlich: wir haben das Ding verkehrt angebaut! Das Hilfsruder geht bei uns gerade nach unten - FALSCH!!! Der Schaft, an dem der Pendelarm der Windfahne befestigt ist, muss genau vertikal stehen, das Hilfsruder zeigt dann automatisch 5° nach hinten. Mit der Stirnlampe stürze ich zum Heck - tatsächlich, ich bin ja nicht nur zu blöd das Ding zu bedienen, sondern sogar zum Anbau! Gleich Sind das jetzt 5°?morgen früh wird das umgebaut! Manchmal nicht schlecht so`n Handbuch.

Montag, 18.03.2013

Gleich nach dem Frühstück hocke ich vor der Windpilot-Anlage und grübele über den Umbau nach. In zwei Stunden bin ich fertig, hatte ich meiner Crew verkündet, mittlerweile kommen mir da Zweifel. Der Hilfsruderschaft ist mit vier Halterohren, zwei oben, zwei unten, am Heck befestigt und alle anderen Teile der Anlage am Hilfsruderschaft. Die Befestigungspunkte am Heck kann ich nicht mehr ändern - die Löcher sind nun mal gebohrt. Ich probiere mit den Halterohren und Zollstock hin und her. Die einzige Möglichkeit: die oberen Halterohre genau 6cm  kürzen! Einziges Problem: sie sind beidseitig am Ende auf 5cm Länge um etwa 1mm abgedreht, genau der Bereich, der in den Klemmbacken der Befestigung steckt. Aber die Klemmbacken kann ich ja ein bisschen aufbiegen, wird schon passen ... Generator anwerfen, Flex ansetzen ... Passt natürlich nicht mehr! Da kann ich klopfen und würgen soviel ich will, das (neue) Ende des Halterohres muss dünner werden! Sandpapier und Feile sind wenig hilfreich, mit Flex und Fächerscheibe stehe ich auf der Badeplattform, drehe mit der einen Hand möglichst gleichmässig das Rohr und mit der anderen die Flex immer schön hoch und runter. Zwischendurch immer wieder probieren und beim x-ten Versuch passt das Rohr endlich in die Klemmbacke. Jetzt noch die exakte Position des Bohrlochs für die Klemmschraube ermitteln, bohren, zusammenstecken, verschrauben, fertig! Beim zweiten Halterohr bin ich dann schon richtig gut. Inzwischen haben wir ablaufende Strömung - was soll`s, ich baue die gekürzten Halterohre an, die Auflageflächen der Befestigungen am Schiff und am Ruderschaft sind jetzt nicht mehr ganz plan ... der lange Hebel des Drehmomentschlüssels löst dieses Problem, dafür neigt sich das Hilfsruder jetzt um die geforderten 5° nach achtern. Schnell noch Windfahnenschaft, Pendelruder, etc. anbauen, Werkzeuge wegräumen, Schleifstaub, Späne und sonstige Spuren meiner Tätigkeit beseitigen, zur Grobreinigung ins Wasser springen, duschen - fertig! Vierzehn Uhr rasselt endlich der Anker hoch, immer schön den Tonnen folgend verlassen wir den Surinam-River, quälen uns das letzte Ende ziemlich rum mit Gegenstrom, Welle und Wind, können den Bug endlich nach Backbord drehen, die Segel ausrollen, Motor ausmachen und Kurs auf Tobago nehmen.

Dienstag, 19.03.2013
Die gute Nachricht: Wir sind richtig zügig unterwegs. Vielleicht `n bisschen viel Welle. Die Schlechte: Ich bin immer noch zu blöd für die Windfahnensteuerung! Zumindest für die Windpilot. Wir fahren zwar (wegen gefühlt geringerem Stromverbrauch) nach Windwinkel, aber unter Autopilot. Der schnurrt brav vor sich hin, ich muss mich nicht über einen Slalomkurs ärgern und ständigMittwoch, kurz vor Sonnenaufgang irgend etwas nachkorrigieren. Und da wir alles andere abgeschaltet haben und der Windgenerator fleissig am Rödeln ist, sind die Batterien auch noch ganz guter Laune :-) Einzig mein Erster Offizier ist leicht am Rumkritteln, die Wetterpropheten hatten achterlichen Wind vorhergesagt und jetzt segeln wir hoch am Wind (wieder mal Seglergeheimsprache: der Wind kommt also mehr von vorne, unbequemes Segeln). Dafür haben wir aber auch erzählt, dass wir nach Trinidad segeln und sind jetzt nach Tobago unterwegs.

Donnerstag, 21.03.2013

Blöde Welle! Vermutlich wegen dem Genörgel meines Ersten Offiziers bläst der Wind jetzt achterlich. Und wir schleichen mit VIER Knoten dahin! Entweder haben wir ´nen Treibanker dran oder Gegenstrom. Letzteres ist wahrscheinlicher. Würde auch die blöde hackige Welle erklären - Strom gegen Wind!

Freitag, 22.03.2013

Mal wieder alles ganz anders! Heute früh, nur 12sm von Scarborough, Tobago entfernt, haben wir beschlossen nach Trinidad weiterzufahren. Unsere Batterien sind völlig runter, letzte Nacht dann noch jede Menge Schiffsverkehr, diverse Bohrinseln - da sollte man sein Licht schon mal einschalten - ich dannBald sind wir da ... den Generator gestartet, aber wie immer bei Wellengang, hat er sich 5 Minuten später verabschiedet - das Geschaukel verträgt er nicht so. Also für zwei Stunden Motor an, damit die Batterien wieder `n bisschen Strom kriegen und der Autopilot weiterschnurren kann. Früh´s, zur Wachablösung, die Lichter von Scarborough voraus, dann Krisensitzung: schöne Insel oder neue Batterien? O.k., Strom ist wichtiger! Also weiter bis Galera Point auf Trinidad und dann immer schön die Nordküste längs. Der Wind lässt nach, wir werden immer langsamer, ich überlege den Motor anzuschmeissen, Marion findet mich quengelig, ich finde sie heute anstrengend. Meine Zigaretten sind alle!! Mit dem letzten Fitzel Licht passieren wir die schmale Durchfahrt zur Monos Island, im Dunkeln wäre ich da nicht durchgefahren - das spart 5sm. Der Rest geht auch im Dunkeln. Gegen zwanzig Uhr schleichen wir durchs Ankerfeld von Chaguaramas. Laut Karte gibt es Begrenzungstonnen, wir können die nicht finden und ohnehin liegen die meisten Boote an Moorings. Also greifen wir uns auch eine, werden noch mal weggeschickt, nehmen wir eben eine andere Boje und um halb Neun geht der Motor aus, zwei Bierdosen aus der Bilge gegrabbelt - Plock! Willkommen auf Trinidad! Cheers!!!

Sonnabend, 23.03.2013

Neues Land - das heisst, sich wiedermal in ein gutbürgerliches Outfit zwängen und die Behörden zwecks Einklarieren heimsuchen. Die sitzen hier schön dicht beieinander in der CrewsInn-Marina - sogar mit Dingi-Steg! Die Begeisterung lässt nach, als der Emigration-Officer die Hand aufhält - 100 TT$, wir sind ausserhalb der Öffnungszeiten da. Ist ja jetzt nicht so, dass wir irgend jemanden aus dem Bett getrommelt hätten, das Büro ist schon offen! Ich knurre leicht vor mich hin, aber was soll`s, wir wandern einmal um die Bucht bis zum nächsten Geldautomaten, haben wie immer keine Ahnung, wie der Kurs ist und ziehen den Höchstbetrag. Das ist auch gut so, denn der Zoll möchte gleich 203,51 TT$, Overtime-Charge (wer denkt sich so`ne krummen Beträge aus?!), dann noch ´ne Leuchtfeuergebühr ... Marion erträgt mein Gemurre nicht mehr - ich soll mir bloss endlich Zigaretten kaufen! Mach doch prompt! Sie lässt sich zwecks Aufräumarbeiten auf der "Mira" absetzen - da störe ich eh nur zwischen - ich fahre mit einem Grinsen im Gesicht zu Budget-Marine (so ´ne Art Supermarkt für Bootszubehör, voller Ausrüstung, Elektronik, Ersatzteilen, Schlauchbooten, Batterien, ...)

Sonntag, 24.03.2013

Am liebsten würde ich ja heute weiter durch die Bootszubehör Läden schlendern. Geht aber nicht, es ist Sonntag und da haben die gehässigerweise alle zu. Also hocke ich im Cockpit und blättere in meinem neuen Budget-Marine-Katalog. Um die Artikelnummern auswendig zu lernen, wie Marion lästert. ´n Ende weiter weg entdecke ich die "Caracolita" und als ich das Gefühl habe, im Cockpit auch zu stören, besuche ich erst mal Monika und Lukas. Wir werden dann auch "entdeckt" - Mia und Witze von der "Skua" haben wir zuletzt in Buenos Aires gesehen. Wir werden mit allen wichtigen und unwichtigen Infos versorgt, unter anderem wo Tom und SusiDeutsch-Schweizer Grillrunde gerade  rumwerkeln. Die haben sich von ihrer "Aorai" getrennt, um sich ´nen "Troll" aufzuhalsen :) - Holzfloss mit Dschunkenrigg gegen Stahldampfer mit Löchern getauscht. Wir freuen uns alle vier - Tom tauscht die Flex gegen Bierdose (sie haben jetzt einen Kühlschrank), Susi schmiert Brote, wir haben uns natürlich jede Menge zu erzählen und nach der Boots(Baustellen)-Besichtigung so`n bisschen ein schlechtes Gewissen, die beiden von der Arbeit abzuhalten. In zwei Wochen ist Krantermin - der Dampfer hat noch jede Menge Löcher! ... Sonntagabends trifft sich die hiesige, deutschsprachige Kolonie, um Fleisch über´s Feuer zu halten - wir kaufen noch schnell `ne Packung Würstchen und merkwürdiges Fleisch aus der Tiefkühlung, werfen Getränke in den Rucksack und stehen fast pünktlich um Sieben auf`m Grillplatz. Wir lernen Thomas und Ruth kennen, die schon 10 (!) Jahre hier sind, Herbert und Erika, die auch auf `ner Reinke rumschaukeln und Gerd und Helga, die mit ihrem Boot sogar schon mal in Stralsund waren (O.k., die Namen hat Marion mir jetzt vorgesagt, mehr als zwei kann ich mir ja nicht merken). Monika hat Salat für uns vier, Lukas den einzigen Korkenzieher, Tom und Susi trudeln auch noch ein, das komische Tiefkühlfleisch schmeckt zäh, dafür sind die Würste sehr gut, Salatschüsseln werden hin und her getauscht, Weinflaschen auch, irgendwann sind alle satt, dann die Getränke alle und weil ja morgen die meisten wieder arbeiten wollen, machen wir FEIERABEND!

Montag, 25.03.2013

Am Sonnabend hatte ich mir bei Budget-Marine schon mal `n Angebot zwecks Schlauchboot und Batterien machen lassen und ich sollte am Montag noch mal mit dem Chef sprechen, der könne da vielleicht noch etwas mehr ... Kann er tatsächlich. Mit Marion gleich nach dem Frühstück zu Budget, damit sie das Schlauchboot unserer Träume in natura sehen kann (sie muss ja immer alles erstmal anfassen) und dann den Chef nerven. Bringt fast 1000 $! Ein alter Holländer hatte mir in Surinam den Tip mit "Marine Warehous" gegeben - dauert zwar länger, wäre aber meist billiger! Das Office hatten wir schon entdeckt, also als nächstes dort hin. Fanny ist bisschen rundlich, uns auf Anhieb sympathisch und füttert uns mit Bonbons. Sie muss in Miami nachfragen, morgen bekommen wir das Angebot.

 

Dienstag, 26.03.2013

Weil ich ´s mal wieder nicht abwarten kann und so neugierig bin, steh ich vormittags das erste Mal bei Fanny vor der Tür. Ab 14 Uhr! Stimmt, hatte sie gesagt, aber man kann ´s ja mal versuchen ... Macht nix, wir müssen eh noch eine Werkstatt suchen, die Marions Topfhalter schweisst, ´nen Segelmacher finden, dem wir unsere weissen Tücher zwecks Reparatur überhelfen können, dann gibt`s da auch noch diverse Läden, wo ich noch gar nicht durchgeschlendert bin ... Zweiter Anlauf, Punkt Zwei! - Noch keine Mail aus Miami da - wir nerven die Jungs der Canvas-Werkstatt gegenüber wegen eventuell neuem Bimini und sind da kaum wieder raus, als Fanny schon winkt - unser Angebot ist da! Steht alles drauf was wir wissen müssen, wichtigster Hinweis: Donnerstag letzte Bestellung da Ostern ist und das Schiff Ende nächster Woche ablegt. Mit Zettel, Stift und Taschenrechner hocken wir im Cockpit - Getränkedose und Kippen in Reichweite (rechnet sich ja besser) - um alles gegeneinander abzuwägen. Den schlechteren Preis, dafür aber sofort da - gegen (trotz Transportkosten) besseren Preis aber drei Wochen Wartezeit. Muss ja alles mit`m Dampfer aus den USA hergebracht werden, dann durch`n Zoll, ... Was soll`n wir noch drei Wochen hier??? Wir wollen eigentlich nur schnell unsere "Einkäufe" machen und weiter. Soooo romantisch ist das in Chaguaramas nun auch nicht und ausserdem geht die Hurrican-Saison bald los und der neueste Plan ist ja, nach Kuba zu segeln. Gut, wir haben ja noch bis Donnerstag Zeit, uns zu entscheiden

Mittwoch, 27.03.2013

Mal raus aus dem Werkstatt-, Zubehör-, Angebots-, Schiffsausrüster-, Werft- und Marina-Alltag in der Chagauramas-Bay - mit Monika und Lukas fahren wir nach Port of Spain. Ist ganz einfach: an die Strasse stellen, warten bis einer der vielen Minibusse (hier Maxi-Taxi genannt) vorbeikommt, winken, einsteigen, hinsetzen, Halteknopf drücken wenn man wieder raus will und dem Fahrer den volkstümlichen Preis von knapp ´nem halProbeliegen im Pricemarkt - COOOL! Will ich auch haben!ben Euro in die Hand drücken. Einziger Nachteil heute, als wir in der Inselhauptstadt aussteigen schüttet es wie aus Eimern. So ein, zwei Zigarettenlängen kann man das ja aussitzen, aber dann beschliessen wir, trotzdem loszulaufen. Ist ja warmer Regen und ausserdem müssen wir uns eh nur von Geschäft zu Geschäft hangeln, weil die Frauen abwechselnd was entdecken, das sie sich unbedingt ansehen müssen. Dabei erstehen wir schon mal `ne Grenada-Gastlandsflagge. Gute seemännische Tradition schreibt schliesslich vor, dass man die Flagge des gerade besuchten Landes auf der Steuerbordseite (das ist rechts) des Schiffes hochzieht und wir haben es schon erlebt, dass die Behörden es sehr ernst damit nehmen ... Wir lempeln weiter durch die Stadt, irgendwann hat der Wettergott ein Einsehen und lässt die Sonne wieder scheinen, das Markttreiben auf den Strassen potenziert sich, wir müssen nicht mehr von einem Dachvorsprung zum nächsten Laden hetzen, sondern können auch die (grösstenteils) schön restaurierten alten Häuser bewundern, wir essen lecker in einem jemenitischen Imbiss, schauen uns auch brav Kirchen, Kathedrale und den Leuchtturm (eigentlich eher ein Türmchen) an, lassen uns in einer Bar mit Reggea zudröhnen, bewundern alte Kolonialbauten wie Parlamentsgebäude und Justizpalast und schleppen uns irgendwann fusslahm zurück zum Busterminal. Monika hat noch nicht genug - ob wir nicht noch beim Pricemarkt aussteigen wollen, einem Einkaufscenter. Der Shoppingtempel entpuppt sich dann als die hiesige Variante unserer Metro. Einkauf nur für zugelassene Kunden und spezieller Kundenkarte. Durchlaufen und gucken dürfen wir trotzdem mal ...

Donnerstag, 28.03.2013Wasserbunkern - unseren Watermaker können wir bei dem öligen Wasser hier nicht benutzen
Wir haben immer wieder hin und her überlegt und jetzt unser schönes neues Wunsch-Schlauchboot mit Aluminiumboden und die tollen, teuren AGM-Batterien bei Fanny bestellt. Spart weitere 500 US$. Die drei Wochen werden wir schon irgendwie rumkriegen - können ja mal `ne Inselrundfahrt machen - letztendlich haben wir eben mehr Zeit als Geld. Bei dem Thema zeigt Fannys Finger auch gleich auf die Endsumme der Bestellung: Upps, das sind `n paar tausend Dollar - aber bezahlen können wir auch am Dienstag, wenn sie wieder aufmacht. Das passt, da brauchen wir über Ostern nur jeden Tag den Automaten plündern, dann haben wir das Geld bis dahin zusammen.

Freitag, 29.03.2013
Wie kriegt man drei Wochen rum? Für Marion kein Problem. Sie borgt sich von Monika zwei riesige Waschschüsseln, schickt jemanden (also mich) los, die dafür benötigten Wassermengen ranzubuckeln und macht sich an ihre nächsten Projekte: Bimini abbauen, dafür dann die  Plane als Sonnenschutz spannen, Bimini in Schüssel Nr.1 in Chlorwasser einweichen, um es später mit der Bürste zu bearbeiten. Dann rumliegende Klamotten (ihre liegen ja im Wäschekorb, aber meine liegen überall rum) eAnkerplatzromantikinsammeln, um sie in Schüssel Nr.2 mittels Waschpulver und reichlich Wasser (Frau kann ja wieder jemanden losschicken, wenn`s alle ist :-) einer gründlichen Reinigung zu unterziehen. Ich hab mir was schön Blödes gesucht (das hatte ich in Buenos Aires schon mal angefangen und schleunigst wieder verschob... das gibt ne Menge Punkte ;)en), unsere feste Scheibe vom Cockpit, die an mehreren Stellen undicht ist. Die einzelnen Scheiben müssten gelöst, wieder neu verklebt und verschraubt werden. Klingt ja nicht wirklich kompliziert. Also das ganze Teil erstmal abbauen und zwecks weiterer "Zerlegung" auf`s Vordeck schleppen - das Cockpit ist ja mit Waschschüsseln belegt! Dann noch jede Menge Werkzeug verteilen, dabei munter vor sich hinschimpfen, versuchen, den verschraubten Rahmen der drei grossen Scheiben abzubekommen, von 26 Schrauben ganze 8 gelöst kriegen, mit etwas brutalerer Methode 5 weitere, der Wäsche im Weg sein, die jetzt auf dem Vordeck zum Trocknen baumeln darf, Werkzeug einsammeln, in den Mercado einkaufen fahren und anschliessend die Küche okkupieren: Ich bekoche mein Weibchen - Shrimp-Rrisotto mit Knoblauch, Weisswein und dem Grünzeug, daScheibe - Klappe, die drittes der Mercado so hergab. So sammelt MANN Pluspunkte!

Sonntag, 31.03.2013

Ich ärgere mich jetzt den dritten Tag mit den blöden Scheiben rum ... Schrauben ausbohren, neue Gewindestücke anfertigen, wasserdicht einkleben, Scheiben einkleben, verschrauben, ... Zwischendurch hatten wir noch die Idee, eine Luke in die mittlere Scheibe zu setzen zwecks bisschen Lufthauch im Cockpit. Also schnell Duschen, rüber zu Budget Marine und mit dem Finger auf die Katalogseite zeigen: DIE DA! Kopfschütteln, is nicht da - am Computer rumklimpern - in St. Maarten ist eine, dauert zwei Wochen mit dem Schiff, schneller kostet ? Dollar Transport. Nö, danke! Ruth, Lukas, Monika, Adi, Mary,  Severin,  Luise, Torsten, Laura, Herbert, Erika, Thomas, Martin, Marlon und wirGing ja bisher auch ohne Luke. Heute dann Osterüberraschung der etwas anderen Art: eine riesige Diesel- oder Schweröl-Lache schwimmt in der Bucht. Ausnahmsweise ist mal kein Wind und die Suppe bleibt uns den ganzen Tag erhalten - kriegt man echt Kopfschmerzen von dem Gestank - irgendwann schmeisst jeder sein Zeugs in die Ecke, Schn... voll, ausserdem ist Ostersonntag! Duschen, sauberes T-Shirt - Landgang! Tom und Susi ein bisschen von der Arbeit abhalten, `ne Runde wandern, reichlich Würstchen kaufen, schnell `n Salat schnippeln und auf zur Sonntagsgrillrunde! Die Schweizer Fraktion wird immer grösser - Martin hatten wir schon kurz in Buenos Aires kennengelernt und Adi und Mary das letze Mal auf dem Gambia-River gesehen. Die Welt ist echt ein Dorf!

Montag, 01.04.2013

Monika und Lukas haben uns auf ihre "Caracolita" eingeladen - das letzte Mal schaukelnd, morgen um Zehn haben sie Kran-Termin. Vorher wollen sie noch schnell die Segel runternehmen, frühmorgens ist es immer noch windstill. Jetzt aber auch gerade, dunkel ist es noch nicht und zu viert geht`s eindeutig besser - ich drängele solange, bis jeder seinen Platz auf dem Vordeck eingenommen hat - eine Stunde später liegen alle Segel ordentlich zusammengelegt auf Deck, Monika ist froh, dass das erledigt ist, Lukas, dass er morgen nicht so früh aufstehen muss und wir, weil wir uns die Drinks und Snacks jetzt auch verdient haben!

Dienstag, 02.04.2013

Auf der "Caracolita" schaukelt nix mehr, hoch und trocken steht sie da, von einem Dutzend Stützen gehalten in der Peak-Marina. Per Funk aktiviert, standen wir Punkt Zehn bereit, um beim Auskranen zu helfen - natürlich völlig nutzlos, denn die Marina-Boys haben die Sache bestens im Griff. Ein Taucher positioniert die Gurte des Travellifts, so sind sie in jedem Fall an der richtigen Stelle und die Marina braucht sich hinterher nicht mit Yachteignern über angeblich vorher noch nicht verbogene Propellerwellen o.ä. zu streiten. Der Dampfer wird aus dem Wasser gehoben - vier Leute an den Halteleinen - und langsam auf den Vorplatz gefahren, wo sich die nächste Stunde erstmal jemand mit `nem Hochdruckreiniger am Unterwasserschiff austobt. Mehr, als mal die Hände aus den Taschen zu nehmen um ein Foto zu schiessen, brauchten wir echt nicht zu tun. Na ja, immerhin haben wir noch `n dickes Bündel TT$ zu Fanny geschleppt.

Mittwoch, 03.04.2013

Jesse James, ein geschäftstüchtiger Insulaner mit Kleinbus, offeriert hier alle erdenklichen Dienstleistungen und fast jeder Yachtie in der Chaguaramas-Bay hat seine Karte. Egal, ob man nachts um Zwei zum Flughafen muss, `ne Inselrundfahrt machen will oder einfach nur 200L Diesel braucht - Jesse James ist der richtige Ansprechpartner. Jeden Mittwoch gibt´s die Shopping-Tour zum Pricemarkt, wo die Yachties auf Jesse´s Kundenkarte einkaufen können, das dann alles in den Bus werfen, bis vor`s Schiff oder den Dingi-Ponton gekarrt werden und ihm dafür nur 40 TT$ in die Hand drücken. Das Ganze funktioniert per vorheriger Anmeldung - Monika hat uns angemeldet. Passt ganz gut, denn unsere Getränkevorräte sind am Ende. Also schieben wir den riesigen Einkaufswagen durch die Regalreihen und werfen fleissig palettenweise Orangen-, Apfel-, Gerstensaft und so`n paar exotische Sonderwünsche der Bordfrau, wie Tomate-Möhre-Sellerie- oder merkwürdigen Beerensaft hinein. Sogar vier Paletten, also 48 L Milch finden noch Platz (um mal dem Eindruck entgegenzuwirken, dass wir nur Bier trinken!) Wir sind als Erstes mit unserem Einkauf fertig und haben dementsprechend keine Probleme, alles in den Bus zu schieben. Das sieht für die Letzten dann schon etwas schlechter aus. Auch kein Problem für Jesse James, wenig später kommt ein zweiter Bus und da passen dann auch die Bierdosen und Klopapierberge der letzten Nachzügler rein. Wofür braucht man 96 Rollen Klopapier?! Monika und Lukas tragen ganz stolz ihren gerade erworbenen Luftentfeuchter im Froschdesign in den Bus - sie wollen für einige Monate nach Hause in die Schweiz und dann soll das gute Teil die Luftfeuchtigkeit im Schiff niedrig, sprich möglichst im nicht schimmelbildenden Prozentbereich halten. Das klappt aber nur wenn man auch das richtige Gerät kauft ... Abends sitzen wir noch ein bisschen zusammen, als Lukas grinsend ihren Froschi hochhält. Wär nicht schlecht, wenn man beim Einkauf auch mal genauer auf den Karton schaut,  macht schliesslich schon `n Unterschied, ob da Dehumidifier oder Humidifier draufsteht. Ersteres ist ein Luftentfeuchter - Froschi dagegen macht`s richtig schön nass :)

 

Donnerstag, 04.04.2013

Vorm Heimflug wollen Monika und Lukas ihre "Caracolita" untenrum wieder so richtig schön flott machen, sprich alWährend andere beim Zahnarzt frieren ...te Farbe runter und `n paar Lagen neue drauf. Weil`s ja erfahrungsgemäss zu viert schneller geht hatten wir ihnen schon in Surinam versprochen, dabei zu helfen und heute, Punkt Acht soll`s losgehen! Soweit der Plan, ich hab aber `ne Ausrede: Krieg ich doch gestern Abend so richtig schön Zahnschmerzen - die halbe Nacht hab ich vor mich hingejammert, bis Marion mich mit Drogen ruhiggestellt hat. Ich muss zum Doc! Erstmal bei Marina-Dauerbewohnern eine Empfehlung nebst Wegbeschreibung für`n Zahnarzt einholen. "... In der Long Circular Mall, vierte Etage, `n Minibus nehmen, dem Busfahrer sagen, dass er mich bei der Peak-City-Marina rauslässt, dann ´ne Viertelstunde Fussmarsch" - ist doch ganz einfach! Ich frag also meinen Busfahrer zwecks "Rauswurf" bei der Marina, der nickt die Sache ab und fährt los. Stückchen weiter steigt `ne knackige Inselschönheit ein und setzt sich (statt neben mich) auf`n Beifahrersitz. Der Fahrer fängt natürlich sofort an, sie wie wild anzubaggern, quatscht und balzt wie blöde, stiert in ihren Ausschnitt statt auf die Strasse und falls er überhaupt noch irgendwas denkt (vermutlich hat sich sein Gehirn gerade zugunsten eines anderen Körperteils abgeschaltet), dann jedenfalls nicht daran, seinen Fahrgast an der richtigen Stelle abzusetzen! Immerhin komm ich von alleine drauf, dass wir schon vorbei gerast sein müssen, steige irgendwo aus und habe jetzt statt 15 Minuten eben `ne halbe Stunde Fussmarsch vor mir. Die Schwester am Empfang zeigt sich leicht irritiert, dass ich nicht angemeldet bin, kommt aber nach Konsultation mit der Zahnärztin zu dem Schluss, dass es bei Zahnschmerzen auch mal ohne Termin geht. Ich müsse aber warten. Kein Problem, auf mich wartet eh nur Arbeit und klugerweise hab ich ja ein ein Sudoku-Heft einstecken. Zwei Stunden später nützt mir das auch nichts mehr, die abgefrorenen Finger können den Stift nicht mehr halten - geht doch nichts über `ne Klimaanlage mit Vollgas! Immer neue Patienten kommen, werden reingerufen, verschwinden wieder, ab und zu versichert die Schwester mir, dass ich auch bald dran bin, zweieinhalb Stunden - ich hab meine Hände unter den Hintern geschoben, um zu versuchen, sie wiederzubeleben, Ärztin ruft `n Patienten rein, natürlich wieder so einen Termin-Typen, dritte Stunde, ich überlege gerade, wie ich meine, mittlerweile ebenfalls abgefrorenen Füsse auch noch unter den Hintern bekomme, als endlich das erlösende "Mr. René, please!" ertönt. So richtig dran bin ich aber noch nicht - erstmal nur röntgen, aber von mir aus kann die Schwester meine Zähne stundenlang, aus allen Perspektiven knipsen - Hauptsache raus aus dem tiefgekühlten Wartezimmer! Der anschliessende fachmedizinische Dialog über meine Zähne im allgemeinen und dem schmerzenden insbesondere, gestaltet sich dann etwas zäh - gebisstechnisch ist mein Vokabelbestand irgendwie nicht so doll - die Ärztin greift trotzdem zum Bohrer, ich sperre tapfer den Mund auf - Monitor über mir an der Decke, das lenkt so schön ab - halbe Stunde später bin ich entlassen, der böse Zahn tut nicht mehr weh und ich hab `n weiteren Termin für nächste Woche. Für Marion auch gleich! Die steht ja seit um Acht mit dem Schwingschleifer und versucht, gemeinsam mit Monika und Lukas, die alten Antifouling- und Farbschichten vom Schiff zu schleifen (für die Landratten: Antifouling ist so`n Giftanstrich, den man sich unters Schiff pinselt, um den Seepocken und Algen den Spass an der Besiedlung desselben zu nehmen). Sieht echt deprimierend aus, wie wenig erst runter ist, dafür sehen die drei schon ganz spassig aus. Weil ich keine Ausrede mehr habe wird jetzt zu viert geschliffen, ich brauch nicht lange, um genauso wie die anderen auszusehen (tolle Mischung aus Schweiss und Schleifstaub), aber abends haben wir immerhin fast ein Viertel der Farbe runter. Wenn wir morgen gleich früh zu viert loslegen ... Jetzt gibt´s aber erstmal `ne ordentliche Dusche und ein wohlverdientes Feierabendbier! Jedem brenAua! nt das Gesicht, Monika verteilt Creme, alle schmieren sich munter ein - blöde Idee ...

Freitag, 05.04.2013

Nachts werde ich wach weil mir fürchterlich die Gusche brennt, es juckt wie blöd, überall - Marion finde ich jammernd im Salon, mit irgendwelchen Salben und kühlenden Lappen, `ne Stunde später heulend mit Gurkenscheiben im Gesicht. Ich schlaf irgendwann doch noch mal ein, quäle mich um Sieben aus der Koje - Marion hockt immer noch mit halb zugequollenen Augen im Salon. Gut, sie hatte gestern ja auch viel länger Zeit, sich den Giftstaub im Gesicht breit zu reiben. Und das Selbsttor war mit Sicherheit die Creme - die zieht ja sooo schön in die Haut ein ... mitsamt dem Gift! Tapfer trete ich Punkt Acht zur Arbeit an, Marion hat `n Entschuldigungszettel. Monika hätte eigentlich auch einen gebraucht, den beiden ging´s heut Nacht nicht viel besser. Diesmal im Tuareg-Look, also komplett eingewickelt, treten wir mit unseren Schwingschleifern an. Nach zwei Stunden haben wir ein schönes Ende geschafft, die Stimmung steigt. Die Sonne leider auch, immer öfter wird der Turban runtergerissen, um den Schweiss abzuwischen - dabei iAuch aua!mmer schön den Schleifstaub verreiben - zwei Stunden später hockt Monika mit zugequollenen Augen da, kurz darauf geht bei mir auch nichts mehr. In Bauleiter Lukas reift die Erkenntnis, dass er mit seinen Hilfskräften noch Wochen braucht bis die Farbe runter ist, er macht sich auf die Suche nach professioneller Hilfe. Die kommt dann, um sich die Sache anzuschauen und sich lang und breit darüber auszulassen, welche verschiedenen Möglichkeiten der Farbbeseitigung es gäbe, immer neue Dollarbeträge werden genannt, aber genaues weiss er eigentlich auch nicht und überhaupt ... - heute ist Freitag, vor Montag geht gar nichts. Den Rest des Tages verbringe ich jammernd auf der Couch, Kühlakkus auf den Augen und ich bekomme die erste Gesichtsmaske meines Lebens (“Tiefenreinigende Algenmaske”, von verzweifelt in den Schränken herumwühlender Bordfrau wiederentdeckt)! Nicht wegen faltenfreier Haut und so, das zieht den Dreck schön raus!

Sonntag, 07.04.2013

Marion hat Monika gestern auch noch mit `ner Gesichtsmaske beglückt, seitdem geht es auch ihr wieder besser. Gehört in jede Bordapotheke, so ´ne Packung! An unserem (jetzt) freien Wochenende widme ich mich einem neuen bordeigenem Projekt. Marion hatte ja viel Aufwand (und Chlor) darauf verwendet, unserem Bimini wieder ein halbwegs erträgliches Aussehen zu verleihen, um am Ende einzusehen, dass das gute Stück eigentlich fast auseinanderfällt. Und da wir ja jetzt sowieso auf unsere Bestellung warten müssen können wir auch gleich einen der ortsansässigen "Canvas-Maker" mit der Neuanfertigung beauftragen. Na ja, und wenn man das Bimini eh neu macht ist es ja sinnvoll darüber nachzudenken, ob man es vielleicht etwas "optimiert". Genau das mache ich seit zwei Tagen. Bimini-Gestänge abbauen und an verschiedenen Positionen festbinden, abstützen, hin- und herrücken, ... lässt der Grossbaum sich noch frei bewegen, kommt man gut dran vorbei, kann man das Bimini so auch zusammenklappen? ...  immer wieder neu verschieben, passt es hier besser, oder eher da, ... Das Ganze natürlich unter der bratenden Sonne, ist ja grade kein Bimini da ... Aber jetzt hab ich endlich einen Plan! Das Ganze noch mal Marion vorführen ... "Und warum machen wir es nicht wieder so wie das Alte?" ... Bordfrau von den Vorteilen der neuen Position und Grösse des Sonnenverdecks überzeugen, alle Provisorien wieder abbauen, Plane als Sonnenschutz anbringen, schnell noch Bratwürste kaufen, Salat basteln, denn sonntags verkokeln wir doch immer gemeinsam Würste!

Montag, 08.04.2013

Gleich früh düse ich mit dem Bimini-Gestänge zum Schlosser - ein Glück, dass wir uns das "Caracolita"-Dingi geborgt haben, mit unserem Wackelbötchen wäre ich mit den Stangen glatt abgesoffen. Anschliessend durch die verschiedenen Yachtausrüster auf der Suche nach den Adaptern zur Befestigung des neuen Bimini-Gestänges auf der Seitenreling, wie immer wandern gleich noch diverse andere wichtige Teile mit in den Korb, 200 bis 300 US$ sind nach so`ner Shoppingtour bei "Budget" und Co. ja mal eben weg! Dafür bekomme ich neue Simmerringe für die tropfende Wasserpumpe des Generators. Daran leidet er ja, seit ich vergessen hab den Kühlwasserhahn aufzumachen, was ja auch schon dem Impeller nicht gut bekommen war. Wir gewöhnen der Wasserpumpe das Tröpfeln ab, bringen etwas Ordnung in das Chaos auf dem Dampfer und bekommen lieben Besuch. Adi und Mary, natürlich Schweizer, und seit Gambia sind wir irgendwie immer schön aneinander vorbeigesegelt. Und weil ich auf traditionell, herzlich, norddeutsche Art eingeladen hatte: "Wein ham wir noch, aber selber nix zu essen!" - hat Mary ein grosses Blech frisch gebackenen Zwiebelkuchen mit! Marion findet, manchmal bin ich einfach peinlich! (STIMMT!!) Hat doch aber geschmeckt!

DienstagMein Chaos-Maker, 09.04.2013

Ich mach mich bei Marion beliebt indem ich anfange, im Salon Verkleidungen abzubauen. Hatte sie ja gestern gerade erst alles sauber gemacht! Selber Schuld, was liegt sie mir auch ewig (also schon dreimal!) in den Ohren, dass es an einer Stelle auf Polster und Schrank leckt. Die Ursache ist schnell diagnostiziert: sämtliches Schwitz-, oder durch die offene Vorderluke eindringendes Regenwasser läuft links oder rechts in einer Rinne unter den Fenstern zusammen, dank Gefälle bis zur hinteren Salonwand und sucht sich dann, zumindest auf der Steuerbordseite den bequemen Weg an der Wand hinunter ins Polster der Sitzecke und weiter in das dahinter befindliche Staufach. Ist natürlich genau das, wo unsere Rettungswesten liegen (schon zweimal mussten wir wegen offenstehender Luke `ne prall aufgeblasene Rettungsweste mühsam da herauszerren). Soll ja eigentlich erst auslösen, wenn man mit dem Ding ins Wasser springt ... Während ich über komplizierte Wasserablaufsysteme sinniere, mischt Marion sich in diesen anspruchsvollen, technischen Denkprozess: "Bohr doch einfach `n Loch in die Rückwand, dann läuft`s da raus". Ja sicher, aber wohin? Nun lässt Marion sich mit einem "Nö, Loch in Wand geht nich!" nicht einfach abspeisen, da ist sie ja penetrant und will genau wissen, warum nicht. Also schnapp ich mir `n Zollstock, um genau vorzumessen, wo wir mit "ihrem" Loch rauskommen würden - ÄH! noch mal nachmessen, schnell `ne Verkleidung im Cockpit abbauen, noch zweimal nachmessen - Jo, ist ja ganz einfach: Wir bohren da ein Loch nach hinten durch die Wand! Wasser fliest dort ab, in den Hohlraum der Cockpit-Rückenlehene, von da ins Schwalbennest und das hat `n Ablauf. Ich glaub, Marion ist gOriginal Schweizer Käsefondue an Bord der Caracolita - soooo lecker!!!rad 20cm grösser geworden! Aber eigentlich wollte ich von heute was ganz anderes berichten: Da Schweizer ja scheinbar dreimal am Tag ein Käsefondue in sich reinlöffeln waren Monika und Lukas völlig von den Socken. Wie, ihr habt noch nie Fondue gegessen????!!!! Ist dort wohl so `ne Art Nationalsport und seitdem klar, dass wir das unbedingt probieren müssen und die beiden sind auf der ständigen Suche nach dem richtigen Käse. Da geht ja nicht irgend so`n Gouda oder abgepackter Butterkäse!! Also hat Monika von ortsansässigen Landsleuten in Erfahrung gebracht, wann und wo, und hat weder Kosten noch Mühe gescheut, die (fast originalen) Käseberge zu besorgen. Sind wir also heute zum Dinner eingeladen! Ruth und Thomas, ihre hier seit zehn Jahren am Boot bastelnden Landsleute sitzen ebenfalls im Cockpit. Lukas heute am Topf! Ist `ne feine Sache! Baguette-Scheiben auf die Gabel spiessen, in Kirschwasser tauchen - kann -, in Fondue - muss! Boah!!!, schmeckt natürlich mega-lecker und wird gegen Ende auch richtig sportlich, wenn jeder unauffällig versucht, sein Brot noch schnell durch den immer leerer werden Topf zu drehen. Kein Problem, Lukas setzt `nen neuen Topf an, Monika hat ja genug Käse angeschleppt und ich lass mir erklären, wie`s geht. Das essen wir jetzt nur noch!

 

Donnerstag, 11.04.2013

Von wegen mit Wasserdruck und Glasperlen, letztendlich haben die von Lukas angeheuerten Profis auch nur in Vollkombi mit grossen Schwingschleifern unterm BTapferer Käpt´noot gehockt. Drei Tage lang - jetzt ist der Dampfer blank und wir sind pünktlich um Acht zum Malern da. Zwar nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung, aber das juckt wenigstens nicht. Ruck, zuck ist die erste Lage Epoxi gestrichen, Marion und ich hasten unter die Dusche für den nächsten Programmteil: Zahnarzt! Familientermin! Diesmal sind wir auch nicht dem Fahrer ausgeliefert, ich weiss ja wo wir raus müssen. Marion leicht am Nörgeln, wegen dem Fussmarsch bei der HITZE - na dann wart mal ab Mädel, bis du im tiefgekühlten Wartezimmer bist! So`n Termin ist gar nicht schlecht - nix mit Rumsitzen und Frieren, Marion wird gleich mal auf den Liegestuhl geschoben. Ich vertiefe mich in mein Sudoku, um ihre Schreie nicht zu hören - danach darf ich auf den Hocker. Spritze in den Mund kann ich ja mal gar nicht haben und da kommt die nette Frau Doktor gleich mit zwei solchen Dingern auf mich zu. War natürlich ganz tapfer, nicht geweint, beim Bohren nicht rumgezappelt, immer schön den Mund aufgerissen - halbe Stunde später darf ich vom Stuhl klettern, mein Gebiss ist wieder in Ordnung - naja, polieren könnte man es noch. Jo, aber erst nächste Woche. Rumsitzen macht hungrig, an einem Imbissstand zeige ich mit grossen Augen auf den Lamm-Gyros - blöde Idee, mit Null Gefühl in der Gusche! Marion kriegt mich hinterher aber wieder sauber, wir düsen mit dem Bus zurück nach Chaguaramas, springen in die Arbeitshosen - "Caracolita"-Anstrich, zweite Runde! Wir sind aber auch sowas von fleissig!

Freitag, 12.04.2013

Gestern, das war ja nur so zum Warmstreichen - für heute hat Lukas drei Runden geplant. Um Acht kriegen wir unseren Farbnapf nebst Rolle in die Hand gedrückt, knapp zwei Stunden später ist Lage Nummer Drei drauf. Drei Stunden trocknen, dann die nächste Runde und am späten Nachmittag noch eine. Ich will ja jetzt nicht gleich soweit gehen zu sagen, dass Malern Spass macht, aber so im direkten Vergleich mit dem Schleifen schneidet es eindeutig besser ab :-) Feierabendbier, Duschen, faul im "Caracolita"-Cockpit hocken, gelegentlich die Knochen gerade biegen, noch `n Bier, Rest vom Mittags-Roti essen (das is so`n Fladen mit was drin), nach Hause tuckern, schlafen!

Sonnabend, 13.04.2013Spassig - Sprayhoodnähen per Hand macht Laune!

Heute pinseln wir die letzten Lagen Epoxi-Farbe auf die "Caracolita" und weil Wochenende ist, brauchen wir auch nicht so früh damit anzufangen. Geht doch nichts über `nen Chef, der auch gerne länger schläft! Sind natürlich fix fertig (eingespieltes Team eben) und weil wir die Zeit bis zur letzten Runde vorm Abendessen ja irgendwie sinnvoll überbrücken müssen, machen wir uns zur Abwechslung mal am eigenen Boot zu schaffen. Marion erbarmt sich der Sprayhood, die ihre Bleich-, Wasch- und Schrubbversuche irgendwie krumm genommen hat und beginnt, sich an den Nähte aufzulösen. Und während Bordfrau sich immer wieder mal fluchend in die Finger sticht, versucht Bordmann mit viel Geklapper und Geschepper den Eindruck zu erwecken, dass er mit dem neuen Bimini-Gestänge auch was sinnvolles tut. Irgendwann wird`s ohnehin Zeit, dass wir uns zur Verteilung der Farbnäpfe einfinden, ein letztes Mal der "Caracolita" mit der Malerrolle über den Bauch fahren, alles wieder aufräumen, uns gegenseitig mit Verdünnung die Farbe aus`m Gesicht wischen, zur Dusche hetzen und ins "Ausgeh-Dress" springen. Monika und Lukas haben als Dankeschön für unsere Hilfe zum Abendessen eingeladen. Nicht so die Version - wir im Cockpit und Monika in der Küche - nö, diesmal soll`s ins "Zanzibar" gehen. Angesagtes, elegantes Restaurant - wer es sich leisten kann kommt abends von Port of Spain hier vorgefahren, um auf der Terrasse zu sitzen, Cocktails zu schlürfen, auf`s Meer zu starren und dabei erlesene Speisen in sich reinzuschaufeln. Die Dame am Empfang starrt etwas irritiert auf unsere klatschnassen Haare und Plastetüten mit Duschzeug und Malerklamotten, die Flip-Flops werden da schon gar nicht mehr registriert. Trotz nicht ganz passendem Erscheinungsbild bekommen wir unseren Tisch in der ersten Reihe und die Speisekarten. Lukas betont nochmals, dass wir eingeladen sind - das ist auch gut so ... bei den Preisen. Beim Cocktail ist die Auswahl ja kein Problem - wir nehmen einfach das selbe wie Monika und Lukas, aber dann kommt die Speisekarte! Ich muss ja aufpassen, dass mir nicht der Sabber rausläuft beim Lesen - wenn das alles so lecker schmeckt, wie es klingt, könnte ich die Fleischgerichte einmal hoch und runter essen! Ganz bescheiden tippe ich dann aber doch nur auf das neuseeländische Lamm (knapp 45 €), Marion findet sogar ein Gericht für die Hälfte. Dazu passt ein Rotwein, wir schlemmen vom Feinsten, jeder probiert von jedem, Dessert passt nicht mehr rein - echt nicht schlecht so`n Abendessen!

Sonntag, 14.04.2013

Heute müssen wir das geborgte Schlauchboot zurückbringen, dabei hatten wir uns so schön an das grosse Teil gewöhnt. Und ich wollte auch noch soviel damit erledigen - Diesel bunkern, Wasser bunkern - mit letzterem fange ich dann wenigstens schon mal an. Marion setze ich vorher bei Peaks-Marina am Strand ab - da hat sie Wi-Fi und kann an den Online-Visa-Anträgen für die "Estados Unidos" basteln. So hab ich das Cockpit mal für mich allein und kann endlich das Bimini-Gestänge anbauen. Das passt natürlich nicht so ganz wie geplant, aber mit ein bisschen biegen, hin- und herschieben und brutaler Gewalt sitzt es letztendlich da wo es hin soll - da können wir morgen gleich den "Canvas-maker" zum Ausmessen des Biminis an Bord zerren. Wassertanks sind auch wieder voll, also schnell an Land, Marion einsammeln - der Laptop-Akku ist bestimmt schon leer. Am Marina-Strand laufe ich dann "IronLady"-Micha in die Arme, der mit den beiden Kids im Wasser planscht. Wir hatten uns ja nur kurz in Buenos Aires getroffen und haben erstmal viel zu labern. Die "IronLady" gibt`s nicht mehr (die haben sie natürlich nicht versenkt sondern verkauft), dafür gibt´s eine neue "Marlin", die sie hier gerade flott machen. Das schicke Schiff hatten wir in der Werft schon bewundert. Die Einladung zur Besichtigung muss ich leider ausschlagen (Marion wirft mir vom Computerplatz ihren speziellen, leicht vorwurfsvollen "Männer-sind-wie-Waschweiber"-Blick zu. Also geb ich noch schnell den Tip zwecks Sonntagsgrillen weiter und lade mein fleissiges Weibchen nebst Laptop ins Dingi. Sie hat sich echt durch diesen ganzen Wust schwachsinniger Fragen gekämpft und unsere Online-Anträge sind so gut wie fertig. “Waren Sie mal Terrorist? Kennen Sie einen? Planen Sie, in den Vereinigten Staaten terroristische Anschläge durchzuführen?” ... Wer kreuzt denn da JA an???!!! Jetzt müssen wir noch das Monster-Schlauchboot zur "Caracolita" kriegen. Unser oranges Wackelbötchen also ins Wasser werfen, grossen Aussenborder vom Schlauchboot abbauen, kleinen an´s Wackelbötchen ran, Schlauchboot hinten dran binden und zur Powerboat-Marina tuckern. Von Tom und Susi haben wir den Tipp, dass da ein Thorsten an seinem Boot bastelt und ein Wägelchen besitzt. Wir finden sowohl Boot, als auch Thorsten und Wägelchen, nur das letzteres ihm gar nicht gehört. Er leiht es uns trotzdem. Wir zotteln damit zum Ponton, heben es ins Schlauchboot und tuckern zur Peak Marina. Wägelchen ausladen, Schlauchboot aus dem Wasser zerren, darauf binden und mit dem Gespann ans andere Ende der Marina, bis zur "Caracolita" wackeln. Monika und Lukas kriegen sich gar nicht wieder ein, dass wir das schwere Boot schon ganz alleine bis zu ihnen geschleppt haben. Haben wir ja auch gar nicht :-) Marion macht sich an die Schlauchboot-Wäsche, ich bring dafür den Wagen zurück. Das dauert dann so lange (weil ich mit dem blöden Ding im Wackelbötchen fast abgesoffen wäre), dass die drei bei meiner Rückkehr das Boot schon auf die "Caracolita" hochgewuchtet und festgezurrt haben. Haben sich natürlich total rumgequält damit und ich krieg meinen zweiten vorwurfsvollen Blick heute! Wir siImmer wieder sonntags ...tzen noch ein bisschen zusammen, ich betreibe noch ein wenig Werksspionage, indem ich Lukas seinen Wellengenerator von allen Seiten knipse (so`n Ding muss ich auch unbedingt noch haben) und ziehen dann zum Grillplatz. Die "Marlin"s sind auch da, dafür fehlen Adi und Mary. Die tauchen `ne Stunde später auf, Mary völlig fertig, Adi mit blauem Auge und auch sonst irgendwie total verbeult und bisschen still. Er hatte heute den tollen Plan, mal ein Want (das sind Stahldrähte, die den Mast halten) zu erneuern und ist dafür den Mast hoch. Altes Want natürlich schon ab - nun heizen sonntags die Einheimischen mit ihren Powerbooten mit Vorliebe durchs Ankerfeld, das macht ordentlich Welle - Mast stürzt ins Wasser, Adi in seinem Bootsmannsstuhl auch. Mary schreit an Bord um Hilfe, “Nachbar” Herbert hechtet nackt in sein Schlauchboot und düst rüber - irgendwie hat Adi es dann aber doch noch geschafft, sich unter Wasser aus dem Stuhl und Leinenwirrwar zu befreien und ist wieder aufgetaucht. Jetzt hat er zwar keinen Mast mehr, aber einen Grund, jetzt jedes Jahr zweimal Geburtstag zu feiern! Geht uns allen natürlich ganz schön nahe, auch wenn`s so`n bisschen eigene Blödheit war - der Mast war ja eindeutig nicht vernünftig gesichert. Jeder bietet Adi Hilfe an, wir verschlingen unsere Würste etwas schweigsamer als sonst, ein letztes Mal Lukas drücken und Monika schmatzen (dreimal, nach original Schweizer Sitte!) - die zwei fliegen morgen für sechs Monate nach Hause.

Montag, 15.04.2013

Wir hatten ja schon mit einem Canvas-maker zwecks neuem Bimini gesprochen, heute sollen nun Nägel mit Köpfen gemacht werden! Mit dem Wackelbötchen hole ich Carlos ab, damit er sich das Projekt an Bord anschaut, Maße nimmt und mit uns die Details abspricht. Er misst hin und her, wir einigen uns auf Stoff und Farbe, er rechnet ein wenig rum, dann haben wir unseren festen Preis und seinen unterschriebenen Rechenzettel in der Hand. Wenn wir die Anzahlung geleistet haben geht´s los! Wegen der Knickrigkeit der Bankautomaten können wir das aber erst morgen machen. Heute steht Büro auf dem Plan. In der Peak-Marina gibt´s einen klimatisierten Internet-Raum für ihre Kunden ... und alle anderen, die sich da auch einfach reinsetzen. Ich darf Mails beantworten und Anoncen schalten, Marion ringt verzweifelt mit der amerikanischen Regierungs-Website, um irgendwie die Einzahlungsbelege für die Bank auszudrucken. Nach dem Beantragen des Visa darf man nämlich selbiges schon mal bezahlen, nach Zahlungseingang sich in der amerikanischen Botschaft zu einem "Vorstellungsgespräch" einfinden und dann erst wird darüber befunden, ob der Antragsteller auch würdig ist, den heiligen amerikanischen Boden zu betreten. Wenn nicht, dann ist das Geld eben weg! Einzahlen kann man natürlich nur mit einem ganz speziellen Beleg, der als Vordruck zum Download irgendwo auf oben genannter Website versteckt ist. Marion braucht fast drei Stunden, um ihn zu finden - ich hätte vermutlich schon vorher den Computer eingetreten. Gute News auch bei Fanny: das Schiff aus Miami liegt seit Freitag im Hafen (vielleicht gibt der Zoll morgen schon unsere Lieferung frei :-)

Dienstag, 16.04.2013

Klappt wieder mal super - wir drücken Carlos die Anzahlung in die Hand und wollen dann nach Port of Spain, um bei der Scotiabank (denn nur die darf es sein!) unsere Visa-Gebühren zu bezahlen. Carlos will auch gerade nach Port of Spain. Also sitzen wir bequem in seinem Pick-up, erfahren alles Mögliche über die Insel, seine Familie, verendete Fregattvögel, ... und werden bis vor die Bank kutschiert. Eine Stunde später stehen wir, um 250 Euro ärmer, wieder auf der Strasse und weil wir schon so fleissig waren und eh beim Geldausgeben sind, schlendern wir gemütlich zu dem kleinen jemenitischen Restaurant, wo man so lecker essen kann. Die beiden Muttis hinterm Tresen erkennen uns gleich wieder, wollen erstmal ganz genau wissen, was wir so treiben, wo wir herkommen, ob das nicht gefährlich ist auf so einem Boot, was wir denn nachts auf dem Meer machen, .... und weil wir jetzt sozusagen Stammkunden sind und sie ein Ferienhaus auf einer Insel neben Chaguaramas haben, sollen wir sie am Wochenende dort unbedingt besuchen. Zurück in Chaguaramas schüttelt Fanny den Kopf - soooo schnell war der Zoll dann doch nicht, aber morgen Mittag ganz bestimmt! Macht nichts, dafür haben wir ja gut gegessen :-)

Mittwoch, 17.04.2013Let´s fetz!

Doch noch nicht mittags! Aber Fanny vertröstet uns, um Zwei hat sie den Zolltermin, gegen Vier können wir unsere Sachen dann abholen. Die Canvas-Werkstatt ist genau gegenüber - Carlos hatte zwar gesagt drei Tage, aber man kann ja schon mal nachfragen. Er ist gar nicht da und sein Gehilfe weiss von nichts. Irgendwie hatten wir eigentlich erwartet, dass die gerade ganz emsig an unserem neuen Bimini nähen. Also mölt jeder an Bord weiter an seinen Projekten rum und Punkt Vier stehen wir wieder bei Fanny auf der Matte. Diesmal erwartet sie uns schon strahlend und zeigt auf das riesige Paket. Boah, das ist ja wie Weihnachten!!! Dauert `ne Weile bis wir die ganze Pappe und Folie abgefetzt haben ... dann liegt unser neues Schlauchboot vor uns. Kein Bötchen mehr - ganze 2,70m lang, Hypalon-Schläuche und Aluminiumboden. Das ist natürlich um Welten leichter als unser altes Carib-Schlauchboot mit dem fett laminierten Boden. Schnell noch aufpumpen und dann können wir es gar nicht mehr abwarten, das Ding endlich ins Wasser zu werfen und mit dem Wackelbötchen nach HSchon ein kleiner, feiner Unterschied :)ause zu ziehen. Natürlich fährt Marion schon im neuen Boot! Motor und Tank anbauen und dann geht´s erstmal in Gleitfahrt durch die Bucht. Echt geil! Wackelbötchen hat uns zwar im Amazonas treue Dienste geleistet, aber bei Wind und Welle waren wir auch mehrfach damit kurz vorm Absaufen! Also, leb wohl! Ach ja, wir schaffen es sogar noch, uns endlich die "Marlin" anzuschauen. Micha war schon mehrfach da und hat uns eingeladen, also klettern wir die laaange Leiter hoch auf´s Boot. Die Kinder, Maya und Lena, übernehmen stolz die Führung - drei Kabinen, mehrere Bäder, riesiger Salon, grosse Küche, dann des Käpt`n Traum: ein gigantischer Motorraum voller Technik zum Reparieren und eine riesige, begehbare Backskiste am Heck. Was da alles reinpasst!!! Nathalie bringt erstmal ´ne Handvoll Dosen und während wir so gemütlich das Bierchen im Cockpit schlürfen, müssen wir noch mal los mit den Kids - sie hatten einen Raum ganz vergessen! Kann schon mal passieren auf einem 60-Fuss-Schiff :-) Also klettern wir auch noch in die grosse Segellast ganz vorne, für Segel, Fender, Leinen und alles, was man sonst noch verstecken will. Geiler Dampfer! Sieht nicht nur schick aus, sondern hat auch jede Menge Platz. Vielleicht sollten wir uns auch noch mal was grösseres ... ?

Donnerstag, 18.04.2013

Richtig Stress heute! Gaaaanz früh zwingt Marion mich aus der Koje (weil es da noch windstill ist), um die Fock runter zu zotteln. Da ich einfach nicht glaube, dass der Schneider in Fortaleza bei seiner Reparatur UV-beständiges Segelgarn genommen hat, wollen wir den 250-Euro-Flicken noch mal fachgerecht ersetzen lassen. Und ein paar Nähte müssten auch wieder nachgenäht werden. Der Segelmacher nickt, klar, macht er alles, dauert aber ein paar Tage. Preis? Schulterzucken, er weiss ja noch nicht, wieviel zu nähen ist. Da hat er auch wieder Recht! Schnelle Dusche, landfein machen - es ist Donnerstag, wie üblich Familientermin beim Zahnarzt! Wir düsen nach Port of Spain, reissen brav unseren Mund auf und haben hinterher ein perfekt strahlendes Gebiss. Diesmal kleckere ich auch nicht mit meinem anschliessenden Lamm-Gyros ( isst sich doch eindeutig besser wenn die Gusche nicht betäubt ist). Anschliessend umziehen und zu Fanny fahren,  um unsere neuen Batterien einzusammeln. Drei Stück a 210Ah und jede wiegt 70kg. Per Hubwagen schaffen wir die Teile zum Ponton. Marion traut dem neuen Schlauchboot noch nicht so richtig was zu, aber der Käpt`n setzt sich durch - alles mit einer Fuhre! Klappt super. Dann die Teile mittels Flaschenzug aufs Boot hieven und erstmal im Cockpit parken. Wir haben nämlich schon den nächsten Termin - Geburtstagsparty auf dem englischen Nachbarboot. Mit Kuchen und Wein klettern wir an Bord des kleinen Katamarans, schütteln Victor, das Geburtstagskind, lernen noch ein paar andere Segler kennen, stellen fest, dass unsere Englischkenntnisse zum Verstehen der Witze vielleicht doch etwas mangelhaft sind, bekommen neben diversen Drinks meist noch mal eine leichter verständliche Variante der Pointe und haben einen richtig netten Abend zusammen.

Freitag, 19.04.2013Batteriewechsel - hoffentlich passt alles

Ich hatte den Platz für die Batterien schon mehrfach ausgemessen - statt der bisher vier, sollen da ja jetzt drei grössere reinpassen. Also die alten Batterien abklemmen, ausbauen, ins Cockpit tragen (wiegen ja nur 50kg), die neuen Batterien runterschleppen und in den Batterieschrank wuchten. Passt tatsächlich auf den Zentimeter! Was nicht passt, sind die Kabel und die Befestigungen, da die neuen Batterien breiter und höher sind :-( Die Gewindestangen links und rechts, zur sturmsicheren Halterung der schweren Stromspender, sind zu kurz und stehen zu dicht beieinander. Also neue Befestigungslöcher bohren, an Land düsen, um Gewindestangen zu kaufen, Marion im Internet-Raum absetzen, damit sie sich mal wieder an der amerikanischen Regierungs-Website erfreuen kann, vor verschlossenem Laden stehen (Mittagspause!) und zurück fahren, um mich der eigentlich wichtigeren Verkabelung zu widmen. Das halbe Achterschiff zerlegen, um längere Kabel bis in den Motorraum zu ziehen, mit den alten verpressten Anschlusskabeln alle Anschlüsse neu lagen, zehnmal kontrollieren, zwischendurch Marion einsammeln, die Batteriepulser anschliessen, Ladegerät, Lichtmaschine, ... mittlerweile arbeite ich mit Stirnlampe ... die Plusleitung, noch mal kontrollieren und jetzt auch das Minuskabel. Nichts funkt oder qualmt, Licht brennt und Marion kann sich endlich auf den Herd stürzen! So`n Gasherd ist ja ganz schön, aber weil der Käpt`n in Uruguay `nen Gasfernschalter eingebaut hat, funktioniert der eben nur wenn auch Strom da ist. Sonst macht das Ventil halt dicht! Aber wir haben nicht nur fürchterlich Hunger, sondern auch unseren Interview-Termin in der US-Botschaft: Nächsten Freitag ... UM ACHT!!! Wann muss man denn da aufstehen???

Sonnabend, 20.04.2013

Batteriebank, die Zweite! Ich ziehe durch die verschiedenen Geschäfte, auf der Suche nach Gewindestangen. Der eine Laden hat keine, der nächste keine mit metrischem Gewinde, dann sind sie wieder zu dünn oder zu dick ... ganz am Ende der Bucht werde ich endlich fündig. Mittels Flex werden daraus dann zwölf kürzere Stangen, Marion hat den Gewindeschneider ins Herz geschlossen und widmet sich der Nachbearbeitung. Mittels yoga-ähnlichen Verrenkungen gelingt es mir, die Gewindestangen dann auch links und rechts der Batterien anzuschrauben, natürlich passen die dicken Alu-Streifen, die darüber gehören, ebenfalls nicht mehr, also auch dafür Ersatz suchen, zuschneiden, bohren, anbauen ... Am späten Nachmittag schraube ich endlich die Schrankwand wieder an, montiere die letzten Schalter, Deckel zu, Werkzeug zusammen räumen, vom "Gehilfen" den Arbeitsplatz säubern lassen :-) Batterieprojekt abgeschlossen!! Wird auch höchste Zeit, wir haben den nächsten Termin: Abendessen auf der "Marlin". Die schwimmt seit ein paar Tagen im Wasser und so brauchen wir wenigstens nicht die lange Leiter hochzuklettern - und vor allem hinterher wieder runter. Ist jetzt nicht so, dass Nathalie nicht super lecker gekocht hätte, aber übertroffen wurde das Essen nunmal eindeutig von der, den ganzen Tag liebevoll gebastelten, Tischdekoration der Kinder!!!

Sonntag, 21.04.2013

Regen, Regen, Regen - bäh!!! Das typische Wetter, bei dem man aufpassen muss, sich nicht gegenseitig auf die Füsse zu treten. Grosszügig überlasse ich Marion den geräumigen Salon und begebe mich für mein neuestes Projekt ins Bad. Der Ablauf des dortigen Waschbeckens endet im Grauwassertank, der von Zeit zu Zeit leergepumpt wird. Wenn das Schiff dann so vor sich hinschaukelt, wird die Suppe im Grauwassertank richtig schön umgerührt, der Duft steigt im Schlauch nach oben und ... da hilft halt nur, den Stöpsel im Waschbecken immer schön drauf zu lassen! Wenn MANN das des öfteren vergisst, ist es manchmal schon leicht peinlich wenn z.B. Besuch kommt und ein dezenter Duft durchs Schiff wabert ... Da kann man nur schnell erklären, dass nicht wir, sondern der Grauwassertank ... Die Lösung heisst:: Geruchsverschluss! Den ganzen Tag werkele ich schweissgebadet in dem klitzekleinen Räumchen (Luken sind ja zu wegen Regen), probiere verschiedene Varianten, schraube hin und her, verlege einen neuen Schlauch, mal mit kleinem Bogen, dann mit grösserem, und endlich habe ich die perfekte Lösung gefunden! Stolz präsentiere ich Marion das Ergebnis: Riech mal, da müffelt nix mehr! Ja schon, findet sie, aber es läuft auch nicht mehr richtig ab! Dass Frauen immer so kleinlich sein müssen! Muss ich halt noch `n bisschen nachbessern - aber heute nicht mehr! Ausserdem hat´s aufgehört zu regnen, jetzt fahren wir erstmal zum Sonntagsgrillen!

Montag 22.04.2013

Nix mit gemütlich im Cockpit rumlungern und entspannt aus der Kaffeetasse schlürfen. Es ist windstill - Marion drängelt, dass das Grosssegel runter muss. Also zotteln wir das Teil runter, schnelles Frühstück und auf zum Segelmacher. Wir hatten zwecks besserer Verteilung der Arbeiten noch bei zwei weiteren Segelmachern nachgefragt - ausgebucht bis Weihnachten! oder so ähnlich - also wieder zurück zu Segelmacher Nr.1. Unsere Fock liegt noch genau da, wo wir sie vorige Woche abgelegt hatten, der Chef ist aber zuversichtlich,  beide Segel diese Woche noch fertig zu bekommen. Schon leicht zähneknirschend gehen wir rüber zu Carlos, der ist natürlich nicht da! Sein Gehilfe klingelt ihn für uns an. Eine halbe Stunde später kommt er von irgendeinem "ganz wichtigen, dazwischen gekommenen" Bootsplanenprojekt angehetzt und offenbart uns, dass der Stoff in unserer Farbe nicht lieferbar sei. Ich glaub, der verar.... uns!!! Das Bimini soll seit Ende voriger Woche fertig sein und jetzt ist noch nicht mal der Stoff da!!?? Seine wortreiche Erklärung, warum es den Stoff nicht mehr gibt ist uns eigentlich ziMuss das dauernd regnen?emlich Wurst, das hätte er uns auch schon vorige Woche mitteilen können! Was soll`s, wir können wählen zwischen neuem Stoff oder anderer Farbe. Der neue, total ökologische Stoff ohne irgendwelche bösen Zusätze überzeugt uns mal gar nicht, also blättern wir in der Farbtafel hin und her, rennen mit dem Ding raus ins Sonnenlicht - viel Auswahl gibt´s bei dem "alten" Stoff eh nicht mehr - und sind uns irgendwann einig. Dann wird das Ding jetzt eben nicht Burgunder-, sondern Jockey-Rot!

Dienstag, 23.04.2013

Der Stoff in der neuen Farbe ist tatsächlich lieferbar und was noch besser ist, nachmittags haben wir Carlos nebst Gehilfen tatsächlich an Bord, wo sie die nächste Stunde damit beschäftigt sind, das Gestänge auszurichten, die Stoffbahn daran festzuklammern, alles hin- und herzuschieben, Striche zu malen, ... wir stehen mehr oder weniger blöd daneben rum, halten unsere Handwerker mit kaltem Saft bei Laune, bringen geschickt unsere Sonderwünsche mit unter und ich sie hinterher  wieder zurück an Land. Carlos ist froh, nicht mehr mit dem Wackelbötchen fahren zu müssen und wir, dass das neue Bimini jetzt endlich doch Gestalt annimmt. Marion kann sich wieder unter Deck verkrümeln, wo sie sich schon seit drei Tagen der intensiven Schimmelbekämpfung widmet. Systematisch wird Schrank für Schrank, Bilge für Bilge leergeräumt, alles ab- und ausgewischt, wieder eingeräumt ... Das ganze Schiff stinkt nach Essig und Chlor - ich würde den Job ja sowas von hassen ...  Um die Stimmung meiner Bordfee etwas aufzubessern, bekoche ich sie fürstlich: Puré de papa con huevo frito! Äh, also auf gut Deutsch: Kartoffelpüree mit Spiegelei!

Donnerstag, 25.04.2013

Endlich mal wieder Erfolgserlebnisse! Haben beide Segel abgeholt und bezahlt. Schluck, na ja, so richtig billig ist hier ja nix, andererseits, verglichen mit dem Preis vom Schneider aus Fortaleza, ist es wiederum fast ein Schnäppchen! Kommt aber noch besser: unser schickes neues Bimini ist da! Bin Carlos natürlich jetzt jeden Tag mindestens einmal auf`n Püscher gegangen, aber sie waren immer fleissig am Werkeln. Stolz bauen sie das Teil an, Spanngurte dran, hier und da noch mal ein bisschen glattziehen, ... um es gleich wieder mitnehmen. Hat sein Gehilfe den Reissverschluss für die hinten anzubringenden Sonnenschutzteile doch glatt vorne angenäht. Eine Stunde später können wir es wieder abholen und die ersten zwei Seitenteile auch schon mitnehmen. Siehste, jeden Tag nerven hilft!

 

Freitag, 26.04.2013

Termin um Acht Uhr fand ich ja gleich blöd - kurz vor Sechs fängt der Wecker an zu nerven! Schnelles Frühstück, Kaffee, Dusche und in die Behördenkluft springen. Um Sieben stehen wir an der Strasse, um ein Maxi-Taxi anzuhalten - 20 Minuten Busfahrt, halbe Stunde Fussmarsch, sind wir Zehn vor Acht da ... hatte ich ausgerechnet. Zum Kartenlesen ist es für mich wohl noch zu früh, genauer gesagt habe ich noch Probleme mit der Interpretation der dort eingezeichneten Symbole ... etwas abgehetzt und durchgeschwitzt stehen wir Zehn nach Acht endlich vor der Botschaft. `Ne Menge anderer Leute auch! Irgendwann lässt die dicke Polizistin uns rein, das heisst, uns ja, der klitzekleine Rucksack, in dem unsere Dokumente stecken, darf nicht mit. Dass die anderen teilweise halbe Koffer rein schleppen interessiert nicht, Rucksack geht nicht, auch wenn er klitzeklein und leer ist. Ein Fotostudio nebenan hat daraus gleich eine Geschäftsidee entwickelt: Aufbewahrung von Rucksäcken gegen Entgeld! Nachdem diese Hürde und die Schleuse nebst Posten und nochmaliger Passkontrolle genommen ist, steht man in so `ner Art Wartehalle. Natürlich nicht alleine, halb Trinidad scheint heute den Acht-Uhr-Termin bekommen zu haben. An der Seite Schalter, wo hinter dicken Panzerglasscheiben drei Beamte die Ausreisewilligen interviewen. Ab und zu drücken sie auf ein Knöpfchen und dann schnarrt es aus dem Lautsprecher "Mrs. schnarrrkwietsch pleeeease!" Wir sind unsChaguaramas sofort sicher, dass wir nie im Leben mitkriegen, wenn wir aufgerufen werden. Nach einer Stunde bekommen wir auch einen Sitzplatz und mangels anderer sinnvoller Beschäftigungsmöglichkeit betreiben wir Personenstudien. Der durchschnittliche, Visa beantragende Trini ist schwarz, weiblich und wiegt schätzungsweise 100kg. Es gibt aber zwei hübsche, schlanke Ausnahmen. Ich komme nicht mehr dazu, Marion nach ihrer Statistik auszuquetschen, der Lautsprecher hat eben ganz deutlich "Mr. and Mrs. Jenss, please!" gesagt. Noch grösser ist unsere Überraschung, als wir am Schalter auf Deutsch begrüsst werden. Der junge, dickliche Mann mit der riesengrossen Fliege am Hals war ein Jahr in Deutschland stationiert, findet es völlig in Ordnung, dass wir mit dem Boot in die USA reisen und dort beim New Yorker Yachtclub liegen wollen. Er wünscht uns ein schönes Wochenende, die Pässe mit dem Visa können wir in ein paar Tagen abholen. Drei Stunden warten um 3 Minuten zu plaudern! Aber natürlich ist er so geschult, Terroristen, die bei der Antragstellung geschummelt und bei der Frage "Sind sie Terrorist?" NEIN angekreuzt haben, jetzt an ihrem verräterischen Augenzwinkern oder Stottern zu entlarven! Vermute ich jedenfalls :-) Weil grade Mittag ist und wir eh in Port of Spain sind, gehen wir erstmal ... genau, jemenitisch essen!

Sonnabend, 27.04.2013

Wir haben voll den Werft- und Chaguaramas-Koller und brauchen unbedingt mal URLAUB! Bei Micha nebst Familie zeigen sich die selben Symptome, also haben wir gestern Abend beschlossen, gemeinsam zur Insel Chacachacare zu fahren. Geht aber nicht gleich - seit unserem letzten Zahnarztbesuch tuckert bei Marion der davor behandelte Zahn wieder vor sich hin - sie muss erst noch zum Doc. Passt ganz gut, kann ich alles Alte Gebäude entdecken und Geschichten dazu hören (z.B. vom dreibeinigen König, der hier mal lebte ;)vorbereiten, meine angesammelte Möl der letzten Wochen wegräumen, Grillwürste, Kohle, Grünzeug kaufen und beim Hafenamt das Reiseziel in unsere Papiere eintragen lassen (die wollen nämlich immer ganz genau wissen, in welcher Bucht man wann zu liegen gedenkt). Kurz nach Zwölf sammle ich Marion wieder ein (“... Die hat gar nichts gemacht, sondern mir bloss `ne blöde, kleine Tube Fluor zum draufschmieren gegeben!”), wir binden uns von der Mooring-Tonne los, rollen das Segel aus und lassen uns gemütlich Richtung Chacachacare treiben. Die Insel ist zwar nur 7sm entfernt, kommt uns aber vor wie `ne andere Welt. Kein geschäftiger Werft- und Hafentumult mit Krach, vollem Ankerplatz und dreckigem Wasser, statt dessen sattes Grün, ein paar verlassene Gebäude, klares Wasser und ganze drei Boote. Eines davon ist die Marlin. Wir lassen unseren Anker daneben runter plumpsen. Chacachacare war eine ehemalige Leprakolonie, ist mittlerweile aber seit über zwanzig Jahren geschlossen. Die alten Gebäude muss ich mir natürlich angucken, also Dingi runter und los. Weit komme ich nicht, Lena und Maya winken und rufen von der Marlin, sie wollen mit. Also die beiden einsammeln - Micha grinst von oben runter: "10 Euro für jede Stunde, die du sie behältst!" - an den kleinen Anleger fahren und den alten Pfad hochlaufen. Wir stöbern im ersten Haus rum, nichts wertvolles mehr drin, dafür gibt´s ´ne grosse Terrasse mit tollem Blick über die Bucht. Zum nächsten kommen wir nicht mehr - meine beiden Damen sind barfuss, also noch mal zurück um ihre Schuhe einzusammeln und weil mir zwei junge Frauen zu anstrengend sind, nehme ich Marion auch gleich mit. Ist schon spannend, durch die Gebäude zu klettern - teilweise stehen noch die Betten in den Schlafsälen, anderswo sind die Fussböden bereits weggebrochen, hält diese Treppe noch?, was ist hinter dieser Tür?, wer hat hier mal gewohnt? ... ein paar Geier flattern missmutig auf, Fledermäuse, - ok, wir stören nicht weiter, wird eh bald dunkel. Also alle zur Mira. Marion bastelt Salat, ich bespasse die Kids - und zurück geht´s zum auserkorenen Grllplatz. Micha und NathaliDie paar Stufen schaffen wir auch noche rücken auch an, wir bringen die Kohle zum Glühen, werfen die Würste auf den Rost, angeln uns `ne Bierdose aus`dem Picknickkorb und vertilgen Salate nebst Würsten im Licht der Stirnlampen. Echt cool so`n Urlaub!

Sonntag, 28.04.2013

Die Insel hat auch `n Leuchtturm und `n grossen Berg - ersterer steht natürlich auf letzterem, genau da müssen wir hin. Die Kinder wollen unbedingt mit, Nathalie auch, Micha redet sich mit wichtigen Bastelprojekten raus. Jeder ein plapperndes Kind an der Hand wandern wir los - es geht, wie bei Bergen üblich, bergauf. Immer schön in Serpentinen, dicker Wald links rechts, wir entdecken Eichhörnchen, einen alten Anhänger, dem leider ein Rad fehlt (wäre ja sonst cool für`n Rückweg), Geier, die vermutlich auf, vor Entkräftung zusammenbrechende Touris lauern, und endlich auch den Leuchtturm. Blick auf TrinidadMüssen wir natürlich unbedingt alle raufklettern, wegen toller Aussicht und weil MANN eben überall mal raufklettern muss! Früher wurde der Leuchtturm per Dieselgenerator betrieben, mit richtigem Leuchtturmwärter, kleinem Häuschen nebst Garten und vielen Mangobäumen. Heute hat das Ding Batterien, Solarpaneele und Dämmerungsschalter, das Häuschen zerfällt langsam und die Mangos rufen verzweifelt: Pflück mich! Also wird der Rucksack prall gefüllt und eine einsame Bananenstaude auch gleich vorm Vergammeln bewahrt. Schwer bepackt machen wir uns auf den Rückweg, an einer Hand abwechselnd Lena oder Maya, in der anderen die Bananenstaude, der Rucksack wird immer schwerer - ich bin froh, als wir endlich am Schlauchboot stehen. Heute gibt`s Mangosalat zur Wurscht! Und als Marlin`s mit den entschlummerten Kindern aufbrechen, sitzen wir beide noch lange kuschelnd am Feuer und geniessen die Stille in der Bucht. Letzter Urlaubstag eben!

Montag, 29.04.2013Mira im Müllbad

Als wir heute früh ins Cockpit klettern, um uns genüsslich zwecks Morgenbad in die Fluten zu stürzen glaub ich, ich spinne. Wir schwimmen in einem Meer aus Müll! Um uns herum tausende Plastikflaschen, -behälter, -kanister und alles was sonst noch so schwimmt. Keine Ahnung, von wo die Strömung diese schwimmende Mülldeponie hergetrieben hat - das Zeug sieht aus, als wenn`s schon jahrelang unterwegs ist. Jedenfalls fällt`s nun nicht mehr schwer, ankerauf zu gehen! Zurück in Chaguaramas hat der Alltag uns dann gleich wieder ein. Zuerst Termin und Preis mit der Peak-Marina absprechen, anschliessend Carlos heimsuchen, der sich bis heute entscheiden wollte, ob er zu unseren Bedingungen (wenn bis Freitag nicht fertig, gibt´s kein Geld!) auch noch eine Sprayhood für uns näht. Er näht sie und gleich morgen fängt er damit an! Marion, räumt weiter Schränke aus und schmeisst deren Inhalt in die Waschautomaten der Peak-Marina, ich räume den Dieseltank frei, um den Tankgeber (der seit fast fünf Jahren mit spazierenfährt) einzubauen, solange der Tank noch leer ist. Als Marion zurück kommt ist alles vorbereitet, Anschlüsse, Schläuche und Kontrolldeckel sind ab, Bohrmaschine, Lochkreisbohrer, Staubsauger - fünfmal die Position kontrolliert und markiert, es kann losgehen. Sie steckt mit einem Arm im Kontrollloch, eine Plastikschale in der Hand und versucht, diese genau da drunter zu halten, wo ich jetzt das Loch bohre. Klappt alles super, Arm wieder vorsichtig rausziehen - Loch für Geber im Tank, genau die richtige Stelle erwischt und keine Späne runtergefallen. Wäre sogar fast perfekt, ... wenn ich nicht den falschen Lochkreisbohrer genommen hätte! Zum Glück zu klein - in der nächsten Stunde lösen wir auch dieses Problem ... Ich bohre noch die fünf Schraublöcher für die Befestigung, Marion kann den Krampf in ihrem Arm kurieren, Gewinde in die Bohrlöcher schneiden, von unten Schrauben als Stehbolzen rein drehen (jetzt weiss ich erst, wie Marion sich den Arm verrenkt hat), Deckel mit Dichtung drauf setzen, Muttern rauf drehen - fertig. Die schlechten News: Während Marions Arm im Tank steckte, hat`s fürchterlich geregnet - die Wäsche ist also wieder klatschnass. Und mein toller Ultraschallgeber kommuniziert nicht mit der Tankanzeige! Also weiter wie gehabt, von Zeit zu Zeit deHä?n Füllschlauch abschrauben und den Zollstock reinhalten!

Dienstag, 30.04.2013

Wir wollen für ein paar Tage an den Marinaponton - Strom, Wasser, Waschmaschine sind die Zauberwörter - gleich nach dem Frühstück geht`s also in die Peak-Marina. Ich wühl gleich mal unser Landstromkabel aus der Versenkung, greif auch den Beutel mit diversen Adaptern - yep, da passt nix! Während Marion aus dem Marina-Office einen Adapter für US-Standard organisiert, bastle ich uns wenigstens einen Wasseranschluss. Nächstes Problem: keine Ahnung, wo bei diesen blöden Ami-Steckern die Kabel ran gehören, die Bezeichnungen sind ja mal völlig anders. Düse ich also erstmal zur Marlin rüber, um Micha zwecks Steckerbelegung zu konsultieren (schliesslich haben die ja vorher auch hier am Stromkasten gehangen). Micha hatte bei ihrer Abfahrt den Stecker einfach abgeschnitten - supi, die Kabelenden hängen noch raus, da brauch ich bloss gucken, wer an welchem Anschluss hängt. So`n bisschen gelabert haben wir natürlich auch noch - als ich zurück komme steckt unser Adapter nebst Kabel jedenfalls schon im Stromkasten. Hatte Bordfrau sich einfach den Marina-Elektriker gegriffen, der ihr den Stecker angeklemmt hat. Gut, so geht`s natürlich auch :-( Bordfrau ist weiter in Waschekstase - mittlerweile hat sie beschlossen, allem Textilen an Bord einen Aufenthalt in den (spottbilligen, grossen) Waschmaschinen der Marina zu verpassen. Also wandert sie permanent mit ihren Wäschesäcken, Waschpulver und Chlorbleiche zu den Maschinen, holt das Zeug `ne Stunde später wieder ab, neue Ladung rein, Wäsche an Deck aufhängen, ... Carlos und Gehilfe tauchen auch auf und messen mit ihren Stoffbahnen am Sprayhood-Gestänge rum. Das ganze Vorschiff voller Wäsche auf den Leinen, daneben bereits trockene, zusammengelegte (weil Cockpit ja von Carlos blockiert) - da taucht "Capt. MO" auf. "Capt. MO" (ein Fischkutter aus Jamaica) hat beschlossen, sich aus irgendwelchen Gründen in die Box für den Travellift, 20m neben uns zu legen und hat viel Freude daran, mit seinem uralt Dieselmotor ordentlich Gas zu geben. Und immer wenn "Capt. MO" Gas gibt, steigt eine riesige Russwolke aus seinem Schornstein, die der Wind dann schön über die Mira verteilt. Das Zeug ist richtig echt, macht auf Deck und trockener Wäsche schöne hübsche schwarze Flecke - zu noch tolleren Streifen verläuft es aber auf der feuchten! Natürlich sind auch alle Luken offen und das schwarz-schmierige Zeug verteilt sich in den Kojen und weht in jeden Winkel ...Wir drei im Cockpit ducken uns ordentlich als das Waschweib auf dem Vordeck zu toben anfängt, Sachen von der Leine reisst, mit irgendwas schmeisst und schliesslich heulend zusammensackt. Carlos und Gehilfe verdrücken sich schnell, ich trau mich auch nicht gleich nach vorne, halte das Häufchen Unglück irgendwann doch in den Armen und verspreche ihr, dass ich morgen die ganze Besatzung der "Capt. MO" verprügel, wir dann sofort aus der blöden Chaguaramas-Bay wegsegeln und heute Abend schön essen gehen. Ins "Zanzibar"!

Donnerstag, 02.05.2013

Ich habe die "Capt. MO"-Crew nicht verprügelt, wir sind immer noch in Chaguaramas, Marion blockiert weiter die Waschmaschinen der Marina, wir haben nebenbei 800L Diesel gebunkert (Lieferservice bis ans Boot, für 35 Cent/Liter und immer schön die 20L Kanister in den Tank kippen), ich hocke ansonsten im Motorraum, Marion in den Schränken oder der Bilge - wir haben einfach langsam die Backen dick, können zum FeierabenDer Hüpfer findet unser Bimini voll chicd aber wenigstens ausgiebig duschen, zicken uns immer öfter an und wollen endlich weiter! Ach ja, Micha und ich rauchen nicht mehr! Seit heute!

Freitag, 03.05.2013

Unsere Pässe mit Visa abholen, noch `n bisschen Diesel bunkern, Supermarkt plündern und `ne Inselrundfahrt stehen auf dem Plan - mieten wir uns halt ein Auto. Mache ich. Marion hat ja gleich gewusst, dass ihre Zahnsalbe nicht hilft und `n neuen Termin auf dem Zahnarzthocker. Eine etwas unpräzise Absprache führt dann dazu, dass ich mit dem Mietwägelchen nach Port of Spain zur Arztpraxis düse, um Marion aufzusammeln, während sie mit dem Minibus an mir vorbei nach Chaguaramas zuckelt. Auf dem Rückweg, im Freitagsnachmittagsverkehr steckend, habe ich ich genügend Zeit, üble Flüche und Verwünschungen (die das Teufelchen auf meiner rechten Schulter mir ins Ohr flüstert) etwas abgeschwächt umzuformulieren. Deren Vortrag bringt mir jetzt nicht so richtig Sympathiepunkte bei der Zahnarztgebeutelten ein, ich stinkig, sie stinkig weil ich stinkig ... SEHR SCHWEIGSAM steigen wir nun zusammen ins Auto und fahren wieder zurück nach Port of Spain. Die Strasse ist jetzt richtig dicht, im Schritttempo bis zur Stadt (toll, hier hätten wir ja schon vor drei Stunden sein können), da durch quälen, auf der anderen Seite genauso im Stau stecken, irgendwo an der Autobahn das DHL-Gebäude entdecken, sogar eine Abfahrt finden, dann vor verschlossener Tür stehen und auf dem Schild lesen, dass bis 17.00 Uhr geöffnet war. Na super! Das war vor zehn Minuten - ich plapper lieber nicht nach, was das Teufelchen mir gerade ins Ohr flüstert! Marion trommelt einen Wachmann raus, der dann einen Angestellten beschwatzt, den armen beiden Touris ihren Briefumschlag doch noch rauszurücken. Wir bedanken uns überschwenglich, betrachten stolz unsere Visa-Stempel im Pass und zuckeln zurück nach Port of Spain. Dort noch in einen Einkaufstempel, die Beute auf den Rücksitzen verteilen, schnell an `ner Tankstelle 100L Diesel bunkern (nur 17 Cent/Liter), schon halb in der Nacht zurück nach Chaguaramas düsen, Einkauf zum Boot schleppen, erfreut feststellen, dass die neue Sprayhood angebaut ist (ups, Carlos hatten wir ganz vergessen), ins Bootsinnere klettern - ÜBERRASCHUNG! - und dort die nächste Stunden Schränke, Kühlschrank, Staufächer und Bilgen in Küche und Bad trockenlegen (in Chaguaramas gab`s den dicksten Wolkenbruch, den er je erlebt hatte - weiss unser Nachbar stolz zu berichten ... und wir hatten zwei klitHanumanzekleine Seitenluken aufgelassen!)

Sonnabend, 04.05.2013
Schränke auswischen und Bilgen leerpumpen schweisst zusammen, wir haben uns wieder lieb :-) Während Marion Vorräte, Teller, Töpfe, Geschirr, Zahnpastatuben und was sonst noch so zwecks Trocknung im Schiff verteilt ist, wieder an seinen Platz räumt, bereite ich unseren Wochenendausflug vor. Hängematten, Zahnbürsten, Korkenzieher, und alles, was mir wichtig erscheint, fliegen ins Auto. Um Zehn sind wir beide abfahrbereit. Die erste Querfeldein-Abkürzung endet eine Stunde später am Ausgangspunkt. Wäre echt nicht schlecht, wenn die hier auch mal Hinweisschilder aufstellen würden. Dafür haben wir (aus Versehen) das älteste Wasserrad der Insel entdeckt. Mit der "An-jedem-Abzweig-nach-dem-Weg-frag-Methode" kommen wir zum Tempel des Hindu Gottes Hanuman. Echt grosser Kerl, dieser Hanuman. Einmal barfuss `ne Runde drehen, dann weiter zum Waterloo-Tempel, dem "Tempel in the Sea". Das Ding ist jetzt nicht ganz so beeindruckend - irgendein armer Hindu mit BewegungNa dann gut´Nacht!sdrang hat hier sein Leben lang Steine ans Wasser geschleppt, daraus einen Damm gebaut, dazu `ne kleine Insel und darauf wurde dann das Tempelchen gesetzt. Fleissiges Kerlchen! Stückchen weiter lassen wir uns von einer Imbissmutti bekochen, packen noch `n paar Snacks ein und fragen uns zum "La Brea Pitch Lake" durch. Der grösste Asphaltsee der Welt, behauptet man hier. Mangels Zollstock haben wir das jetzt nicht nachgemessen, aber er ist ganz schön gross. Aus irgendwelchen Gründen ist der natürliche Asphalt besonders toll und in etlichen Metropolen, wie London, Rio de Janeiro oder Washington, wo der Pamps im 19. Jahrhundert auf die Strassen geschmiert wurde, hält er heute noch. Wegen dem vielen Regen der letzten Tage steht der See zum grossen Teil unter Wasser, welches sehr schwefelhaltig und damit gut gegen Hautkrankheiten sein soll. Natürlich hocken da auch `n paar Leute drin und versuchen ihre Akne zu kurieren - brauchen wir jetzt nicht unbedingt - wir wandern auf dem Teer, bestaunen alles ausgiebigst und fahren weiter. Wird auch langsam Zeit, uns ein Schlafplätzchen zu suchen - irgendein schöner Strand am Südwestzipfel der Insel soll es sein. Finden wir dann auch in der Columbusbay - langer weisser Sandstrand, menschenleer, ein einsames Fischerbötchen und jede Menge Palmen! Da binde ich erstmal unsere Hängematten ran, dann kommen die Snacks, der Korkenzieher und zu allem ein perfekter Sonnenuntergang. Ist das schön kitschig!!! Irgendwann kleSau-bär!ttern wir in unsere Hängematten, ziehen die Decke über die Ohren und hoffen,: dass es nicht regnet (ich) und dass uns keine Kokosnüsse auf den Kopf fallen (Marion)!

Sonntag, 05.05.2013
Als ich mich endlich aus der Hängematte rolle hat Marion ihren ausgiebigen Strandspaziergang längst hinter sich. Zwecks Morgenwäsche schnell ins Meer hüpfen, Zahnbürste ins Gesicht - die Frühstückskekse haben sich die Ameisen in der Nacht geholt. Weiter geht´s. In einem Dorf mit kleinem Markt herrscht reges Treiben, an zwei Ständen gibt´s was zu Essen - wir testen beide! Die Doubles sind lecker (zwei Teigstücke gefüllt mit Kichererbsen, Mango, Gurke, scharfer Sosse - hmm!) Heute wollen wir uns auf der Ostseite der Insel zurück schlängeln, die noch fett bewaldet und nur dünn besiedelt ist und ... wo es ORTSSCHILDER gibt! Wir kommen durch Buenos Aires - was wir wesentlich grösser in Erinnerung hatten - finden den Indian Walk und fragen uns zu Devils Woodyard durch. Schlammvulkane - muss man schliesslich auch gesehen haben - wir wandern über eine Wiese, wo ein paar Modderhäufchen drauf sind, aus denen es ab und zu BLUBBSoso, dat is also ein Schlammvulkan! macht! Toll! Wir fahren auf schmalen Wegen durch den Regenwald, versuchen wilde Bananen zu ernten, sind froh, zwischendurch mal `ne Tankstelle zu finden und kommen zum berühmten Strand bei Mayaro. Und was gibt´s da? Glaubt uns jetzt sicher kein Mensch - Wasser, Sand und Palmen! Boah!!! Manche Palmen sind sogar umgefallen. Muss man ja unbedingt mal gesehen haben - in einem Dorf kaufen wir noch (billig) Obst und Grünzeug und schlagen uns langsam zur Autobahn nach Port of Spain durch. Die Autobahn leer, Stadt leer - als wir auf der anderen Seite, Richtung Chaguaramas rauskommen, wissen wir auch warum. Alles dicht! Nichts geht mehr und wenn doch `n Stück, dann im Schritttempo. Natürlich fängt es jetzt an zu regnen, also bei 30°C auch noch die Scheiben hoch, der Lüfter bläst uns den Auspuffmief vom Vordermann rein, Marion stellt auf Umluft, der Gestank von den Dieselkanistern im Kofferraum wälzt sich jetzt permanent durchs Auto, die Scheiben beschlagen, ich kann nichts sehen und stelle wieder auf Aussenluft, Marion röchelt wegen der Auspuffgase. Zack! Schalter auf Umluft, ich krieg Kopfschmerzen von dem Dieselgestank, Griff zum Schalter. Zack! ... Für das Stückchen bis Chaguaramas brauchen wir fast drei Stunden (macht `n Maxi-Taxi mit andauernd Halten in zwanzig Minuten) und als irgendwelche Leute dann kurz vor den Marinas immer wieder versuchen, uns in Parklücken am Strassenrand zu winken oder Karten zu vertickern, wissen wir auch warum! Hier gibts `n Konzert! Hätten die das nicht irgendwo anders machen können - die Insel ist schliesslich gross genug! Von mir aus auch an einem anderen Tag! Leicht angenervt kommen wir doch noch zu Hause an, schmeissen die Hängematten in die Ecke, `ne Kopfschmerztablette ein, schnappen uns Würste und Getränkedose aus`m Kühlschrank und hasten zum Grillplatz. Volle Belegschaft, alle munter am Schmatzen und Schwatzen, Micha als Grillmeister versorgt uns auch gleich mit der neusten Katastrophenmeldung: Als die vier gestern zum Abendessen aus waren, hat sich ihre Marlin nebst Mooring auf Wanderschaft begeben und einen kanadischen Katamaran “besucht”. Gibt ja nichts schöneres, als beim Abendessen über Funk gerufen zu werden, weil das eigene Schiff gerade die Nachbarn demoliert.

 

Mittwoch, 08.05.2013

Wir verschieben die Abfahrt von Tag zu Tag, ständig fällt uns noch irgend was Wichtiges ein. Aber jetzt liegen wir in den letzten Zügen, Marion hat sich bis zur Achterkabine durchgeputzt, alles, was auch nur irgendwie Wasser verträgt, in die Waschmaschinen gestopft, wir waren Montag noch mal mit dem Auto zum Grosseinkauf, haben Carlos die Sprayhood bezahlt, ich habe zwei Tage die Seepocken vom Schiffsbauch gekratzt, Batterien sind geladen, Tanks voll, Tauchflaschen auch wieder, Gasflaschen nicht (haben wir vergessen, abzuDickes Knie, kaputter Zeh - wir liegen echt in den letzten Zügengeben), die Baustellen im und am Boot sind abgeschlossen (oder verschoben), könnten wir eigentlich losfahren ... wenn nicht wieder ein neues Problemchen aufgetaucht wäre: Ich hab ein dickes Knie! Keine Ahnung wovon, auf jeden Fall sieht es schön rund und geschwollen aus und tut weh! Marion hat mich die halbe Nacht mit Kühlakkus bemuttert, aber irgendwie zeigt sich die Beule unbeeindruckt davon. Aber, wie der Zufall es will, ruft Micha heute früh nach Hilfe, sie müssen mit ihrem Boot in die Marina zwecks Ausbesserung der Lackschäden nach ihrem ramming und da er den riesigen Dampfer ohne Bugstrahlruder nur ungern in die engen Boxen manövriert, soll ich mit unserem schicken, neuen Schlauchboot selbiges ersetzen. Klappt auch alles super und als ich meinen Lohn in Form eines Kaffees runterschlürfen will, stellt sich doch raus, dass Nathalie in ihrem wirklichen Leben Ärztin ist. Kann ich meinen Klumpen also gleich mal hochhalten, das Ding wird fachmännisch (oder heisst das jetzt fachfrauisch?) abgetastet, bandagiert und der Patient mit Antibiotika abgefüllt. Fühl ich mich doch gleich viel besser! Dafür hockt Marion bei meiner Rückkehr jammernd im Cockpit - sie hat sich ihren Zeh aufgeschlagen. Sind jetzt `n richtiges Lazarettschiff :-) Abends haben wir dann volle Hütte, Nathalie kommt zum Hausbesuch, die Kids, um auf mir rumzutoben, Micha wegen `nem Feierabendbier und Die Trolle gehen ankeraufTom und Susi, weil sie morgen mit ihrem Troll aufbrechen wollen. Zum Glück können wir unsere Vorräte hier ja nochmal etwas auffrischen - vermutlich durch die Antibiotika enthemmt, rück ich sogar meine letzte Flasche Grappa raus! Wird ein etwas längerer Abend!

Donnerstag, 09.05.2013

Hätt ich doch wieder glatt verpennt, wenn Micha mich nicht auf dieses wichtige kalendarische Ereignis hingewiesen hätte: heute ist nämlich Himmelfahrt. Also das Event, wo die Männer traditionell mit Böllerwagen, auf Fährrädern oder sonstwie herumziehen, um die Biervorräte der umliegenden Kneipen platt zu machen! Mangels Böllerwagen und Fahrrädern wählen wir die etwas abgeschwächte Variante, wir gehen mit den Kids im Marina-Swimmingpool baden. Maya und Lena beknien mich eh schon seit Tagen, zwecks gemeinsamen Planschen - sie wollen mir unbedingt ihre Fortschritte im Nicht-Untergehen vorführen. Überhaupt sind die beiden meine grössten Fans, fast jeden Tag bekommen wir neue gemalte Bilder, gebastelte Kerzenschirme oder bunte Pappschachteln. Wir brauchen echt ein grösseres Schiff! Zur Zeit läuft eine Bommel-Massenproduktion - ich habe Bommeln in allen Grössen und Farben für Montag, für Dienstag, für Mittwoch, ... Die Dinger hängen an meinen Flip-Flops!!! Hat mir in Port of Spain schon echt nette Kontakte beschert, wenn sich leicht tuntige Boys nach mir umdrehen, um mir zuzuhauchen "What a nice pompom!". Auf jeden Fall haben wir im Pool jede Menge Spass, ich bring den Kids "Arschbombe" bei, Micha übt sich als Fotoreporter, wir gönnen uns schon mal `ne Dose zum Mittag - ist schliesslich Vatertag! - gehen anschliessend Pizza essen - irgendwann trudeln die Frauen ein, Nathalie verpasst Marion `n neuen Haarschnitt, die Kids basteln neue Bommeln, Micha und ich stossen auf den Vatertag an ... Und was macht der fürsorgliche Ehemann, wenn er nach so einem anstrengenden Tag mit seiner Liebsten nach Hause kommt? Er lädt sie zum Essen ein! Muss ja nicht gleich ins "Zanzibar" sein. Nö, wir feuern den Marina- Grill an, werfen reichlich Würste drauf und verschlingen die zu einem lecker argentinischem Fläschchen Traubensaft - mal ganz alleine!

Freitag, 10.05.2013

Wir machen ernst: heute wird ausklariert! Sofort fallen uns auch ganz viele Dinge ein, die noch erledigt werden müssen - ich plündere schnell noch mal die Schiffsausrüster, wir geben doch noch zwei Gasflaschen zum Füllen ab, stellen die Marlin-Gasflasche auch noch mit dazu, erleichtern den Supermercado um etliche Packungen Grillwürste, aasen mit dem Marina-Wasser rum, um auch die letzte Stelle auf der Mira blitzeblank zu haben, halten irgendwann der Emigration unsere Pässe zwecks Ausreisestempel hin, holen uns vom Zoll die Ausklarierungspapiere und dann damit im benachbarten Winestore noch schnell sieben Paletten ZOLLFREIES BIER! Und während ich die Tagesbeute im Schiff unterbringe, übt Marion sich in der edlen Kunst des Kochens. Pfirsich-Hack-Auflauf á la Nadja, garantiert ohne Käse! Mag Micha nämlich nicht - also den Käse. Wir haben die Marlins zum Abschiedsessen eingeladen. Keine traurige Stimmung, sie kommen ja nächste Woche nach, wir bekommen neue Bilder, ich noch `ne Bommel, reissen schon mal die Zollbanderole von der ersten Palette, schmieden Pläne für die Grenadinen, loben ausgiebigst die Köchin, toben mit den Kids rum, ...

Sonntag, 12.05.2013

Sind wir doch gestern tatsächlich losgefahren. Natürlich nicht mittags, wie geplant, ".. wenn die Gasflaschen spätestens zurück sind" - nö, der Gasmann stand dann so gegen Vier auf`m Ponton. Die Zeitangaben sind hier halt südamerikanisch. Sind dann schnell noch zur Marlin, denen ihre Flasche bringen. Die wollen gerade aus der Marina raus - claro, da machen wir doch auch noch per Schlauchboot den Leinenhalter an der Mooringtonne, schnell winken, - und wo wir schon mal hier sind, kaufen wir lieber doch noch `n paar mehr von den leckeren Grillwürsten - Aussenborder abbauen und verstauen, das Schlauchboot auf`s Deck zerren und festschnallen - wieso legt sich jetzt so`n blödes Motorboot genau neben uns?! Die Ausfahrt aus der Box ist eh schon so eng, ... Es ist fast Sechs, als wir endlich die Leinen los haben, uns aus der engen Box fädeln, aus der Chaguaramas-Bay tuckern, die kurze Ausfahrt zwischen Monos Island und Trinidad nehmen, die Segel ausrollen, dem Autopiloten den Kurs nach Grenada verraten und uns entspannt zurücklehnen. Boah, allerhöchste Zeit!! Nicht nur, dass aus den geplanten (allerhöchstens!!!) zwei Wochen mittlerweile sechs geworden sind und sich zusehens der Werftkoller bemerkbar gemacht hat, auch unser Konto hat unbedingt mal wieder `ne Erholungsphase nötig. Fast 10.000 Dollar sind für Reparaturen, Ersatzteile, Schlauchboot, Batterien, Verschönerungen, etc. in die Taschen skrupelloser Geschäftsleute geflossen :-) Na ja, wir haben es ihnen sozusagen reingestopft. Also, für alle, die gerade mal was an ihrem Boot reparieren wollen oder günstig Ausrüstung und Ersatzteile brauchen: auf nach Trinidad! Wer sich bloss in Ruhe im Cockpit räkeln oder Urlaub machen will: schnell weiter!! Und noch eine wichtige Mitteilung für meinen Schwiegervater: Erhard, das mit den schönen Mädchen in Trinidad ist ein Gerücht! -- Ach ja, ausserdem sind wir jetzt zu fünft an Bord! Marion hat sich vor der Abfahrt noch drei kleine Töpfe gekauft und da wohnen jetzt ihre "Kleinen" drin. Eins heisst Schadobeny, eins Basilikum und eins Petersilie! Mit denen kann sie sich dann auch mal unterhalten, wenn der Skipper rumstieselt. Wann soll das denn sein?! -- Wir haben super Segelwind, viel zu früh nähern wir uns Grenada, müssen zum Schluss echt noch auf die Bremse treten! Was wir in der Nacht zu schnell waren, verbummele ich jetzt bei der Einfahrt in die Bucht hinter Hog Island - so von zwei Strichen auf dem Display des Tiefenmessers (also gaaanz tief), stehen da jetzt 6, 7m! Im kristallklaren Wasser sehen wir die Felsen und Korallen unter uns, links, rechts brechen die Wellen über Riffs - da muss man sich erstmal dran gewöhnen! Auf der Karte sieht die Einfahrt ja recht einfach aus, aber in Wirklichkeit guckt man eben nicht von oben drauf und sieht exakt, wo man sich gerade befindet oder welche der grünen Tonnen, die die Durchfahrt durchs Riff markieren, jetzt die erste ist - die Linke oder die Rechte? In Wirklichkeit befinden sie sich natürlich hintereinander! Wir kennen viele Segler, die jetzt mit Gottvertrauen auf ihren Kartenplotter starren und brav danach steuern, wo sich ihr Schiffssymbol gerade auf dem Bildschirm bewegt. Funktioniert ja auch - wenn denn die Karte stimmt! Wir haben aber oft genug erlebt, dass die eben nicht stimmt und das Schiffssymbol auf dem Bildschirm über Land fährt. Im Amazonas haben wir bei einer kleinen Insel geankert, die sich exakt 2,7sm (also 5km!!) von der Stelle entfernt befand, wo sie laut Karte hätte sein sollen. Wohlgemerkt, nicht auf irgendeinem kleinen Nebenflüsschen, sondern im Hauptfahrwasser, wo auch die grossen Containerschiffe fahren und man eigentlich davon ausgehen sollte, dass die Karten exakt und aktuell sind. Aber auch in Schleichfahrt kommen wir irgendwann in die Bucht, finden ein Plätzchen für uns, werfen den Anker runter ... und sind erstmal am ZäHog Islandhlen. Über sechzig Yachten liegen in der Bucht - vielmehr passen eigentlich auch nicht rein. Eine ruhige, beschauliche Ankerbucht, wie sie uns empfohlen wurde,  stellen wir uns eigentlich anders vor. Willkommen in der Karibik!

Montag, 13.05.2013

Na gut, ruhig ist es in der Bucht schon, rundum unbewohnt, keine Bars mit laut dröhnender Musik und von den Yachten ist höchstens ein Viertel bewohnt. Für heute steht Einklarieren auf dem Plan. Zoll und Emigration sitzen in einer Marina in der Prickly Bay, das ist zwei Buchten weiter. Fahren wir einfach mit dem Schlauchbötchen in die benachbarte Bucht, klettern dort über einen Berg und stehen dann in der Prickly Bay. Zumindest in der Theorie. Ich werd in die Behördengala gesteckt, ermahnt, mich nicht schmutzig zu machen und los geht`s. Halbe Stunde später machen wir in der Mount Hartman Bay an einer kleinen Marina fest (noch sauber, aber nass!) Macht nix, trocknet beim Wandern! Was auf der Karte so`n kleines Stück war, zieht sich irgendwie doch - wir müssen mehrfach nach dem Weg fragen und stehen irgendwann (immer noch nass, aber jetzt vom Schweiss) vor dem Behördenhäuschen. Der Papierkram ist schnell erledigt, Stempel in die Pässe, Quittungsblock gezückt - das kostet Einklarierungs- und Hafengebühr! Jo, wo is`n der nächste Bankautomat? In der Stadt, halbe Stunde zu Fuss, aber sie rufen uns auch gern ein Taxi. Lieber nicht, wir zahlen in Dollar und machen uns zu Fuss auf den Weg. Weit kommen wir nicht, der erste Minibus hält an, fragt, ob wir mit wollen? Schon gerne, aber wir sind grad angekommen und haben noch kein Geld! Er nimmt uns auch umsonst mit Echt nett hier, die Leute. Mit reichlich EC$ in der Tasche fühlen wir uns nach der Plünderung des ersten Geldautomaten doch wesentlich wohler, gönnen uns erstmal einen kleinen Imbiss und ein grosses ZISCH, schlendern noch so`n bisschen in der (eigentlich langweiligen) Stadt rum, Marion kauft Obst, ich versuche, mich nicht schmutzig zu machen, machen uns irgendwann auf den Rückweg, finden ihn diesmal ohne zu fragen, düsen mit dem Schlauchboot zurück nach Hog Island, sind wieder nass und ich froh, dass ich endlich aus dieser blöden langen Behördenhose klettern kann!

Donnerstag, 16.05.2013

Es gibt Segler, die liegen schon monatelang hier und einige, der an den Mangroven festgezottelten Boote, vermutlich auch schon seit Jahren! Jim, ein Amerikaner berichtet uns heute ganz stolz, dass es für ihn keinen schöneren Ankerplatz in der ganzen Karibik gibt! Aha! Gut, es ist ja ganz nett hier, rundheruSaint George´s Carenagem Natur, die Insel mit dem kleinen Sandstrand direkt vor uns - sogar mit einer klitzekleinen Bar drauf, zu der jeden Abend ein Rasta aus dem nächste Dorf kommt, das Licht einschaltet und den Yachtis Bier und Rum ausschenkt - so`n paar Tage kann man es sicher aushalten, vielleicht auch noch `n bisschen länger ... aber dann wird es uns auf jeden Fall zu langweilig. Dienstag sind wir zur anderen Inselseite, in die benachbarte Woburn Bay, da gibt`s immerhin ein kleines Dorf. Ein paar bunte Häuser, oft einen Raum, der zum Mini-Mercado umfunktioniert wurde, oder aus Brettern Sitzbänke gezimmert und “Bar” oder “Restaurant” über den Eingang gepinselt. Wir sind um die ganze Bucht gewandert, auch bis zur nächsten, haben uns eine Erfrischung gegönnt, von den Bergen schöne Aussichten gehabt, jede Menge Fotos geschossen, uns noch `n ZISCH genehmigt, sind gestern vom Dorf per Minibus zur Hauptstadt nach Saint George`s gefahren, den ganzen Tag durch die hübsche Altstadt geschlendert, auf die Festung (Fort George) geklettert, haben fürchterlich geschwitzt, versucht, den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen und beschlossen, hier unbedingt noInselschätzech mal herzufahren! Offensichtlich war unser Bewegungsdefizit von Chaguaramas damit immer noch nicht ausgeglichen - heute ging`s dann auf Hog Island. Schlauchboot an dem kleinen Strand parken, Jim´s Weisheiten abnicken und dann versuchen, in dem Mangrovenwald dem Pfad zu folgen. Auf der anderen Inselseite, dann Natur pur, der Atlantik knallt an das Ufer, davor die Riffe, die Strände voll mit Korallen, Muscheln und sonstigem Strandgut - dauert `ne Weile bis Marion alles beguckt hat und wir weiter können. Einmal um die Insel, so der Plan - wir hatten eine etwas falsche Vorstellung von der Grösse! Stundenlang sind wir am Wandern, keine Menschenseele ausser uns, nur Vögel, Krabben ... drei Kühe und jede Menge Ziegen! Sofort erwacht der Jagdinstinkt in mir, ich seh mich in Gedanken schon fetttropfende Fleischberge am Spiess über`m Lagerfeuer drehen, als Marion mich gerade noch bremsen kann. Die gehören bestimmt jemanden! Nö, die Insel ist doch unbewohnt. Du hast ja nicht mal `n Messer mit, willst du sie denn erwürgen? grinst sie mich herausfordernd an. Soweit bin ich doch noch gar nicht! Ich höre auf, mit knurrendem Magen hinter den armen Viechern her zu hetzen, wir schaffen tatsächlich die Inselumrundung, finden auch wieder durchs Mangrovenwäldchen zum Strand, dort unser Schlauchboot und während Marion versucht, aus unseren Vorräten ein Abendessen zu basteln (Ziege gibt`s ja nun nicht), hock ich mich vor die Funke, um mittels Pactor in den Genuss eines aktuellen Wetterbericht zu kommen. Das gibt sogar noch viel mehr - zwei e-mails von Micha, sie liegen mit ihrem Dampfer seit gestern in der Prickly Bay, ob wir nicht dahin kommen wollen? Claro, passt super, hier haben wir ja jetzt alles gesehen.

Freitag, 17.05.2013

Wieder durchs Riff raus fädeln, zwei Buchten weiter wieder rein und schon sind wir in der Prickly Bay. Gesehen hatten wir sie beim Einklarieren ja schon von Land aus, viel romantischer wirkt sie vom Wasser auch nicht. Lange Bucht, zwei Marinas, an den Hängen links, rechts jede Menge VilleWas gibt es Schöneres, als bei gefühlt 38°C im Ankerkasten zu klemmen!n und in der Mitte ankern halt viele Yachten. Wir werfen den Anker direkt neben der Marlin, die Kinder winken wie wild, Nathalie auch (mit zwei Bierdosen in der Hand), geht jetzt aber nicht, wir haben ein kleines Problem: Unsere Ankerwinch, will nicht so wie wir! Kette rauf macht sie brav, Kette runter, zuckt nix! Also gibt`s statt kaltem Bier die Bastelhose, ich verschwinde mit Messgerät im Ankerkasten - Knöpfchen für hoch drücken, Spannung liegt an - Knöpfchen für runter, ebenfalls Spannung. Klarer Fall, der Motor hat `ne Macke! Also wieder in den Ankerkasten und das Ding ausbauen. `Ne Stunde später liegt das Teil im Cockpit und ich beginne mit Hilfe meiner barbusigen Assistentin mit der Zerlegung. Die Sammelkiste füllt sich mit Kleinteilen, im Inneren sieht das Teil aus wie `n Motor eben aussieht, jede Menge Öl (wie kommt das denn da rein?!), noch mehr schmieriger Kohlenabrieb, keine klemmende oder verbrauchte Kohlebürste, kein abgerissenes Kabel oder sonstiger "Aha,-das-war-also-die-Ursache"-Erfolgsmoment. Mittlerweile taucht Micha auf (meine Assistentin ist nicht mehr barbusig), das Cockpit dafür schön vollgeschmiert. Alles wieder zusammenbauen, `n kaltes Bier gereicht bekommen und rein auf Verdacht schon mal im Budget-Katalog nachschauen, was so`n neuer Motor denn kostet. Ups, da klettere ich doch brav wieder in den Ankerkasten und baue den frisch innengereinigten an - manchmal geschehen ja Wunder! Und sie geschehen tatsächlich - beim Anschrauben der fetten Stromkabel halte ich mit mal einen der angepressten Ringkabelschuhe in der Hand. Doch noch der "Aha,-das- war-also-die-Ursache"-Erfolgsmoment :-) Das Teil ist regelrecht abkorrodiert (gibt ja für Elektrik nichts Besseres, als das feuchte, salzhaltige Klima im Ankerkasten!!), hing wohl noch an zwei, drei Äderchen, so dass beim Stromprüfen zwar Spannung anlag, unter Last aber natürlich alles zusammenbricht. Das ist ein Fall für Morgen, heute schmeisse ich erstmal den Grill an, schütte jede Menge leckere Trinidad-Würstchen drauf und wir verschlingen das angekohlte Endresultat, nebst reichlich Salat mit den Marlins. Haben uns ja schliesslich soooo lange nicht mehr gesehen!

 

Sonnabend, 18.05.2013Er passt da wirklich ganz rein ;)

Eigentlich sind wir ja aus Trinidad abgehauen, um nicht noch mehr Geld auszugeben - jetzt schleiche ich schon wieder bei Budget-Marine durch die Regalreihen. Ich widerstehe der Versuchung, weitere "wichtige Dinge" in den Korb zu werfen und beschränke mich auf auf die fetten Stromkabel. Natürlich die schön teuren, extra korrosionsbeständigen für Ankerwinch & Co.! Von Micha noch die hydraulische Presszange für die Ringkabelschuhe holen und ich kann loslegen. Fast! - Marion hält mir die Bastelhose hin - richtig! Die brauch ich ja auch! Kabel auf Länge schneiden, auf einer Seite die Kabelschuhe rauf pressen (echt geil, so`ne hydraulische Presszange - ich glaub so`n Ding brauch ich auch noch!), durch die wasserdichten Kabeldurchführungen in den Ankerkasten schieben, ans Hochlast-Relais anschliessen und  feststellen, dass ich bei der Durchführung die Dichtringe vergessen habe, alles noch mal retour, ... beim zweiten Versuch alles richtig machen, in den Ankerkasten kriechen, rumfluchen, weil es dort viel zu eng ist zusammen mit dem Monster von Presszange, die blöden Ringschuhe doch irgendwie raufbekommen, alles schön abisolieren, ordentlich im Kabelkanal verlegen, an den Motor anschrauben, sich wieder aus den Ankerkasten quälen und erwartungsvoll auf`s erste Knöpfchen drücken: ... rassel, rassel - die Kette wird hochgezogen. Anderes Knöpfchen: ... auch rassel, rassel - sie läuft auch wieder runter. Stolz heimse ich das Lob meines Bordweibchens ein, krieche noch mal in den Ankerkasten, um alle Kabel noch schön mit Kabelbindern zu befestigen und die Kontakte einzufetten, räume meinen Krempel zusammen, springe ins Wasser zwecks Grobreinigung, unter die Dusche zwecks Nachsäuberung und in die Hose zwecks Landgang. Wir haben uns nämlich mit den Nachbarn zur Happy Hour im "Big Fish" verabredet. Drei Getränke zum Preis von zweien! Da muss man richtig rechnen, wieviel Runden man bei vier Leuten bestellen muss, damit jeder gleich viel kriegt :-) Haha!

Sonntag, 19.05.2013

Oh Mann, jetzt sind wir schon 9 Tage hier auf diesem Eiland, wo es ja sooo viele Muskatnüsse geben soll (laut Susi kann man sie direkt vom Baum pflücken!). Hab noch nicht eine einzige gesehen, ausser die fertig verpackten auf dem Markt in St.George´s. Sind heut vormittag voller Tatendrang an Land, Schlauchboot fest getüddert, links rum, Richtung True Blue Bay, schöner Blick auf die Flugzeuglandebahn, nette Häuschen (teilweise eher Pause!Villen - bis an´s Wasser zugebaut alles, der Südwesten Grenadas ist die Touri-Ecke. Es gibt hier hoffentlich auch noch normale, unverbaute Fleckchen - naja, so´n Eiland ist ja auch eher klein). Hübsche Bucht, klares Wasser, ankernde Boote, irgendwie nicht anders als Hog Island - halt nur zugebaut. Wieder zurück, mit dem Dingi an´s andere Ende der Prickly Bay heizen, ordentlich anschliessen, nicht an der Marina-Bar vorbei kommend, ... dann auf zum Prickly Point. Wieder alles voll erschlossen, schöne Häuser mit Pool und riesigen Gärten, ... nix Muskatnuss! Als es nicht mehr weiter geht, stehen wir vor einem unbebauten Stück Land, wo sich der ermattete Wandersmann auf Vulkangestein direkt neben einem Kaktus, mit freiem Blick auf die See, auf an Felsen tosende Wellen zur Pause niedersetzen kann. Hinter uns steht ein grosses Schild: FOR SALE. Demnächst sitz man hier also auch nicht mehr so einsam. Zurück an Bord hockt Käpt´n sich an den Computer, die Finger fliegen über die Tastatur (ein guter Tag zum Schreiben - haben auch noch viel aufzuholen), ich verkrümle mich in die Pantry, krame aus der Bilge zur Feier des Tages ein Glas eigeweckte argentinische Kuh, dazu die letzten tschechischen Klösse, hmm! Ob Mango im Gulasch schmeckt? Schmeckt!! - Später: Klopf, klopf - Marlins wollen uns einsammeln. Happy Hour, diesmal an der Marina-Bar! O.k., ist ja Sonntag. Die Kinder toben gemeinsam mit den australischen quer durch´s Gelände, bis Lena irgendwann heulend mit blutbeschmiertem Mund vor Nathalie steht. Hingefallen. Nun ist der ohnehin wacklige Zahn noch loser. Mama und Papa trösten, es geht zurück an Bord. Na dann - auch für uns Feierabend!

Montag, 20.05.2013

Ich hatte Micha schon in Trinidad versprochen, ihm bei seinem Generatorumbau zu helfen, heute wollen wir loslegen. Der alte Generator schlummert seit sechs Jahren ungenutzt im Motorraum der Marlin und ist hoffnungslos festgegammelt. Deswegen wohnt ein nagelneuer Motor in einer Holzkiste an Deck. Die Aufgabe: alle Anbauteile nebst Generator vom alten Motor ab- und an den neuen wieder dran bauen. Da ich unseren Generator ja schon mal zerlegt und auch wieder zusammenbekommen habe, gelte ich als Experte :-) Erstmal muss das alte Teil ans Tageslicht, also hocken wir zu zweit im Motorraum, jeder schraubt an einer Generatorseite Schläuche, Kabel, Leitungen ab und versucht sich zu merken, was er wo abgebaut hat. Endlich können wir das Monstrum mittels Flaschenzug ans Tageslicht hieven - die schweissgebadeten Monteure schaffen`s noch ohne. Dann wird weiter fleissig abgeschraubt, da sind ja Teile ohne Ende dran! Die kommen dann parallel dazu gleich an den neuen Motor ... Am Nachmittag sieht der schon richtig gut aus! Feierabend für heute! Marion und ich wollen nämlich baden. Jetzt nicht einfach nur so ins Wasser springen, nö, direkt neben uns am Ufer befindet sich die noble Urlaubsresidenz der Universität von Grenada. Hier liegen normalerweise die Herren Professoren mit ihren Holden am riesigen Pool und lassen sich kühle Drinks reichen oder besprechen mit attraktiven Dozentinnen die nächste Vorlesung oder geben wissbegierigen Studentinnen Nachhilfe, wer weiss ... Jetzt sind jedenfalls Ferien und das Ding ist fast leer. Deswegen haben die Yachtkinder auch die Erlaubnis, dort zu planschen, aber nur unter Aufsicht. Klar! Was macht man also, wenn man da rein will? Genau! Man borgt sich Kinder und spielt Aufsicht. Mit Maya und Lena düsen wir zum uni-eigenen Anleger, schreiten selbstbewusst unter den Mangobäumen durch bis zum PMallo! Die schmeisst mich schon wieder raus!ool, grüssen brav und springen mal rein. Ups, das "Springen verboten"-Schild haben wir doch glatt übersehen. Zwei Stunden lang toben wir mit den Kids im Wasser rum, ignorieren auch weitere Verbote, was aber egal ist, da wir mittlerweile eh alleine sind, haben Mühe, die beiden zum Dunkelwerden wieder aus dem Wasser zu bekommen, gönnen uns eine luxuriöse Dusche, sammeln noch ein paar Mangos ein und fahren zurück zum Boot. Erstmal alle umziehen (egal wohin man sich dreht, ein Kind steht immer da und guckt neugierig. Du hast ja einen weissen Po! Papa auch! Wollt ich schon immer mal wissen :-) Marion hüpft unter Deck, nützt ihr nichts - wenig später kommt Lena wieder ins Cockpit um zu berichten, "Marion ihrer ist auch weiss!" Der enttarnte Weissarsch kocht was zum Abendbrot, ich bespasse die jungen Damen und spiele mit ihnen "Mensch ärger dich nicht". Voller Einsatz! Die Mädels sind clever! Es wird gewürfelt und rausgeschmissen was das Zeug hält, und - ich verliere! “Mit euch spiel ich nicht mehr!!” :-( Nathalie und Micha kommen und wollen ihre beiden einsammeln. Nö, erst gucken wir noch `n Film! Käpt`n Blaubär! Pädagogisch sehr wertvoll, schon allein wegen Hein Blöd, der in seiner Jugend die Pups-Sprache gelernt hatte, weil er dachte, die setzt sich mal als Weltsprache durch. “Puuuuups, pups, pups, pupspupspups ...”  Micha und Nathalie gucken leicht irritiert, als wir Maya und Lena wieder abliefern ;). Pupspups puuuuuups! (Gute Nacht!)

Dienstag, 21.05.2013

Generator, die Zweite! Sah eigentlich ganz gut aus, gegen Mittag ist alles angebaut, wir heben das Ungetüm zurück in seine Schallschutzwanne im Motorraum, jeder klemmt an seiner Seite Schläuche, Leitungen oder Kabel an, nichts bleibt übrig - der grosse Moment: Druck aufs Startknöpfchen! Der Motor rasselt los, läuft brummelnd vor sich hin ... und geht wieder aus. Überhitzung meldet die Fehleranzeige. Also noch mal in den Motorraum, Kühlwasserschläuche kontrollieren, Wasserpumpe, Schläuche noch mal lösen, hier spritzt Wasser raus, da nicht, ... irgendwann haben wir die Ursache gefunden: der Wärmetauscher vom Generatorteil! Das Ding ist völlig dicht, also irgendwie abbauen und ins Cockpit tragen. Harmlose Reinigungsversuche, wie Druckluft oder Essiglösung versagen, also auf die Brutale! Löcher bohren, die KaAbenddämmerung - oder: Der Tag geht, René kommt ;)näle einzeln durchstossen, Gewinde in die Bohrlöcher schneiden und Alu-Schrauben mit Teflonband einschrauben - alles wieder dicht, Wasserkanäle frei! Beschäftigt uns den ganzen Nachmittag! Der Wiederanbau gestaltet sich genauso kompliziert. Wo gehört eigentlich dieses Kabel ran? und hier sind noch zwei Stecker übrig! - draussen ist es stockdunkel, als Micha wieder aufs Startknöpfchen drückt. Der Anlasser rasselt, grummelnd springt der Motor an ... und läuft und läuft ... Wir klatschen uns in die Hände, Yep! Darauf ein Feierabendbier! Ich mach mich dann schnell vom Acker (falls der Motor es sich doch wieder anders überlegt und ausserdem, um  nach meinem lieben Weiblein zu schauen). Die wollte mir gerade mein Kopfkissen bringen. "Ich dachte, du bist bei Micha eingezogen". Überschwenglich lobe ich ihr leckeres Essen, erkläre, dass das mit Micha nichts Ernstes ist und ich nur sie liebe und überhaupt, morgen nur für sie da bin :-)

Mittwoch, 22.05.2013

Generator, die Dritte! - Wir hocken gerade gemütlich beim Kaffee im Cockpit, da kommt Micha angetuckert. Der Generator geht immer wieder aus. Mit `ner Tasse in der Hand versuchen wir uns an der Ferndiagnose ... Ich könnte mir das ja mal KURZ anschauen - mein Blick geht zu Marion. “Haut schon ab beide!” YEP! Schnell springen wir ins Schlauchboot und hocken wenig später überm Generator. Der springt an, läuft `n Augenblick, schüttelt sich und geht stotternd aus. Ganz klar, kein Diesel! Filter überprüfen, Leitungen abschrauben, die Anschlüsse ... zwei Stunden später schnurrt das Motörchen vor sich hin. Dafür entdecke ich eine gaaanz klitzekleine undichte Stelle, wo ein wenig Diesel austritt. Nachziehen hilft nicht mehr, die Kupferring-Dichtung müsste getauscht werden. Dichtungen hab ich liegen, also schnell rüber, zu Marions Freude die Salonpolster hochreissen und den Inhalt des darunterliegenden Staufachs verteilen. Was immer man gerade braucht, es liegt ganz unten! Alles wieder einräumen, mit den Dichtungen zurück und feststellen, dass keine passende dabei ist :-( Natürlich könnte man mit der kleinen Undichtigkeit leben ... aber die HANDWERKEREHRE! Also tuckern wir zur Marina rüber, versuchen unser Glück bei Budget-Marine, bei `ner Motorenwerkstatt, wandern `ne halbe Stunde bis zur Stadt, klopfen an diverse Autohäuser, suchen in Werkstätten, in einem Baumarkt - nirgends gibt`s eine Kupferringdichtung in der passenden Grösse. Schon auf dem Rückweg entdecken wir noch einen Kfz-Teile-Händler und der kramt solange in seinen Regalen, bis er mit `ner Tüte und zwei Ringen drin vor uns steht. Original Ersatzteil BMW - könnte passen. Passt dann tatsächlich. Der Generator brubbelt jetzt wieder vor sich hin - ohne auszugehen, nichts tropft mehr, Kühlung funktioniert - wir sind mächtig stolz auf uns!! Und ich auch noch, als ich zurück auf der Mira bin und Marion zeige, was ich mitgebracht habe: Einen Blumenkasten für ihre "Kleinen"! Da gehört dann aber auch Blumenerde zu. Äh, richtigOrtswechsel fällig - St. George´s, da fahr ich schnell noch mal los. `Ne Stunde später präsentiere ich ihr auch stolz die Blumenerde!

Donnerstag, 23.05.2013

Eine Woche Prickly Bay reicht eigentlich, wir wollen weiter nach Saint George`s. Morgenbad, gemütliches Frühstück, noch `n Kaffee, es ist Mittag eh wir endlich den Anker hoch leiern. Macht nichts, hier sind die Strecken kurz. Zwei Stunden später rasselt er auch schon wieder runter. Ankerplatz mit Blick auf die kleine Inselhauptstadt, die bunten Häuser, die alte Festung, das “Carenage” genannte halbrunde Hafenbecken mit den Fischerbooten, ... Und weil´s so schön ist, fahren wir auch gleich mal rüber, schlendern ein bisschen rum, kaufen etwas Obst und Gemüse, setzten uns in der Carenage vor eine kleine Bar, schwatzen mit den Leuten, trinken ein Bierchen, verzichten auf den angebotenen Rum, beobachten den Feierabendtrubel, glotzen aufs Wasser vor uns, ... Richtig schön hier!

Freitag, 24.05.2013

Nach Saint George`s Quirliges Städtchen - Greenvillesind wir auch gefahren, um von hier mit den Maxi-Taxi genannten Kleinbussen ein wenig von der Insel zu sehen. Fangen wir also gleich mal damit an. Schlauchboot im Yachtclub parken, Viertelstunde später stehen wir am Busterminal. Von da geht`s in alle Ecken der Insel - Reiseleiter Marion hat für heute Greenville, auf der Atlantikseite der Insel, ausgesucht. Also sucht man sich unter den wartenden Bussen den, wo GREENVILLE dransteht und setzt sich rein. Abgefahren wird wenn der Bus voll ist. Und gemeint ist hier: richtig voll! Wenn alle Sitze besetzt, kramt der Fahrer noch kleine Sitzpolster raus, stopft sie zwischen Sitz und Wand und dann passt da noch jeweils einer drauf ... oder `ne dicke Mutti mit zwei Kindern! Ein beherzter Tritt auf`s Gaspedal und da bleibt der Fuss auch die ganze Fahrt! Laut hupend und mit Vollgas heizen wir die Serpentinen hoch, links, rechts üppige Vegetation, kleine Dörfer, tolle Schluchten - geniessen kann man die Aussicht nicht so richtig, weil wir ständig hin- und hergeschleudert werden, da der Fahrer, alles überholend, gerade versucht den Streckenrekord nach Greenville zu brechen. Leider sind nicht alle Fahrgäste so sportlich eingestellt und durch Drücken des Klingelknopfes zwingen sie den Fahrer, immer mal wieder `ne Vollbremsung hinzulegen, nur um sie rauszulassen. Wir bleiben brav bis zur Endstation sitzen! Greenville ist zwar die zweitgrösste Stadt Grenadas, aber eigentlich nicht viel grösser als `n Dorf. Bunter Obstmarkt, Fischmarkt, jede Menge kleiner Kneipen und Restaurants - nicht wirklich schön, aber ganz nett. Jede Menge Trubel, Marktmuttis, Domino spielende Männer, Fischer, die am kleinen Hafen ihre Netze flicken, Frauen beim Wochenendeinkauf, Männer beim Rum, die ganze Palette. Wir schlendern überall rum, essen lecker Roti, trinken ein Bierchen, schauen uns die, durch Riffe geschützte, Bucht mit den vielen Fischerbooten an, die abgebrannte Schule, die alte Kirche, die neue Schule, ... und setzten uns wieder ins Maxi-Taxi. Der fährt diesmal sogar los, obwohl noch gar nicht ganz voll. Vermutlich, um Gewicht zu sparen und dadurch die Chancen für den Streckenrekord zu erhöhen. Daran versucht er sich dann auch gleich - diesmal sind wir Spielverderber und kl´Ne Muskatnuss! Endlich!! :)ingeln unterwegs! Gibt zwar `ne schlechte Zeit für ihn, er lässt uns trotzdem bei der Abfahrt zu den Annadale Falls raus. Eigentlich zehn Minuten Fussweg bis zu dem Wasserfall, aber wir brauchen vieeeel, vieeel länger. Da stehen nämlich Bäume links und rechts am Weg! Und die hat Marion ja alle noch nicht gesehen und angefasst. Knorrige alte Riesenbäume, Mangobäume, Kakaobäume und dann springt sie fast im Dreieck: ein Muskatnussbaum! Vor ein paar Tagen hatte sie sich erst beschwert, dass sie noch keinen gesehen hat und jetzt kann sie ihn anfassen, drum rumlaufen, ihn streicheln, `ne Frucht abpflücken, auspellen, dran riechen - ich bin ja geduldig. Und dann steht da noch ein Muskatnussbaum, und noch einer, noch mehr, ... Irgendwann stehen wir dann doch noch vorm Wasserfall. Hätten ihn fast übersehen. So`n Stückchen auf den Steinen ein Bächlein hochklettern, dann stehen wir vor einem kleinen Naturbassin und am Ende platscht aus ein paar Metern Höhe das Wasser vom Felsen runter. Boah! Erfrischung können wir ganz gut gebrauchen, planschen rum wie die kleinen Kinder, posieren für`s Foto und klettern wieder zurück. Zur Hauptstrasse geht`s ja eigentlich nach links, aber bevor ich wieder an den ganzen Muskatnussbäumen vorbei muss, will ich nachschauen, ob bei den paar Häusern auf der rechten Seite nicht ein kleiner Mercado ist, der kalte Getränke für durstige Wanderer rumstehen hat. Kein Mercado, dafür ein Schild "ANNADALE FALL 200m". Ja klar, kommen wir ja gerade her ... aber wieso zeigt das Schild in die andere Richtung? Stückchen weiter stehen wir vor einem Kassierhäuschen ohne Kassierer und dann vor noch einem Wasserfall. Wir waren am Falschen! Der hier hat zwar auch nur ein Naturbassin und aus der selben Höhe platscht das Wasser von einem Felsen da rein, aber am Kassierhäuschen erkennt man den Unterschied! Wir machen brav ein Foto. Die Rückfahrt im Maxi-Taxi dann gewohnt SCHNELL, der Weg um die Carenage zum Schlauchboot führt über die kleine Bar ZISCH! und der vom Yachtclub zur Mira über`s Cockpit der Marlin - noch `n ZISCH!

 

Sonnabend, 25.05.20In Gouyave13

Inselerkundung, die Zweite: Heute nach Gouyave, einem kleinen Fischerstädtchen an der Westküste. Auf der Fahrt, entlang der Küstenstrasse gibt`s jede Menge zu sehen, wir müssen uns mit dem Gucken nur beeilen, weil: wieder ein Fahrer mit Rennsportambitionen! Ich bin mir sicher, dass im Aufenthaltsraum der Fahrer am Busterminal eine grosse Tafel hängt, wo für die einzelnen Strecken die Wochen-, Monats- und Jahresbestzeiten draufstehen! Der Fahrer unterbricht das Rennen kurz, um uns im richtigen Ort rauszulassen, ein Glück, das hätten wir als Stadt ja völlig ignoriert. Eine Strasse, die kann man nach links lang schlendern oder nach rechts. Wir machen beides. In der Mitte eine kleine Muskatnuss-Fabrik, die hat natürlich zu, ist ja Wochenende. Also schlendern wir noch mal ganz langsam hoch und runter, kennen jetzt schon die Leute, die vor den Häusern sitzen und uns grüssen, die kennen uns auch schon - klar, sonst latscht hier ja keiner weiter lang, essen in einer der kleinen Imbiss-Mercado-Kneipen-Kombination lecker FischFischerboote am Strand, trinken in einer anderen ein ZISCH! und wandern anschliessend den Strand ab. Eindeutig der schönste Teil des Städtchens, langer Sandstrand voller bunter Fischerboote, dahinter Palmen - Postkartenmotiv! Wir kaufen einer runden Mutti ein bisschen Gemüse ab, haben schon wieder Durst, grüssen die Leute ein drittes Mal und ... machen uns auf den Rückweg. Sehr verdächtiger Fahrer dieses Mal, der fährt langsam! So richtig bedächtig, ohne jeglichen sportlichen Ehrgeiz ... Die Kneipenmutti in der Carenage grüsst uns jetzt schon mit Handschlag, wir wollen wieder keinen Rum und landen danach wieder im Cockpit der Marlin. Die Kids waren heute am Strand schnorVoll cool so´n Tattoo!cheln und haben jede Menge Fische gesehen. Und ausserdem haben sie jetzt Tattoo´s. Überall! Lena sogar auf der Stirn. Ich bekomme auch eins. Einen Clownsfisch auf den Oberarm! Damit kann ich beim nächsten Mal in der Carenage-Kneipe so richtig auf die K... hauen! Und weil morgen keine Schule ist und die Kids auch mal wandern wollen, fahren wir alle gemeinsam zu den "Sieben Schwester Wasserfällen". Hoffentlich wäscht mein Tattoo da nicht ab ...

Sonntag, 26.05.2013

Der Plan mit der gemeinsamen Fahrt zu den "Seven Sisters Waterfalls" fällt ja mal richtiggehend ins WASSER! Es regnet, es regnet und es regnet! Eindeutiges "Unter-Deck-Arbeits-Wetter" - Marion baut ihren Rechner vor sich auf, ich mal alle Teile der neuen WLAN-Antenne, die wir von Micha bekommen haben: Router, Kabel, Antenne, schwarze Box, bei der ich irgendein Kabel auf keinen Fall in irgendeine Buchse stecken darf - da mach ich mir mal doch lieber die mitgelieferte PDF-Datei mit der Installationsanweisung auf. Zwei Stunden später baumelt die Antenne provisorisch am Want, Kabel verlaufen in den Salon, Router installiert, Netzteile angeschlossen und beide Laptops kommunizieren mit dem neuen, bordeigenen WLAN-Netz. Stolz präsentiere ich meiner Bordfee ihren Computer: “Kabelloses Internet, kannst du mit ins Bett nehmen, oder auf`s Klo, keine Kabel, keine externe Antenne ...” - "Ja, ist gut", setzt sie sich wieder davor und bastelt weiter an ihren Fotos. Bisschen mehr Euphorie hätt`s jetzt ruhig sein können. Dafür klopfen die Marlin´s an, Regen hat aufgehört, Strandwanderung - Aufbruch sofort! Wir brauchen fünf Minuten, dann ziehen wir alle los. Halbe Stunde bis zum "Traumstrand", jeder ein plapperndes Kind an der Hand, vergeht die Zeit wie im Flug. Was diesen Strand so besonders macht erschliesst sich uns nicht, sieht aus wie jeder andere, nur gibt´s hier diverse Bars. Eine Strandbar sogar mit fürchterlich lauter Band - bei einigen mittelalterliche Bleichgesichtern scheinen Jugenderinnerungen durchgebrochen zu sein und mit verklärten Gesichtern versuchen sie, nach dem Krach im Sand Rock`n Roll zu tanzen - Bloss weg hier! Wir finden auch ein nettes Plätzchen (in zumutbarer Entfernung zur nächsten Bar) - alle sind zufrieden - die vier Erwachsenen mit ihrem Mojito in Immer weiter bergauf ... der Hand und die Kids beim Sandburgbauen. Wie, das wird keine Sandburg, das wird ein Bäckerladen?! Auch gut!

Montag, 27.05.2013

Nathalie hat einen Wanderplan: Fort Frederick, da hat man `ne tolle Aussicht nach irgendwohin und überhaupt, da waren wir ja schliesslich noch nicht. Micha hat wie immer eine Ausrede (wichtige Reparatur von irgendwas), also ziehen wir nach der Schule mit den Kids und Nathalie los. Weit kommen wir nicht, aus einer Kellerkantine duftet es lecker - erstmal stärken! Auf den Hügeln um St. George`s gibt`s drei alte Forts, das eine ist heute ein Knast, das können wir vermutlich eh nicht besichtigen - zu den beiden anderen führt der selbe Weg. Kriegt Mann ganzSt. George´s einfach raus, wenn Frau mehrfach fragt. Immer schön bergauf, mittags, heute scheint natürlich die Sonne! Die Kids stapfen tapfer vorwärts, wir treffen kleine Ziegen, junge Hunde, alte Frauen, Frösche und vermutlich auch Olchis. Olchis haben drei Hörner, lieben Gestank und Dreck über alles, leben auf Müllkippen, riechen dermassen aus dem Mund, dass vorbeikommende Fliegen in Ohnmacht fallen und sind als Spezies erstmals in einem Kinderbuch wissenschaftlich beschrieben worden. Also zumindest Lena ist sich ziemlich sicher, einen gesehen zu haben. Irgendwann stehen wir vor dem Fort, ich finde mit den Kids einen alten Geheimweg (vermutlich von Piraten angelegt), auf dem wir am Pförtnerhäuschen vorbei, ins Innere gelangen, die Frauen, weniger phantasievoll veranlagt, zahlen brav für uns mit und nehmen sogar noch Alice ins Schlepptau. Alice (angeblich aus dem Wunderland), erzählt uns ein wenig über ihre Insel und das Fort, wir klettern überall rum, geniessen die Aussicht auf St. George`s, die Insel, das Meer ... das Gefängnis-Fort unter uns und verschwinden alle ganz heimlich auf dem Piratenweg. Ein paar hundert Meter weiter steht das nächste Fort - noch mal Eintritt zahlen wollen wir nicht, Geheimpfad ist auch nicht zu finden, also stiefeln wir langsam wieder bergab, Richtung Stadt. Für kurze Kinderbeine zieht sich der Rückweg, abwechselnd oder gleichzeitig versuchen sie bei mir ihr Glück als Rucksack, ich ziehe mit Maya noch los, um durch den alten Tunnel, der beide Stadtseiten miteinander verbindet, zu wandern, die anderen Frauen, um Grünzeug zu kaufen, Maya findet den Tunnel gar nicht sooo gruselig, die Frauen keinen offenen Gemüsestand mehr, dafür wir uns aber alle wieder in unserer Carenage-Kneipe. Endlich! EDepri-Wetterin grosses kaltes ZISCH!

Mittwoch, 29.05.2013

Gestern Regen, heute Regen - Saint George`s unter dicken, schwarzen Wolken. Wenn`s dann so richtig schüttet, ist kaum noch was von der Stadt zu sehen. Um nicht in Depressionen zu verfallen, versuchen wir uns mehr oder weniger sinnvoll zu beschäftigen. Marion, indem sie,  ausser ständig die Luken auf und zu zumachen, stundenlang ihre Fotos am Rechner sortiert, mich zur Seite scheucht, weil ich beim Saubermachen im Weg stehe, kaputte Sachen (von mir) näht, ein Brot bäckt, die gähnende Leere in ihrem Gemüsekorb beklagt, trotzdem leckeres Essen zaubert, ... ich, indem ich im Katalog blättere, Werkzeug ausräume, überlege, was ich basteln oder reparieren könnte, zu nichts Lust habe, Werkzeug wieder einräume, im Weg stehe ... und schliesslich zum Schladdern auf ein Bierchen zu Micha fahre ...

Donnerstag, 30.05.2013

Da sieht doch alles gleich viel netter aus - seit dem Nachmittag scheint die liebe Sonne wieder, kein gehetzter Blick mehr auf die schwarzen Wolken und hektischer Griff zu den Lukenverschlüssen. Die können aufbleiben, wir schmeissen das Schlauchboot ins Wasser, die Rucksäcke über die Schulter und plündern den Gemüsemarkt. Kartoffeln, Gurken, Kohl, bei der nächsten Mutti gibt`s Zwiebeln und schöne Tomaten, danach Bohnen, jede Menge Mangos, Knoblauch sowieso, die Rucksäcke sind viel zu klein, eine Melone noch, Paprika, Bananen, in die andere Hand auch noch `ne Tüte, Muskat, weil der so schön aussieht, irgendwelche gelben Dinger - keine Ahnung wozu die sind, ... Marion im Kaufrausch, ich kurz vorm Zusammenbrechen! Auf dem Rückweg werfen wir vor Erschöpfung die Beutesäcke an der kleinen Carenage-Kneipe ab, Tresen-Mutti begrüsst uns mittlerweile auf die lokale Art - Fäuste gegeneinander und dann zum Herzen - reicht zwei Carib rüber, ermahnt uns, unbedingt am Sonnabend zum Karneval herzukommen und diesmal lassen wir uns auch überreden, endlich mal den einheimischen Rum zu probieren. Bäh, ein fürchterliches Zeug! Siebzig Prozent, wird mit Wasser verdünnt und die Jungs hier trinken das immer fröhlich vor sich hin. Uns reicht schon das eine Glas.

Freitag, 31.05.2013

Wie ich mit Micha und den beiden Kids heute Nachmittag so am Schnorcheln bin, kommt uns doch die geniale Idee, mal wieder so richtig schön `n paar Würste anzukokeln. Hatten wir ja schon ewig nicht! Strand ist da, Bierdosen und lecker Trinidad-Würste blockieren eh nur Platz im Kühlschrank, Sonne lacht auch - einfach perfekt! Also schnell zurück zu den Booten, Frauen davon abhalten, irgendwas in die Kochtöpfe zu werfen und auf Salatproduktion umorientieren, in trockene Hosen springen und mit Kindern, Kohle und kalten Dosen zurück zum Strand, um das Feuer zu entfachen. `Ne Stunde später sind die Kinder dreckig, die Kohle glüht, die Dosen sind alle - ich düse los, um Frauen, Salatschüsseln und neue Dosen einzusammeln. Folienkartoffeln in die Glut werfen, Würschte auf `n Rost, kalte Dose aufreissen, mit`m Hintern im Sand hocken, auf den Sonnenuntergang starren und auf`s Essen warten. Soooo schön kann die Karibik sein!

Cool, erste Reihe!

Sonnabend, 01.06.2013Der kann natürlich noch besser gucken

Schon seit Tagen dreschen die Steeldrummer der verschiedenen Orchester auf ihre Instrumente ein - alles nur, um sich für Grenadas Karnevalsaison warm zu trommeln. Und die beginnt heute! Um vier düsen wir zur Marlin, um Nathalie und die Kinder einzusammeln - Micha hockt noch verschwitzt im Motorraum, er kommt später! Laden wir eben Pirat Lena, Papagei Maya nebst Nathalie ein und machen uns auf den Weg. Die Carenage ist heute für den Autoverkehr gesperrt, rund um die Bucht Zelte, Tribünen, Pavillons und Stände aufgebaut, wir suchen uns einen schönen Platz in dem Trubel, schieben die Kids in die erste Reihe und geniessen die Parade. Moderiert von einer lokalen Fernsehschönheit zieht eine kostümierte Truppe nach der anderen vorbei, werden Steeldrumbands auf Wagen vorbei gerollt, werfen eingehüllte Damen kiloweise Puder in die Menge, ziehen auf Plateauschuhen stapfende, schwarzgekleidete Gestalten mit behörnten Helmen scheppernd Wellbleche hinter sich her, necken junge Männer in Minirock und BH das Publikum, versuchen Stelzenläufer den Anschluss nicht zu verpassen, dann wieder Steeldrummer auf ihrem Wagen, Fernsehkameras suchen nach den besten Aufnahmepositionen, Hobbykameramänner nach den leichtbekleidetsten Fotomotiven, Strassenverkäufer nach Kunden für Zuckerwatte, Mütter nach ihren Kindern, ... ein herrliches Gewusel, lauteDas groooovt! Musik von allen Seiten - irgendwann tauchen die ersten Kostümgruppen wieder auf, diesmal ohne Helm oder Maske, dafür mit Bier in der Hand - die Parade vorbei, die Feier aber noch lange nicht! Tanz bis zum Morgengrauen verspricht der DJ - wir ziehen erstmal ein Stückchen weiter. Überall gibt`s Getränkestände, werden Hühner, Fisch oder Schwein auf dem Grill gedreht, trommeln Steeldrummer auf ihre blankpolierten Instrumente oder drehen Kneiper die Boxen laut. Vor unserer kleinen Stammkneipe wird auch fleissig getrommelt, hier geht es etwas volkstümlicher zur Sache - im Takt der Musik aus den Boxen wird auf Bremstrommeln, Radkappen oder sonstigem "klangvollen" Metallschrott eingedroschIn Bremstrommelspielekstaseen, leere Fässer geben die Bässe, die Musiker ihr Letztes und das Volk drumherum tanzt ausgelassen dazu. Micha ist auch eingetrudelt, die Frauen voll am Tanzen, die Kids sowieso, Bier schmeckt auch, wir probieren mit den Jungs in der Kneipe mal lokale Trinkgebräuche, ich dann auch am Tanzen, Micha wippt mit dem Knie, mittlerweile das volle Strassenfest im Gange, Marlins brechen irgendwann auf, wir noch lange nicht, Marion darf auf die Bremstrommel einschlagen, leicht sauer, weil ich sie dabei nicht sehe, etwas mehr sauer, als sie mich statt dessen hinter der Kneipe findet, grinsend mit ein paar Jungs beim Joint rauchen. Ich tanze mich wieder in ihr Herz, sie haut wieder voller Hingabe auf die Bremstrommel, diesmal mit Foto, ich irgendwann wieder verschwunden, sie am Weiterfeiern, ... und mich diesmal schlafend im Schlauchboot findend. War wohl `n bisschen zuviel PartKäpt´n am Morgen ...y für den Käpt`n ...Nebenan siehts nicht besser aus

Sonntag, 02.06.2013

Ich brauch erstmal ASPIRIN! ... Ah, der Käpt`n ist wach! Und nach `ner ausgiebigen Schwimmrunde und zwei Tabletten auch wieder halbwegs vorzeigbar! Während Marion sich an der Badeplattform mit Nathalie über die Nachteile der Haltung von Männern auf Segelyachten austauscht (auch der dortige Käpt´n ist heut ziemlich “geschwächt”), versuche ich sie durch schleimige Frühstücksvorbereitungen von deren Vorzügen zu überzeugen. Klappt! Nach opulentem Sonntagsfrühstück heisst es dann mal wieder Winke-winke, die Marlins zieht`s zum morgigen Kindergeburtstag zurück in die Prickly Bay und wir wollen weiter nach Norden. Kriegt Maya unser Geschenk halt später. Weit kommen wir nicht, nach 6sm plumpst unser Anker schon wieder runter: Halifax Harbour. Stolzer Name. Ist in Wirklichkeit eine tiefe, schmale Bucht, ringsum fettes Grün, kein Haus, keine Bars - nur zwei Wracks und wir! Passe da heute irgendwie gut rein ... findet Marion

Montag, 03.06.2013

Es gibt sie also doch, die schönen einsamen Buchten in der Karibik - gut, die zwei Wracks lagen schon da, aber wir schaukeln jetzt daneben, ab und zu mal `ne Runde schnorcheln, `ne kalte Bierdose aus dem Kühlschrank angeln, `nem kleinen Fischerbötchen zuwinken, das `ne Stunde später wieder verschwunden ist, zwischendurch für fünf Minuten alle Luken schliessen wegen Regen, dann alle wiedMal ganz allein ...er auf, an dem klitzekleinen Strand lang wandern, überlegen, was wir zum Abendessen machen könnten, bisschen lesen, `n Sudoku - also so richtig gestresst sind wir im Augenblick nicht. Ganz unbewohnt ist die Bucht aber auch nicht, auf einer Seite, ganz versteckt im Grün steht eine kleine Hütte, nebst Familie, Hund, Ziegen und Bananenpflanzen. Wir haben reichlich Mangos geschenkt bekommen, ein bisschen geschwatzt, sind mit ihnen auf der Suche nach Bambus (Marion will eine Angelrute für Maya bauen (lassen;)) durch den Wald gestiefelt, mit langen Bambusstangen wieder raus, haben uns vor den nächsten schwarzen Regenwolken zurück auf`s Boot geflüchtet, noch mal schnorcheln, in den Kühlschrank greifen ... könnten wir noch `ne Weile aushalten hier. Machen wir aber nicht, morgen geht`s weiter. Richtung Grenadinen, Tobago Cays, St. Vincent - viel weiter wohl nicht, die hurrican-season hat schliesslich begonnen und immer mit einem Auge nach dem Wetter schielen macht ja auch keinen Spass. Zumindest nicht, wenn das Wetter dann Namen bekommt!

Dienstag, 04.06.2013

Im Augenblick haben wir`s wohl nicht so mit den weiten Strecken - 17 sm heute - das ist ja schon langsam peinlich! Kurz nach Drei fällt der Anker in der Cornestore Bay vor Ronde Island. Na ja, immerhin schon mal `ne Insel weiter. Halbe Stunde später leiern wir ihn wieder hoch, es rollt fürchterlich - wir kriechen noch ein Stückchen weiter in die Bucht rein - so ist`s besser! Drei Boote schaukeln hier noch - gut, man kann die Buchten ja nicht immer für sich alleine haben - aber ansonsten menschenleer, rundherum Natur, zwei kleine Strände, Pelikane, Möwen, Fregattvögel, eine Schildkröte schwimmt neben uns - richtig nett hier! Schnorchelbrille rauskramen, ab ins kristallklare Wasser und als Erstes feststellen, dass unser Anker lediglich hinter einem kleinen Felsbrocken hakt. Hält ja so, aber falls der Wind dreht ... ich tauche runter, hieve das schwere Teil ein Stückchen weiter, noch mal Motor an, Anker einfahren, Schnorchelbrille auf - Käpt´n in Grillekstasevom Anker ragt nur noch ein Stückchen Bügel aus dem Sand - so soll es sein!

Donnerstag, 06.06.2013

Wir sind mal wieder total begeistert von unserem neuen Wohnsitz. Seit gestern haben wir die Bucht auch ganz für uns allein ... na gut, ausser den Schildis, den Möwen, Fregattvögeln, ... Morgens erstmal `ne Runde zum Strand schwimmen, Kaffee, ausgiebig frühstücken, noch `n Kaffee, kleine Strandwanderung, auf den Felsen herumkletternSandflies sind ätzig - schmeckt trotzdem!, schnorcheln, bisschen lesen oder einfach nur den Tölpeln zusehen, die sich gekonnt ins Wasser stürzen auf der Jagd nach Fischen, oder den Pelikanen, wie sie dicht über dem Wasser fliegen, aufsteigen und sich plötzlich mit lautem Klatschen ins Wasser plumpsen lassen und damit genauso erfolgreich bei der Jagd sind. Könnten wir stundenlang zuschauen. Zwischendurch natürlich wieder schnorcheln! Alle Arbeiten an Bord sind auf das Notwendigste beschränkt - wir geniessen das Faulenzen! Heute wird auch nicht gekocht, ich hab uns auf dem kleinen Sandstreifen einen Grill gebaut, Marion dazu den lecker Mangosalat mit Knoblauch und Shadobeni aus ihrem "Garten" gebastelt, schnell Teller, Würste und ein paar Dosen aus dem Kühlschrank gegriffen, alles zum Strand fahren, Folienkartoffeln in die Glut, Würste auf den Rost, Dose aufreissen, die Sonne neigt sich langsam zum Horizont, die ersten Kartoffeln aus der Folie pulen, lecker Wurst dazu auf den Teller - soweit alles ganz romantisch, aber dann kommen die sandflies! In einer Hand den Teller balancierend, in der anderen die aufgespiesste Wurst, mit dem Fuss versuchen die lästigen Viecher vom anderen Bein zu scheuchen - ich verschlinge mein Essen in Rekordzeit, Marion etwas langsamer, dafür bis zum Hintern im Wasser stehend. Romantischer Grillabend am Strand geht eigentlich anders!

Freitag, 07.06.2013

So richtig wissen wir beide nicht, was wir hier sollen. Mehrfach wurde uns von der Tyrrel Bay und Carriacou vorgeschwärmt und jetzt sind wir da - na ja, hundert andere Boote eben auch noch. Gut vielleicht  nur fünfzig, aber nachdem wir die Woche so schön verwöhnt waren, so mit Ankerplatz für uns allein, zieht man schon ein langes Gesicht, wenn man hier um die Ecke biegt. Dabei wären wir kurz vorher noch fast woanders gelandet. Durchs Fernglas waren vor Carriacou `ne Handvoll kleiner Inselchen zwischen Riffen und mit zwei richtig kitschigen Sandstränden nebst Palmen zu erkennen. Menschenleer! Schneller Kartencheck, o.k., etwas trickig die Anfahrt, aber möglich. Kurz entschlossen reissen wir das Ruder rum (also Autopilot-Knöpfchen gedreht, aber das klingt eben nicht so heroisch) und haben einen neuen Kurs. Erstmal müssen wir bis an der Pilz-Insel vorbei, dann nach links, Richtung kleiner Pilz-Insel, uns dann ostwärts Richtung weisser Insel quälen - durch´s Fernglas sieht das teilweise ziemlich gruselig aus, so voller Schaumkämme und Strudel - und “vorwärts quälen” trifft es auch am besten. Wir haben `ne richtig fette Strömung und logischerweise genau gegenan. Als wir bei 3200 UmdrehungTyrrel Bayen und heulender Maschine noch mit 1,4kn vorwärts kriechen, brechen wir ab. Wer will schon kitschigen Palmenstrand, Carriacou soll eh viel schöner sein!

Sonnabend, 08.06.2013

Gestern abend dann, so auf dem Weg zur Zahnbürste, “klick” macht der Lichtschalter - grinst mich doch ein Monsterkäfer an. Fast `n Meter gross! Na ja, vielleicht auch `n bisschen kleiner - Marion identifiziert das Untier sofort als Kakerlake. Ich darf nicht erst Fotos machen, das Monster muss sofort erlegt werden! Marion rückt mit Haarspray an (was sie so alles in ihren Schränken hat?!), die langen Fühler liegen jetzt wetterfest - ansonsten zeigt das Tier sich unbeeindruckt. Muss man natürlich ein Feuerzeug in den Strahl halten - die "Flammenwerfer- Methode" hat allerdings den Nachteil, dass dabei auch die halbe Inneneinrichtung mit abgefackelt wird. Eine weitere gängige Jagdmethode - KLATSCH! - wird ebenfalls abgewählt: "Dann verteilst du die ganzen Kakerlakeneier im Schiff!" "Ich kann das Tier ja erstmal auf den Rücken drehen und nachschauen, ob es sich überhaupt um ein schwangeres Weibchen handelt?!" Witze sind gerade nicht gefragt, ich soll lieber aufpassen, dass es nicht abhaut und irgendwo reinkriecht. Als ob wir Löcher von der Grösse hätten, wo das Vieh durch passt! ... Am Ende fangen wir es dann zwar ein und schicken es schwimmen - aber Carriacou als Ankerplatz hat an Attraktivität weiter eingebüsst! Morgen noch schnell Obst unHarvy Vale, das Dorf an der Bucht d Gemüse kaufen und dann weiter! -- Also schmeissen wir heute das Schlauchboot ins Wasser und laufen, kaum an Land, erstmal Tito in die Arme. Er und Cathi lagen zeitgleich mit uns in Barlovento (Buenos Aires) - man, ist das schon wieder lange her - wir haben ´ne Menge zu erzählen, wer ist wann, wo gewesen, welche gemeinsamen Bekannten sind jetzt wo, in welche Richtung geht`s wohin weiter, ... jo, so´n Bierchen ist super bei der Hitze und weitersegeln können wir ja morgen auch noch. Wir wandern dann aber doch noch ein Ründchen um die Bucht. Eigentlich ganz nett hier ...

Sonntag, 09.06.2013

Von Tito haben wir das Passwort für ein WIFI-Netz, also wird mal wieder in der Post gestöbert, e-mails beantwortet, Annoncen bearbeitet, Nachrichten gelesen, einfach so "rumgesurft", ... Sonntag eben! Ach ja, ich löte und und bastle noch am Netzteil für unsere neue Super-WIFI-Antenne rum und Marion am Abendessen. Also, sie lötet nicht  dran rum, sie bastelt es nur ... Kartoffeln, Sauerkraut - typisch deutsches SoIn Hillsboroughnntagsessen eben ...

Montag, 10.06.2013

Micha hat endlich seine Funke eingebaut - ab jetzt gibt´s `ne morgendliche "Männer-Laberrunde"! Die Marlin hängt immer noch in der Prickly Bay, eine "überstürzte" Weiterfahrt ist nicht geplant. Wir haben unsere auch noch einmal verschoben und machen uns auf zur Besichtigung der Inselhauptstadt. Auch hier das bewährte Minibus-System, kurz winken wenn einer kommt, ans Blech klopfen wenn man wieder raus will, das Ganze zu einem volkstümlichen Preis - besser geht nicht! Hillsborough hat drei Längs- und `ne Handvoll Querstrassen, das eigentliche Geschehen spielt sich auf der Uferstrasse ab - natürlich alles ganz gemächlich! Geschäftige Hektik ist hier ein Fremdwort, viel lieber sitzt man mit den Nachbarn vorm Haus, schladdert (Frauen), oder trinkt `n Rum (die Männer). Es gibt auch `ne Handvoll Supermercados, noch vielmehr kleinere Lädchen, ganz viele Kneipen, ´ne PolizeHeut gibt´s Säft!!istation, Tankstelle, ein geschlossenes Museum und das war`s auch schon. Gemütlich eben! Man kann noch so oft in alle Richtungen laufen - einschliesslich Salamikauf im Mercado und kaltem Getränk in der Strandbar, man hat nach spätestens drei Stunden alles (mehrfach) gesehen. Also mit dem Minibus wieder zurück zur Tyrrel Bay, Abendbrot basteln, sich mit dickem Bauch in die Polster zurücklehnen und den gemütlichen Feierabend einläuten. Doch nicht - es klopft. Axel liegt mit seinem Boot “Papagei” ein Stückchen weiter, wollte mal Hallo sagen und fragt, ob wir vielleicht Filme hätten? Bisher wollten die Leute immer Bücher tauschen! Und während Marion neben uns langsam entschlummert, hocken Axel und ich vor den Rechnern, schieben Dateien hin und her, bekommen sein Navigationsprogramm zum Laufen, klappern mit dem Kühlschrankdeckel beim Getränke rausnehmen, labern noch ewig rum, noch mal zum Kühlschrank, ...

Mittwoch, 12.06.2013

Das mit der morgendlichen Funk-Laber-Runde ist ist ja richtig anstrengend. Nicht das Quatschen mit Micha - die Uhrzeit! Er ist natürlich schon frühs wach, weil die Kids durchs Boot toben, ich muss mir echt den Wecker stellen! Dafür erzählt mir Maya dann, was an ihrem Geburtstag so los war, Micha, was in der Bucht sonst noch passiert und Marion hinterher, was bei uns in der Nachbarschaft so abging, während ich, vor mich hinschwitzend an der Funke hocke. Ansonsten werkelt jeder so vor sich hin, Marion bastelt eine Art Exposé und "hängt" es bei uns an die Website, sortiert ihre Fotos nach gut und böse, stellt neue Bilder auf die Seite, ich beantworte endlich mal wieder ein paar Mails, schau mal hier auf eine ganz wichtige Website, lass mich von der Seite ablenken - Internet an Bord ist doch sowas von praktisch! Schon echt geil, die Antenne nebst bootsinternem Wifi von Micha - jeder hockt irgendwo mit seinem Rechner, ist eingeloggt und kann fleissig arbeiten oder weniger produktiv "rumsurfen". Marion hat im Dorf auch `ne Wäscherei entdeckt, gleich mal einen Müffelsack zusammengestellt und ihn dort heute auf den Tresen geworfen. Ich habe auch was entdeckt - einen Mangobaum, dessen Früchte provokativ über den Zaun auf die Dorfstrasse hängen ... Jetzt nicht mehr!

Donnerstag, 13.06.2013

Geweckt werden kann man auch netter! Fette Gewitterböen knallen über die Insel, unser Bötchen legt sich ordentlich auf die Seite, bis es sich wieder in den Wind dreht und wild an seiner Ankerkette zerrt. Mit der Kaffeetasse in der Hand hocken wir im Cockpit und beobachten, was unsere Nachbarn so treiben. Neben uns geht ein Katamaran auf Wanderschaft, direkt hinter uns zwei weitere Yachten. Was vor uns passiert können wir nicht erkennen, da verschwindet alles im peitschenden Regen. Drei Stunden später ist der Spuk vorbei, es bläst wieder "wie gewohnt" - erstmal `n Rundumblick. Jo, so`n bisschen neu gemischt, das Ankerfeld! Hat was für sich, wenn man sich die Mühe macht, seinen Anker vernünftig einzufahren und mit Brille und Schnorchel auch mal `n Blick riskiert, ob er wirklich "sitzt".

Freitag, 14.06.2013

Es weht immer noch recht kräftig und schüttet wie aus Eimern! Wer hatte eigentlich die blöde Idee, in die Karibik zu fahren? Klar, keiner will`s gewesen sein! Hat was für sich, wenn das Wasser ablaufen kann ;)Denken wir mal positiv - super Bastelwetter! Hockt Marion also wieder vor ihrem Rechner, verbrät jede Menge Strom und präsentiert dafür zwei neue Monatsseiten voller Bilder. Fleissiges Mädchen! Und ich? Ich nehme die mehrfach geäusserten Unmutsbekundungen und spitzen Bemerkungen der Crew, bezüglich meiner letzten Waschbeckenreparatur zum Anlass, um mit Schraubenzieher und Co im Bad zu verschwinden. Bei über 30°C und geschlossenen Luken in dem kleinen Schränkchen unterm Waschbecken zu hocken, Schläuche abschrauben, mit Halterungen neu im Bogen verlegen, ausprobieren, wieder etwas versetzen und nicht mehr erkennen ob die Pfütze darunter jetzt Schweiss oder `ne undichte Stelle ist, hat schon `ne leicht masochistische Komponente. Stolz und schweissgebadet präsentiert der Nacktmonteur dann sein Werk: müffelt nichts aus dem Tank und Wasser läuft jetzt auch wieder ab! Und weil wir beide so fleissig waren, laden wir uns heute zum Essen ein. So richtig ins Restaurante, mit Blick auf`s Meer, gediegener Tischdekoration und angewärmten Tellern. Ist bloss wenig drauf! Von hübsch angeordneten Salatblättern und elegantem Sossenkringel überm klitzekleinen Thunasteak wird doch kein anständiger Handwerker satt! Und dann erst die Rechnung ...

 

Sonnabend, 15.06.2013

So muss Karibikwetter sein - die Sonnen knallt und dazu eine angenehm kühle Brise! Uns hält nichts mehr auf dem Boot, Schlauchboot ins Wasser werfen und nichts wieDer Einheimische schläft um die Mittagszeit - wir wandern in der Gegend rum! an Land! Einmal durchs Dorf und dann immer weiter. Eine Stunde später stehen wir am Paradise-Beach. Nicht, dass wir da hinwollten, aber da steht nunmal ein Schild, dass das Ding so heisst und jetzt sind wir eben da. Sieht auch wirklich nett aus, Sandstrand, Palmen, ein paar Hütten wo BAR dran steht, schöner Blick auf das berühmte Sandy Island - wo ist eigentlich der Fotoapparat? Auf`m Boot, auch nicht schlecht. Wir hocken uns in den Schatten der Bäume starren auf`s Meer, stehen mit den Beinen im Wasser, hocken uns in eine Strandbar, schwatzen mit der Bar-Mutti, sitzen wieder am Strand, treffen eine deutsche Urlauberin, schwatzen mit der, noch mal Bar und irgendwann Rückweg. Ist doch echt angenehm, das Leben in der Karibik!

Sonntag, 16.06.2013

War ja prinzipiell `ne löbliche Initiative von Marion - sie backt ein Brot! Also mölt sie Mehl, Hefe und was weiss ich noch aus ihren Verstecken, knetet den Pamps ordentlich durch, Backofen leer räumen, vorheizen, warten, bis der Teig in der Schüssel “Pups”! macht, in den Ofen werfen und die Hütte dann damit noch mehr aufheizen. Soweit so gut - wenn sie nicht alles, was sonst im Backofen wohnt einfach so rundherum abparken würde! Renn ich also mit wedelnden Armen einmal quer durchs Boot und “Ratsch”! bleibt der linke kleine Finger am Kuchenblech hängen. Schöne scharfe Kante, liegt natürlich mitten in meiner Einflugschneise - sauberer Schnitt bis auf den Knochen! Jede Menge Blut "WIESO LIEGT DAS BLÖDE BLECH HIER!!!!" Sie jetzt nicht etwa "...oh, du Armer, halte durch, ich näh dir den Finger gleich wieder an..." Nö, "Das sieht man doch, dass da ein Blech liegt!" Ich geh da aber immer lang und da liegt sonst nie `n Blech!!! HEUTE SCHON! und sie führt mir vor, wie man sich da vorbei quetschen kann, ohne sich Gliedmassen abzuschneiden. Schliesslich erbarmt sie sich doch, macht sich an die Wundversorgung (bestimmt, damit ich nicht länger den Salonfussboden vollblute) und ich hocke mit dickem Verband am Finger rum. Wie steh ich denn da, wenn mich jetzt einer fragt, wo ich das her habe?! Bei der Küchenarbeit geschnitten?! Andere Männer haben Narben, `n Holzbein oder klaffende Wunden, weil sie mit Piraten gekämpft oder `nem Hai gerungen haben und ich???!!! Am KUCHENBLECH!!!

Montag, 17.06.2013

Unser schönes Wifi-Netz am Ankerplatz hat den Geist aufgegeben und wir eigentlich jede Menge Post- und Bürokrempel zu erledigen. Was bleibt uns da? Ab in die "Lambi Queen Bar" - die haben ein Wifi-Netz. Muss man halt nur `n Bier zu trinken! Vor uns also Rechner und Bierflasche, wir sind emsig am Arbeiten. Mails beantworten, per Skype telefonieren, unsere "Bodenstation" mal wieder um Gefallen bitten (was würden wir bloss ohne euch machen, liebe Christiane nebst Capetano Sven!!!), neue Mails schreiben, Bier nach ordern, ... irgendwann ist der Akku alle, das Bier auch, wir tuckern zurück auf`s Boot und ZICKEN UNS AN!

Dienstag, 18.06.2013

Noch dickere Luft, wir müssen trotzdem zur "Lambi Queen", schauen, was an Antworten da ist, an neuen Anfragen, alles beantworten, wieder Christiane zwecks Zuarbeit bemühen - kann man ja auch alles, wenn man nicht miteinander redet!

Mittwoch, 19.06.2013

Wir arbeiten wie blöde, zicken uns an, sind genervt - wir müssen endlich weiter!!!

Donnerstag, 20.06.2013

Zwei gute Neuigkeiten: seit gestern funktioniert das Wifi-Netz am Ankerplatz wieder - wir müssen nicht mehr zum Arbeiten in die Kneipe - und wir haben uns wieder LIEB! Hat auch was für sich, macht sich nicht mehr jeder alleine was zu essen :-) Der Familienrat hat gestern einstimmig beschlossen: Weitersegeln! Was wir per Skype und Mail erledigen konnten ist erledigt, die geplante Radtour über die Insel wegen ständigem Regen abgeblasen, der Schiffsbauch abgekratzt, die Müffelwäsche duftet wieder - bleibt nur noch den, von der Bordfrau beklagten Mangel an Vitaminvorräten, aufzustocken. Also per Minibus nach Hillsborough, die über die Stadt verteilten Gemüsestände abklappern, die Wunschvorstellungen entsprechend dem Angebot korrigieren, Salami aus`m Supermercado einsacken, die Bäckersfrau aus ihrer Wohnung trommeln, damit sie Brot aus dem Minilädchen nebenan rausrückt, doch noch Limetten finden, mit dem Minibus zurück zuckeln, bei der Gemüsemutti im Dorf die bestellten dreissig Eier abholen, alles heil an Bord schleppen, verstauen, Abendbrot brutzeln, Feierabendbier zum Sonnenuntergang trinken, Füsse hochlegen - abfahrbereit!

Freitag, 21.06.2013

Nach fast zwei Wochen vor Anker muss man ja nun auch nicht soooo`n Riesenritt machen - fahren wir erstmal nach Sandy Island, das ist gleich um die Ecke! Halbe Stunde Fahrt, da roll ich gar nicht erst die Segel aus! Sandy Island liegt im Naturschutzpark, ist ja das Fotomotiv schlechthin, ragt zwei Meter aus`m Wasser, `n paar hundert Meter weisser Traumstrand, ein Dutzend Palmen Zelten verboten, Schildkröteneierausgraben verboten, Pflanzen abreissen verboten, Angeln verboten, Feuermachen verboten, ...wiegen sich im Wind, dahinter das türkisfarbene Meer, garantiert mit kitschigem Foto in jedem Karibikreiseführer oder Touribroschüre ... und sie bescheissen alle! Die Palmen hat vor über zehn Jahren der Hurrican mitgenommen (gut, es wurden neue angepflanzt, aber die sind noch mickrig klein im Vergleich zu den edlen schlanken Palmen auf allen Werbeprospekten) und das endlose weite Meer dahinter sieht man auch nur, wenn genau aus einer Perspektive fotografiert wird. Ansonsten sind rundum andere Inseln, der Paradise Beach oder die Bucht von Hillsborough. Sieht aber trotzdem nett aus, wegen Naturpark ist Ankern nicht erwünscht, dafür liegen Moorings aus, greifen wir uns mal eine und hoffen, dass die hält. Schnorcheln verkneifen wir uns bei der starken Strömung, also Landgang! Schlauchbötchen hatten wir ja hinterher gezottelt, brauchen wir also bloss reinspringen, Leine losbinden und ab geht`s. Mein Plan ist, `ne schöne Stelle zu finden, wo ich uns ein paar Würste überm Feuer brutzel - das Erste, was wir finden, ist die grosse Tafel wo draufsteht: Grillen verboten! Dann eben nur wandern! Einmal nach links bis zum Ende, im Sand hocken und auf`s Wasser starren, dann ganz nach rechts zum Ende - werden wohl dreihundert gelaufene Meter zusammengekommen sein! Zwischen den neu gepflanzten kleinen Palmen entdecke ich eine Feuerstelle "... da könnten wir doch ..."! Bringt mir einen strafenden Blick der Bordfrau ein. Sie ist ausserdem grad mit Einsiedlerkrebsen beschäftigt. Putzige kleine Kerlchen, die sich ein passendes Schnecken- oder Muschelgehäuse in ihrer Grösse (gern auch grösser) suchen, das dann als Wohnung mit sich rumschleppen und wenn sie rausgewachsen sind, sich halt was neues suchen. Könnte Marion natürlich stundenlang zuschauen, wie die so mit ihren verschiedenen Unterkünften rumkrabbeln, zum Glück verhindert die untergehende Sonne das. Und weil heut nix is mit angekokelten Würschten, steht der Käpt`n am Herd. Bratkartoffel mit Spiegelei!

 

Sonnabend, 22.06.201Ankern in kristallklarem Wasser vor PSV3

Eigentlich wird vor Sandy Island ja eine Marine-Park-Gebühr kassiert, aber bis jetzt war keiner da und länger warten wollen wir auch nicht. Also, Leine los und Abfahrt! Heutiges Ziel, die beiden kleinen Inseln Petit Martinique und Petit St. Vincent (PSV). Drumherum ein schützendes Riff - wo wir ankern wird entschieden, wenn wir da sind. Wind natürlich genau von vorne - macht nichts, der Tank ist ja noch voll mit billigem Trinidad-Diesel! Knapp drei Stunden später sind wir da, vor PSV sieht es eindeutig ruhiger aus, also fällt der Anker dort. Boah, ist das krass! Auf 3m Tiefe kristallklares Wasser, darunter weisser Korallensand, alles in einem Wahnsinns-Blau - als ob das Boot im Wasser schwebt! Die Insel ein einziger langer Sandstrand, Palmen, alles satt grün - einfach unbeschreiblich. Echt Geil! Marion blättert in ihrer Grenada-Broschüre zwecks ein paar Infos über die Insel ... und findet sie nicht. Wenig später wissen wir auch warum - sie gehört gar nicht zu Grenada! Wir sind versehentlich schon im Nachbarland! PSV ist `ne Privatinsel mit Edel-Resort, Das wird ja wohl erlaubt sein?wie der Caribic-Guide zu berichten weiss, aber man darf sie betreten. Probieren wir doch gleich mal. Mit dem Schlauchboot an den Anleger und da werden wir auch schon begrüsst. Nicht vom Manager, von einer grossen Tafel, wo draufsteht, wohin die Nicht-Gäste-Gäste, also die nicht zahlenden "nur-mal-so-zum-Glotzen-kommen"-Besucher alles dürfen: Ins Restaurant, in die Strandbar, ins Strandrestaurant und die Boutique. Also alles, wo sie ihr Geld ausgeben können! Sieht aber trotzdem traumhaft aus, wir wandern soweit wir dürfen, gehen nicht ins Restaurant, schlendern in die andere Richtung, ... geräuschlos gleitet ein Golfwagen mit Fahrer und einem, ein Tablett voller Sektgläser balancierendem, Kellner auf dem Kiesweg an uns vorbei, ... sitzen unter den Palmen am Strand und Marion fragt sich, was so`n Drink hier in der Strandbar so kosten mag. Es gibt nur einen Weg, das rauszukriegen. Genau!

Sonntag, 23.06.2013

Was sind schon 40 Euro für zwei Cocktails, man muss das Leben doch auch mal geniessen! Und es gibt wenig Orte, wo die Kulisse dazu so perfekt ist! Marion studiert schon mal die Preisliste der Werbebroschüre - 800 US$ pro Tag und Person, zuzüglich 20% Tax und Service. So preiswert geht`s natürlich nur in der Nebensaison! Dafür geniesst man “Robinsonfeeling” auf höchstem Niveau in den versteckt liegenden, grasgedeckten Edelhütten mit jeweils eigenem Fahnenmast. Der ist natürlich nicht dazu da, dass man da den Klubwimpel vom heimatlichen Kegelverein hochzieht, die Fähnchen sind nämlich schon dran. Rotes Fähnchen heisst: alles supi, so wie`s ist - gelbes Fähnchen hoch: Service erwünscht: Siehe Golfwägelchen mit Kellner z.B.! Bevor Marion erwägt, solch komplizierte Flaggensignale auch bei uns an Bord einzuführen, schubs ich sie lieber ins Wasser. Bleibt dann auch den ganzen Tag über unsere Lieblingsbeschäftigung - in dem unbeschreiblich blauen Wasser schwimmen, planschen. Ab und zu klettern wir auch mal raus, sind faul, beobachten die Resortgäste am Strand (das typische Klientel - kleiner glatzköpfiger, dickbäuchiger Mann, mit grosser, schlanker, knackiger Bikinischönheit), oder die Möwen (Marion meint eine neue Blaubauch-Möwenart ausgemacht zu haben, aber das ist einfach nur die Spiegelung vom Wasser ;), ich baue zwischendurch das Ruder von der Windfahnensteuerung ab und Marion kreiert einen preiswerten, fruchtigen Eigencocktail. Als wir gerade Pocken und Bewuchs vom Ruder abkratzen, kommt Besuch. Heidi und Klaus aus Jena, die mit ihrer Reinke nebenan ankern Abends wandern wir noch mal kurz am Strand lang, stDas sieht schon echt nett ausatten der "Soleil II" einen Gegenbesuch ab, ... danach springen wir wieder ins Wasser.

Montag, 24.06.2013

So idyllisch man hier auch liegt, 200m Wandermöglichkeit sind für uns eindeutig zu wenig! Nicht weiter schlimm, halbe Meile weiter gibt´s ja die nächste Insel. Petit Martinique gehört auch wieder zu Grenada, wo wir ja gerade einklariert sind, hat ein richtiges Dorf und dezente Hinweistafeln, die muntere Wanderer in ihrem Bewegungsdrang bremsen gibt´s da vermutlich auch nicht. Also gehen wir mittags Ankerauf, tuckern auf die andere Seite und suchen uns ein Plätzchen zwischen den Fischerbooten vorm Dorf. Gleichmal mit dem Schlauchboot an den Ponton - gerade will ich das Schloss zu klicken, da kommt ein Angestellter der benachbarten Tankstelle, "Wieso ich das Boot anschliesse?". Weil uns das Dingi schon zweimal geklaut wurde, übertreibe ich ein wenig. "Hier?" Nein, nicht hier. "Na also, hier müssen Boote nicht angeschlossen werden!" Gefällt uns! Der Tourismus hat vor der Insel noch haltgemacht, die Bewohner leben meist, wie seit Generationen, vom Fischfang, Bootsbau oder Schmuggel. Wir schlendern `ne Runde durchs Dorf, vorbei an der bunt bemalten kTypisches altes Inselhäuschen mit Holzschindelnleinen Schule mit winkenden Kindern, der auf einem Hügel gelegenen Kirche, dem Supermercado mit integrierter Kleiderboutique, Souvenirlädchen, Wifi-Hotspot und Aussenborderwerkstatt. Schöne Kombination! Alles wirkt verschlafen, wie Farbkleckse liegen die bunten Häuser am Berghang verstreut, viel Grün drumherum und oft auch mit kleinem Privatfriedhof. Verbotsschilder finden wir keine!

Dienstag, 25.06.2013

Marion möchte auf den höchsten Berg der Insel, den Top Peak - kann man toll von runter gucken. Fragt sie also den nächsten Dörfler, der uns über den Weg läuft, wie man da rauf kommt. So mal halb um die Insel rum und dann von hinten. Halb um die Insel rum klingt super, ich will eigentlich `ne Inselumrundung machen. Stiefeln wir also los, immer schön die Dorfstrasse lang, bis die zu Ende ist. Von da geht`s auf`m Trampelpfad weiter, keine kleinen bunten Häuser mehr, dafür jede Menge Ziegen. Gerade sinniere ich so darüber, ob wir uns nicht auf Petit Martinique nMähhhhhh! Glück gehabt, schon zu gross für unseren Bordofeniederlassen und `ne Rinderfarm betreiben sollten, da stehen wir auf einer grossen Wiese, kleine Hütte drauf und ... natürlich, Kühe! Hat mir doch glatt einer meine Geschäftsidee geklaut! Immerhin sind wir jetzt auf der Rückseite des Berges, suchen die Wiese rundum ab, ob der Weg irgendwo weitergeht - geht er nicht, dafür finden wir einen Ziegenpfad voller Köddel, der bergauf führt. Klettern wir also da hoch. Leider neigen Ziegen nicht dazu, sich auf einen Weg zu beschränken, sie rennen immer mal wieder an anderen Stellen durchs Gestrüpp, trampeln Sackgassen, beschliessen einfach, jetzt einen Abzweig bergab zu machen, oder klettern an Felswänden lang. Klar, die tragen ja auch keine Flip-Flops! Macht die Sache für uns also nicht gerade leichter, immer wieder verlieren wir den Pfad, stehen auf Lichtungen, von wo es nicht weiter geht, versuchen es mit dem linken Abzweig, der andere ruft von irgendwo aus dem Gestrüpp "Hier geht`s weiter!", sind teilweise nur noch am Kriechen und Marion trampelt fast Hier geht´s auch nicht weiterauf ein kleines Zicklein, das auf wackligen Beinen vor sich hin meckert (ideale Backofengrösse!) Bringt mir `nen vernichtenden Blick ein. Irgendwann kommen wir schwitzend, dreckig, zerkratzt und mit Sicherheit auch nicht auf dem kürzesten Weg, tatsächlich oben an und kriegen uns gar nicht wieder ein vor Begeisterung. Was für eine Aussicht! Traumhafte Fernsicht heute, auf Carriacou, Union Island, hoch bis St. Vincent, die Tobago Cays, auf PSV, überall Riffe, das Wasser in den unglaublichsten Blautönen - hier bleiben wir! Machen wir dann doch nicht ;) Nachdem wir alles x-mal fotografiert haben, den mitgeschleppten Kuchen vertilgt und die Saftflasche fast leergetrunken haben, geht`s an den Abstieg. Diesmal schon auf wesentlich kürzerer Strecke, stehen irgendwann bei den Kühen, von da auf den Weg ... und was ist mit meiner Inselumrundung? Hier geht doch noch ein kleiner Weg ab, ich kann ja mal kurz gucken, wo der hinführt! “Wenn du unbedingt musst!” Marion hockt sich in den Schatten und ich kletter los. Wie gehabt, überall Abzweige, die im dichten Dornengestrüpp enden, an Klippen am Meer, in die entgegengesetzte Richtung weiterführen ... ich kletter auf Felsen, krieche durch Dornenbüsche, rutsche auf Lavagestein abwärts und sehe irgendwann ein, dass Ziegen beim Trampeln ihrer Pfade definitiv andere Interessen verfolgen als “schnöde” Inselumrundungen. Nach einer Stunde stehe ich ziemlich ausser Puste, noch verschwitzter, dreckiger und zerkratzter vor meiner, mich böse anfunkelnden (zerstochenen) Liebsten. WO WARST DU SO LANGE! Und als ich gerade ermattet im Gras niedersinken will, schnappt sie sich den Rucksack und stiefelt los. Lange böse sein kann sie aber nicht, ich köder sie mit dem alten Trick "... ich könnte uns ja nachher was Leckeres Kochen!". Klappt immer! Aber vorher holen wir uns bei der Oma in dem düsteren Brettermercado am Strand noch `n schönes kaltes Bier aus der Truhe!!!

 

Blick vom Top Peak

 

Mittwoch, 26.06.2013

Inselwanderung mal andersrum! Am Dorfende finden wir eine Bootswerft, wo immer noch die traditionellen Holzboote gebaut werden. Heute aber scheinbar nicht, einige halbfertige und einige halb zerfallene Boote - dran arbeiten tut keiner. Kläffende Hunde vertreiben uns vom Strand - also weiter. Irgendwann kommen auch keine Hütten mehr, wir stolpern am Berghang lang, über sumpfige Wiesen, klettern durch zerklüftete Täler, über Lavabrocken, wollen auf einen Berg, klettern mit den Ziegen um die Wette bis wir im dornigen Gestrüpp hängenbleiben, finden auch wieder runter, entdecken an der felsigen Küste einen kleinen Strand, versuchen, in der Brandung zu baden und machen uns langsam auf den RückDanke, Lena ;)weg. Und als wir dann im Dorf so um die Ecke biegen, sehen wir doch die Marlin neben der Mira  schaukeln. Gut, so`ne Überraschung ist das jetzt nicht, hatten eigentlich gestern schon mit ihnen gerechnet - aber freuen tun wir uns trotzdem! Erstmal alle zum Strand zwecks gemeinsamem Sundowner und da Nathalie gestern noch den Fischmarkt in Saint George`s geplündert hat, werden wir auch gleich zum Abendessen eingeladen. Der Fisch ist lecker, Maya bekommt endlich ihr Geburtstagsgeschenk von uns, wir wieder jede Menge neuer Bilder (zur Zeit ist gerade Schildkrötenmalen aktuell) und ausserdem Fusskettchen! Ich denke so an meine Erfahrungen mit den Bommeln an den Flip-Flops und versuche, der Sache mit dem Hinweis, dass ich mir dann ja die Füsse nicht mehr waschen kann, zu entgehen. Kein Problem! Lena macht noch `n Extraknoten in mein Perlenkettchen und schreibt mir ´ne "Waschanleitung für Füsse mit Fusskette"! Na dann ;)

Freitag, 28.06.2013

Das Dorf wirkt genauso verschlafen wie sonst - nicht so vor dem kleinen Klamottenladen am Supermercado. Grosser Frauenauflauf! Das Lädchen hat ein paar Kleiderständer rausgeschoben, grosse Schilder gemalt - heute alles zum halben Preis. Sorgt natürlich für Aufregung bei den weiblichen Dorfbewohnern. Eine Mutti versucht, den anderen Weiblein irgendwelchen Klimbim zu vertickern, die nächste bemalt Fingernägel, eine dritte löffelt Suppe auf Teller  - auch alles zum halben Preis! Marion lässt sich nicht zu bunten Nägeln überreden, bekundet auch wenig Interesse an der aktuellen Kosmetikkollektion, ich zeige mich da weniger resistent gegen solch kommerzielle Verlockungen und kaufe eine neue Badehose! Wird Micha sich ärgern, er hat gestern für das selbe Ding fast das Doppelte bezahlt. Gut, die war ja auch fast doppelt so gross :-) Unseren eigentlichen Plan, das Wifi-Netz zwecks Mails und sonstigen Internetaktivitäten zu Richtig lecker!nutzen, können wir dafür begraben - zuviel Trubel, zu laut, zu chaotisch hier.

Sonnabend, 29.06.2013

Haben uns die Dörfler ja schon die ganzen letzten Tage heiss drauf gemacht - heute ist Fisherman´s Birthday! Irgendwas zu Feiern gibt`s ja immer, aber das ist so ziemlich das Wichtigste nach Karneval. Die neuen Boote werden gesegnet, grosser Bootskorso und hinterher Big Party! So die Ankündigung. Läuft in Wirklichkeit dann ganz anders ab: fette Gewitterböen knallen über die Insel, Wind ohne Ende undCoole Reggae-Mugge! jede Menge Regen. Keinerlei Aktivitäten auf dem Fischerponton, eine Plane fliegt über die Festwiese, ein paar Männer hocken tapfer vorm Bierstand. Müssen wir jetzt nicht hin. Am späten Nachmittag sieht`s dann etwas freundlicher aus, der Wind lässt nach, Regen auch - fahren wir doch mal alle rüber. Die Party ist mittlerweile im vollen Gange, Musik dröhnt aus Boxen, die Inselbevölkerung ist vollzählig versammelt, einige Muttis rühren mit grossen Kellen in noch grösseren Töpfen, Männer stehen mit `nem Bier in der Hand rum - wir werden gleich mal mit `ner Schüssel ausgerüstet und zu den Küchenmuttis geschoben. Aus den Kesseln duftet es lecker, Fisch, Ziege, Lamm, dazu Dumpling´s (so`ne Art dicke Nudeln) - ich zeig noch mal auf den Fleischtopf - als Gäste kriegen wir noch `ne Kelle extra drauf. Essen ist gratis, na das ist doch nett! Die Männer winken uns zu den riesigen Kühlboxen, da liegt normalerweise vermutlich der gefangene Fisch auf Eis - heute sind`s Bierflaschen unHauptsache, das Bier geht nicht aus ...d -dosen.  Bier ist auch umsonst - noch besser! Wir schlendern auf der kleinen Festwiese hin und her, sind hier am Schwatzen, mal da, alle passen auf, dass wir auch immer `ne volle Flasche in der Hand haben und ordentlich satt werden, lernen jede Menge Leute kennen, den Schlachter, `n Fischer, noch `n Fischer, die Dorflehrerin, ´n Fischer, ... Allmählich lichtet sich die Wiese, Marlins machen sich mit den Kindern auf den Heimweg, wir kriegen die nächste Flasche in die Hand gedrückt. Zwei Stunden später: Marion tanzt mit einem Rasta aus Union Island zur Reggae Mugge, ich zieh mit ein paar Jungs an den guten Selbstgedrehten, ... das Bier in den Kühltruhen ist alle - aber die Jungs haben noch Reserven, ... Marion immer noch am Tanzen, ich jetzt auch, ... bin kurz davor, mit dem Fleischer Blutsbrüderschaft zu schliessen und soll mir morgen früh `ne Ziege abholen, ... wir hüpfen immer noch zur Reggae Mugge rum, ist irgendwie schon ganz schön spät oder sagt man besser früh? - Ich glaub, wir machen uns mal langsam auf`n Heimweg. Echt geile Party!

Sonntag, 30.06.2013

9 Uhr, sitzen wir grad so gemütlichGrosser Volksauflauf mit Musik - haben wir voll verpennt! beim Frühstück, mit einem Mal totaler Volksauflauf auf`m Fischerponton. Irgendwas hatten die Jungs gestern auch gemurmelt von wegen früh`s in die Kirche und so, aber die sonntäglichen Kirchgänger sind wir ja eher nicht. Jetzt wissen wir, was sie meinten: die Bootssegnung findet heute statt. Ein Pastor wedelt mit seiner Schale rum, keine Ahnung, was die zwei Messdiener daneben treiben, eine kleine Kapelle spielt, rundherum jede Menge Volk - sollen wir jetzt schnell noch rüber? Nö, erstmal in Ruhe frühstücken. Eh wir fertig sind, ist die Sache auf`m Ponton natürlich gelaufen, der Pastor wieder im Kirchlein verschwunden, die Menschenmenge nebst Musikanten zu Hause, nur ein paar bunt geschmückte Fischerboote schaukeln noch rum. Marlins tuckern winkend an uns vorbei, sie wollen auf die andere Seite nach PSV, wir wollen wandern. Diesmal treffen wir sogar einen Bootsbauer bei der Arbeit (vielleicht arbeiten sie hier nur sonntags???) und halten ein kleines Schwätzchen. Ein kleineres und ein etwas zu gross geratenes Boot stehen fertig rum ... "Wie kriegst du denn das Grosse da runter bis zum Wasser?" Er zuckt mit den Schultern, lacht, weiss er noch nicht. Sonst baut er immer nur die kleineren, da wäre das kein Problem. Wir wandern weiter, treffen wie immer jede Menge Ziegen (ups, da hab ich doch glatt meinen Termin mit dem butcher heute früh vergessen), stiefeln einen kleinen Berg hoch, lassen uns den Wind Micha - erster Versuch ;)um die Nase pfeifen, geniessen die Aussicht, zuckeln langsam wieder runter, schlendern zurück, basteln uns ein Abendbrot und geh`n mal richtig früh in die Heia!

Montag, 01.07.2013

Der heutige Preis: DÖDEL DES TAGES, geht an .... Micha! -- Sind wir heute früh auch wieder rüber nach PSV und sofort hatte Micha einen Bastelplan. Bootsübergreifendes Bauprojekt diesmal: wir bauen auf beiden Schiffen die provisorisch aufgehängten Wifi-Antennen richtig an. Heisst, jeweils oben am Mast. Da muss dann also bloss oben die Halterung angebaut werden, so mit Löcher bohren und Nietzange, das Kabel durch den Mast nach unten gelegt werden, irgendwie ins Bootsinnere und dann sehen wir weiter. Und wenn schon oben im Mast, kann man ja auch gleichmal super Fotos schiessen - tolle Perspektive, traumhafte location - sie brauchen eh noch Bilder für ihre Yacht-Artikel und überhaupt. Setzt Fotoreporter Micha sich also in den Bootsmannsstuhl (schon wieder dieses Seglerlatein - also das ist so`n Sitz aus Stoff mit `ner langen Leine dran, die eigentlich Fall heisst, aber das würde jetzt zu weit führen, und in dem sitzt man dann und wird irgendwie nach oben gezogen), Kamera unter ´n Arm geklemmt - "Ist der Akku auch voll und `ne Karte drin?" Nathalies Frage wird mit erhabenem Blick quittiert - und lässt sich nach oben ziehen. Dreiundzwanzig Meter! Per Knopfdruck natürlich, bei so `nem 100kg-Fotografen geht doch nichts über `ne elektrische Winch!  ;-) Dann hockt er da die nächste halbe Stunde und schiesst Fotos. Von der Marlin, von der Mira, wieder von der Marlin, seine Mädels müssen auf`m Baum posieren, dann auf dem Vordeck, er lässt Leinen wegräumen, alle noch mal auf`n Baum, ich düse zu unserem Boot und schmeiss mich mit Marion in Pose, die Besatzungen der anderen Boote ziehen auch ihre Bäuche ein und lassen sich von oben ablichten ... Erwartungsvoll springen die Franzosen von den Nachbarbooten mit USB-Stick in der Hand in ihre Schlauchboote, um die Bilder abzuholen, Micha hockt sich vor`n Computer, klappt die Kamera auf und ... SCH ...! Kein Speicherchip drin!! Nathalie verkneift sich die Bemerkung, dass sie ja vorher extra gefragt hätte, mir kommen die Tränen vor Lachen und Micha braucht erstmal `n Bier. O.k, als das Blut in seinen Beinen wieder zirkuliert, wird die Fotosession noch mal wiederholt, er lässt die Sorgleine durch den Mast nach unten, wir kriegen das Kabel darin auch runter, irgendwie durch ein altes Wespennest im Mast auch bis ganz nach unten ins Schiff, dank Nathalies Chirurgenfingern auch durch die kleine Öffnung nach draussen und weil wir alle so fleissig waren, schmeisse ich noch den Mira-Grill an und wir verschlingen gemeinsam die letzten leckeren Trinidad-Würstchen.

Geile Perspektive!!

Dienstag, 02.07.2013

Weil die Dorfschule in Petit Martinique ja so knuffig war und die Kinder dort immer so schön winken und für ihre Kinder `n anderer Klassenraum auch mal ganz nett wäre, hat Nathalie mit der dortigen Schulleiterin vereinbart, dass Maya und Lena heute dort am Unterricht teilnehmen. Cool, haben Micha undHeute mal René im Mast ich sturmfrei! Nutzen wir jetzt natürlich nicht für exzessive Orgien oder für`n Frühschoppen - nö, wir basteln fleissig weiter an unserem Antennenprojekt. Tagesziel: Wifi auf`´m Klo auf beiden Booten! Heute auf der Mira - ich hatte ja vorher so schön angegeben, dass bei uns alles viel einfacher sei, da ja schon ´ne Sorgleine im Mast ist - als wir probeweise daran ziehen, zotteln wir das ganze Ding lässig aus der Mastöffnung. Gerissen! Also das komplette Programm, Löcher für Halterung bohren, das Ding annieten, Sorgleine runterlassen, irgendwie unten am Mast raus fummeln, daran Kabel nach unten ziehen, zwischendurch Nathalie und die Kinder abholen, versuchen, das Kabel auch noch durch den ohnehin schon vollgepropften Schwanenhals (das is so`n gebogenes Ding, wo man Kabel ins Bootsinnere kriegt und wo in der Theorie kein Wasser reinläuft) zu zwängen und innen dann noch anzuschliessen. Das hatte ich zumindest schon vorbereitet. Und das muss ja auch mal gesagt werden: Lob und Anerkennung der Bordfrau, sie hat schwitzend durchs Boot trampelnde Männer toleriert, im richtigen Augenblick das richtige Werkzeug zur Hand gehabt, böse Schimpfwörter und üble Flüche überhört, kalte Getränke gereicht, unsern Dreck weggeräumt und nicht einmal gesagt, dass sie eigentlich gar kein Internet auf`´m Klo braucht!

Mittwoch, 03.07.2013

Die Kinder in der Dorfschule hatten Abwechslung, Lena und Maya waren auch begeistert, also dürfen sie dort heute noch mal zum Unterricht. Können Micha und ich also ungestört weiter basteln. Mein Problem, an das klitzekleine Netzteil für den Router gehören noch zwei Kondensatoren angelötet, aber die sind so fitzelich, die krieg ich mit meinem bunsenbrennerähnlichen Gaslötkolben im Leben nicht da dran. Aber ich hab ja Micha, der ist schliesslich der Elektroniker und macht eh den ganzen Tag nichts anderes als rumzulöten. Männer in Bau-, BastelextaseDafür funktioniert seine Warmwasser-Dieselheizung nicht (gut, im Augenblick kein Problem, kann aber noch kommen). Da ich so`n Ding schon zu genüge zerlegt habe, ergänzen wir uns mal wieder perfekt, er hockt mit Lötkolben im Salon, ich im Motorraum. Fehler ist schnell gefunden, das Teil schaltet ab wegen Überhitzung - simple Ursache: die Werft hat die Heizung in einem Edelstahlgehäuse einfach an die Wand geklebt, Kleber hat nicht gehalten, Heizungskasten rutscht runter und quetscht den Vorlaufschlauch ab. Wasser kann nicht zirkulieren, Heizung wird die Wärme nicht los und schaltet ab. Das Beheben des Fehlers dauert dann schon ein paar Stunden länger, alles Mögliche muss abgebaut werden um Platz zum Löcherbohren zu haben, akrobatische Fingerübungen für`s Reinfummeln der Schrauben, alles wieder anbauen, Probelauf ... (gibt nur wenige Dinge, die soviel Spass machen, wie bei über 30°C mit `nem kalten Bier in der Hand zu warten, ob die Heizung auch heiss wird). Sie wird, und ich bin mächtig stolz auf mich! ;)

Donnerstag, 04.07.2013

So idyllisch unser Ankerplatz hier auch ist, wir wollen weiter nach Norden und dazu müssen wir erstmal zurück nach Süden, zwecks Ausklarieren! Also leiern wir den Anker hoch, tuckern an der Marlin vorbei - keiner an Deck?! Seit die Heizung funktioniert, kommen die wohl gar nicht mehr raus aus ihrer Hütte?! Diesmal haben wir den Wind von hinten, rollen die grosse Genua aus und lassen uns gemütlich bis Carriacou treiben. Nach `ner halben Stunde Kurswechsel, das Segel muss auf die andere Seite, also erstmal einrollen ... mein Gott, ging das schon immer so schwer? - und auf der anderen Seite wieder raus. Füsse wieder hoch, Autopilot kümmert sich um den richtigen Kurs, können wir in Ruhe auf`s Wasser glotzen, oder auf Carriacou, oder die Angel ... Zwei Stunden später schon wieder Stress: Sisters Rocks, Einfahrt zur Tyrrel Bay, wieder Kurswechsel! Genua einrollen - entweder bin ich so`n schlapper Sack geworden, oder das geht jetzt echt so schwer - andere Seite raus und wir rauschen die letzte Meile bis in die Bucht, suchen uns Schwofen mit Bootsnachbar Babu  (Fr)ein schönes Plätzchen, schmeissen den Anker runter und setzen KONTROLLE DES GENUA- REFF-SYSTEMS ganz oben auf die "to-do-Liste"!

Freitag, 05.07.2013

Sind wir doch gerade von unserer Gemüseshoppingrunde durchs Dorf zurück, rasselt die Ankerkette der Marlin neben uns ins Wasser. Und wie feiert man ein Wiedersehen nach soooo langer Zeit am Zünftigsten? Wir ziehen alle zusammen in die "Lambi Queen Bar"! Nix mit am heimischen Herd schwitzen, wir essen lecker Fischsteak und dazu gibt´s laute Musik. Natürlich von `ner Steeldrumband! Die klimpern fleissig auf ihren polierten Instrumenten rum, die dicke Mutti am Bass drischt auf ihre Fässer und schwingt die Hüfte, das halbe Dorf hat sich richtig in Schale geschmissen und lässt sich an den Tischen nieder oder tanzt munter drauflos, oder brüllt den Bekannten am Nachbartisch den neusten Dorftratsch zu, nippt am Rumglas oder am Bier, immer mehr Leute stehen auf der Strasse, die jungen Mädels locken mit unendlichen Ausschnitten in megakurzen Kleidern, die Jungs krümeln sich erstmal ihre Kräutlein in die Zigaretten, die Musiker kommen in Trommelekstase - geil, das ist der Rhythmus, wo selbst der Skipper seine Füsse nicht mehr stillhalten kann!

Sonnabend, 06.07.2013Buddeln, Burgenbauen und Quatsch machen mit Maya und Lena

Die teuerste Salami der Welt! - Was macht der liebende Gatte, wenn seine Angebetete am Frühstückstisch seufzt, dass ihre letzte Salami alle ist? Klar, er greift sich sein Weiblein und weil MANN ja nie genug Frauen um sich rum haben kann, auch gleich noch die jungen Damen vom Nachbarschiff, setzt sie alle in den Minibus und fährt nach Hillsborough. Dort lädt er sie alle auf ein Eis ein, anschliessend zum Essen und ersteht so ganz nebenbei im Mercado auch noch die begehrte, nunmehr vermutlich teuerste Salami der Welt! Als Gegenwert, ist er dafür den ganzen Tag von hübschen jungen Damen umgeben, geniesst die neidvollen Blicke der anderen Männer, kann mit Lena und Maya am Strand rumtoben und -buddeln und sich von seiner Liebsten abends ins Ohr seuseln lassen: "Du bist der tollste Salamikäufer der Welt!"

Sonntag, 07.07.2013

Baut Marion sich ihre Schüsseln im Cockpit auf und will da gerade das kostbare Wasser rein plempern, um so`n paar müffelnde T-Shirts zu waschen, steht der aufmerksame Käpt`n im Niedergang: Halt ein Liebste, schone deine Hände - dafür haben wir doch die Waschmaschine! Schon greif ich mir den Berg, stopfe alles in besagte (steht ja im Motorraum, fällt also in meinen Aufgabenbereich), schütte reichlich Waschpulver hinterher, starte den Generator und drücke auf`s Knöpfchen. Wasser läuft rein, dann brumm, schüttel, nix, wieder brumm, schüttel, nix. Was hat die denn jetzt? Also Wasser wieder abpumpen, nassen Wäscheklumpen vor Marion abwerfen und die nächste Stunde die blöde Maschine ausbauen und ins Cockpit wuchten. Rückwand abschrauben - sieht alles schick aus. Baue ich mir also `ne Versuchsanordnung, provisorischer Wasseranschluss, Abpumpschlauch über die Reling hängen, Stromkabel nach draussen und drücke auf`s Knöpfchen. Wasser läuft rein, Motor läuft nicht! Marion hat ihre Wäsche inzwischen in den Schüsseln gewaschen, macht grinsend `ne Bemerkung zu meinem Wasserverbrauch. Ich fang an, den Motor auszubauen. Das Ding lässt sich nicht weiter zerlegen, Kohlebürsten sind dreckig aber in Ordnung, ein Kabel ist abgerissen. Hah! Fehler gefunden - oder hab ich das jetzt beim Zerlegen abgerissen? Im Salon türmen sich meine Werkzeugkisten, ich löte das Kabel an, provisorisch alles anklemmen, Knöpfchen drücken! Wasser läuft ein, Motor zuckt nicht! Micha taucht auf, wir sinnieren bei `ner kalten Dose über die Vorzüge von Waschmaschinen an Bord ... er will mit uns am Strand grillen. Super Idee, ich räume in Rekordzeit den Salon und das Cockpit auf, schieb die blöde Maschine in die Ecke und spring zwecks Grobreinigung ins Wasser und zur Nachbehandlung unter die Dusche. Mit der vollen Ausrüstung geht`s an den Strand, eine kleine Bretterbudenbar mit `n paar zusammengezimmerten Bänken davor, wir werfen einen Sack Holzkohle ab, der Rasta feuert seinen Grill an, den wir benutzen können, wenn wir ein paar Bier bei ihm kaufen. Na machen wir doch gerne! Die Mädels packen die Salatschüsseln aus, Micha schmeisst reichlich spareribs auf die Glut, Deckel zu, warten! Können wir ja schon mal die ersten Bier holen. Die Kinder toben mit ein paar anderen am Strand, Micha am Grill, wir schladdern mit dem Rasta und seinen Freunden. Die ersten Fleischberge landen auf den Tellern, alle langen ordentlich zu, Grillmaster Micha kommt ins schwitzen, legt weitere nach, der Rasta freut sich über den Bierumsatz, wir uns über das leckere Essen - sind doch alle zufrieden :-)

 

Montag, 08.07.2013

Seit zwei Tagen beobachten wir auf der Website des National Hurrican Center eine Tropical Depression, die sich im Atlantik zusammengebraut hat. Mit jeder Aktualisierung stieg die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Ding zum Tropical Storm weiterentwickelt, gestern Abend waren es schon 60 Prozent! Und jetzt ist es eineChantalr und wie es sich gehört, hat das Teil auch einen Namen. Chantal! Brrrr, wie kann man so heissen! Wir liegen aber nur am Rand der vorhergesagten Zugbahn, kann ich mich also in Ruhe weiter meiner störrischen Waschmaschine widmen. Und das arme Ding kann gar nichts dafür! Als ich mit Michas Messgerät mal so alles durchmesse, stelle ich fest, dass unser Generator zwar brav 230V ausspuckt, das aber mit über 200Hz. Also fummele ich auch noch am Generator rum, wechsel den Kondensator, messe dasselbe, überprüfe das Messgerät am Inverter - 230V 50Hz - ich bin mit meinem Latein am Ende! Erstmal zu Micha rüber! Der fachsimpelt über Hertz, Volt und Sinuskurven - um uns herum mit mal Aufbruchstimmung. Erst verschwindet eine Yacht in die Mangroven, dann die nächste, jetzt schon ein Dutzend. Wir wissen, dass dort ein Hurricane Hole ist, also eine rundum geschützte Bucht, in der man einen Hurrican abwettert. Aber doch nur wenn einer kommt! Wissen die mehr als wir? Micha checkt noch mal die Vorhersage, keine Änderung - das Ding zieht eher noch nördlicher durch. Muss ich doch echt mal gucken, was die da treiben. Micha will auch mit und die Kinder sowieso. Tuckern wir also mit dem Schlauchboot in die Mangroven, einige Yachten haben sich dort mit Leinen verzurrt, andere ankern - Micha macht ein paar Fotos, wir drehn `ne Runde durch die Bucht - keine Ahnung, was die hier wollen?! Und als wir auf der Marlin so gemütlich unser Bierchen nuckeln, bietet das französische Nachbarboot das totale Kontrastprogramm in punkto Sturmvorbereitung: Die Männer gemütlich beim Glas Wein im Cockpit, die Frauen liegen im Bikini, sich sonnend auf dem Vordeck verteilt. Die Franzosen verstehen es eben, sich auf die schönen Dinge des Lebens zu konzentrieren!

Dienstag 09.07.2013

Heute kommt Chantal! Aber nicht zu uns, es ist total windstill. Chantal zieht 100 Meilen nördlich durch. Besser ist das! Ich mein, mit so`m Sturm kann man ja später nicht mal angeben. Was soll`n die Enkel denn denken, wenn ich mich brüste "Opa war in Chantal!". Wenn schon `n Sturm, dann soll das Ding auch `n vernünftigen Namen haben! Doch nicht Chantal! So nennt man ein Kind, das man nicht leiden kann, oder `nen Hund, aber doch keinen anständigen Sturm! Windstill ist gut, kann ich mich in Ruhe dem Punkt Eins auf der to-do-Liste widmen, dem Reffsystem der Genua. Und während ich  mit der Reffleine hin und her probiere, Rollen auswechsele, bessere Positionen suche, Löcher bohre, Schäkel versenke, wieder aus dem Wasser hole, ... und nach Stunden immer noch nicht klüger bin als am Anfang, hat die fleissige Bordfrau das gesamte Vorschiff leergeräumt, gesäubert, schon wieder Wäsche gewaschen, ein lecker Essen gebrutzelt ... Und als wir abends gemütlich beim Essen im Cockpit sitzen und ich ein bisschen über mein steifes Genick jammere, krieg ich doch statt mitleidiger Worte glatt zu hören: Tja, so langsam bist du wohl in dem Alter, wo du nicht mehr so verträgst, wenn die Kinder auf dir rumspringen.

Mittwoch, 10.07.2013

Muss ich gar nicht viel schreiben heute: Marlins sind aufgebrochen nach Bequia und ich bekomme das Reff-Problem in den Griff. Beste Positionen für die Leinenführung gefunden, noch mehr Löcher gebohrt, alle Rollen ausgetauscht - flutscht jetzt super! Verleitet Marion doch glatt zu der Bemerkung, dass ich wesentlich produktiver bin, wenn Micha nicht da ist. Quatsch! Wenn wir MAL KURZ zusammenhocken, dann doch nur, um gemeinsam nach Lösungswegen für die jeweiligen Bastelprojekte auf beiden Schiffen zu suchen! Gut, manchmal halten wir dabei auch `ne Dose in der Hand :-)

Donnerstag, 11.07.2013

Es soll endlich weitergehen, wir haben einen Plan, was alles noch zu erledigen ist: die Wäsche, Bootsbauch abkratzen, Aufklaren, Einkaufen,... - und legen gleichmal los! Erste Schnorchelrunde mit Spachtel schon vorm Frühstück, Marion zieht die Betten ab, sammelt Handtücher ein, leert den Wäschekorb und sucht auch sonst alles zusammen, was von mir rumliegt. Erstmal mit dem Schlauchboot an Land, der "Wäsche-Mutti" unsere Miefsäcke vor die Maschine stellen. Die freut sich. Wir kaufen von einem Pick-up `ne Melone und bei unserer "Gemüse-Mutti" Eier, Tomaten, Knoblauch, Bananen. 80 EC$, knapp 25 Euro! Wie jetzt??!! Schnell rechnet sie mir vor, 36 Eier macht 36 EC$ ... Moment, letztes Mal haben wir für 30 Eier 25 EC bezahlt! Plus 6 weiteren a 1 EC, macht 31! Ne, ne, heute hätten wir 36 Eier genommen und das sind 3 Dutzend. Und ein Dutzend kostet 12 EC! Ich will aber keine drei Dutzend, ich will 30 und dann noch mal 6! Wir grinsen beide, ... beim nächsten Mal gibt sie uns 6 Eier gratis! Geht doch :-) Ich schnapp mir dann wieder das Schorchelzeug und Spachtel, um unser Unterwasserriff abzuschaben. Mache mich die nächsten zwei Stunden bei unzähligen kleinen Krebsen unbeliebt, die unser Unterwasserschiff schon als festen Wohnsitz auserkoren haben. Manchmal hatte ich schon das Gefühl, dass die gerade Vertriebenen sich zu grösseren Gruppen zusammenrotten und irgendwas Böses gegen mich aushecken. Dann hab ich lieber schnell an einer anderen Stelle weitergeschabt. Gross genug ist der Mira-Bauch ja. Marion nutzt die Gunst der Stunde (ein Boot ohne “Störfaktor”), um sich der Über- und Unterdeckpflege zu widmen. Obwohl, so`n bisschen störe ich auch, wenn ich eigentlich nicht da bin "Wenn du abtauchst spritzt das Wasser immer  hoch - bis in die Luken!" :-) Abends schaffen es unsere Nachbarn von der Azzurro dann endlich mal zu uns rüber. Schwimmend hatten sie es ja schon zweimal gewagt, aber wir mussten erst mit unseren Weinvorräten locken, bis sie sich auf`s Boot trauen :-) Christine und Wolfgang sind seit einem Jahr mit ihrem kleinen, schicken Bötchen unterwegs und natürlich ganz begeistert von dem, aus ihrer Sicht,  riesigen Platz bei uns. Und dabei schiele ich immer heimlich nach `m grösseren Schiff ...

Freitag, 12.07.2013

Komme ich von meiner morgendlichen Schwimmrunde, säuselt meine Bordelfe mir doch ins Ohr "Wenn du schnell die Wäsche holst, mach ich dir zum Frühstück Brateier!" Logisch, dass ich mir sofort die Eier verdiene! Ist natürlich nur `n alter Frauentrick, um den Capitano grosszügig zu stimmen. "Wir können doch heute mal mit dem Bus auf die andere Inselseite fahren?" ÄH!!!!! Ich denke wir wollten endlich weiterfahren?! - würde der vorab nicht "präparierte" Käpt`n jetzt grummeln, der genussvoll seine Spiegeleier mampfende dagegen strahlt sie an "Super Idee, du meine Küchenfee!" (Ich bin ein Dichter - das reimt sich!!) Also kein zweiter Kaffee mehr, wir springen in die Wandergala und düsen an Land. Mit dem Mini-Bus nach Hillsborough, dort in den nächsten klettern - alles ganz einfach, es gibt hier nur drei Buslinien. Drei DöHolzschindelhaus in Windwardrfer später sind wir die einzigen Fahrgäste, der Fahrer fragt mehrfach nach, wo wir denn hinwollen? Keine Ahnung, wir fahren bis zur Wendestelle, für uns ist das `ne Sightseeing-Tour. Und dann wieder mit zurück? Nö, dann wandern wir erstmal! Das machen wir dann in dem kleinen Örtchen Windward, an der Atlantikseite der Insel gelegen, geschützt durch ein Riff und berühmt für seine Bootsbauer. Hier pfeift normalerweise der Passat, heute mal nicht, dafür brennt die Sonne! Wir schauen uns einige Bootsbaustellen an, Bootsbauern bei der Arbeit zu (schön im Schatten einer benachbarten Bar, kaltes Carib neben sich, munter schwatzend an einem Spant bastelnd), immer schön bedächtig! So`n Bootsbau muss hier lange dauern. Wir schleppen uns bis zur Petit Carenage, einem wunderschönen langen weissen Traumstrand, sind ganz alleine - Büchsen runter und abkühlen! Auf Normaltemperatur runtergekühlt gibt`s natürlich Strandwanderung, noch `n Bad, jetzt zur anderen Seite, irgendwann wieder zurück nach Windward, mit den Bootsbauern ein Carib zischen (an den Spant ist jetzt so`ne Art Mastfuss montiert), finden auf der Dorfstrasse einen Grill, von dem es lecker duftet, lassen die Mutti mal den Deckel hochheben - dauert aber noch `ne halbe Stunde! Macht nichts, hol ich uns noch `n Carib! Die Hühnerbeine sind nicht nur billig, sondern auch lecker, wir sind satt, der Minibus fährt auch grad vor - passt doch wieder alles! In Hillsborough dann noch mal umsteigen und pünktlich zum Sonnenuntergang hocken wir auf der Badeplattform der Mira. Watt `n schöner Tach!

Sonntag, 14.07.2013

Mein Gott, für etwa drei Jahre sind wir losgefahren und jetzt genau fünf unterwegs! Auf den Tag genau, eigentlich ein Grund zu feiern - woll`n wir aber nicht, wir müssen ja auch mal sparsam sein. Also fahren wir wir am späten Nachmittag an Land, die Gemüsemuttis hatten uns jetzt schon dreimal eingeladen, zu ihrem Sonntagsessen zu kommen. Dazu schnippeln sie alles mögliche in einen grossen Topf, machen Feuer drunter, ordentlich umrühren - und schon gibt`s Essen gratis. Böse Zungen würden ja jetzt mutmassen, dass darin das welGitarreros - Jim & Johnke Gemüse der vergangenen Woche köchelt - uns egal, es schmeckt lecker! Daneben steht `ne riesengrosse Kühlbox voll Eis und lauter hübschen Dosen dazwischen - im Gegenzug erwarten die Gemüsemuttis, dass man die eine oder andere davon käuflich erwirbt. Passt natürlich auch super, wir haben den ganzen Tag fleissig gearbeitet und DURST! Der Preis ist genau wie im Supermercado, die Dollars hätten wir sowieso ausgegeben, jetzt gibt`s eben noch `n Essen dazu. Das selbe haben sich auch drei Ami-Pärchen gedacht und schaufeln ebenfalls genüsslich Gemüsereis mit Huhn. Und weil`s mit Musik besser schmeckt, packen sie noch zwei Gitarren aus und klimpern dazu. Da die zwei Sangeskünstler sich nebenbei der lokalen Trinkvariante - also Rum aus grossem Glas - widmen, gewinnt die Bühnenshow zusehens an Dynamik, ob in AC/DC-Manier durch`s Gras hüpfend, oder als Mick Jagger Imitator - wir haben jede Menge Spass. Alle singen lauthals mit, die Gemüsemuttis machen auf jeden Fall ein gutes Geschäft und wir haben eben doch noch unsere Feier :-)

Montag, 15.07.2013

Wir fahren tatsächlich weiter! Union Island, schon zu St.Vincent and The Grenadines gehörend, ist das Ziel. Gute 10sm bis dahin - natürlich fahren wir nicht die ganze Strecke am Stück, soll ja schliesslich kein Training für `ne "Around the World"-Regatta werden - wir machen erstmal Stop in Hillsborough zwecks Ausklarieren. Schnell noch ein bisschen shoppen, Kartoffeln, Brot, Zwiebeln (man beachte unsere ausgewogene Ernährung), dann geht`s weiter. Die Entscheidung, ob nach Clifton, dem Einklarierungshafen, oder in die Chatham Bay auf der geschützten Rückseite der Insel, nimmt der Wind uns ab. Nach Clifton müssten wir aufkreuzen, zur Chathambucht können wir bequem, ohne lästige Wenden durchsegeln :-) Und zum Einklarieren können wir ja morgen auch auf die andere Seite wandern ... meint Marion.

Dienstag, 16.07.2013

Mein Vorschlag, doch einfach nach Clifton rumzusegeln, wurde wohl nicht konsequent genug vorgetragen, wir wandern jedenfalls! Die Insel ist schliesslich klein und laut SeGleich hinter dem Berg liegt Clifton - ist doch gar nicht so weitekarte sind es von unserer Bucht bis Clifton gerade mal 5km. Ja, Luftlinie! Nur ist leider niemand auf die geniale Idee gekommen, die Wege auch nach der kürzesten Linie anzulegen, die führen immer schön bergauf, bergab um die ganze Insel herum! Dafür sind sie ordentlich breit, lästige Bäume beiderseits wurden entfernt, damit auch ja nicht die Spur eines Schattens auf blöde, durch die Mittagshitze latschende Touris fällt. Marion findet natürlich trotzdem alles Mögliche zum Bewundern, dicke Kakteen, tolle Aussicht, bunte Käfer, grüne Pflanzen, putzige Ziegen, ... ich nicht, es ist heiss, heiss, einfach nur heiss! Wir brauchen dann auch zwei Stunden bis Clifton und erstmal ein kaltes ZISCH! Die Jungs vom Zoll sitzen auch nicht in ihrem Häuschen, sondern am Flughafen. Noch mal 500m! Dafür ist der Papierkram schnell erledigt, Zeit zur Stadtbesichtigung. Das dauert (einschliesslich kaltem Bier) `ne halbe Stunde, mehr als `n Anleger und einer Uferstrasse mit bunten Häusern gibt es halt nicht. Ob jetzt das permanente "Sonne auf Schädel" bereits zu ernsthaften Realitätsverlusten geführt hat, oder das gerade genossene Bier Wander-Endorphine freisetzt weiss ich nicht, jedenfalls beschliessen wir, den Rückweg über den zweiten Inselort Ashton zu machen. Ist ja nicht SO VIEL WEITER! Blöde Idee, wir schleppen uns bis zur ersten Bar, um im Schatten des Terrassendachs der Dehydrierung entgegenzuwirken. Besonders heisser Tag heute, findet die Barmutti. Ach ja?! Marion freundet sich mit den dazugehörigen Kindern an, ich hole mir noch `ne Dose Bier aus dem Eisschrank und versuche, die Regeln von Cricket zu begreifen, das zwei kleine Jungs auf der Wiese gegenüber zwischen den Ziegen spielen. Einer steht mit `nem Brett in der Hand zwischen zwei Stöcken, der andere wirft mit `nem Ball nach ihm. Mit dem Brett wird der Ball dann weggeschlagen, landet irgendwo auf dem Nachbargrundstück in den Büschen und jetzt suchen ihn beide. Komisches Spiel! Von der Mutti bekommen wir noch ein paar Mangos, können uns nicht mehr zur kompletten Dorfbesichtigung aufraffen und machen uns auf den Heimweg. Natürlich wieder bergauf, bergab, wieder dicke Kakteen, dafür diesmal im Schatten und mit ,am Wegesrand vor sich hindösender, Landschildkröte. Gegen Sechs klettern wir endlich den letzten Berg zur Chatham Bay runter, ziehen das Schlauchboot ins Wasser und uns mit letzter Kraft auf`s Boot. Wie steht doch im Revierführer über Union Island "Ein schöner Platz, um einige Tage wandernd die Insel zu erkunden." Nur wir sind so blöd, das an einem Tag abzulatschen!

Mittwoch, 17.07.2013

Marion hat ihre Leidenschaft für`s Schnorcheln entdeckt und jetzt zieht sie jeden Morgen mit aus dem Wasser ragendem Schnorchel und Hintern ihre Bahnen ums Boot. Heute verschluckt sie sich fast vor Aufregung, als sie ihren ersten Rochen sieht. Zum Frühstück tagt der Familienrat - noch bleiben oder weiter segeln und wenn ja, wohin? Ist zwar ganz nett hier, Pelikane klatschen ins Wasser, Schildkröten schwimmen rum, toller Sandstrand ... aber auch nichts weiter. Dazu knallen immer wieder Fallböen die Berge runter und gewandert sind wir auch erstmal genug. Wir segeln weiter! Marion weiss sogar wohin, nach Canouan, nur knapp 10sm entfernt. Canouan find ich gut, wir zotteln den Anker hoch, die Segel raus und rauschen aus der Bucht. Das war`s dann aber auch mit Rauschen, kaum raus, haben wir ... na klar, Gegenwind! Auch nicht schlimm, dafür haben die Segler ja das Kreuzen erfunden. Fährt man sozusagen im Zickzack in die Richtung, woher der Wind bläst. Regattayachten können etwa im 30-40Grad-Winkel noch am Wind (also gegen den Wind) segeln, bei Cruisingyachten sind es schon bescheidene 10Grad weniger und die Fahrtensegler, mit ihren vollgepackten Wohnschiffen und meist "ausgelutschten" Segeln, dürfen halt noch `n paar Zickzacks mehr machen. Aber mit jedem Zick oder Zack nähert man sich ein Stück dem Ziel ... es sei denn, man hat noch Gegenstrom, der einen um genau das selbe Stück wieder zurück treibt. Nach drei Stunden sehen wir ein, dass wir noch stundenlang parallel zu den beiden Inseln hin- und hersegeln können, ohne unserem Ziel näher zu kommen. Marion zückt Plan B, fahren wir eben nach Mayreau! Supi, da waren wir ja auch noch nicht und den Kurs können wir gerade noch so segeln. Nach 18 gesegelten sm fällt der Anker tatsächlich, keine 5sm vom Ausgangspunkt entfernt, vorm Sandstrand der Saline Bay. Man muss es halt nur so aussehen lassen, als ob man da auch hinwollte :-) Und was war sonst noch so los? Marion rennt volle Pulle mit ihrer Nase gegen die Schiffsglocke. Toller Klang! Nicht Marion, die sich jammernd ihre Nase hält - die Glocke natürlich :-)Regendusche

Donnerstag, 18.07.2013

Das mit dem Regen frühs passt eigentlich ganz gut, wäscht das Deck schön sauber und die Crew auch. Ansonsten wedelt es recht kräftig, da müssen wir jetzt nicht in die Tobago Cays fahren. Soll zwar der schönste Ankerplatz in der ganzen Karibik sein und liegt genau vor unserer Nase, aber soooo dringend müssen wir da auch nicht hin. Apropos Nase, Marions weist heute auffällige Ähnlichkeiten mit unserer Schiffsglocke auf :-) Wegen Wind und Welle fällt Schnorcheln und Schwimmen aus, wir sind bisschen fleissig und wollen gerade den gemütlichen Feierabend einläuten - so mit lecker Abendessen, Beine hoch und faulsein - als die Marlin ihren Anker neben uns runter rasseln  lässt. Auch nicht schlecht, dann graben wir halt noch `n Wein aus der Bilge.

Freitag, 19.07.2013

Marion hat gerade versucht, mir die Idee mit der Inselwanderung schmackhaft zu machen, als Micha auftaucht. Der hat eine viel bessere Idee, nämlich mit mir den Autopiloten der Marlin zu zerlegen, der ein chronisches Leiden hat. "Geht ihr mal spielen" werde ich von meinem verständnisvollen Weibchen entlassen, springe in die Bastelhose und zu Micha ins Schlauchboot. In der Theorie haben wir den Fehler recht schnell eingegrenzt, praktisch dauert die Sache dann ein paar Stunden länger. Antrieb ausbauen, vorsichtig zerlegen - man weiss ja nie, was einem an kleinen Schräubchen und Federn entgegen gesprungen kommt - bisschen an einer Spule rumlöten, alles wieder zusammensetzen, Antrieb einbauen, Knöpfchen am Bedienpaneel drücken - er schnurrt los. Yep, da haben wir uns das Feierabendbier doch verdient!

Sonnabend, 20.07.2013Wanderpause mit Marlins

Da ich gestern einen schönen Männerspieltag im Motorraum der Marlin hatte, ist heute wieder in Familie angesagt. Also, die Inselwanderung mit Marion. Ist auch gar nicht so schlimm, weil kleine Insel, einmal Berg hoch, da ist man schon in dem winzigen Dörfchen. Lauter bunte Häuser und fast jeder Einwohner hat die Geschäftsidee, mittels einer Bar, eines kleinen Restaurants oder Minimarktes den durchsegelnden Chartertouris das Geld aus den Taschen zu ziehen. Keine Ahnung, ob das klappt, im Moment sind jedenfalls keine Charterboote da, nur Fahrtensegler und die "sitzen" ja meist auf ihren Penunsen. Haben die Leute hier natürlich auch mitgekriegt und machen ihre Bars und Mercados gar nicht erst auf. Macht nix, zum Shoppen sind wir ja nicht hier, also Berg wieder runter, kommt man zur Salt Whistle Bay. Die ist so richtig schön kitschig - türkisfarbenes Wasser, traumhafter Sandstrand, umsäumt von Palmen - haben die Dörfler natürlich auch erkannt und gleich ein paar Souvenirstände aufgebaut. Zum Glück haben sie auch noch Platz für eine kleine Strandbar gelassen und weil die Marlins auf ihrer so laaaangen Fahrt in die Tobago Cays noch einen kurzen Zwischenstopp in der Salt Whistle Bay einlegen, können wir gemeinsam der Dehydrierung mit einem kaltem Blick zu den Tobago CaysZISCH entgegenwirken. Sie brechen dann endgültig auf, die verbleibenden 3sm bis in die Cays in einem Ritt zu bezwingen (!!!), wir erleichtern den Bar-Opa vorbeugend um zwei weitere “Hairoun” und machen uns an die restliche Inselumrundung. An einsamen, langen Sandstränden entlang, auf Trampelpfaden durch Mangrovenwälder, über kleine Felsen klettern, den Tölpeln beim Fischen zuschauen, hunderte Krebse erschrecken, uns lange Kaktusstacheln aus den Flip-Flops ziehen, ein Schiffswrack bestaunen, Einheimische treffen, die sich sagenhaft freuen, dass wir das selbe wie sie tun (um die Insel wandern ;), ... drei Stunden später landen wir wieder an der Saline Bay. Ist jetzt aber nicht so, dass ich mich einfach ins Schlauchboot werfen und dem heimatlichen Kühlschrank entgegen düsen kann, nein, Marion findet, dass wir vom Dorf - also ganz oben auf dem Berg - doch eine tolle Aussicht hätten und sie dort schöne Fotos machen könnte! Also schleppen wir uns noch mal da hoch - die Bars sind immer noch, oder schon wieder geschlossen - haben von dem Kirchlein eine gaaanz tolle Aussicht, machen gaaanz tolle Fotos, wanken wieder runter und jetzt geht`s endlich Richtung Kühlschrank!

Sonntag, 21.07.2013

Keine Ahnung, ob die Tobago Cays nun Was für ein Ankerplatz!wirklich DER schönste Ankerplatz in der ganzen Karibik sind, auf jeden Fall sind sie wirklich schön und echt beeindruckend! Vier klitzekleine unbewohnte Inseln, umgeben von einem grossen Riffgürtel (Horseshoe Reef) und davor donnert der Atlantik. In der Saison sollen hier zweihundert Yachten vor Anker liegen, jetzt sind es mehr als zwanzig (uns eigentlich auch schon zu viele). Wir schlängeln uns bis ganz nach vorne, so nahe wie möglich ans Riff, schmeissen den Anker bei 3m Tiefe ins türkisfarbene Wasser und geniessen erstmal die Aussicht. Boah! Beste Lage, unverbaubarer Seeblick! Zur Begrüssung kommt schon mal eine grosse Schildkröte vorbei geschwommen. Und als nächstes die Park-Ranger, die allerdings mit Boot. Die Cays sind Naturschutzgebiet, also kostet es eine Gebühr wenn man hier liegen möchte. Das Geld dient dem Erhalt - gute Sache - daran beteiligen wir uns doch gleichmal mit einem Zweitagesticket. Dazu gibts `ne Broschüre, wo drin steht was man alles nicht darf - Angeln, Speerfischen, den Schildkröten ihre Eier klauen, Lagerfeuer am Strand, oder ohne Fäkalientank ins Wasser kacken. Und damit der komfortgewohnte Chartertouri auch nichts vermisst, fahren ein paar Rastas in ihren bunten Booten herum und bieten Obst, Zigaretten, T-Shirts oder frisch gefangenen Fisch (zu stolzen Preisen!) an. Brauchen wir alles nicht - wir schieben uns den Schnorchel in den Mund, lassen uns ins Wasser plumpsen und tauchen erstmal ab! Hier kann man`s echt aushalten!

Mittwoch, 24.07.2013

Die Leute denken ja immer, die Fahrtensegler liegen den ganzen Tag auf der faulen Haut, mal ins Wasser springen, sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, `n Bacardi schlürfen, ... Das ist ein Klischee! Schon am frühen Morgen, nach ausgiebigem Morgenbad, Kaffee, Frühstück, noch `n Kaffee ... also, wenn die Sonne kurz vorm Zenith steht, müssen schwerwiegende EntscheidungenDen ganzen Tag möchte man so verbringen getroffen werden: Fahren wir jetzt mit dem Schlauchboot zum Riff, um im kristallklaren Wasser zwischen Korallen, Papageien-, Koffer- und allen möglichen anderen bunten Fischen, Rochen, Muränen und was weiss ich zu schnorcheln, oder lieber zu den Unterwassergrasbänken, um den riesigen Schildkröten schnorchelnd beim Fressen zuzusehen, wandern wir auf einer der kleinen Inseln rum, um die vor sich hindösenden grossen Leguane zu erschrecken, oder sitzen einfach nur im Schatten der Palmen am Strand, um bei einem gekühltem Glas Wein Backgamon zu spielen, ärgern wir einen Babyhai, der im knietiefen Wasser auf der Suche nach noch kleineren Fischen ist, lesen wir im Cockpit ein Buch,  oder fahre ich doch erstmal auf ein Bier zu Micha? Und das geht so weiter: essen wir erst einen Fruchtsalat oder schmeissen die Vitamine lieber in den Mixer und trinken sie, wie lange reicht das Bier noch, gibt`s den Sundowner auf der Marlin oder bei uns im Cockpit und überhaupt, was machen wir uns heute zum Abendbrot? Zumindest letzteres ist für heute geklärt, Nathalie hat zum Abendessen eingeladen. Diesmal ein Abschiedsessen, nachdem wir uns die letzten drei Monate immer wieder getroffen haben, geht´s jetzt in verschiedene Richtungen weiter. Wir wollen morgen nach Bequia aufbrechen, die Marlins segeln zurück nach Grenada. Wir kramen unseren (fast) letzten argentinischen Wein aus der Bilge, machen gemeinsam die grosse Schüssel leer, die Kids können noch mal auf mir rumtoben, Lena erneuert mein Fusskettchen, wir bekommen die letzten gemalten Bilder, Micha und ich schmieden Pläne, wo wir uns in Mittelamerika wieder treffen, Marion und Nathalie schmeissen den Abwasch, den Kids fallen irgendwann die Augen zu - ein letzten Mal drücken und knutschen. Hasta proxima!

Donnerstag, 25.07.2013

Von wegen wir sind Langschläfer! Schon um Acht rasselt die Ankerkette hoch, winkend an der laut hupenden Marlin vorbei (war Hupen hier eigentlich auFischer auf Bequiach verboten?), fahren wir langsam aus der schmalen Passage zwischen zwei Inselchen aus den Cays. War echt toll hier und da die Ranger, nachdem wir ja nur für zwei Tage bezahlt hatten, an den nächsten Tagen keinerlei Anstalten machten, uns noch mal abzukassieren, war`s sogar billig :-) Gut, bei mittlerweile nur noch einem Dutzend ankernden Yachten kann man schon mal den Überblick verlieren. Wir rollen die Segel raus, der Wind (wie eigentlich immer) kommt aus Nordost, also strammes Am-Wind-Segeln. Mit allem was dazugehört, schön auf der Backe liegend, das Wasser spritzt ordentlich übers Deck, Bordfrau beobachtet, wie das Schiff gleichmässig von einer Salzkruste überzogen wird und ich tröste sie mit der Aussicht auf den nächsten Regenschauer und dass wir uns jetzt ein paar schöne, erholsame Tage in Bequia machen werden. Mal ganz alleine! War nur zur Hälfte gelogen - als wir am späten Nachmittag in die Admiralty Bay einlaufen und uns ein Ankerplätzchen vor dem kleinen Städtchen Port Elizabeth suchen, wird vom Nachbarschiff schon laut gerufen und gewunken: Die "Deception" mit Christa und Marcel! Die beiden hatten wir vor dreineinhalb Jahren (wie Christa sofort weiss) in Rabat, Marokko getroffen und ihnen geholfen, ihr Schiffsgewicht zu reduzieren, indem wir (an einem echt lustigen Abend) gemeinsam die Weinvorräte des Bootes geplündert haben. Soviel zum Thema MAL GANZ ALLEINE! ... Aber geregnet hat`s in der Nacht dann wirklich noch.

Freitag, 26.07.2013Patricia - nice to meet you :)

So `ne Besichtigungsrunde durch Port Elizabeth ist schnell erledigt, es ist halt klein. Ein Fähranleger, einer für die Fischer, einer für Dingis, bunte Häuschen an der Uferpromenade, noch `ne zweite Reihe dahinter, Gemüsemarkt, Fischmarkt, fertig. Dazwischen sitzen schwatzend runde Muttis mit Obst, langweilen sich Taxifahrer auf der Suche nach Kunden und rauchende Rastas versuchen, gehäkelte Mützen, geschnitzte Figuren oder ähnlich Hochwertiges als Souvenir an den Mann zu bringen. Schön farbenfroh, schön touristisch, alle freundlich, alle entspannt - eben keine Saison, wie Marcel betont. Marion zückt den Inselplan und zeigt mit dem Finger auf eine Bucht auf der anderen Inselseite, was heisst, da will sie hin! Ist bestimmt eine schöne Wanderung, gerade mal 5km und von oben hat man sicher eine tolle Aussicht, versucht sie mir die Sache schmackhaft zu machen. Ja sicher, aber die 5km müssen wir auch wieder zurück, tolle Aussicht von oben bedeutet, dass es bergauf geht und ausserdem ist es pottenheiss! Einen Augenaufschlag später schnapp ich mir den Rucksack und wir wandern los. Bergauf! Tolle Aussicht auf die Bucht, überall wachsen Mangobäume (wieso verlangen die auf dem Markt 10 EC$ für fünf Stück?) Irgendwann geht`s wieder bergab, wieder tolle Aussicht, diesmal auf die andere Seite (immer noch keine Bar!) Dafür kommt irgendwann ein Walmuseum, ist natürlich zu. Tapfer stiefeln wir weiter, Marion`s Tagesziel haben wir längst hinter uns gelassen, aber jetzt habe ich ein Ziel: Da ist auf der Karte nämlich noch ein kleines Fischerdorf eingezeichnet! Das gibt`s tatsächlich, ´ne Ansammlung kleiner Häuser, kleiner Hafen mit lauter bunten Booten und ... einer Bar! Das ZISCH haben wir uns mehr als verdient, bekommen von Whiskey, (´nem Rasta) den Tip, dass ein paar Häuser weiter eine Mutti gut kocht, klopfen da an, "Schöne Grüsse von Whiskey!" und hauen uns mit leckerem Fisch und Fritten den Wanst voll. Noch mal auf ein “Hairoun” zu den Fischern, die im Schatten neben ihren Booten Karten spielen und im Frühjahr immer noch auf traditionelle Weise auf Walfang gehen. Mit kleinen Segelbooten und geschleuderter Harpune!!! Ein paar Walknochen liegen gleich neben uns. Dieses Jahr war eine gute Saison, vier Wale haben sie erlegt! Als Segelkollegen sozusagen müssen wir das WalfangSegelboote in Paget Farmboot natürlich ausgiebig untersuchen - gute 10m lang, selbstverständlich aus Holz, zu acht hocken sie darin (ich bin mir sicher, dass ich mich damit keinem, fast doppelt so grossen Wal nähern würde!) Aber jetzt fahren sie mit den kleinen bunten Holzmotorbooten fischen, segeln mal `ne Regatta, oder spielen eben Karten. Für uns wird`s langsam Zeit für den Rückweg, den Marion wieder wandern will. Diesmal nicht wegen der Aussicht, die kennen wir ja schon, sondern wegen der vielen Mangobäume. Tatsächlich beschwatzt sie irgendwo unterwegs jemanden, der flink auf seinen Mangobaum klettert und jede Menge Früchte runterwirft. Wir stopfen uns den Rucksack voll, drücken ihm ein paar EC$ in die Hand und alle sind zufrieden! Nur der Rucksackträger ist leicht am Nörgeln! Im Dunkeln kommen wir in Port Elizabeth an, natürlich zu spät für unsere Verabredung mit Christa und Marcel. Gleich am Ortseingang in der ersten Kneipe, viel weiter hätte ich den Sack eh nicht geschleppt! Die beiden haben aber brav auf uns gewartet, wir sind die einzigen Gäste, haben jede Menge zu erzählen, vertrinken das gesparte Geld für die Mangos, der Kneiper schmeisst noch `ne Runde auf`s Haus - besser geht nicht!

Sonnabend, 27.07.2013

Gruppenausflug! Marcel und Christa hatten die Idee, mit der Inselfähre nach St. Vincent rüberzufahren. Kann man natürlich auch hinsegeln, wollen wir aber nicht. Ausserdem kann man vor Kingstown eh nicht ankern. Also klettern wir zu viert auf die e... und den mit den Punkten kann man gut grillentwas betagte, verbeulte Fähre und `ne knappe Stunde später in St. Vincents Hauptstadt wieder runter. Angenehme Überraschung, das ist ja `ne richtig lebendige Stadt. Beiderseits der Strassen Marktstände, mal wieder ein richtig üppiges Angebot an Obst und Gemüse und sogar die Preisvorstellungen der Marktmuttis halten sich im Rahmen. Nützt Marion aber wenig, ich habe keine Lust den ganzen Tag Grünzeug spazieren zu tragen und vermutlich sieht das Zeug nach ein paar Stunden im Rucksack eh weniger appetitlich aus. Uns zieht`s vielmehr in die Hardwarestores (sowas wie ein kleiner Baumarkt), irgendwas findet der dauerbastelnde Fahrtensegler ja immer. Diesmal ein ganzes Regal voller Narva-Glühlampen, Made in GDR. Da muss man ja richtig nachrechnen, wie lange die Dinger hier schon rumliegen! Wir besuchen die Kirchen, bestaunen brav das Ornamentglas der Fenster, trampeln durch einen Klostergarten, stärken uns in einem Imbiss und wandern, auf WunschPause vor der St.George´s Cathedral mehrerer weiblicher Gruppenmitglieder, bergauf (!) zum Botanischen Garten. Der älteste in der ganzen Karibik, wird uns Männern die Sache schmackhaft gemacht. Da steht sogar noch ein Brotfruchtbaum von Cptn. Bligh (das war der, mit der Meuterei auf der Bounty)! Wir zahlen brav unseren Besucherobolus, verzichten auf den amtlichen Führer, wimmeln auch ein paar weitere selbsternannte botanische Sachverständige ab und drehen eine Runde durch den Park. Vermutlich in Rekordzeit! Es ist heiss, die Bäume sehen genauso aus, wie alle anderen hier (nämlich grün), an den Captn.-Bligh-Baum kannBlüte des Kanonenkugelbaums  man auch nicht ranpinkeln, weil Zaun drum und ausserdem ist der nicht mal echt! Nur aus einem Setzling von einem der Captn. Bligh Bäume. Und wer weiss, ob das stimmt - da pinkel ich lieber ins Besucherklo! Noch reichlich Zeit bis zur Rückfahrt, die nutzen wir lieber sinnvoll, drehen noch `ne Runde durch die Gassen, sacken das begehrte Grünzeug ein und einigen uns mit einem aufstrebendem jungen Einzelunternehmer auf einen volkstümlichen Preis für die Gruppenerfrischung. Drei, aus Paletten zusammengezimmerte, Holzbänke, davor `ne riesige Kühltruhe voller Eis und dazwischen lauter bunte Flaschen mit so klangvollen Namen wie Carib, Stag, Hairoun, Heinecken, ... Beim ausgehandelten Preis von Drei für Zehn (also drei Bier für 10 EC$) und vier Leuten, muss unser Jungunternehmer natürlich mehrfach in seine Kühlbox langen, damit jeder gleich viel bekommt :-) Mittlerweile trudelt auch die komplette Familie ein, Onkel, Tanten, Neffen, Schwestern, Cousinen, ... jeder wird vorgestellt, jeder greift mal in die Getränkebox und die meisten auch in die Schachtel mit dem Geld, um noch mal kurz zu verschwinden. Wenig später sitzen sie dann da, wickeln kleine Papierkügelchen auf, drehen sich formschöne Zigaretten, streiten laut miteinander, trinken ihr Bier oder Rum, palavern mit uns, stillen die Babys, ... und über allem schwebt eine kräftige Marihuanawolke. Schade, dass wir irgendwann zur Fähre müssen ...

Dienstag, 30.07.2013

Hochmotiviert mach ich mich an mein heutiges Tagesprojekt: Kühlschrank abtauen. Habe mir dafür extra eine neue Methode ausgedacht - Kühlschrank ausschalten, Deckel hochklappen, Inhalt so`n bisschen nach hinten schieben, Handtuch unter die Kältespeicherplatte legen, Deckel wieder zu und jetzt warten, bis das Eis runterfällt. Bin ganz begeistert von meiner Idee :-) Natürlich kann man jetzt die Wartezeit mit etwas Sinnvollem überbrücken - machen wir auch, wir “hungern”! Jetzt nicht so wegen `ner ausgeklügelten Diät, oder aus Protest, oder für den Weltfrieden, oder die Wale, ... , nö, wir sind bei Marcel und Christa zum Abendessen eingeladen ;)! Und da wir ja aus Erfahrung wissen, dass es bei den Schweizern immer megalecker Essen gibt, wären wir doch echt blöd, mit vollem Wanst da anzutraben. Kluge Entscheidung - auch wenn Christa mehrfach betont, dass es nur ein gaaanz einfaches Menü gibt, schmeckt alles supi! Bleibt natürlich auch nichts übrig, dazu einen bunten Mix argentinischer und französischer Weine, Marion`s Obstkreation, spontan aus der Bilge gekramten "Verdauerlis", ... ein bisschen traurig stolpern wir in unser Schlauchboot - wir wollen morgen nach Norden weiter, die beiden nach Süden. Hoffentlich treffen wir uns nicht wieder erst in drei Jahren!

Donnerstag, Diamond Rock01.08.2013

Gut 90sm bis Martinique, schaffen wir eh nicht an einem Tag, mussten wir uns gestern früh also nicht überschlagen. Erst in Ruhe frühstücken, alles segelfertig machen und mit dem Schlauchboot an Land zwecks Ausklarieren. Zoll und Emigration in einem Gebäude, gleich am Dinghi-Anleger, besser geht nicht. Oder doch - wir sind auch die einzigen Ausreisewilligen, sofort dran und es gibt sogar Blaupapier für die vierfache Ausfertigung des Ausreiseformulars. Viertelstunde später stehen wir wieder draussen, düsen zurück, zotteln Schlauchboot, nebst Motor hoch, den Anker natürlich auch, drehen die Winke-Winke-Runde um Marcel und Christa, rollen die Segel aus, drücken auf`s Knöpfchen vom Autopiloten und legen die Füsse hoch! Morgen Mittag gibt´s Baguette und französischen Käse - Martinique, wir kommen!! Das mit dem Füssehochlegen lassen wir schnell wieder sein, die Überfahrt ist ziemlich ruppig, der Wind kommt viel nördlicher als vorhergesagt, wir kämpfen uns hart am Wind voran, kriegen den Vollwaschgang, das ganze Schiff ´ne einzige Salzkruste, statt Frühstück drückt mein Smutje mir `ne Schale Cornflakes in die Hand, der Kaffee schwappt aus der Tasse, es ist einfach nur unbequem - was tut man nicht alles für `nen richtigen Supermarkt voller Leckereien! Früh um Acht erreichen wir Diamant-Rock, Martinique (blöd nur, dass wir da gar nicht hinwollen, sondern nach Le Marin, das ist 12sm weiter östlich). Also dahin, wo der Wind herkommt! Der unsportliche, faule Fahrtensegler würde jetzt spontan auf`s Startknöpfchen für den Motor drücken ... aber vielleicht bin ich heute Nacht mit dem Kopf irgendwo gegen gelaufen, oder wegen Übermüdung nicht mehr ganz zurechnungsfähig - ich fange jedenfalls an, zu kreuzen! Schön nach links, bis es flach wird, dann `ne halbe Stunde nach rechts, bis die Untiefe kommt, dann wieder nach links, ... Marions Gesicht wird immer länger, ihr tut der Hintern von dem Rumgerutsche weh (muss sie sich eben `n dickeren Hintern anfressen oder ein Kissen drunter legen ;), der Tidenstrom natürlich auch gegenan, ich komme in Kreuz-Ekstase, Ruder nach links, halbe Stunde später wieder rechts, Crew5 Stunden kreuzen ... am Nörgeln -  hier bin ich der Käptn!, Ruder nach links, Marions Einkaufsliste wird in Gedanken immer länger, Ruder nach rechts, ... nach fast fünf Stunden erreichen wir die Einfahrt von Le Marin, ich zeige mich gnädig, rolle die Segel ein und wir motoren die letzten 1,5sm durch´s  betonnte Fahrwasser in die Bucht. Das muss man dann aber auch mögen: Hunderte Yachten liegen da vor Anker, eine riesige Marina rammelvoll mit Booten - eigentlich ist die ganze Bucht ein einziger Mastenwald! Und natürlich flattert überall die Trikolore dran. Wir suchen uns mit unserem winzigen schwarz-rot-goldenen Fähnchen am Heck ein freies Plätzchen (schön dicht am Supermarktponton), werfen den Anker runter, ziehen die Gastlandsflagge hoch und gönnen uns erstmal `ne DUSCHE! Der spontane Sprung ins Wasser fällt in der Suppe ja mal aus! Wenig später stehen wir geschniegelt vorm Zoll-Büro - Gitter runter. Dann eben nicht, dafür hat der Yachtausrüster nebenan noch auf, der ist eh viel interessanter. Jede Menge Boutiquen, Souvenirshops, Bars, Restaurants, ... und dann doch noch ein Supermarkt. Baguette, Käse, Schinken, Rotwein wandern ins Einkaufswägelchen (die Augen meiner Crew leuchten, sie hat auch Lakritzschnecken entdeckt!), alles aufs Boot schleppen, Verpackungen auf fetzen und pünktlich zum Sonnenuntergang startet das Festgelage im Cockpit. Und wenn man sich jetzt noch die vielen Boote wegdenkt und die ganzen, teilweise echt hässlichen Häuser rundum und sich dazu klares Wasser vorstellt, ist die Bucht doch gar nicht soooo schlecht ...

Freitag, 02.08.2013

Wenn man frühs, noch schlaftrunken in den Motorraum tabbert, um den Wassertank umzuschalten und dort knöcheltief Wasser steht, fängt der Tag doch schon mal gut an. Da ist man wenigstens wach! Nach `ner Weile hab ich den Übeltäter gefunden (schöner Fall von Eigentor), als ich die Waschmaschine abgebaut habe, hab ich natürlich auch den Abpumpschlauch vom Bordauslass abgenommen. Na ja, und wenn man dann gestern meint, stundenlang aufkreuzen zu müssen, läuft da natürlich Wasser rein, wenn die Steuerbordseite so schön durchs Wasser pflügt. Gehört also unbedingt noch ein Absperrventil rein. Zum Geldausgeben sind wir ja sowieso hier. Damit wollen wir auch gleich anfangen, aber vorher noch zum Zoll, damit die gelbe Flagge wieder runter kann. Der hat sein Gitter immer noch vor der Tür, wie lange pennen die denn??? Immerhin machen wir uns heute die Mühe, die vielen angeklebten Zettel mal genauer zu betrachten. Alles auf französisch, versteht sich, wir kriegen immerhin mit, dass die "Clearence" ein Stockwerk höher im Yachtmakler-Office stattfindet. Nette Dame, schiebt uns den Stuhl vor ´n Computer und dann dürfen wir da brav rein tippen wie wir heissen, wo wir wohnen, wie gross das Boot ist, wieviel Waffen an Bord, etc. Das ist ja cool, Einklarieren in Selbstbedienung hatten wir noch gar nicht! Formular ausdrucken, die Dame drückt Stempel drauf, 5Euronen rüberreichen, das war`s. Bevor der Shoppingwahn so richtig zuschlagen kann geht`s noch zur Post, wir hatten Hatschimutschi versprochAnkern vor Le Marinen, einen Topf seiner Spezialfarbe zu schicken, damit er seine "Einschläge" von den nächtlichen Rammings ausbessern kann. Paket nach Guyane Francaise für 8,15€, das geht doch. Einmal quer über die Bucht düsen zum "Leader Price", vor der Käsetheke brechen wir fast zusammen, aber erstmal sind Getränke angesagt. Zwei Runden mit den grossen Einkaufswagen (der Markt hat einen eigenen Dingi-Ponton), besser geht nicht! Mit über 200L Getränken und 250 Euronen ärmer tuckern wir zurück, um alles an Bord in die leeren Bilgen zu treten. Mein akribischer Buchhalter Marion prüft an Bord noch mal alles und entdeckt, dass die nette Kassiererin doch für drei Paletten Bier nur eine Dose eingetippt hat. Satter Rabatt von 65 Euro! Jetzt könnte man natürlich noch mal zurückfahren und versuchen auf Französisch, was wir ja nicht verstehen, zu erklären, dass wir noch 71 Dosen Bier bezahlen wollen .... ne, wir düsen stattdessen zur anderen Seite der Bucht und kaufen dem Käpt`n eine neue Taucherbrille. Dann noch zum "SuperH", da gibt`s Orangensaft im Angebot (leider ohne Dingi-Anleger), also schleppen wir 70L Saft mit unseren Hackenporsches durch die Stadt. Was tut man nicht alles für Vitamine ... dabei wäre Bierkaufen viel einfacher und auch billiger!

Sonnabend, 03.08.2013

Wir plündern weiter die Supermärkte, zweimal zum "SuperH" macht weitere 140L Orangensaft! Das Schleppen ist mit unseren Wägelchen gar nicht so schlimm, ausserdem geht`s meist bergab und ein schöner tropischer Regenschauer erfrischt die munteren Wanderer. Nachteil: anschliessend sind wir eine Stunde damit beschäftigt, alle Saftpackungen wieder trockenzureiben. Irgendwie hatte ich auch das Stauvolumen unserer Bilgen überschätzt, für einige Dutzend Saftpackungen musste ich Marion erst einen "Wohnraum" abtrotzen. Im "Carrefour" die Käsetheken plündern, italienischen Schinken einsacken, Marion schummelt unauffällig diverse Süssigkeiten in den Wagen, Baguette, EIN Fläschchen Wein ... Shoppen kann ja sooooo viel Spass machen! Einzig mit dem Absperrhahn für den Bordauslass bin ich nicht fündig geworden. Muss ich halt erstmal `n Weinkorken rein drücken. Und wie bekommt man den? Genau! “Plock!”

Sonntag, 04.08.2013

Big Party in Le Marin! Regatta, Volksfest, Musik - das volle Programm! Jetzt nicht so wie auf den anderen Inseln, wo ein paar Rastas `n grossen Kessel an den Strand schleppen, Feuer drunter machen, Muscheln oder Hühner reinwerfen, sich `ne Zigarette drehen und anfangen auf Bremstrommeln oder alten Fässern rumzutrommeln. Nö, hier wird gesittet gefeiert, mit anständiger Musikgruppe, jeder Menge Verkaufspavillons, Rummel, ein Partyzelt neben dem anderen, wehenden Werbebannern und damit auch jedermann erfährt, wer die Sponsoren der Veranstaltung sind, fahren permanent Boote mit riesigen Werbefahnen kreuz und quer durch die Bucht. Und für die ganz Begriffsstutzigen gibt`s die Werbebotschaften auch noch mal per rumkurvenden Flugzeug! Einfach toll!! Und was machen wir? Wir fahren zum Waschsalon, lassen 20kg Wäsche (das Meiste ist wie immer von Marion) lustig im Schaumbad kreisen, gönnen ihnen einen angenehmen Aufenthalt im Trockner und lassen uns von der Partystimmung auf keinen Fall anstecken. Wir stieseln uns nämlich so`n bisschen an. So kann man `nen SKäpt´n mit Fort Saint-Louisonntag auch verbringen. Gegen Fünf ist der Spuck dann vorbei, die bunten Segelboote kommen winkend zurück, die vielen, mit Zuschauern überladenen Begleitboote auch, die Musiker packen ihre Instrumente ein - Feierabend! Anständige Party eben!

Montag, 05.08.2013

Hatte der Käpt´n ja eigentlich keine Lust drauf, aber ich hab ihn überredet, mit mir heute nach Fort-de-France, der Inselhauptstadt zu fahren. Hab mir extra erklären lassen, wo die Minibusse abfahren, natürlich stiefeln wir an der Haltestelle vorbei. O.k., noch mal fragen und den selben Weg ´n Stück zurück. Kein Schild, nix, ist wirklich kaum zu erkennen. Zufällig steht gerade ein Minibus da, allerdings mit Taxi-Schild auf dem Dach, also nichts für uns, da heisst es warten. Nach gefühlt einer Stunde (wir, trotz Schatten schon fast zerlaufen, René kurz davor, zum Dingi zurück zu gehn), kommt endlich das passende Mobil mit "FdF" in der Frontscheibe. Aufspringen, erleichtertes Aufstöhnen (weil Klimaanlage) ... und nach ´ner knappen Stunde Absprung, mitten im Zentrum. Sieht ganz witzig aus. Fort-de-France liegt am Fuss grüner Hügel, an der grossen Baie des Flamands, ein quirliger Ort mit einem Labyrinth winziger Strassen und alten Kolonialhäusern mit hölzernen Verandas. Alles bunt, ein bisschen verfallen und es wimmelt von Menschen. Unser Reiseguide meint, dass wir unbedingt den Place de Savane sehen müssen. Nur ein paar Schritte um die Ecke: 5ha Grünfläche, bestanden mit Königspalmen, ein paar kleinen Verkaufsständen und einer Marmorstatue (ohne Kopf) der, auf Martinique geborenen Marie-Joseph-Rose Tascher, der GemahlinJustiz-Palast mit Herrn Schölcher Napoleons. Aha! Schräg gegenüber, farbenfroh pitoresk, die Bibliothèque Schölcher, die 1889 für die Weltausstellung in Paris erbaut und von dort, in ihre Einzelteile zerlegt, hierher gebracht und wieder aufgebaut wurde. Und der Herr Schölcher hat um 1794 viel für die Abschaffung der Sklaverei auf den Französischen Antillen getan, was wir natürlich gutheissen. Ansonsten hängen hier im Park diverse, z.T. recht ominöse Gestalten rum - der Drogenhandel blüht. Wir lassen uns in die Altstadt fallen, kommen am wunderschönen Palais de Justice (mit Schölcher-Büste!) und der Kathedrale vorbei und lempeln kreuz und quer durch die Gassen. Ich auf der Suche nach einer Geburtstagskarte für´s Kind, Käpt´n auf der Suche nach einem kühlen Getränk, ich erstehe zwei Shorts, Käpt´n zwei kalte Lorraine, ... essen unterwegs gut, zu relativ normalem Preis, gelangen irgendwann an den Fluss und zu den Fleisch-, Fisch- und Gemüsemärkten, die inzwischen alles leer geräumt und verschlossen haben. Leider. Trotzdem, coole Stadt! Nur ankern möchten wir hier nicht unbedingt, die "Shopping-Möglichkeiten" für Lebensmittel sind in Le Marin echt besser und dichter dran. - Gegen Fünf schwingen wir unsere ermatteten Glieder in einen Minibus nach Le Marin, wo wir pünktlich zum Sonnenuntergang ins Dingi springen und an den Unmengen von Katamaranen vorbei, zurück an Bord tuckern. Feierabend, Füsse hoch!

Grau in grau

Dienstag, 06.08.2013

Heut nur kurzer Landgang. Erstehen eine Flagge von St. Lucia für den stolzen Preis von 15 Euronen! - Der Himmel ist wolkenverhangen, es schüttet wie aus Eimern. Brrr!

Donnerstag, 08.08.2013

Sind seit zwei Tagen nur am shoppen! Lebensmittel natürlich. Anstrengend ist das! Anschliessend die "Beute" an Bord schaffen (wenn beim Transport nass geworden, erstmal trockenlegen) und verstauen. Irgendwie sind unsere Arme länger und die Waden dicker geworden - und das Portemonnaie ganz dünn. Leider ;) Zu allem Überfluss sind auch die Zigaretten alle, was den Käpt´n recht hippelig macht - er düst an Land undBeute trockenlegen ersteht zwei Päckchen für 13,20 Euro!! Wird Zeit, dass wir hier n Abflug machen.

Freitag, 09.08.2013

Kaum lässt man die Bordfrau mal schreiben, geh`n die wichtigsten Details unter. Natürlich standen in Fort-de-France jede Menge Büsten von irgendwelchen Leuten und lauter alte Häuser rum, hat sie ja auch jedesmal mit`n Finger drauf gezeigt - konnte ich mich nur nicht drauf konzentrieren, wegen der ganzen hübschen Mädchen, die da rumlaufen! Also Erhard, fahrt mit eurem Shanty-Chor auf keinen Fall nach Trinidad, fahrt nach Fort-de-France! Wir fahren auch, aber wieder weg. Wollten ja wirklich nur zum Einkaufen her. Hat sich auch gelohnt, der Kühlschrank voller Käse und Schinken, jede Menge Leckereien und Lebensmittel und fast 600L Getränke in der Bilge! Ne, ne, nicht nur Wein - 336L Saft, 48L Milch, 100L Wasser, 72L Bier und so`n bisschen Wein ... Das Schiff liegt ordentlich tief im Wasser, wir sind über 1000 Euro ärmer, aber das Zeug gibt`s `ne Weile nicht mehr oder ist wesentlich teurer. Und hält ja auch paar Monate. Zumindest das Wasser :-) Neues Ziel: St. Lucia. Will ich zwar nicht hin, aber mein Admiral. Da gibt`s nämlich zwei Berge und die kann man sich angucken. Die heissen nicht Berge, sondern Pitons  - erfahre ich gerade - und sind ausserdem das Wappenzeichen von St. Lucia! Aha. Aber heute wollen wir erstmal in die Rodney Bay, müssen doch mal gucken, wo die Jungs von der ARC jedes Jahr aufschlagen. Die Überfahrt ist nass, aber trotz Tiefgang schnell (endlich mal den Wind auf unserer Seite und kräftig noch dazu). Wir schmeissen den Anker in der Rodney Bay und sind überrascht, wie leer die Bucht ist. Gerade mal zwölf Boote schaukeln hier. Schnell das Schlauchboot ins Wasser werfen, wir müssen noch einklarieren und wollen natürlich keine Overtime bezahlen. Durch den schmalen Kanal geht`s ins Hafenbecken, Riesenmarina, alles gut ausgeschildert, wir finden sofort das EinklarierungJawoll! Der grosse Inverter gibt auch noch seinen Geist auf!sbüro. Alle in einem Zimmer, wir sind auch noch in der Zeit - bezahlen müssen wir trotzdem. Hafengebühr und Permit für die Pitons. Die liegen nämlich in einem Marinepark. Wenn wir eh schon am Geldausgeben sind, können wir uns ja auch ein Willkommensbier in einer der Marinabars am Wasser gönnen - einmal wie die Jungs von der ARC fühlen, die hier nach ihrer Atlantiküberquerung nächtelang hocken und die Sau rauslassen :-)

Sonnabend, 10.08.2013

Es regnet und regnet, der Kahn zuckelt wie wild an der Ankerkette - müssen wir da losfahren? NÖ! Brauchen wir jetzt nicht. Kann man sich lieber mit`m Buch in `ne Ecke verkrümeln und warten bis die Sonne wieder scheint.

Sonntag, 11.08.2013

Es regnet immer noch. Aber nur noch `n bisschen. Da würden wir normalerweise trotzdem nicht losfahren, ABER unser Permit für die Pitons gilt nur für heute und morgen. Und Berge anstarren will Marion unbedingt, also zotteln wir den Anker hoch, die Segel raus und lassen uns weiter südwärts wehen. Vorbei an der "idyllischen" Margiot-Bay, wollten wir ja eigentlich gestern hin - das Ding ist zugebaut von allen Seiten (na ja, unser Revierführer ist schon zwanzig Jahre alt) - ein Glück, dass es geregnet hatte. Kaum erreichen wir die Soufriere Bay vor den beiden Pitons, stürzen auch schon die ersten kleinen Boote auf uns zu. Wassertaxi gefällig, oder `n Taxi an Land, `ne Führung zu den heissen Quellen, Wasserfall oder zum Vulkan? Das geht ja gut los, wir wimmeln alle ab. Die Bucht ist wie gesagt Marinepark, Ankern ist verboten, dafür wurden Moorings ausgelegt, an denen man sich festmachen kann. Marcel und Christa hatten uns ein schönes Plätzchen direkt am Fusse des Petit Piton empfohlen, steuern wir also da hin. Kommt gleich der nächste Boy angedüst, er ist der (selbsternannte) Obermooring-Leinenfestmachhelfer und für uns hat er die beste Mooring des ganzen Parks. Oder war`s die Beste in der ganzen Karibik? Düst er jedenfalls gleich mal hin und hält erwartungsvoll das Auge der Leine hoch, fahren wir natürlich zur MooringIn Soufriere daneben. Er nimmt uns dann trotzdem die Leine ab und kaum haben wir uns festgemacht, taucht der nächste Besucher auf. Diesmal offizieller, der Park-Ranger! Zum Kassieren der Gebühr für die Mooring. Wir zahlen für zwei Tage, schmeissen das Schlauchboot ins Wasser und düsen erstmal in die Stadt - bevor noch einer auftaucht! -- In Soufriere wartet am Ponton schon der (selbsternannte) Oberschlauchbootleinenabnehmer auf uns, kaum auf der Strasse, müssen wir einen "Stadtführer" verbeissen und uns diverser anderer Schnorrer erwehren. Vom Wasser, so aus der Ferne, sah das Städtchen ja noch recht bunt aus, aber beim Schlendern durch die Gassen wirkt alles mehr oder weniger verfallen und runtergekommen, der kleine Kanal voller Dreck und Müll, den der nächste kräftige Regen dann in die Bucht spült. Soviel zum Thema Marinepark! Einziger Lichtblick sind die lustigen alten Männer, mit denen wir vor der kleinen Hafenkneipe sitzen und schwatzen. Sie zeigen bedeutungsvoll auf einen Weinballon auf`m Tresen, gefüllt mit Rum und Kräutern - das lokale Viagra! Müsse ich unbedingt probieren, der Kneiper reisst seinen Arm hoch - wirkt so! Die Männer rundum nicken heftig. So lang??!!! Noch heftigeres Nicken! Ich bleib Traumhafte Buchtlieber beim kalten Bier.

Montag, 12.08.2013

Der Ankerplatz am Fusse des Petit Piton ist wirklich idyllisch, wir schaukeln keine 30m vorm Strand, Palmen, sattes Grün überall, dahinter ragt steil der Berg auf - wenn nur die Fischer nicht so gewöhnungsbedürftige Arbeitszeiten hätten! Früh`s, vor Sieben kommen die kleinen Boote angetuckert, sichten einen Fischschwarm, vier Mann springen mit Schnorchel und Brille ins Wasser, einer versucht, mit dem Bötchen um den Schwarm zu fahren und dabei das Netz auszubringen. Die im Wasser planschen, schlagen und trampeln dazu rum, um den Schwarm in der Mitte zu halten - das alles verbunden mit möglichst viel Lärm und GENAU NEBEN UNSEREM BOOT! Is Mann natürlich wach um Sieben! Christa und Marcel hatten uns einen schönen Wanderweg von hier ins Städtchen beschrieben, mit ganz vielen MANGOBÄUMEN! Machen wir uns also gleich nach`m Frühstück auf. Flip-Flops, Sonnenbrille, leerer Rucksack, wir finden den Weg, die Mangobäume, nur keine Mangos. Gibt`s doch nicht! Jede Menge Bäume und nicht einer von denen trägt Früchte! Was sKleine bunte Häuser, davor flattert frisch gewaschene Wäsche im Wind, Ziegen meckern, Schweine baden, Männer dösen im Schattenoll`s, schlepp ich den leeren Rucksack also bis zur Stadt, der Wanderweg ist wirklich schön und das Städtchen erscheint heute gar nicht mehr so hässlich. Sonntage taugen eben nicht für Stadtbummel, es wirkt doch alles gleich viel freundlicher, wenn Marktmuttis mit ihrem Grünzeug rumsitzen, die Läden geöffnet sind und die Schnorrer noch ihren Rausch ausschlafen. Wir schlendern ein bisschen rum, sitzen am Strand, schwatzen mit ein paar Leuten und trinken mal kein Bier. Das machen wir nämlich erst auf dem Rückweg im ärmeren Stadtteil, wo die Fischer wohnen. Morgen früh wollen wir weiter, haben klugerweise gleich geschaut wo Zoll und Immigration sitzen und vor allem, wie lange sie dort sitzen! Bis 16.30 Uhr. Düsen wir also nachmittags mit unseren Papieren noch mal nach Soufrière und stehen Punkt 16 Uhr vorm Zoll. Leider nicht allein, Marion hat einen Korbverkäufer im Schlepptau und während ich verzweifelt versuche, den Ausklarierungsbogen auszufüllen, verhandelt sie leise mit ihm über den Preis für `ne Obstschale ...”How much? 20 each?! No, it´s too much!” Er lenkt ein “15”. Sie fragt: “For both?” ...  Kann MANN sich natürlich super bei konzentrieren! Leicht genervt gifte ich rum, dass sie den Typ rauszuschmeissen oder diesen blöden Korb endlich kaufen soll - kauft sie natürlich promt zwei! Zwei für 20EC$. Na gut, ich hab endlich meine Ruhe beim Ausfällen, sie hatte die Dinger eh auf den halben Preis runtergehandelt und wir sind wenigstens auch noch pünktlich bei der Immigration. Nützt uns aber nichts, erst Viertel nach Vier, aber das Gitter ist schon unten! Auch nicht schlecht, gehen wir eben Essen! Das schnuppert so lecker aus dem Restaurante gegenüber!Mira im Grünen

Dienstag, 13.08.2013

Um Acht öffnet das Immigration Office (heisst, soll öffnen) - glaub ich ja im Leben nicht dran, lassen wir uns also ordentlich Zeit mit´m Frühstück und stehen halb Zehn ... natürlich, wieder vor noch verschlossener Tür. Nicht allein, ein Franzose wartet schon seit `ner halben Stunde, da kann ich also getrost noch zum Bäcker gehen. Mit zwei Broten unterm Arm schlender ich langsam zurück - hat unser fleissiger Beamte doch tatsächlich schon sein Türchen aufgeschlossen und noch besser, Marion hat uns sogar schon ausklariert. Zurück zum Boot düsen,  das Schlauchboot hoch zotteln, alles seefest verstauen, da entdeckt Marion einen "blinden Passagier": Nicht allzu gross, hat sechs Beine, zwei Fühler und krabbelt munter durch ihre Küche! “Angenehm, Mr. K”, will die Kakerlake sich vermutlich gerade vorstellen, aber sie kommt  nicht mehr dazu, Marion bereitet ihrem noch so jungen Leben ein jähes Ende! "Die haben wir uns garantiert beim Einkauf in Martinique eingeschleppt! Bestimmt in den Weinkartons!" Klar, die hab ich ja gekauft. Vielleicht hat sie ja auch in den Milchkartons gewohnt?, versuche ich die Schuld etwas gleichmässiger zu verteilen. Bedeutungsvolles Schweigen, aber ihr Blick sagt mir, dass sie das Tier eindeutig als karibische Weinkarton-Kakerlake identifiziert hat. Nachdem das Problem mit dem Illegalen an Bord geklärt ist, können wir endlich ankerauf gehen, die Segel ausrollen und den Angelköder über Bord schmeissen (ist natürlich an `ner Leine dran)! Der hat dann den ganzen Tag Zeit zum Baden, wir zum Lesen und Faulsein. Unser fleissiger Autopilot kümmert sich ja um den Rest. ;)

Mittwoch, 14.08.2013

Eigentlich liebe ich Nachtfahrten in der Karibik. Nicht wegen der tollen Sterne oder der Romantik, nö, es gibt hier keine Fischer! Die fahren tagsüber mit ihren Bötchen raus und sind abends alle brav zurück im heimatlichen Hafen. Braucht man nicht ständig aufzupassen - was sind das für blöde Lichter, was treibt der da, wo will er jetzt hin??? - alles ganz entspannt hier, kann Mann vor sich hindösen und rauscht ganz alleine durch die Nacht. Mit dem ersten Zipfelchen Sonne fahre ich um Sisters Rock, die Tyrrel Bay liegt direkt vor uns - passt doch super! Segel einrollen, Motor starten, meine Crew tabbert leicht verschlafen nach oben - “Sind wir schon da?” Jo, pünktlich zum Sonnenaufgang! Langsam tuckern wir durchs Ankerfeld - man, ist das voll hier - die ersten Frühaufsteher fahren mit ihren Bordhunden zum Gassigehen an den Strand, wir stoppen auf, um die, noch halb Schlafenden, nicht zu überfahren, finden ein freies Plätzchen und lassen den Anker runterrasseln. Anker einfahren, der hält, aber irgendwie liegen wir `n bisschen dicht bei den Nachbarn. Wass soll`s, ist eben voll hier - Käpt`n kriecht zwecks Schönheitsschlaf in die Koje, Crew darf die salzigen Spuren der Überfahrt beseitigen!

Donnerstag, 15.08.2013

Unser Ankerplatz gefällt uns nicht. Gefiel uns eigentlich gestern schon nicht, aber heute hat der Wind auch noch leicht gedreht, alles liegt jetzt kreuz und quer, schabt fast am Nachbarn und überhaupt, wenn`s irgendwann mal wirklich richtig bläst, wollen wir einfach nicht in diesem Gewusel hängen. Also gehen wir kurz entschlossen Ankerauf und drehen unsere Runden durchs Ankerfeld, auf der Suche nach einem besseren Platz. Gar nicht so einfach, da, wie gesagt, ziemlich voll - endlich finden wir ein passendes Plätzchen. Anker runter, langsam einfahren, mit Vollgas prüfen ob er auch hält, Motor aus - fertig! Schnorchelzeug greifen, ins Wasser springen und gucken wie`s da unten aussieht. Sieht blöd aus - 5m neben unserem liegt ein anderer Anker - wenn der Wind wieder auf "normal" dreht, klatschen wir also mit dem dazugehörigen Boot zusammen. Wollen wir nicht. Anker eben wieder hoch, Runden drehen, neues Plätzchen suchen. Eine schöne freie Stelle entdeckt, Anker runter, einfahren, wir rutschen langsam rückwärts, dann nicht mehr, Vollgas - Anker hält! Taucherbrille schnappen, “Platsch!”, ins Wasser springen, der Anker hat einen riesigen Berg Grasballen vor sich hergeschoben und liegt faInternet für´n Caribul dahinter - gefällt mir auch nicht. Also noch mal das Ganze, wir finden ein anderes freies Plätzchen, Anker runter, ... und jetzt ist der Käpt`n endlich zufrieden. Alle Nachbarn weit genug weg, der Anker hat sich soweit eingegraben, dass nichts mehr von ihm zu sehen ist und der nächste liegt über 30m entfernt. Kann man sich echt `n halben mit Tag beschäftigen, mit so`nem Ankermanöver! Nächster Plan: Wassertanks auffüllen. Kletter ich also in den Motorraum, schalte den Wassermacher ein, will den Kühlwasserhahn vom Generator aufdrehen ... und stutze! Der ist ja schon auf!!! Das ist jetzt nicht gut! Hatte ich extra eingebaut, weil uns in Tunesien der Generator ja durch den Wasserrücklauf abgesoffen ist. Schnell haste ich ans Bedienpaneel im Salon, drücke auf`s Startknöpfchen, Klick! macht der Magnetschalter vom Anlasser, und nichts weiter. Schnell wieder ausschalten - alles klar: Wasser im Generator! Super, da hab ich ja für morgen gleich `ne schöne Arbeit, nächste Bad News kommt von Marion - das schnelle, freie Wifi-Netz in der Bucht funktioniert auch nicht. Wir müssen aber dringend unsere Post checken. Bleibt uns also nichts weiter übrig, als mit`m Laptop unterm Arm zur "Lambi Queen Bar" zu fahren. Die angenehme Nachricht des Tages: Marcel und Christa sind heute auch in der Bucht eingetrudelt, wollen auch ihre Mails checken und tuckern auch zur "Lambi Queen". Wir freun uns übers Wiedersehen, das ist jetzt zwar weniger förderlich für die Arbeit am Rechner, aber gut für den Umsatz des Kneipers :-)

 

Freitag, 16.08.2013

Das Tagesziel ist klar: den Generator wieder zum Laufen bringen. Hock ich mich also nach dem Frühstück in den Motorraum (gibt ja nur wenige Plätze, die bei 32°C Aussentemperatur soviel Spass versprechen). Das Öl-Wassergemisch abpumpen, Abgaskrümmer abbauen, LuftfilteHeiss, heiss, heiss ...rgehäuse auch und mit `nem selbstgebastelten Spezialwerkzeug den Motor langsam durchdrehen. Jede Menge Wasser spritzt aus den Ansaug- und Auslasskanälen. Jetzt kommt mein oben-ohne-Gehilfe ins Spiel. Sie drückt auf`s Startknöpfchen vom Generator, der Anlasser schafft es jetzt, den Zylinder durchzudrehen, der spuckt das restliche Wasser aus dem Luftansaugkanal, irgendwann nicht mehr, ich sprüh etwas Öl in die Öffnung, alles wieder zusammenbauen, frisches ÖL auffüllen - fertig. Gehilfe drückt wieder auf`s Knöpfchen, nichts rührt sich. Was `n jetzt?! Der Fehler ist schnell gefunden: das Bedienpaneel ist ja im Salon, langes Kabel bis in den Motorraum, am Ende ein Stecker mit zehn Pins dran, der gehört in eine Buchse am Generator. Und von einem dieser Pins ist das Kabel ab. Hab ich wohl beim Basteln drauf gesessen. Blöd! Beim Versuch, das Kabel wieder anzulöten, brech ich dann den Pin ganz ab und bin für den Rest des Nachmittags damit beschäftigt, zu improvisieren! Elektrobastel- und sonstige Ersatzteilkisten aus ihren Verstecken zerren, biegen, bohren, abkneifen, löten - irgendwann hat der Stecker wieder alle Pins, passt auch in die Buchse, alle Kabel sind dran - Startknopf drücken. Der Generatormotor rasselt los, `ne Stunde laufen lassen, ab und zu das Öl kontrollieren - kein Wasser mehr drin, noch mal Glück gehabt! Ich pump das Öl trotzdem ein weiteres Mal ab und mangels weiterer Ölreserven verschiebe ich die Neubefüllung auf morgen. Jetzt ist nämlich die "Lambi Queen" angesagt. Hatten sich Marion und Christa gestern ausgedacht, Freitags spielt dort ja immer die Steeldrum Band. Haun wir uns also den Wanst voll mit leckerem Fisch vom Grill und warten geduldig, bis die Musiker loslegen. Machen die dann auch, die Kneipe füllt sich, die Strasse davor auch, Segler, Familien aus dem Dorf, Kinder, die Dorfjugend, die Mädels haben ihre üppigen Rundungen in viel zu enge Minikleider gepresst, die Mamas ihre Männer rausgeputzt und sich selbst in Gala geschmissen. Meine persönliche Favoritin, die Big Mama am Nebentisch (geschätzte 120kg im hautengen Leoparden-Minikleid mit Ausschnitt bis zum Bauchnabel - rrrrrrrrrrrr!). Gewaltige Oberweite und ein noch gewaltigerer Bauch bilden eine harmonische Einheit. Die Tanzfläche ist voll, der alleinsegelnde paarungswillige Franzose versucht, die Dame seiner Wahl durch gekonnte Hüpftanztechniken zu beeindrucken, tanzwütige Ehefrauen zerren ihre Männer hinter sich her, die lustlos von einem Bein auf`s andere trampeln und die erstbeste Gelegenheit nutzen, sich wieder an die Bar zu verdrücken - wir geniessen allerbeste Abendshow, hüpfen auch so`n bisschen rum - ausser Tanzmuffel Marcel. Ein richtiger Mann tanzt niemals nüchtern! Na dann ist doch jetzt der beste Zeitpunkt dafür :-)

Sonnabend, 17.08.2013

So ohne Geld in den Taschen ist ja nun auch blöd. Nicht, dass wir gestern alles verprasst hätten, ne ne, 20 EC$ haben wir noch, für den Bus nach Hillsborough, da steht nämlich der nächste Geldautomat. Spassige Dinger, steckt man Plastikkarte rein, kommt Geld raus. Wenn ich so dran denke, wie wir früher mit dem ganzen Geld unterwegs waren, immer auf der Suche nach `ner Bank oder Wechselstube. Wie lange ist das eigentlich her? Ups, sind wir schon alt! Wo wir schon mal da sind, sacken wir noch `n bisschen Grünzeug ein und schaukeln mit dem nächsten Minibus zurück. Marion versucht gerade, ihre Salate, Tomaten, Früchte und sonstigen Vitamine nach dem Prinzip - verträgt sich, verträgt sich nicht, im Schiff unterzubringen, da entdeckt sie zwei Kumpels von Mr. K. der karibischen Weinkartonkakerlake was bei ihr sofort zu hektischen Aktivitäten führt. Nachdem die Tiere niedergemetzelt wurden, wühlt sie sich durch ihre Schränke ... “Irgendwo hab ich doch noch ... “ und taucht mit drei Kakerlakenfallen wieder auf. Noch original aus der Türkei! Ich bin immer wieder erstaunt, was sie so alles unter ihren Vorräten “versteckt” hat. Der Plan ist, dass die süssen Tierchen durch die Falle trampeln, dann das Gift zu ihren, eventuell im Untergrund verborgenen Freunden schleppen, diese beim Umarmen oder Händeschütteln auch vergiften und so den ganzen Stamm ausrotten. Werden wir mal beobachten! - Da wir uns ja schon zweimal bei Marcel und Christa durchfuttert haben, wollen wir uns heute rächen und haben sie zum Abendessen eingeladen. Der Käpt`n kocht heute! Marions Wunschgericht: Spaghetti mit Gorgonzolasosse! Ohne Gorgonzola, hab ich gerade nicht, nehme ich kräftigen Blauschimmelkäse! Das koche ich besonders gerne, wird nämlich mit Weisswein abgelöscht, Marion trinkt keinen Weisswein, aber da die Flasche ja nunmal offen ist und der Koch am Herd so schwitzt ... Christa bringt rein auf Verdacht noch `ne Vorspeise mit (die Drohung, dass ich koche, hat gewirkt ;), womit wir immerhin (wie bei den Schweizern üblich) ein Mehrgänge-Menü auf den wackligen Cockpittisch bringen. Schmeckt aber lecker (muss ich mir ja mal selbst auf die Schulter klopfen), alle denken, die Gorgonzolasosse muss so schmecken, Marion rundet das Menü mit irgendeiner Vitaminkreation ab und ich bin kurz davor, meine allerletzte, gut versteckte Grappaflasche rauszurücken. Mach ich aber nicht! Passt irgendwie doch nicht zu dem Rotwein :-)

Sonntag, 18.08.2013

Bettwetter. Regen, Regen und noch viel mehr Regen. Dabei gibt es hier nicht mal´n richtigen Berg, an dem sich eine Wolke festhängen könnte und dann abregnet. Zur Abwechslung donnert es auch mal recht heftig und abends zucken die Blitze über der Bucht. Frau kann sich dabei nicht mal auf den "Abendfilm" konzentrieren und wird vom Sitznachbarn angezischt, sie solle endlich mal still sitzen! Ja, ja, ja!

Montag, 19.08.2013

Himmelwärts ist immer noch alles grau in grau, aber jemand hat wenigstens den Hahn da oben zugedreht. Ist ja schon mal was. Sind am Überlegen, ob wir weiter fahren nach Grenada, in die Prickly Bay (poah! Da regnet´s noch mehr, weil´s hohe Berge hat). Andererseits müssen wir bei Budget-Marine eine neue Ankerkette bestellen (wir trauen unserer Edelstahlkette nicht mehr, seit 2010 ist da schon der Lochfrass drin). Letzten Endes einigen wir uns darauf, erstmal ne Mail mit ´ner Anfrage an die Firma zu schreiben. Ausserdem ist heut Kinder-Geburtstag in Berlin und wir wollen eh versuchen, zu skypen. Da der "Internet-Hahn" in der Bucht aber immer noch abgedreht ist, müssen wir uns zum Zwecke der Telefonie, mit wasserfest verpacktem Rechner unterm Arm, wiederMöwen - allgegenwärtig. Geht ein noch so kleiner Krümel über Bord, sie sind SOFORT da in die Lambi-Queen verholen, wo natürlich erwartet wird, dass man dann wenigstens ein Carib trinkt wenn man sich schon mit Sack und Pack niederlässt (es ist ja immerhin nachmittags ;) Die Mail ist schnell erledigt, aber das Geburtstagskind erreichen wir nicht. Klar, dass sie grad irgendwo gemeinsam mit Freunden am Feiern ist. Kramen noch ein halbwegs aktuelles Elternfoto raus, das wir statt Anruf durch den Äther schicken. "Happy birthday!" - Christa und Marcel tauchen auf, beladen mit Obst und diversen Einkäufen. Ach ja, Brot brauchen wir noch ... schneller Abstecher in den Markt und als wir zurück kommen sitzen die beiden beim Feierabendbier."Prima Idee!" und setzen uns dazu.

Dienstag, 20.08.2013

Wieder mal gruselige Wolken am Himmel und wir brauchen nicht lange zu warten, bis sich die Schleusen öffnen. An-Bord-Arbeitstag. Käpt´n düst kurz mit dem Rechner zur Lambi-Queen, um nach einer Antwort von Budget-Marine zu sehen. Nichts. Mist. Warten wir eben noch n Tag. Ich sitze vor meinem Rechner, sortiere eine Unmenge Fotos aus, als sich mit einem Mal ein Fenster öffnet: Drahtlose Netzwerkverbindung möglich. Whow! Sie haben ihr Internet wieder "angemacht"! Schneller Test, wirklich! Es geht! Cool, jetzt brauchen wir nicht extra Bier trinken zu gehen dafür. Ich klingel gleich mal das Kind in Berlin an, der Käpt´n "versinkt" lange Zeit in diversen wichtigen Seiten (dann nicht mehr ansprechbar). - Na, dann können wir ja doch noch in die Tasten hauen, um unsere Seite endlich mal wieder auf Vordermann zu bringen!

Mittwoch, 21.08.2013Uriger Nachbar - auch wenn sein Sturz ins Wasser oft ungeschickt aussieht, er ist ein geschickter Jäger

Regen, was sonst. Werfen uns frühs ins Dingi, zotteln unseren Wäschesack mit und tragen ihn dieses Mal in eine andere, näher gelegene Laundry. 25 EC$ klingen eben besser als 35. Allerdings weiss der fleissige Wäscher noch nicht, ob er alles in eine Maschine bekommt. "We´ll see". - Zurück auf der Mira kramt der Käpt´n endlich mal seine überall verstreuten Kritzeleien, Notizzettel und sonstigen halbfertigen Ergüsse zusammen und gerät langsam in Schreibekstase: "Brauchst du noch ´n paar Tage?", packt sie auf ´nen USB-Stick, ich bringe sie in unserem Text unter, suche Fotos dazu heraus, bearbeiten, speichern, ...

Donnerstag, 22.08.2013

Schreiben, bearbeiten, speichern, senden,... von morgens bis es abends an der Bordwand klopft. Jakob und Deborah, vom belgischen Boot, fast nebenan. Sie haben Probleme mit ihrer Ankerwinch und möchten sich unsere mal ansehen. Gefragt, getan. Irgendwann später fahren wir unsere Rechner runter (da passiert heut eh nichts mehr) und sitzen gemeinsam beim Feierabendbier im Cockpit. Echt nett, die beiden. Sie wollen als nächstes nach Trinidad und dort ihr Unterwasserschiff streichen. Mein Käpt´n hat unzählige gute Tipps und ich noch ein paar Bücher und n Stadtplan von Port of Spain - cool, wieder 1kg weniger an Bord!

Sonnabend, 24.08.2013

Sind heut Abend auf der"Knispel" zum Essen eingeladen. Deborah hat super lecker gekocht! Begucken nebenbei das Boot, eine Etap38 (schönes Boot!) und natürlich auch die Änderungen an der Ankerwinch. Jakob hat hier ein paar Aluteile anfertigen lassen, die die Kette besser über die Nuss laufen lassen, so dass ein Herausspringen verhindert wird. Deborah ist froh darüber, denn vorn an der Winch ist ihr "Arbeits"platz. Und sie haben keine elektrische! Wir sitzen bis zum frühen Morgen, erzählen über Gott und die WLet´s have a party!elt, über Woher und Wohin, Blaufusstölpel, Segelerlebnisse, straffällig gewordene Jugendliche in Belgien, mit denen Jakob Regatten gefahren ist, Navigationsprogramme, und und und ...

Sonntag, 25.08.2013

Bisschen geschwächt, aber wir schreiben und schreiben, die Computer laufen schon heiss. Heute, am Nachmittag, ist bis zum 11.8. alles fertig, Fotos dazu und dank guter Internetverbindung können wir gleich alles einstellen. Whow! Das schreit nach Belobigung! Und da heute Sonntag ist, an dem üblicherweise die Orts-Gemüsemutti einen riesigen Topf auf ein offenes Feuer am SJakob und Deborahtrand stellt, mit ´ner Menge Essen drin für hungrige Segler, wirft sich der Käpt´n gleich mal in´s Dingi, düst rüber zur Deception, zu Marcel und Christa, und zur Knispel, Jakob und Deborah, um alle zu diesem Event zusammenzutrommeln. "Getrommelt" wird an Land schon seit 10 Uhr morgens, die ganze Bucht wird in beachtlicher Lautstärke mit mehr oder weniger guter Musik beschallt - kommt aber von der anderen Seite des Strandes ... Zu 16 Uhr werfen wir uns in "Schale" (ich ziehe extra für die Gemüse-Mutti mein "MANGO ADDICT"-T-Shirt an) und wir tuckern erwartungsvoll in Richtung grosser Topf. So´n bisschen sacken wir schon zusammen, als am üblichen Ort keine Menschenseele, geschweige denn der grosse Topf zu sehen ist. MIST!! Wir treffen Deborah und Jakob, die auch ein bisschen enttäuscht aussehen - egal, dann fahren wir eben in Richtung Musik, mal sehen, was da so los ist. Aha, bunte Menschentraube, alles am Tanzen, jederLinks, Uncle Livys Boot mit ´nem Becher Rum oder einem Bier in der Hand (einige sehen schon etwas mitgenommen aus, die Musik spielt ja auch schon seit sechs Stunden ;). Wir mischen uns unters Volk und fragen nach, was hier gefeiert wird. Bootstaufe! Schon bekommt jeder ein Bier in die Hand gedrückt und der stolze Bootsbesitzer, Uncle Livy, zeigt auf den bunten, bereits im Wasser schaukelnden "Täufling". Er weiss noch nicht genau, für was er es nutzen will - ist es langsam, dann zum Fischen, ist es so schnell wie er denkt, dann zum Schmuggeln ;) Frühs war der Pastor zur Segnung da und jetzt wird gefeiert bis zum Umfallen ... umfallen könnte ich auch, hatte mich schon so auf das leckere Essen gefreut. Aber immerhin hatten wir ja noch ´ne Banane vorm Gehen - Friendswenn das keine Grundlage für so´n Fest ist!! Bisschen später ist alles am Schwofen, ob weiss, ob braun, ob Rasta, ältere Mutti oder Kind, sogar Jakob als notorischer Nichttänzer tritt schon von einem Fuss auf den anderen... René macht sich auf den Weg, Christa und Marcel abzuholen, die ihr Schlauchboot heute kleben mussten, Christian aus Frankreich vergrössert die Runde, David nebst gewichtigem Eheweib aus Kanada sind schon seit dem Vormittag am Feiern, Hüften kreisen, Füsse stampfen im Strandsand, ... zum Abend verlegt sich die tanzende Runde in die Lambi-Queen, die Musik ist gut, zu Essen gibt´s immer noch nichts, aber das macht nichts, Jakob tanzt jetzt schon richtig gut, Deborah kommt in Tanzekstase, ... der "harte" Kern tanzt durch, bis der Lambi-Queen-Chef die Mugge abdreht. - Wir bringen Christa Helau!!und Marcel zu ihrem Boot zurück, die GANZ ZUFÄLLIG noch was zu Essen stehen haben. "Muss nur schnell ein paar Nudeln kochen" und schon verschwindet Christa lachend in der Pantry. Wir werfen mal einen Blick auf die Uhr - oh, là, là! Marcel macht gute Musik an, holt irgendwann Wunderkerzen für alle (wie die kleinen Kinder - aber so schön ;) und Christa zaubert Lamm in leckerer Sauce mit Spirellis auf vier Teller, das ist richtig gut!! Mein Käpt´n klappert langsam mit den Augen, wir müssen in die Kiste. "Nur noch den Musiktitel zu Ende anhören"... "Oh, dieser ist auch gut!" ... ;)

Montag, 26.08.2013

-- Rien ne va plus! -- Soooo viel Bier war´s gar nicht und gegessen haben wir ja auch noch. Kommt das vom Tanzen? ... Glaub, wir werden langsam alt ;) Andererseits ist der dicke Kopf am nächsten Tag doch ein gutes Zeichen. -- Gegen Mittag kommt Jakob vorbei (sieht aus wie das blühende Leben (Hä???!!), mit Festplatte und USB-Stick bewaffnet, schon geht die Fachsimpelei über MaxSea, OpenCPN, AIS, Vector-Karten, ... los. Stunde später düst er wieder los, er muss noch zu Dominique, der hier in der Bucht, auf seinem alten Trimaran eine gute Werkstatt eingerichtet hat. Mein Käpt´n düst gleich mit, um rauszukriegen, ob Dominique auch unsere gebrochene Relingsstütze schweissen kann. Kann er. Perfekt! Abends kommt er vorbei, um sich alles anzusehen, o.k., kein Problem. Die Stütze muss abgeflext, gerade gebogen, gesäubert werden und dann können wir, bei gutem Wetter (nach Möglichkeit kein Wind), direkt an seinem Tri längsseits gehen, wo dann geschweisst wird. Ist ´ne echt gute Möglichkeit, die wir unbedingt nutzen wollen. Wo findet man schon einen Alu-Schweisser? Wo kann man zur Reparatur direkt ran fahren? Cool! Käpt´n greift daraufhin gleich zu seinem Lieblingswerkzeug, wirft den Generator an, ...”Töff, töff, töff, töff!! ...” “Ich geh dann mal schwimmen” und nehme meinen Kopf gleich mit ;) -- Abends koche ich meinem fleissigen Ehegesponnst ein leckeres Essen, das ich mit meinem derzeitigen Lieblings"gewürz" von der Orts-Gemüse-Mutti verfeinere. Eine feine Schärfe verzaubert den Gaumen ... Was fragt er?: "Haben wir noch Maggi da?"

Dienstag, 27.08.2013

Es regnet in Strömen, also fällt unser geplanter Schweisstermin buchstäblich ins Wasser. Unter dem Vorwand “Die Butter ist alle”, mach ich mich trotz Regen auf den Weg ins Dorf (viel schlimmer ist nämlich, dass die Zigaretten auch alle sind). Dann mit der abgeflexten Relingsstütze zu Dominique düsen und das Ding schon mal wieder gerade biegen. Dominique ist vor Jahren mit seinem Trimaran hier “hängen” geblieben, hat kurzerhand den Mast abgebaut, sich `ne Hütte auf´s Boot gezimmert, Schweissgerät, Generator und Werkbank reingestellt und werkelt jetzt, zur Freude der Segler und einheimischen Fischer, darin rum. Inox schweissen, Alu schweissen - für Dominique alles kein Problem und die Segler sind happy, mit ihren "Baustellen" direkt an der Werkstatt anlegen zu können. Wir einigen uns auf`s “Wetterbeobachten” zwecks Schweisstermin, ich düse weiter zu Jacob und Deborah, für die ich gestern (bis spät abends) noch ein kleines Navigations-Paket zusammengestellt habe - Jacob hockt sich gleich vor`n Rechner, blickt etwas hilflos auf meine Dateien, äh, ob ich ihm nicht mal kurz helfen könne? Klar kann ich ihm kurz mal helfen - mach ich dann auch den Rest des Tages. Programme installieren, rumprobieren, deinstallieren, wieder neu installieren, ... Windows7, 64Bit-Version stellt einen schon auf eine harte Probe! Ich bekomme zwar nicht alles, aber eiFest an Dominiques Trimaran-Werkstattniges zum “Laufen”, Jacob hat für den Abend genug Neues zum “Spielen” und ich bin sogar pünktlich zum Abendbrot zurück. Nur die Butter sieht jetzt etwas gewöhnungsbedürftig aus. Hatte ich wohl irgendwie vergessen :-)

Donnerstag, 29.08.2013

Es gibt schon Momente, in denen ich Marion nicht leiden kann. Zum Beispiel, wenn sie mich frühs um Sieben aus der Koje schmeisst! Gut, heute hat sie einen Grund. Wir sind um Acht mit Dominique verabredet. Wenn schönes Wetter ist! Und es ist schönes Wetter. Kurz vor Acht kommt Dominique extra noch mal vorbei, um uns genau das mitzuteilen, aber da stehen wir schon mit laufendem Motor stand by an der Ankerwinch. Gehn wir also an seiner schwimmenden Bastelbude längsseits, binden uns fest, Dominique zottelt sein Schweissgerät ran und fängt an zu brutzeln. Der Meister schwitzt unterDer Meister bei der Arbeit seinem Schweisshelm, der Handlanger, also ich, verbrennt sich die Pfote, weil er so blöd ist, sich genau an der frisch geschweissten Relingsstütze festzuhalten und Marion hält das Ganze auf Foto fest. Stunde später binden wir uns los, Dominique ist zufrieden mit seinem Werk, wir sowieso und billig war es ausserdem. Können wir ja eigentlich weiterfahren. Machen wir aber nicht, erstens haben wir noch nicht gefrühstückt, zweitens muss Marion noch Grünzeug kaufen und drittens ... ja, da fällt uns bestimmt noch ein weiterer Grund ein. Ach richtig, der Wind passt nicht!

Freitag, 30.08.2013

Wie heisst es doch so schön: je weniger Technik an Bord ist, um so weniger muss man reparieren! Da schUnd wieder ein Tag im Motorraumalte ich heute früh, wie üblich den Wassermacher ein, regle den Druck hoch, fängt das Ding an zu spinnen. Der Zeiger wackelt hin und her, die Trinkwasserdurchflussanzeige schiesst hoch und runter - sieht irgendwie nicht gesund aus! Also wieder ausschalten und mal das Handbuch zu Rate ziehen. Jede Menge möglicher Fehlerquellen, fang ich also an, die der Reihe nach abzuarbeiten. Grobfilter reinigen, beide Vorfilter wechseln und wo ich schonmal dabei bin, baue ich auch gleichmal das, schon seit Wochen an Bord rumliegende, Zweiwegeventil für den Salzwasserauslass ein. Passende Schlauchfittinge aus der Bastelkiste kramen, mit Dichtband eindrehen, Abwasserschlauch durchschneiden und versuchen, die Schlauchenden auf die Fittinge zu würgen. Das Arbeiten mit der Heissluftpistole im ohnehin pottenheissen Motorraum erhöht den Spassfaktor ungemein! Handbücher sind ja echt informativ, unter anderem erfahre ich, dass an der Hochdruckpumpe nach 50 Betriebsstunden ein Ölwechsel durchzuführen ist. Oi. Das war ungefähr vor drei Jahren! Mach ich auch noch den Ölwechsel, dazu die ganze Pumpe abbauen, da man sonst nicht an die Ablassschraube kommt (wer baut so`n Scheiss?!), neues Öl auffüllen, alles wieder anbauen und jetzt noch die Membran mit Reinigungslösung spülen. Das ist dann aber schon fast Belobigung, braucht man bloss noch die Lösung in einem Eimer anzumischen, Ablass- und Ansaugschlauch rein, Pumpe anschalten und die Suppe `ne Stunde lang zirkulieren lassen. Und was treibt die sonst so emsige Bordfrau?! Seit gestern ist sie nur noch mit Stöpseln im Ohr anzutreffen und de facto nicht ansprechbar. Frank Schätzing`s "Der Schwarm" als Höhrbuch! Bin ja gespannt, ob sie danach noch zum Schnorcheln ins Wasser geht! Marcel und Christa kommen mit dem genialen Plan angetuckert, jetzt schon zwecks Feierabendbier bei der "Lambi Queen" einzufallen, bevGeburtstagkind Andy und Johnsonor die freitägliche Steeldrum-Band anfängt, Krach zu machen und wir wieder bis in die Puppen da rumhängen. Toller Plan, geht nur nicht auf! Ein Uralt BMW-Gespann kommt angeknattert, die drei alten Männer mit Bierflasche und Rumglas in der Hand sind sichtlich in Partystimmung. Andy, der Fahrer hat Geburtstag und Mühe, seine Mitfahrer vom Rücksitz und aus dem Seitenwagen zu bekommen :-) Wir lernen Don kennen, der weit über Siebzig und eine Seglerlegende ist, weil er irgendwann (vermutlich vor hundert Jahren) als erster mit einem Katamaran den Pazifik gegen den Wind nach Amerika überquert hat. Heute hat er aber andere Pläne, er kuschelt bei Christa. Johnson, ist über Achtzig, war auch schonmal in Deutschland (1946!), ist 1953 mit seinem ersten Bötchen, einer 5m-Ketsch über den Atlantik, hat mehrfach die Welt umsegelt, schwärmt von den Zeiten, wo er zwischen den Karibikinseln kreuzend mit Schmuggeln gutes Geld verdient hat, segelt immer noch rum und freut sich wenn ihn seine Kinder aus den verschiedensten Ecken der Welt mal besuchen. Die Runde wird immer grösser, die Steelband immer lauter, die alten Männer kippen mittlerweile mehr Rum auf den Tisch, als in die Gläser, die Stimmung ist super! Irgendwann packen die Musiker zusammen, wir hocken uns in die Schlauchboote, um nach Hause zu fahren, die drei lassen sich auf`s Motorrad heDer Schwarm?lfen um in ... die nächste Bar zu knattern!

Sonnabend, 31.08.2013

Das Wasser liegt still und bleiern da, man kann direkt bis auf den Grund sehen. Es ist absolut windstill. Koffer- und Kugelfische, Kalmare, der riesige Schwarm der eigentlich winzigen Bogitos und diverse andere kleine Fischchen - wir brauchen uns echt nicht den "Stress" machen, die Taucherbrille aufzusetzen und zu ihnen ins klare Wasser zu springen, können ihnen direkt aus dem Cockpit zusehen. Ob´s da unten heut auch so heiss ist? Sie schwimmen ziemlich träge hin und her. Ein Blick auf´s Instrument: 29,1°C Wassertemperatur. Na, dann sind sie ja auch bald gar. Uns geht´s ähnlich, am liebsten würde man den ganzen Tag im Wasser zubringen, das immerhin 5°C kühler ist - irgendwann werden uns wohl noch Schwimmhäute wachsen :) Ein Freund von uns, Karl, meinte mal, dass ihm der ewige, starke Wind in der Karibik auf die Nerven gegangen wäre. Da soll er mal bei Windstille und 34°C hier rumsitzen! Danach würde er den Wind lieben!!! ;)  - Apropos starker Wind: haben heute den Reisebericht unserer Barlovento-Liegeplatznachbarn Annemarie und Werner (Out of Rosenheim) bekommen - Mannomann! Wen es auch interessiert: http://guido.bootslog.de - Morgen wollen wir endlich mal wieder weiter, wenigstens bis St. George´s. Mal sehen.

Sonntag, 01.09.2013

Der Morgen beginnt mit ´nem Pott Kaffee und einer ausgiebigen Schwimmrunde. Es ist immer noch fast windstill und es ist herrlich, durch das klare Wasser zu gleiten, sich auszupowern. Auch der letzte Muskel erwacht, die Augen sind jetzt ganz auf. Zum Abschluss schnell noch die Taucherbrille auf ... unsere "Haustiere" sind gerade beim Morgenausflug. Über 60 kleine und grössere Kalmare schweben in einer langgestreckten Traube am Boot. Als Tagesfarbe haben sie heute braun gewählt. Die Fangarme hängen brav Karlheinz, Klausdieter, Kuno, Karl, Kevin, Klaus, Knut, Karsten, Konrad ... ?zusammengelegt wie grosse Nasen herunter, mit ihren riesigen Augen schauen sie uns an. Anfangs waren es nur 12, die wir bemerkt hatten. Sie sind in die Lenzrohre im Cockpit eingezogen. Wird wohl langsam eng da? - Unser erstes Haustier war ein kleines, dunkelblaues Fischchen mit gelbem Schwanz, Hamlet. Mit sichtbarem Vergnügen tat es sich am bordeigenem Riff gütlich und verbiss alle anderen Wohn- und Fressinteressenten. Gingen wir ankerauf, schlüpfte es in das Lenzrohr und fuhr mit. Konnte man gut von oben beobachten :) Angekommen, Motor aus, das Fischchen war auch wieder da, fleissig am Knabbern und zog abends in sein heimeliges Rohr.. Leider hat ihm die ziemlich ruppige Überfahrt nach Martinique nicht gefallen (Vollwasch- und Schleudergang im Lenzrohr), oder es ist wegen des eklig, trüben Wassers in der Bucht vor Le Marin ausgezogen. Traurig, na ja. Jetzt müssen wir uns jedenfalls ganz schön viele Namen für unsere neuen Tierchen ausdenken. Christa "schleicht" schon immer heimlich ums Boot und würde sie gern in ein Risotto tun! Wie gemein!! ;) - In Sachen "türkische Fallen" für Familie K gibt es momentan nichts weiter zu berichten, als dass sich bis dato keiner weiter hat blicken lassen. Und das ist auch besser so!!! - Soviel zu den Tieren "an" Bord. - Gestern nachmittag hat der Käpt´n noch einen neuen, feschen Haarschnitt auf der Badeplattform bekommen und,  wie vielleicht bemerkt wurde, wir haben hier auf der website wieder das aktuelle Datum erreicht. `ne Menge Arbeit, endlich geschafft!! Das war uns dann doch zwei kalte "Königsbacher" im 500ml-Format wert! PROST!!

 

Montag, 02.09.2013

Mir reichts! Seit TagÜberfahren grad den Unterwasservulkan westlich von Ronde Island - ob irgendwas zu sehen ist?en warten wir auf passenden Wind, um endlich nach Grenada weiterzusegeln. Passt sonst immer! Aber jetzt hängt so`ne dämliche Passatstörung vor den Windward Islands rum und kann sich einfach nicht entscheiden, ob sie nun ein Tropical Storm werden, oder ein Hurrican, oder sich ganz auflösen soll. Windstille, dödelige Winde aus allen möglichen Richtungen, wieder Windstille ... Marion ist ja ganz happy mit ihren Haustieren, aber als mir heute früh beim Morgenkaffee auch noch `ne kleine Krabbe zwischen den Füssen durchs Cockpit wackelt, reichts! Abfahrt, bevor auch noch die Pelikane anfangen, ihre Nester bei uns zu bauen! Der Wind ist mir sowas von egal - wir ham schliesslich `n Motor, der Diesel war billig und die Batterien freuen sich auch mal wieder über ordentlich Strom. Die Crew hat Einwände bezüglich der Versorgungslage, also schnell noch ins Dorf düsen, Brot, Eier und Grünzeug einsacken und dann geht`s Ankerauf. Kein Wind, war ja klar, dafür aber auch spiegelglattes Wasser. Der Angelköder freut sich, dass er mal wieder baden darf, die Batterien über jede Menge frischer Amp´s und wir uns auf Saint George`s. Kurz vorm Sonnenuntergang fahren wir den Anker ein, es ist natürlich windstill und es steht `ne kleine Dünung, in der wir wie blöd von einer Seite auf die andere rollen! Wären wir bloss noch in Carriacou geblieben!

Dienstag, 03.09.2013

Quälen uns ziemlich zerknittert und mit dicken Augen aus der Koje - die Mira tanzt immer noch in der Dünung. Links, rechts, links, rechts, man könnte meinen, sie hat Spass daran. Wir jedenfalls nicht! Sprechen mag noch keiner. Erstmal n Kaffee, dann ab ins Wasser! O.k., danach sieht die Welt schon viel freundlicher aus :) Haben heut volles Programm: zuerst zu Island Waterworld, der Shop liegt gleich an der Lagoon um die Ecke. Checken, was sie im Angebot haben, Preise erfragen, ist die Ware im Lager, oder muss erst bestellt werden, ... Danach auf einem Mini-Bus aufspringen und zur Prickly Bay, zu Budget Marine düsen, da dasselbe “in grün”. Die Leute bei Island Waterworld machen n echt kompetenten Eindruck, das Angebot ist gross, der Laden wirkt aufgeräumt und gut organisiert. Nur leider haben sie z.B. nicht die Ankerkette, die wir nach langem Hin und Her, als gut für uns auserkoren haben. Der Budget Marine-Laden ist ziemlich finster, kleiner, und der Typ, der sich unserer “Wünsche” annimmt, hat irgendwie nicht so richtig Ahnung, wie´s scheint. Klar, hat er die Kette da, auch genug davon. 400 Fuss! O.k., wir brauchen 250. Fein. Wir wollen anzahlen, damit beim nächsten Mal, bei der Abholung, die Kette auch noch da ist. Kein Problem. Die Dame an der Kasse fragt, ob denn auch jemand nachgesehen habe, ob die Länge in einem Stück verfügbar ist ... So´n bisschen klappt uns jetzt der Kiefer runter. Davon sind wir einfach mal ausgegangen, dass maCheers!n eine Ankerkette im Stück und nicht als mehrere kleine “Reste” kauft, die man ja toll, z.B. mit Kabelbindern, zusammenbinden könnte!!!! Wir wieder zurück, fragen. Jaaa, das weiss er auch nicht so genau, da müsste mal geguckt und abgemessen werden. Dauert aber ca. eine Stunde. Gut. Warten wir. Brauchen eh mal ´ne Pause. Setzen uns in den “Big Fish” nebenan und kühlen uns mit einem Carib runter. - Die Stunde ist um. Der Typ, bisschen konfus, der Chef kommt dazu. Ja, die Länge der Kette muss erstmal gecheckt werden, die liegt zusammengerollt in ´nem grossen Fass und darum kümmert sich morgen früh jemand ... wir bekommen dann eine Mail ... Ja, cool! O.k., denken wir positiv! Wir machen die Anzahlung also trotzdem und werfen uns in den nächsten Kleinbus, der uns an der Carenage raus lässt. In unserer kleinen Lieblingsbar essen wir schnell eine Kleinigkeit, dann lassen wir uns mit einem eiskalten Carib auf der Holzbank vor der Tür fallen. Viele Läden schliessen jetzt und eine Menge Leute sind unterwegs, auf dem Weg nach Hause oder sonstwo ... es ist einfach nur schön, hier auf der harten Bank zu hocken und zuzusehen. Aber wir bleiben nicht lang alleine, Christine und Wolfgang von der Azzurro erspähen uns. Haben uns das erste und letzte Mal Mitte Juli in der Tyrrel Bay getroffen und sie haben eine Unmenge zu berichten, so dass wir vier erst zum Sonnenuntergang zurück auf die Boote kommen. Noch ´ne Runde schwimmen zum Runterkühlen und dann Essen (wie gut, dass wir heut nur schnell aufwärmen brauchen -. HUNGER!!!!)

Mittwoch, 04.09.2013

Kompetenz-Center Budget-Marine, die Zweite! War mir eigentlich vorher klar, dass wir auf `ne Mail von Budget ewig warten können - wenn man denen nicht auf die Füsse tritt, passiert gar nichts. Ist ja auch unheimlich schwierig, so`ne Ankerkette aus`m Fass zu ziehen und nachzumessen, wie lang das Ding ist. Müsste man ja aus dem klimatisierten Verkaufsraum bis ins Lager gehen ... ! "Jede Wette ... " - Marion will nicht wetten, ich soll mich von Bord scheren und woanders rumnörgeln. Gute Idee! Spring ich also ins Schlauchboot und fahre erstmal zu Island Waterworld. Bei einem "Wassereinbruch" vor Brasilien hat`s ja unser Schaltpaneel geflutet und dabei ist das Anzeigesystem für die Wassertanks "abgeraucht". Beim emsigen Katalogstudium habe ich dann so ein nettes kleines Spielzeug als Ersatz gefunden ... kein Problem, haben sie zwar nicht im Sortiment, können sie aber bestellen. Dauert eine Woche. Na bitte, so macht Geldausgeben doch Spass! Mit dem Minibus dann zu Budget. Der Verkäufer kann sich immerhin müde daran erinnern, gestern mit mir über `ne Ankerkette geredet zu haben, er hätte mir gerade eine Mail geschickt - wird plötzlich hellwach und verschwindet erstmal. Viertelstunde später taucht der Manager auf, meinen Verkäufer im Schlepptau. Gerade eben hätten sie die Kettenlänge überprüft und festgestellt, dass Computersystem und Wirklichkeit nicht so ganz übereinstimmen. Find ich natürlich nicht so gut! Nach Trinidad, wo die passende Länge auf Lager wäre, will ich auch nicht fahren und überhaupt geht es mir schon auf die Nerven, dass ich extra mit dem Bus herfahren muss, um zu erfahren, dass sie mir Sachen verkaufen, die sie gar nicht haben. Schliesslich einigen wir uns darauf, dass die Kette auf ihre Kosten verschifft wird und sie mir die Woche Wartezeit mit einem Preisnachlass versüssen. Na, da bin ich aber gespannt! Ein neues Solarpanel wollen wir uns auch noch kaufen - mein Verkäufer druckst so`n bisschen rum wegen der abgefragten Parameter und holt sich diesmal lieber fachkundige Hilfe. Ein wahrer Kompetenzbrocken, der mir einen sensationellen Preis für das 190Watt-Paneel nennt und selbstbewusst auch gleich den passenden Laderegler auf den Tresen legt. 10 Ampere maximaler Ladestrom, lese ich auf dem Teil - so`n bisschen Kopfrechnen kann ich ja noch und bei 190 Watt fliessen nunmal deutlich mehr als 10 Ampere. Guckt er leicht beleidigt - doch, der passt!! Neben uns liegt der hauseigene Katalog, schlage ich das Ding also auf, finde das Paneel und da steht extra fett: Achtung, für dieses Solarpanel unbedingt den oder den Laderegler verwenden und die Dinger haben alle über 20 Ampere. Ob er überhaupt weiss, wovon er redet frage ich ihn - jetzt ist er ganz beleidigt! Mir egal, das Solarpanel kaufen wir lieber bei Island Waterworld!

Saint George´s

Donnerstag, 05.09.2013

Der eigentliche Plan, eine neue Ankerkette nebst dazu passender Kettennuss einzusacken und anschliessend weiterzusegeln, geht ja mal wieder nicht auf, aber beides ist bestellt, können wir uns also noch der Vergrösserung unserer Solarfläche widmen. Die beiden bisherigen Solarpaneele sollen vom Geräteträger auf`s Deckshaus umziehen, wodurch hinten Platz für ein neues, grösseres Paneel frei wird. Vor der Arbeit kommt ja bekanntermassen das Vergnügen, heisst Shopping-Tour. Ich brauch ein paar Meter Kabel und Schellen zur Paneelbefestigung - wird ja in irgendeinem Hardware Store aufzutreiben sein. Per Minibus geht´s also zu den angesagten Shoppingcentern ausserhalb der Stadt.  Baumarkt Nr.1 hat vielen tolle Sachen zur Verschönerung des trauten Heims, aber nichts, was wir brauchen. Also wieder in den Bus, ich entdecke eine Edelstahlbude - vielleicht ist die ja hilfreich. Schellen haben sie nicht, könnten sie anfertigen, DAUERT ABER und so richtig hat der Meister auch keine Lust darauf. Schnell noch bei Budget-Marine stöbern, dann nächster Baumarkt - jetzt entdeckt Marion einige WIRKLICH WICHTIGE Dinge, die in den Einkaufskorb wandern, passendes Kabel ist nicht dabei und den Traum von Edelstahlschellen hab ich gerade aufgegeben. Dafür hält mir Marion einen Inox-U-Bolzen vor die Nase ... ginge es nicht auch damit? (Äh, ja ist sogar viel einfacher, wieso bin ich da nicht selbst drauf gekommen?) Kann ich jetzt aber nicht gleich zugeben ... ZUR NOT GINGE DAS SO AUCH! Schnell sacke ich vier U-Bolzen, nebst reichlich Muttern ein (das ist auch noch deutlich billiger) und schDeborah versucht sich an der Bremstrommelleppen uns bei den gefühlten 100°C weiter durch die Läden. Bei Island Waterworld bekomme ich dann auch endlich das passende Kabel (der Preis lässt auf vergoldete Litze schliessen) und in unserer kleinen Stammkneipe an der Carenage das wohlverdiente kalte BIER! Die Stammgäste begrüssen uns per “Fauststoss”, der Kneiper bringt mit dem zweiten Bier einen kleinen Imbiss - geht auf`s Haus - so lässt sich der Feierabend doch aushalten ...

Freitag, 06.09.2013

Die “Hütte” sieht aus wie `ne einzige Baustelle - die Salondecke ist komplett runter, überall hängen Kabel rum, meine diversen Werkzeug- und Ersatzteilkisten sind Tanzen lernen :)verteilt - aber ich habe einen Plan. Der wird nur heute nicht mehr fertig. Immerhin zwingt Marion mich zum Feierabend, das grösste Chaos zu beseitigen und das ist auch gut so! Wir können unser Feierabendbier ja nicht wie anständige Leute heimlich im Cockpit trinken, wir müssen dazu ja in die Carenage-Kneipe! Und als wir da so genüsslich am Fläschchen nuckeln, schlendern Deborah und Jacob vorbei. Die zwei liegen mit ihrem Kutter in der Prickley Bay und sind auf dem Heimweg. Aber ein Bierchen geht vorher noch. Dann doch noch eins. Zwei Stammgäste packen ihre Bremstrommeln auf `n Tisch und fangen an, darauf rum zu klimpern, der nächste gesellt sich mit Takthölzern dazu, Marion und Deborah fangen an zu zucken, Jacob holt neues Bier, weitere Leute lassen sich von der Musik anlocken und schon ist die schönste Party im Gange. Unsere Mädels abwechselnd an den Bremstrommeln, der Kneiper bringt einen kleinen Imbiss, ich tanze auf deDas ist der Rhythmus wo man mit muss - alle haben ne Menge Spass!r Strasse, Jacob schaut nervös auf seine Uhr. “Ihr könnt doch auch bei uns schlafen!” Deborah denkt eh nicht ans Nachhausegehen, Jacob packt grinsend seine Uhr weg, die Mädels hüpfen wie wild rum, ich versuche, mit einer rundlichen Schönheit im Takt zu bleiben, der Kneiper schmeisst `ne Runde Freibier, Marion und Deborah mit den Musikern jetzt bei so `ner Art Polonaise, ich schlage tapfer den angebotenen Rum aus, die Rundliche hat sich Jacob gegriffen, ... es ist weit nach Mitternacht, als die Musiker ihre "Instrumente" einpacken, der Kneiper anfängt auszufegen und Jacob und ich Mühe haben, unsere immer noch tanzenden Ladys Richtung Schlauchboot zu ziehen. Soviel zum Thema Feierabendbier!

Sonnabend, 07.09.2013

War doch echt gut, dass die Werkzeugkisten nicht mehr überall rumstanden - wäre sonst wohl `n bisschen eng geworden zu viert. So hatte aber jeder eine freie Koje. Marion zaubert aus den unendlichen Tiefen ihrer Vorratsschränke noch zwei Zahnbürsten und ein leicht verkaterter Käpt`n ein üppiges Frühstück. Mit Rührei! War dann aber auch schon die einzige heroische Tat des Tages - abgesehen davon, dass ich unsere Gäste gegen 14 Uhr noch zurück ans Ufer gebracht habe, war ich den Rest des Tages rechtschaffend FAUL! Marion auch! Runterhängende Kabel - na und!? Fehlende Salondecke - was soll`s?!!! Manana, heisst das Zauberwort. Morgen ist schliesslich auch noch ein Tag!

Sonntag, 08.09.2013

Ist jetzt nicht so, dass wir gleich mit dem ersten Sonnenstrahl und schlechtem Gewissen losgerackt hätten, um den gestrigen Gammeltag wieder "auszubügeln", aber immerhin stand die Sonne noch nicht im Zenit :-) Zehnmal messen wir nach, wo wir die Löcher für die Kabel nun bohren wollen, grübeln nochmals, sollen wir wirklich? - dann sind sie drin! Die beiden teuren, mega-super-wasserdichten Kabeldurchführungen anbauen, Kabel durchschieben und schön mit Kabelbindern fixiert verlegen. Marion kann schon mal anfangen, die Deckenplatten wieder anzuschrauben, ich grübele darüber nach, wie ich die Kabel jetzt von der Decke bis in den Flur, zum Laderegler und den Batterien bekomme. Falls irgend jemand mal auf die Idee kommt, ein Boot auszubauen - verzichte auf die Isolierung ;), pack überall Reservekabel und wenn du keine mehr hast, Leerrohre rein! So`n Kabel mal paar Meter durchs Schiff dauert beim Ausbau ein, zwei Stunden - hinterher zwei Tage!! Durch hemmungslosen Gebrauch von Bohrmaschine, Lochkreissäge und ähnlich staubintensiven Gerätschaften baumeln die Kabel irgendwann da, wo sie hinsollen - macht MANN sich natürlich sehr beliebt bei der Bordfrau! Die rächt sich, indem sie ein Brot in den Backofen schiebt - erhöht die Temperatur im Salon um weitere 30 Grad! Schnell noch die letzten Deckenplatten anschrauben, Werkzeug wegräumen, Marion beseitigt, leise vor sich hin toddernd, die Spuren meiner Zerspanungsorgien, ich wechsel schonmal in die Kombüse. Wird auch höchste Zeit, wir haben unsere belgischen Freunde nämlich heute zum Abendessen auf`s Schiff gelockt - Käpt`n kocht! Wie üblich, mit reichlich Zwiebeln, Knoblauch und dem falschen Käse - ist jetzt nicht so, dass mir nichts anderes einfallen würde, aber Marion liebt diese Sosse! Ich auch, wegen dem angefangenen Weisswein, der dann immer übrig bleibt :-) Von den Schweizern haben wir ja gelernt, dass zu einem anständigen Dinner mehrere Gänge gehören - frisch gebackenes, dunkles Brot (Deborah kriegt sich gar nicht wieder ein, es wäre schon sooo lange her, dass sie so ein RICHTIGES Brot gegessen hätte!!) mit, von der Bordfrau angerührten Pamps aus Avocado (hat auch einen Namen, hab ich aber vergessen) eröffnen das Gelage, Spaghetti mit Käpt´ns Spezialsosse, Obstsalat, abgerundet mit Trauben und Gerstensaft! Macht wie immer Spass, mit Deborah und Jacob zusammenzuhocken, wir labern, lachen, blödeln rum und wenn uns mal `ne Vokabel nicht einfällt, ist das auch nicht so schlimm - ich erzähl eh immer mit Händen und Füssen. Sagt Marion! Und weil Deborah und Jacob morgen weiter segeln wollen, wird`s diesmal auch nicht sooooo spät :-)

Montag, 09.09.2013

Schon wieder Solarpaneele! Heute sollen sie endlich umziehen. Marion quält sich mit den vier Jahre alten Verschraubungen rum, um die Dinger vom Geräteträger zu bekommen, ich darf dafür im wohltemperierten Schiffsinneren die neuen Kabel an den Laderegler anklemmen. Kabelschuhe und Aderendhülsen pressen, mit Kabelbindern alles im Schaltschrank verlegen - soll ja auch schick aussehen - eine Stunde später ist alles vorbereitet, Marion hat auch schon ein paar Schrauben ab :-) DieFast fertig meisten sogar! Mit brutaler Gewalt lösen wir gemeinsam auch die letzten hartnäckigen Muttern und können die beiden Paneele endlich aufs Deckshaus schleppen. Noch `n bisschen hin- und herschieben, dann steht die Position fest. Brauchen sie halt nur noch angeschraubt werden. Das ist der Moment, wo man sich einen kleinen Chinesen wünscht, der es versteht, mittels ausgefallener Yogatechniken seine Gliedmassen dermassen zu verbiegen, dass er da auch rankommt, wo die Verschraubungen sitzen. Haben wir aber nicht, müssen wir uns also selbst die Gelenke verbiegen - fluchend, schwitzend, stöhnend brauchen wir den halben Tag, bis die Befestigungen alle dran sind. Und dabei können wir noch froh sein - bei meiner Befestigungsvariante wären es doppelt so viele Schrauben gewesen!

Dienstag, 10.09.2013

Ich zähle 51 Boote, die hier in der Bucht vor St. George´s vor Anker liegen. Ist ´ne Menge. Als wir im Mai hier gewesen sind, waren es lange nicht so viele. Es ist heiss und wieder mal windstill ... Mein Käpt´n, mir gegenüber, ist schon seit ungefähr zwei Stunden vollständig in der Welt des World Wide Web versunken (ich könnte mich de facto in Luft auflösen, er würde es nicht mal merken). Irgendwann hat er doch scheinbar alles Interessante gelesen und erwacht wieder zum Leben, ja spricht sogar. Jetzt hab ich aber keine Lust. So! (Zigaretten sind auch schon wieder alle). Wir knurren uns bisschen an, hin und her, und er macht sich daraufhin allein im Dingi davon, Einkäufe zu erledigen. Er will zu Budget Marine, sehen, ob die Kettennuss und das Solarpaneel angekommen sind. Mist, hoffentlich gibt er nicht zu viel Kohle aus. Ich kann ihn da oft noch bremsen ;) Mich erwartet ein Berg Abwasch (wie schön!) und danach kram ich den Gewindeschneidsatz unterm Sitz hervor, denn in der Pütz warten diverse Schrauben von der alten Solarpaneelhalterung, die wir wieder verwenden wollen. Feine Arbeit! Dazu gibt´s Musik von "Good Charlotte" auf´s Ohr, da macht das Gewindenachschneiden gleich noch viel mehr Spass :) Mein Käpt´n ist bald zurück, mit mehreren Beuteln und Rucksack beladen (oh, oh!) Er strahlt. Die Kettennuss und das Tank-Monitorsystem hat er dabei, das Solarpaneel war auch da, aber noch verpackt. Morgen schaffen sie´s wohl, die Pappe abzunehmen. Zigaretten und was zu Essen hat er auch dabei, ist doch ein Schatz! - Gegen 17 Uhr tuckern Christine und Wolfgang von der Azzurro bei uns vorbei und versuchen, uns, zum wiederholten Male, mit zur deutschsprachigen-Happy-Hour-Runde in die Port-Louis-Marina zu locken (wir sitzen ja viel lieber mit den Locals in der kleinen Carenage-Bar ;). Aber o.k., morgen kommen wir mit. Versprochen!

Mittwoch, 11.09.2013

MANN wird ja auch nicht klug! Als ich gestern bei Budget die neue Kettennuss eingesammelt hab, musste ich meinen Lieblingsfachverkäufer doch noch so`n bisschen wegen `nem Solarpaneel nerven. Die haben ein monokristallines Paneel mit 150 Watt im Sortiment, kein spezieller Laderegler für nötig - kann er also nichts verkehrt machen und die Dinger sollten diese Woche ja angeliefert werden. Jo, sagt er, sind gekommen! Zück ich also meinen Zollstock - kann ich mal die Grösse ausmessen? Nö, die sind ja noch nicht ausgepackt. Und was kosten die? Weiss er auch nicht, sind ja schliesslich noch im Karton. Spätestens da hätte ich stutzig werden müssen! Jetzt erwacht mein Lieblingsfachverkäufer plötzlich zu ungeahnter Initiative (vermutlich ist ihm die entsprechende Passage aus dem Handbuch für Fachverkäufer gerade eingefallen: Kunden erstmal glücklich machen!) und er zieht mich ins Lager. Alles voller Kartons, er zeigt auf einen - da sind sie drin! Sieht aber ganz schön klein aus für 150 Watt Paneele! Ja, aber die sind da drin. Und morgen Nachmittag sind sie ausgepackt, da kann ich sie ausmessen und er weiss auch den Preis! Bin ich doch tatsächlich so blöd und zuckel mit Marion heute extra noch mal her! Die Paneele kann ich nirgends im Laden entdecken, dafür den Manager. Wir wollen uns die 150 Watt Teile mal anschauen! Guckt er leicht irritiert, hat er gar nicht da. Doch, die sind gestern mit der Lieferung gekommen! Er drückt zwei Tasten auf seinem Computer (der selbe, hinter dem gestern mein Lieblingsfachverkäufer stand) - nö, da sind nur 95 Watt Paneele bei! Er geht mit mir ins Lager, zeigt auf den Karton von gestern. 3 Solarpaneele a 95 Watt steht auf dem Aufkleber! Und was lehrt uns das? Ins Handbuch für Budget-Verkäufer gehört unbedingt, dass sie auch Aufkleber lesen lernen und bei Lieblingsfachverkäufern vielleicht sogar das Training der Benutzung von zwei Computertasten! Wir haben dann das 140 Watt Paneel bei Island Waterworld gekauft!

Donnerstag, 12.09.2013

Heut ist´s soweit - das neue Solarpaneel wird angebaut. Die Nacht hat´s angeschnallt (wg. Schwell), auf weichen Kissen auf dem Salontisch verbracht. Käpt´n platziert frühs die vier "Füsse" auf dem Geräteträger, misst alles noch mal aus ... "So sollte das passen!" Ich, in meiner Funktion als Bordfrau, werfe einen anerkennenden Blick darauf. "Was ist mit den Knieblechen da drunter? Wie bohrst du da?" Käpt´n zuckt kaum merklich zusammen. "Mist!" Hat er irgendwie die ganze Zeit übersehen. Die Messerei geht von neuem los, die "Füsse" werden wieder hin und her geschoben ... Irgendwann wuchten wir aber doch das gute Stück auf seinen Bestimmungs- und Arbeitsplatz, Käpt´n klemmt alles an und erntet grosses Lob für die perfekte Arbeit :) Wir sind total gespannt, was jetzt an Strom reinkommt ... Hm. Doll sieht´s ja nicht aus. Ein Blick zum Himmel: dicke, schwarze Wolken hängen da rum. Ja cool! Jeden Tag eitel Sonnenschein, nur gerade jetzt nicht! Gucken wir eben morgen!

 

Freitag, 13.09.2013Das Wetter passt ja mal wieder!

Wollte ich mich doch heute den ganzen Tag so schön vor die Schalttafel hocken und beobachten, wie die Ampere vom neuen Solarpaneel munter in die Batterien purzeln (Freitag der 13., da soll man ja schliesslich nichts aufregendes anfangen)! Plan geht nicht auf - wieder ´ne fette Wolkendecke - schlappe 5 Ampere auf der Anzeige. Das ist jetzt auch nicht so spannend, dass ich da den Rest des Tages raufstarren müsste, machen wir uns also auf den Weg, die neue Ankerkette einzusammeln. Bei Budget! Soll ja jetzt in einem Stück da sein! Obwohl, rein transporttechnisch wären lauter kurze Stücken natürlich einfacher gewesen. Die Befürchtung, dass wir uns an dem Ding `n Bruch heben könnten, war völlig unbegründet - Kette ist noch nicht da. War ja klar - Freitag der 13. eben! Und weil wir auf dem Rückweg Jeremy aus der Carenage Kneipe in die Arme laufen und wir da eh schon `ne Woche nicht mehr waren und es ausserdem ganz schön warm ist, wandern wir also noch zu besagter Bar. Feierabendbier geht auch am Freitag, den 13. Ist ja nichts aufregendes ...

Sonnabend, 14.09.2013

Eigentlich sollte ich mal ein paar Mails beantworten, aber das Wifi-Netz durchkreuzt meine Pläne. Mal da, mal nicht da und wenn doch da, dann fürchterlich langsam. Während Marion vor sich hin schimpfend versucht, die Homepage zu aktualisieren, klappe ich ich mein Netbook zu und widme mich Sachen, die mehr Spass machen. Mein neues Spielzeug, das Tankmonitorsystem einbauen zum Beispiel. Cooles Teil, das kann nicht nur Litergenau den Inhalt von drei Tanks anzeigen, sondern überwacht und bilanziert auch zwei Batteriebänke und zeigt Stromstärke, Volt und Frequenz des Wechselstromkreises an. Wenn´s denn eingebaut ist! Naja, so`n paar Dutzend Meter Kabel müssen dafür natürlich noch quer durchs Schiff. Die alte Anzeige war logischerweise grösser und damit wir nachher kein hässliches Loch in der Schalttafel haben, ist mal wieder Improvisationsvermögen gefragt. Mittels Bohrmaschine, Feile und Säge verteile ich fleissig Späne im Cockpit - störe ich Marion auch nicht, die schimpft ja unter Deck über`s Internet. Drei Stunden später ist die Anzeige perfekt in die Schalttafel integriert, die Anzahl meiner im Salon verteilten Bastelkisten und Werkzeuge hat sich potenziert, Marion hat aufgegeben und ihren Rechner zugeklappt. “Das Internet ist einfach nur Sch...!!!!” (Hab ich doch heut früh schon gesagt!) Da such ich mir doch lieber aus meinen Kabelresten ein paar Enden, räume Schränke leer, schraube Wände ab, nehme Bodenbretter hoch, schweisse alles schön voll, ziehe Kabel zum BatterieschrankCool!, zum Motorraum, presse Hülsen an, finde nichts mehr wieder in meinem Chaos, studiere den Belegungsplan, klemme an, drücke auf den Tasten rum ... und zum Feierabend lese ich stolz auf meinem Spielzeug, dass die Motorbatterien 12,48 Volt und die Servicebatterien 12,77 haben. Boah!!!

Sonntag, 15.09.2013

Marion hat sich für heute Arbeiten gesucht, die den Aufenthalt im Salon ausschliessen. Da bin ich nämlich! Bodenbretter hoch, Wände ab, überall Werkzeug und Kisten verteilt - ich verlege weiter Kabel! Und während sie im schattigen Cockpit meine Hosen näht, Löcher stopft, ausgefranste Fahnen neu säumt und sich sonstwie mit Nadel und Faden vergnügt, schwitze ich im wohltemperierten Schiff vor mich hin, suche verzweifelt nach Wegen für meine Strippen, fluche, verbrauche reichlich Kabelbinder, presse wieder fleissig Aderend-oder Aughülsen, montiere Sensoren, ... und am Nachmittag zeigt mein Spielzeug dann viele neue schöne Sachen: Wieviel Amperestunden die Batterien noch haben, wieviel Volt aus Das Chaos zum Sonntagden Steckdosen kommen, wenn der Generator gerade läuft, dass das 50 Hz sind (äh, wie jetzt, - mit Michas Messinstrument hatte ich doch über 200 Hz gemessen???!!!) - nur die Tankinhalte noch nicht. Da fehlen mir noch die Ultraschall-Tankgeber! Muss ich jetzt nur noch Marion beibringen, dass ich die auch noch brauche :-) Die Kabel dafür liegen schliesslich schon ... Wäre ja jetzt der richtige Zeitpunkt für´s Feierabendbier, aber Sonntags ist in der Carenage tote Hose. Man könnte auch zum Seglerstammtisch gehen, wo sich jeden Tag zur Rush Hour die deutschsprachigen Segler in der Marina-Bar um die Ecke treffen. Sehr gepflegtes Ambiente, aufmerksame Kellner, das Bier in der einen Stunde zum halben Preis (das kostet dann dort soviel, wie in der Carenage Kneipe ständig). Darf man natürlich nicht quatschen, sonst ist man abgelenkt und bestellt sein Bier zum falschen Zeitpunkt. Was dann eben gleich mal das Doppelte kostet. War`n wir einmal, haben uns die Geschichten der dauerliegenden Karibikgemeinde angehört, ... sooo wichtig ist uns das Feierabendbier dann heute auch nicht!

Montag, 16.09.2013

Wollten bei den Minibussen mal langsam nach `nem Preis für `ne Monatskarte fragen - sind mal wieder unterwegs zu Budget! Diesmal werden wir gleich zum Büro des Managers durch gewunken. Die Kette ist immer noch nicht da. Da wäre sie schon, liegt aber eben noch beim Zoll. Seit Donnerstag! Dem armen Kerl ist das sichtlich peinlich, uns aber egal, wir gucken schön böse und lamentieren rum, dass wir schon lange weg sein wollten, statt dessen dauernd mit dem Bus über die halbe Insel fahren (na ja, Viertelstunde Fahrt halt), jedesmal mit `nem Batzen Geld in der Hose, ... wollen heute wenigstens schon bezahlen und erinnern ihn an den zugesagten Discount. Den kriegen wir dann auch, satte 20 Prozent! Macht fast 400 Euronen aus! Whow! Womit wir schon beim nächsten Problem wären: das Geld haben wir ja schon abgehoben - das müssen wir jetzt auch ausgeben! Stöbern wir also noch mal durch den Laden, anschliessend `ne Runde durch Island Waterworld - Ersatzteile kann man ja nie genug rumliegen haben - und für den Rest kaufen wir dann eben RUM :-)

Dienstag, 17.09.2013

Budget-Marine - the never ending story! Wieder Minibus, immer noch keine Monatskarte. Unser Lieblingsfachverkäufer verdrückt sich gleich als er uns durch Mal was schönes auf dem Weg zu Budget - Kanonenkugelbaumdie Tür kommen sieht - macht nichts, wir reden eh lieber mit dem Manager. Der strahlt heute, die Zollformalitäten sind erledigt, die Kette wird gerade auf einen Truck verladen, in einer halben Stunde ist sie hier! Jetzt strahlen wir auch! Halbe Stunde später soll`s noch 10 Minuten dauern, dann noch mal 10 Minuten - jetzt muss der Manager aber weg. Warten können wir auch ohne ihn ... und dann rollt der LKW tatsächlich auf den Hof, einen Karton auf der Ladefläche, der ist für uns! HURRRAAAAA!! Endlich ist unsere Ankerkette da! Der Karton wird schnell auf einen Pick-up gewuchtet, der soll uns mit der begehrten Neuerwerbung zurück nach St. George`s bringen. Der Fahrer verschwindet mit mir zwecks Unterschrift mal kurz im Laden - zum Glück sind Frauen neugierig! Die alleingelassene Bordfrau zottelt schon mal so`n Stückchen Kette aus dem Karton und stürmt mit hochrotem Kopf in den Laden. DAS IST DIE FALSCHE KETTE!!!!! Wie jetzt?! Ich stürze raus, schau mir die Kette an - Marion hat recht! Das Teil sieht nicht nur "billiger" aus, da steht auch CMP drauf. Mittlerweile hat sich die halbe Belegschaft von Budget um den Pick-up versammelt, eine endlose Diskussion beginnt - das wäre eine 5/16 Zoll High-Test-Kette, steht auch drauf - ja schon, aber die falsche Firma! Wir haben extra eine ACCO-Kette bestellt, das Ding wird in den USA produziert, geprüft und jedes Kettenglied ist geprägt. Jeder muss die Kette mal anfassen, Papiere werden hin und her gewälzt, die Artikelnummer unserer Bestellung und vom Kassenbeleg mit der Katalognummer verglichen, da steht überall eindeutig die Nummer (und auch der deutlich höhere Preis) der ACCO-Kette - die Idee uns unterzujubeln, dass wir einfach nur IRGENDEINE 5/16 Zoll High-Test bestellt hätten, müssen sie aufgeben. Wir lassen uns das Ding im Karton auch nicht schmackhaft machen, am Ende will Lera, die gute Seele von Kassiererin versuchen, ob die ACCO-Kette in Trinidad oder Curacao aufzutreiben ist und wir sie dort einsammeln können. Fortsetzung folgt!

Mittwoch, 18.09.2013

Budget-Marine, die Letzte! Beim Frühstück schon mal Krisensitzung. Was machen wir wenn ..., welche Optionen haben wir ...? Mir wäre am Liebsten, die Budget Leute verrechnen den Quatsch untereinander, schicken die Kette von irgendwo nach Curacao und wir holen sie dort ab. Findet Marion überhaupt nicht gut, bei dem Chaos in dem Laden können wir mit Sicherheit davon ausgehen, dass in Curacao kein Mensch von irgendwas weiss, die nächste Lieferung in drei Monaten eintrudelt und unser Geld in Grenada liegt. Hat sie auch wieder recht. Hier noch länger warten will ich aber auf keinen Fall, bleibt also nur Geld zurück! Und was machen wir dann mit den Taschen voller EC$? Wir könnten ein paar Säcke Muskatnüsse kaufen und zukünftig auf den Ankerplätzen einen florierenden Gewürzhandel aufziehen! Einfacher wäre natürlich, das Geld in US$ zu tauschen. Fragen wir also gleich bei der ersten Bank nach. Umtausch nur für Kontoinhaber! Gut, dann eröffne ich eben ein Konto! Ne, so einfach geht das nicht! Bei der Aufzählung, was ich dafür alles brauche, vergeht mir die Lust. Nächste Bank: ja, Umtausch möglich, sie haben auch soviel Dollar da, braucht sie nur meinen Ausweis und `ne zweite Legitimation z.B. Führerschein. Ich hab aber nur `n Pass, der ist dafür viel schöner und bunter als so`ne Plastikkarte. Nö, den Führerschein will sie auch noch. Mit dem Pass lassen die mich sogar ins Land, mit dem Führerschein nicht! Ist der Dame egal, sie will noch irgendeine Plastikkarte mit meinem Bild drauf. Müssen wir dann also noch mal zum Boot, aber noch haben wir das Geld ja gar nicht, also auf zu BudgNoch schnell n bisschen von der richtig guten Grenada-Musik fassenet! Der Manager ist sowas von SORRY und nachdem er sich genügend oft entschuldigt hat, versucht er, uns die CMP-Kette zu einem Dumpingpreis aufzuschwatzen. Klappt nicht, wir wollen das Ding einfach nicht haben, da kann er noch soviel Discount runter rechnen. Nächster Vorschlag, die richtige Kette von St. Martin verschiffen, wäre ca. Mitte Oktober da. Immerhin hätten wir dann endlich die neue Kette, findet Marion, ich finde, die vera.... uns - die sollen das Teil einfach nach Curacao schicken, ich will hier nicht länger warten! `Ne Stunde später sind wir dann soweit, dass der Manager die Lieferung nach Curacao organisieren will, uns sofort per Mail zwecks Termin und Preis benachrichtigt und das gezahlte Geld auf unser Kreditkartenkonto gutschreiben will. Wir haben aber keine Karte da. Macht nichts, sollen wir ihm einfach `ne Mail mit der Nummer schicken. Jetzt streikt Marion - das Geld will sie BAR UND JETZT! Dauert dann noch mal `ne halbe Stunde, bis die Taler zusammen sind - erspart uns aber vermutlich eine weitere Woche Wartezeit, um jeden Tag herzufahren und nachzufragen, warum das Geld immer noch nicht auf unserem Konto gutgeschrieben ist. Jetzt können wir die Ladentür hinter uns schliessen und sagen: Budget-Grenada? Nö, müssen wir nicht noch mal hin - kennen wir schon! Wir finden dann sogar noch `ne Bank, der mein Pass zum Umtausch reicht, haben die Taschen jetzt voller Dollar und können endlich weiter! Bereiten wir also schon mal die Abfahrt vor. VitamDer Rest unserer alten, fadenscheinigen Flagge - zwar bisschen verkehrt, aber macht nichts ;)  Richard strahltine bunkern steht auf Marion`s Liste ganz oben, ziehen wir also zum Gemüsemarkt. Macht wie immer Spass, mit den Muttis dort zu schladdern und zu feilschen, Kilo um Kilo Grünzeug verschwindet in unseren Rucksäcken, Marion hat konkrete Vorstellungen was sie haben will, die Frauen wissen viel besser, was sie eigentlich braucht. Eine besonders rundliche Mutti erkennt dann auch endlich, dass Marion einfach nicht das Richtige für mich kocht und will das in Zukunft übernehmen. Ich soll sie mit auf`s Boot nehmen, das Gemüse gibt`s dann gratis dazu. Verlockendes Angebot, aber wenn ich mir die Mutti so anschaue und vor meinem geistigen Auge ihre Breite mit der unseres Niedergangs vergleiche, kommen mir erhebliche Zweifel, dass ich sie überhaupt bis in die Küche bekomme. Und extra den Niedergang verbreitern will ich auch nicht ... Im strömenden Regen schleppen wir unsere Vitaminsäcke zurück auf`s Boot und weil das heute unser letzter Abend hier ist, geht`s noch mal zurück ... logisch, in die Carenage! Feierabendbier, lecker Imbiss, Richard, der Kneiper hängt stolz unsere alte Fahne über`n Tresen, ist traurig, dass wir los segeln, versorgt uns mit reichlich grenadischer Musik und schreibt einen langen Zettel voller Telefonnummern, die Nummer von zu Hause, vom Büro, vom Handy, der Kneipe, vom Klo, .... damit wir ihn auch überall erreichen, wenn wir wieder zurück kommen!

Donnerstag, 19.09.2013

Aufbruchstimmung. Nette Umschreibung für die hektischen Aktivitäten, die wir entfalten, wenn wir nach drei Wochen Ankerplatzleben versuchen, das Schiff wieder segelklar zu bekommen. Aber erstmal geht`s zu Custom und Immigration zwecks Ausklarieren, anschliessend zum Supermarkt zwecks Grosseinkauf. Der hat `n eigenen Dingianleger, das ist schon mal praktisch. Marion hakt ihre Einkaufsliste ab ... Zucker, Mehl, Klopapier, zwei grosse Salami, ... ich schmeiss die wirklich wichtigen Dinge in den Wagen: zwei Flaschen Rum, ein Kilo gefrorenes Hackfleisch, reichlich tiefgefrorene Hühnerbrüste ... Gemeinsam kriegen wir die Karre voll, dabei immer schön mitrechnen (reicht das Geld???) und zur Kasse schieben. Gut gerechnet, bleibt sogar noch Geld übrig, aber jetzt greift die Kassenfee ganz tief in ihre Trickkiste: Segler bekommen 5 Prozent Discount! Ist ja fürchterlich nett, erleichtert mir das Mitrechnen bei der zweiten Einkaufsrunde zum Verjubeln des Restgeldes auch nicht gerade. 10 Prozent wäre einfacher! Marion passt auf die bisherige Beute auGrenada achterausf, ich dreh noch `ne Runde mit dem Wägelchen. Noch `n Paket Klopapier, noch eine Salami (bin noch in Marion`s Blickfeld), einmal um´s Regal, jetzt sieht sie mich nicht mehr, wandert gleich `ne Flasche Rum in den Wagen, Leberpastete, bisschen schwitzen an der Kasse - mit dem Discount reichts! Bleiben sogar noch 3 EC$ übrig für den Boy, der uns das alles zum Dingi schleppt. Marion ist erstmal gut beschäftigt, alles im Boot zu verstauen und schon mal Essen vorzukochen, ich kratze weiter an unserem Unterwasserschiff rum. Mach ich schon seit drei Tagen! Die vielen Krebse die in dem Unterwasserpelz wohnen, sind mittlerweile schon ganz schön gross! Zwei Stunden später ist der Restpelz ab, das Essen gekocht, wir verabschieden uns kurz von den "Azzurro`s”, Schlauchboot aufs Vordeck schnallen, Motor an den Heckkorb, Wäscheleinen, Sonnenschutz und sonstiger, den ambitionierten Regattasegler behindernder Krempel ist abgebaut und verstaut, Marion hat inzwischen unter Deck auch alles, was ich in den letzten drei Wochen so verteilt habe gefunden, wieder in die richtigen Schränke gestopft, nebenbei ein bisschen Saunafeeling genossen ... wir sind abfahrbereit!!! Punkt 17 Uhr rasselt der Anker hoch, wir rollen die Segel aus und treiben gemütlich in den Sonnenuntergang. Müssen uns jetzt nur noch überlegen, wo  wir hinwollen ...

 

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